Von Weltmeistern lernen

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Auf unseren kritischen Text über die aktuellen Vorkommnisse bei dem DTB hatten wir  einige Reaktionen erhalten. In einem Kommentar wurde angeregt, die Strukturen des DTB mit denen des DFB zu vergleichen. Nach dem Motto, was ein international anerkannter „Weltmeisterverband“ macht, könnte auch für das nationale Tennis ein Vorbild sein.

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Das ist ein sinnvoller Vorschlag. Wäre aber eher eine Aufgabe für eine Doktorarbeit, als für einen Post im Internet, bei denen viele junge User sich schon ausklinken, wenn der Text mehr als 10 aufeinanderfolgende Sätze aufweist.

Da es von Anfang an unsere Intention war, einen  kleinen Beitrag für einen möglichen Aufschwung des deutschen Tennis zu leisten, fühlen wir uns verpflichtet, die Anregung des Kommentars  hier aufzugreifen und werden jetzt versuchen, DFB und DTB in einigen markanten Punkten in diesem Post zu vergleichen. Der Text kann gegebener Maßen nicht dem komplexen Sachverhalt gerecht werden. Vielleicht gelingt es uns aber, einige richtungsweisende oder bedenkenswerte Hinweise „in den Raum zu stellen“.

Der erste Unterschied liegt in der Finanzlage. Der DTB ist ein extrem finanzstarker Verband, der DTB war es einmal vor langer, langer Zeit.

Das wirft die Frage auf, warum diese Finanzschwäche entstanden ist. Da gibt es  gerade von Seiten der DTB-Verantwortlichen viel zu schnelle und viel zu einfache Antworten. Zum Beispiel mit der Standardausrede: „Wenn wir wieder einen Becker oder eine Graf haben, dann läuft das von selbst.“

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Dass nur ein gut funktionierendes System die Voraussetzungen schafft, solche Jahrhunderttalente in die Profi-Weltspitze zu führen, wird dabei vergessen. Vielleicht wird diese Tatsache auch unterschlagen, weil man sich Gedanken über die eigenen Fehlleistungen machen müsste.

Ein relevanter  und in der Perspektive bedeutungsvoller Unterschied fällt in das Auge: Der DFB mit seinem sogenannten Ligaverband ist im Leistungssport  autonom professionell organisiert, der DTB stellt sich als eine Mischform von professionellen Mitarbeitern, Amateuren und zahlreichen Ehrenämtern dar.

Einen überdimensionalen Einfluss in diesem Tennissystem haben die Landesverbände, präsentiert von  (meist zu recht) so genannten „Landesfürsten“, den Vorsitzenden der einzelnen Landesverbände. Deren Verhalten hat „all zu oft“ in der Vergangenheit an die zerstrittenen Herzöge und Fürsten im deutschen Spätmittelalter erinnert, deren Handlungen dadurch gekennzeichnet waren, dass ihr Wahrnehmungshorizont nicht weiter als bis zur eigenen Landesgrenze reichte. Bei einigen Landesfürsten im deutschen Tennis hatte man sogar den Eindruck, dass sie kaum über ihre eigene Nasenspitze  hinausschauen konnten…

Beim DFB werden die Landesvorsitzenden in Anerkennung ihrer Dienste im Amateursport zu Großveranstaltungen als Besucher eingeladen, haben aber kaum Mitspracherecht bei den Entscheidungen im Profisport.

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Der DFB hatte das Glück, dass in den letzten Jahrzehnten visionäre Fachleute (u.a. Vogts, Sammer) – zur rechten Zeit auf dem richtigen Posten – wichtige Veränderungen und positive Entwicklungen eingeleitet hatten.

Ein weiterer Aspekt, der im deutschen Fußball zum Erfolg führte, war die Erkenntnis, dass in der Zusammenarbeit „die Räder reibungslos ineinander greifen müssen“. Das ist nur möglich, wenn der einzelne Funktionär seine Eigeninteressen zum Nutze des Gemeinwohls zurückstellt. Wenn er sein eigenes Fachwissen sorgfältig mit den Handlungszielen seiner kompetenten Mitarbeiter abstimmt.

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Das liegt den Mannschaftssportlern vom Fußball wohl näher als den vom Einzelsport geprägten Tennisleuten…

Wer einen Eindruck von der hervorragenden Zusammenarbeit und Organisation im Fußball gewinnen will, der sollte sich den Film oder das Video „Deutschland. Ein Sommermärchen“ anschauen. Da kann man erfahren, wie vorbildlich die Entscheidungsträger eine Fußballweltmeisterschaft im eigenen Land gestaltet und auch zum Erfolg geführt haben.

Zum Ende unseres Textes ein Trost für die Liebhaber des „bunten weißen Sports“: Zu unserem Freundeskreis gehört ein ehemaliger Fußball-Nationalspieler, der aktuell einen Verein in der Bundesliga leitet. Der lächelte, als wir sorgenvoll die Probleme des Tennis in der heutigen Zeit ausbreiteten  und erklärte dann süffisant: „Das war früher im Fußball nicht anders. Das gibt es bei all dem Glanz auch heute immer wieder noch. Das dringt bloß nicht an die Öffentlichkeit!“

Das macht Hoffnung.

Packen wir es an!

Immerhin sind wir gerade am vergangenen Wochenende Vizeweltmeister bei den Damen geworden.

 

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