“Die Gedanken von Rene Adler – Großes Tennis”

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Nachdem der Wechsel-Skandal um den hochbegabten und intelligenten Dortmunder Jungen Mario Goetze uns als eingeschworene Fußball-Romantiker etwas desillusioniert hatte, ist als Leitstern und Statthalter nur noch Rene Adler, der Torhüter vom HSV, geblieben. In einem Interview mit der „Zeit“ hat er unserer wohl anachronistischen Wahrnehmung vom idealen Sportler wieder Aufwind gegeben.

Er spricht davon, dass „die Entwicklung als Mensch, die Entwicklung als Sportler“ bedeutet. Das ist wie das Jahrhunderttor von Ibrahimovic für die Sorgen einer humanistischen Sportpädagogik. Dann reflektiert unser Hamburger Adler über die Balance von „Ehrgeiz und Lockerheit“ im Leben eines Leistungssportlers. Er kritisiert seinen jugendlichen Überehrgeiz, den er auf Erfolgsdruck und auf die permanente Angst, nicht alles für die Leistung getan zu haben, zurückführt. Unnötiger Druck und das damit verbundene Vermeiden von Misserfolg, anstatt Hoffnung auf Erfolg, ist sicherlich nicht die Einstellung, die den Höchstleistungs-Weg zum glücklichen Ziel führt. Das wussten schon die Motivationspsychologen des vergangenen Jahrhunderts.

Adler setzt fort: „Spaß und Spiel sollten in dem Alter nicht zu kurz kommen.“ Da hat er recht. Das gilt aber nicht nur für die Jugendlichen, das gilt auch für die erfahrenen Sportler auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Deshalb bewundert unser Torhüter auch Thomas Müller, den Urbayern beim aktuellen Champions-League-Sieger und Nationalelf-Kollegen des HSV-Torhüters: „Der Typ kann es echt locker nehmen und ist dennoch erfolgreich. Er hat sich etwas Spielerisches bewahrt, etwas Kindhaftes.“ 

Das tennisspielende Pendant zu Thomas Müller ist Novak „Nole“ Djokovic. Trotz seines unermüdlichen Kampfgeistes und seiner zielstrebigen Einstellung – angeblich hat er schon seit frühester Kindheit alles daran gesetzt, der beste Spieler der Welt zu werden – sorgt er mit seiner Lockerheit und der ausgeprägten Situationskomik für diverse unterhaltsame Momente bei den ATP-Turnieren. Denkwürdig sind auch die Parodien anderer Topspieler während seiner Trainingseinheiten. Wie ein Kind strahlt er bei diesen Inszenierungen.

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Fußball und Tennis sind Ball-Spiele. Spiele haben Kreativität, Natürlichkeit und Freiheit (in dem vorgegebenen Rahmen)zur Voraussetzung. Sich unbeschwert und frei – wie ein Kind – zu bewegen, ist dann in aller Logik der Schlüssel zum Erfolg.

Aber Rene Adler sprach auch von der Balance zwischen Ehrgeiz und Lockerheit und deutet damit Zusammenhänge an, die hier kurz thematisiert werden sollen.

Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt! Das klingt nach Mittelalter – ist aber trotzdem wahr. Ohne kontinuierliche Arbeit an sich selbst, sind keine außergewöhnlichen Fortschritte möglich. Das erfordert viel Selbstdisziplin. Auch die Fähigkeit, sein Ziel nie aus dem Auge zu verlieren und sich von Rückschlägen nicht aufhalten zu lassen. Diese Haltung kostet Kraft. Kostet Energien. Deshalb braucht man Erholungsphasen, in denen man unbeschwert lebt, Spaß empfindet. In denen Dopamin für Glücksgefühle sorgt. Das schafft neue Energien, um sich den Herausforderungen wieder frisch zu stellen.

Es gibt einen Zusammenhang, einen gesunden Rhythmus, zwischen zielgerichteter Arbeit und Spaß, der als „goldener Schlüssel“ zur Höchstleistung dient.

Motto: Arbeite konzentriert, wenn du arbeitest, gib dich der Entspannung hin, wenn du entspannst. Diese Regel ist im Wettspiel Tennis leichter zu realisieren als beim Fußball, weil laut Regelwerk  mehr Pausen (nach dem Ballwechsel, beim Seitenwechsel, bei Satzende) eingeplant sind. Die erfolgreichen Tennisprofis haben diese Lektion längst gelernt: sie besinnen sich in den Pausen, atmen durch und aktivieren sich dann wieder vor den neuen Herausforderungen.

Was für den aktuellen Wettkampf gilt, gilt auch für den gesamten Lebensstil von Spitzensportlern: Vor einigen Jahrzehnten dominierten die schwedischen Herren das „internationale Tennis“. Sie trainierten konzentriert zusammen, kämpften wie die Berserker auf dem Turniercourt, fanden sich als eingeschworene Truppe nach den Niederlagen zusammen und haben gefeiert(!) und getrunken wie die alten Wikinger. Beim nächsten Turnier traten sie wieder in bester Form an: ihr optimaler Trainingszustand und ihre ausgebildete Fitness halfen ihnen dabei, die sehr ausgelassenen Partys mühelos wegzustecken. Der Spaß, den sie erlebt hatten, gab ihnen die Lockerheit, die sie beim Wettspiel benötigten. Gab ihnen eine Lebensfreude, die als bedeutungsvolle Basis für nachhaltige Leistungen diente. Kein Jammern, keine zerfleischende Selbstkritik, kein Trübsal – und keine Angst – behinderte sie.

Wir müssen noch einen weiteren Begriff einführen, der viele (vorurteilsbeladene!) jüngere Mitmenschen gähnen lässt: das Maß. Das Maß beim Training und in der Erholungsphase ist entscheidend! Zu viel Training führt zu körperlichen Verspannungen und psychosomatischen Verkrampfungen, gefährdet auf Dauer die Gesundheit des Sportlers. Zu viel Entspannung, zu viel Spaß, zu viel Feiern führt leicht zu Spannungs-, zu Motivations- und zu Zielverlust.

Nur intensiver Einsatz bei der Entwicklung von Fähigkeiten führt zum Ziel. Und fällt nicht alle Last von einem ab, wenn man sein Ziel erreicht hat? Fühlt man sich nicht gelöst, frei und glücklich? Und stolz auf die eigene Leistung? Freut man sich nicht wie ein Kind? Das kann nur der erleben, der diese Freude erfahren hat. Der alles gegeben hat, um diesen Traum zu verwirklichen. Dieses Glücksgefühl wird immer wieder angestrebt, dafür ist man bereit, über seine Grenzen zu gehen.

Also Rene, setze bitte deine Worte in Taten um. Halte in den nächsten Bundeligaspielen der kommenden Saison den Hamburger Kasten mit deinen Paraden sauber. Wachse über dich hinaus. Damit unsere Freunde aus Dortmund und München nicht mehr so schadenfroh über uns lachen.

Damit wir wieder feiern können, weil du so gut gearbeitet hast.

 

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