“Die ungewisse Zukunft des deutschen Leistungssports”

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Deutschland führt bei der Winterolympiade den Medaillenspiegel an. Unser Land, hat aktuell schon 7 Goldmedaillen gewonnen. Trotzdem wird auf hohem Niveau gejammert. Die Skilauflegende Jochen Behle, der im März 2013 aus Frust als Bundestrainer zurückgetreten war, meldet sich jetzt zu Wort und prophezeit dunkle Aussichten für die Zukunft des Leistungssports in der Bundesrepublik. Unabhängig von der Berechtigung seiner Kritik an den aktuellen Leistungen unserer Wintersportler, nennt er Gründe für den schwierigen Stand des Leistungssports in Deutschland, die auch für den „bunten weißen Sport“ gelten und die auf einige Eklats im gegenwärtigen deutschen Spitzentennis ein erhellendes Licht werfen.

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Behle beklagte anlässlich seines Rücktritts, dass die Zersplitterung der Trainingsgruppen im Langlauf und im Biathlon dazu führte, dass ein Teamgeist überhaupt nicht hergestellt werden konnte. Hier ist eine deutliche Parallele zu dem Davis-Cup-Team festzustellen. Ob Mayer, Kohlschreiber, Haas oder Brandt, jeder trainiert an seinem eigenen Ort, hat ein eigenes Trainerteam und individuelles Management. Wenn man sich kurz vor den Davis-Cup-Begegnungen zur gemeinsamen Vorbereitung trifft, ist es möglich, sich nach außen hin als eingeschworenes Team zu präsentieren, man kann im Interesse des eigenen Erfolges und Images sich mit einem ungeliebten Partner auch zum erfolgreichen Doppel zusammenraufen, aber wenn Interessenkonflikte entstehen, brechen diese „Potemkinschen Dörfer“ schnell wie ein Kartenhaus zusammen. Wie jetzt in Frankfurt, als nach einem grandiosen sportlichen Erfolg in wenigen Stunden ein nachhaltiger Imageschaden entstand, weil einzelne Spieler sich allein für ihre individuellen Ziele entschieden und weil der Trainer und Teamleiter offensichtlich keine Macht für alternative Entscheidungen besaß!

Behle sieht schwarz für die Zukunft der Spitzenleistungen im deutschen Sport: „Andere Länder werden im Medaillenspiegel an Deutschland vorbeiziehen”, sagte der 53-Jährige der ARD. “Das werden wir jetzt in Sotschi schon das erste Mal sehen. Und in vier Jahren wird es noch krasser werden, da bin ich mir ganz sicher.”

Als Gründe führte Behle einerseits das deutsche Schulsystem, das Jugendlichen wenig Freizeit ermögliche, und andererseits die Bundesregierung an. “In den Ministerien muss man sich Gedanken machen, ob man finanziell auf dem Niveau mitarbeitet, wie es andere Länder zum Teil tun”, sagte Behle. “Sport ist teurer geworden, weil das Umfeld immer mehr Geld verschlingt.”

Das deutsche Tennis hat nicht nur im Spitzensport mit den Problemen, die durch das neue Schulsystem hervorgerufen werden, zu tun, sondern sogar – oder erst recht – im Breitensport. Die verwaisten Plätze zwischen 13 bis 16 Uhr in den meisten deutschen Tennisclubs sprechen hier eine deutliche Sprache. Der individuelle Konflikt, den unsere leistungsorientierten Talente für sich lösen müssen, ist psychologisch und medizinisch gravierend: Die zeitliche wie geistige Beanspruchung unserer Jugendlichen, die ein Gymnasium (auch heute noch sind die Jugendlichen der Mittelschichtsportart Tennis zum großen Teil Gymnasiasten!) im neuen Schulsystem besuchen, sorgt dafür, dass die meisten Schüler nach Schulschluss und Heimweg sich zuerst einmal hinlegen, um sich zu erholen. Danach stehen noch Hausaufgaben auf dem Programm. Wo bleibt da die Zeit, um zum Tennisverein zu fahren und engagiert zu trainieren? Da sorgt ein pädagogisches System in unverantwortlicher Weise für Stress bei unserer Jugend und verhindert in großem Rahmen sportliche Leistungen, mit denen die Politiker/innen sich sonst so gern in der Öffentlichkeit präsentieren!

Finanzen spielen im Leistungssport eine große Rolle – das ist eine Binsenwahrheit. Viel Geld wird im heutigen Tennis benötigt, um nachhaltige Konzepte umzusetzen. Leider ist es um die Finanzen des DTB nicht mehr so goldig bestellt. Auch die Tennisvereine können finanziell längst nicht mehr aus dem Vollen schöpfen. Mit Recht hat die DTB-Führung jetzt finanzielle Unterstützung von dem Sportbund gefordert. Das wird dauern. Jeder Tennisverein sollte also mit Eigeninitiative und charmanten Marketingkonzepten Sponsoren finden. Das ist in der heutigen Zeit ohnehin schon schwieriger geworden – da hilft es nicht unbedingt, dass „Kohlschreiberlinge“ und andere Zauberlehrlinge dazu beitragen, dem Image des Tennissports in Deutschland mit verantwortungslosen Handlungen langfristig zu schaden.

In den nächsten Posts werden wir den laienhaften Versuch starten, für die aufgeführten Problemfelder Teamgeist, Schule und Finanzen Lösungsmöglichkeiten zu entwerfen.

Und als Abschluss des Posts singt euch Marius ein Lied über den legendären Moment von Behle:

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