Nur noch Kerber und Görges halten die deutsche Fahne in Miami hoch!

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Am Gründonnerstag haben die deutschen Fans von ihren Profis  ein Abendmahl serviert bekommen, dass durch die spannenden und kuriosen Matches in Miami, mit ihren meist tragischen Ausgängen, nicht unbedingt zum Halleluja, sondern  eher für Aufregung und gescheiterte Hoffnungen gesorgt hatten. Was hatten wir dann am Karfreitag, dem Tag der Kreuzigung, zu erwarten?

Dabei standen drei unserer Lichtgestalten an diesem Spieltag auf den Plätzen in Florida: Sascha Zverev, Angelique Kerber und Sabine Lisicki, die in diesen Tagen nach der Trennung von ihrem Komiker angekündigt hatte, sich wieder voll auf ihren Beruf zu konzentrieren.

Die Zweckpessimisten hatten sich sicherlich große Sorgen um unsere Tennis-Angie gemacht. Würde die frische Grand Slam-Siegerin ihre dritte Auftaktniederlage in Folge nach den Australian Open erleiden? Wir sind frei von der international berüchtigten „German Angst“ -  aber hatte ihre Gegnerin nicht in der 1.Runde die aufstrebende Anna-Lena Friedsam gnadenlos vom Platz in Miami geschossen? …

Am Vormittag um 11 Uhr Ortszeit stellte die an 2-gesetzte Angie Kerber  sich der Herausforderung auf dem Center Court im „Stadium“ durch Barbora Strycova (WTA Nr.32). Schon früh wagte man aufzuatmen: Die Kielerin war gleich präsent, wirkte entschlossen und erfolgshungrig.  Bevor die Tschechin auf dem Court so richtig angekommen war, hatte sie den 1.Satz schon mit 1:6 verloren.

angelique-kerber

Auch im zweiten Durchgang bekam die 29-jährige Strycova keinen festen Boden unter den Füßen: Erbarmungslos fertigte Angelique ihre Gegnerin wieder mit 6:1 ab und erreichte die dritte Runde der Miami Open.

Alle Ängste um unsere Vorzeigespielerin waren unbegründet.

Der Lindenberg- Slogan „Keine Panik auf der Titanic“ herrscht nach diesem Sieg wohl wieder im deutschen Tennis – hoffentlich gilt er auch bald wieder für den politischen Diskurs in unserem Staat…

Auf Court 8 wollte einige Stunden später Sabine Lisicki (WTA Nr.37) beweisen, dass ihre neue Fokussierung auf den Spitzensport als Single erste Früchte trägt. Die Gegnerin Irina Camelia Begu (WTA Nr.35) war stark genug, um dem  Aufblühen unserer Bine unter Umständen ein kurzes Ende zu bereiten. Andererseits hatte in allen bisherigen drei direkten Begegnungen immer die Berlinerin als Siegerin den Platz verlassen.

Beide Spielerinnen brachten bis zum 5:4 für die Rumänin ihre Aufschlagspiele durch, obwohl die 26-jährige Deutsche bis dahin nur 5O Prozent ihrer 1.Services in das Feld platzieren konnte und schon 3 Doppelfehler bei ihr zu Buche standen. Im 10.Spiel gerät die deutsche Aufschlagweltrekordlerin bei eigenem Service unter Druck, wird hektisch und verliert den 1.Satz 4:6. Im zweiten Durchgang vergibt Bine im Auftaktspiel 4(!) Breakbälle und gerät unnötig gleich wieder in Rückstand. Kurz bevor sie sich auch mit dem Titel der „Weltrekordlerin von vergebenen Breakbällen“ hätte schmücken können, verwandelte sie den ersten von jetzt 12 Breakbällen und ging zum ersten Mal in diesem Match mit 2:1 in Führung. Sabine, die ein großes Talent hat, sich sowohl privat, als auch auf der Wettkampfstätte in unnötige Kalamitäten zu verwickeln, spielte jetzt entschlossener auf und sicherte sich den 2.Satz mit 6:1.

Hong Kong Tennis Open

Im entscheidenden Durchgang marschierte die Deutsche los, gewann in wenigen Minuten drei Spiele in Folge. Sie breakte Begu zum 4:0, erhöhte auf 5:0, verballerte dann wieder unnötig einige Bälle und Begu gewann ihr Aufschlagspiel zum 1:5. „Calamity Jane“ alias Sabine Lisicki brachte sich dann wieder in Schwierigkeiten und wurde anschließend zum 2:5 gebreakt. Sie verlor auch das dritte Spiel in Folge, servierte einen Doppelfehler zum falschen Zeitpunkt und Begu verkürzte auf 4:5. Sabine war jetzt vollkommen von der Rolle, kassierte den Ausgleich, ließ sich wieder breaken und lag plötzlich 5:6 zurück. Aus heiterem Himmel spielte Bine wieder besser auf und glich in letzter Sekunde auf 6:6 aus. Nach fünf kurzen Ballwechseln lag die Deutsche 0:5 im Tiebreak zurück, verliert ihn dann mit 2:7 und hatte den dritten Satz und das Match total, surreal und nicht zum ersten Mal aus der Hand gegeben.

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Ihr Coach Christopher Kas sollte sich umgehend Meldonium besorgen – das soll ja unter anderem auch gut gegen drohende Herzinfarkte sein.

Als letzter deutscher Repräsentant trat am Abend in Miami Alexander Zverev im Grandstand gegen Steve Johnson (ATP Nr.46) an. Der 26-jährige Kalifornier schlug extrem gut auf. Ohne eine einzige Breakchance, aber mit Abwehr von 2 Breakbällen rettete sich der Hamburger, der einen großen Teil des Jahres in Florida   wohnt und trainiert, in den Tiebreak. Hier lag er 3:6 zurück, wehrte drei Satzbälle in Folge ab und glich auf 6:6 aus. Trotz Abwehr weiterer zwei Satzbälle unterlag er dann 9:11 und verlor den 1.Satz mit 6:7.  Bis 4:4 im zweiten Durchgang hatte immer noch keiner der beiden Kontrahenten dem Gegner ein Aufschlagspiel abnehmen können. Es gab bis dahin in diesem Satz nicht einmal einen einzigen Breakball. Im neunten Spiel erkämpfte sich der US-Amerikaner dann zwei Breakbälle, die Sascha cool abwehrte und 5:4 in Führung ging.

 

alexander-zverev

Johnson glich ohne Punktverlust aus. Keiner der beiden Kontrahenten gab sich in seinem Aufschlagspiel noch eine Blöße – der Tiebreak musste auch diesen Durchgang entscheiden. Der Kalifornier gewann hier die ersten fünf Punkte, hatte bei 6:1 fünf Matchbälle in Folge. Das „German Wunderkind“ konnte zwei Siegbälle noch abwehren, dann servierte Johnson zum 7:3 Gewinn des Tiebreaks, des zweiten Satzes und des Matches durch.

Alexander Zverev ist in der zweiten Runde mit 6:7 und 6:7 bei den Miami Open ausgeschieden. Jetzt halten nur noch Angie Kerber und Julia Görges die deutsche Fahne im Sunshine State hoch.

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