“Die Bedeutung der Resilienz für den Erfolg im Tennis”

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Das Große entsteht im Trotzdem   (Thomas Mann)

Unverwundbar ist kein Mensch. Auch Rafael Nadal wird von seinen Topkonkurrenten zu Fehlern gezwungen. Spitzenprofis verlieren Punkte, Sätze und Matches, sind aber auf lange Sicht unbezwingbar, weil sie aus Fehlern lernen und neue konstruktive Verhaltensweisen entwickeln. Diese psychische Kraft und Elastizität wird in den Wissenschaften als Resilienz bezeichnet.

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Aus welchen Komponenten setzt sich diese psychische Fähigkeit und Siegermentalität zusammen? Soziologen und Psychologen haben seit Jahren zahlreiche Listen von Eigenschaften zusammengestellt, die charakteristisch für die Widerstandskraft in problematischen Situationen sind. Gegenwärtig sind sich die meisten Resilienzforscher einig, dass diese (über-) lebenswichtige Einstellung auf folgenden Säulen beim Menschen ruht:

- Offenheit für Veränderungen

- Frustrationstoleranz

- Optimismus; Zuversicht, Wege aus der Krise finden; Lösungsorientiertes Verhalten

- Humor

- Vertrauensvolle Beziehungen zu anderen Menschen; Netzwerk von Helfern

Betrachten wir diese Persönlichkeitsmerkmale im Tennis:

Der Tennisspieler spielt gegen verschiedene Gegner, auf unterschiedlichen Platzbelägen und mit vielerlei Bällen. Wenn er starr an seinen Gewohnheiten festhält, wird er nie situationsadäquat reagieren können. Offenheit für Veränderungen und Variabilität im eigenen Handeln ist deshalb im Tennis ein entscheidendes Erfolgskriterium.

Schon beim Erlernen der komplizierten Technik im Tennis entstehen immer wieder Probleme. Wer zu viel von sich erwartet, wer momentane Unzulänglichkeiten nicht in Kauf nimmt, wer aufgibt, bevor er das Ziel erreicht hat und wer den Umständen Schuld an eigene Fehlern gibt, wird sein Potenzial nie ausschöpfen. Auf dem Niveau des Wettkampfes kommen weitere Herausforderungen auf den Spieler zu: Platzfehler, Windbeeinträchtigungen, übermächtige Schläge des Gegners, Fehlentscheidungen, Konzentrationsschwächen durch Ablenkungen und Energieverluste. Wer seinen gegenwärtigen Stand nicht klar erkennt und akzeptiert, kann im Tennis leicht zum Neurotiker werden. Tennis erzieht zur Demut und man entwickelt dabei eine gelassene Toleranz eigenen Fehlern gegenüber. Man lernt auch den Respekt vor dem Gegner.

Immer wieder trifft man im Tenniswettkampf auf starke und ungewöhnliche Spieler. Wer nach eigenen Fehlern jammert, anstatt die Fehlerursachen kühl zu analysieren, wer frustriert sein Ziel aus den Augen verliert, wer in seiner Psyche eher gegen sich selbst spielt und nicht bemüht ist, geduldig die Schwächen des Gegners zu entdecken, der ist im Turniertennis zum Scheitern verurteilt. Ein Verhalten hingegen, das an Lösungsmöglichkeiten orientiert ist und das zuversichtlich bemüht ist, Wege aus der Krise mit dem Vertrauen auf seine eigenen Fähigkeiten zu finden, ist der Schlüssel zum langfristigen Erfolg. Die Erwartung, ein Ziel meistern zu können, hilft dabei, es tatsächlich zu lösen. Dahinter steht die Erfahrung, dass man, wenn man sich hundertprozentig einsetzt, im Leben vieles erreichen kann. Christina Berndt, Autorin des 2013 erschienen Buches „Resilienz“: „Der Tatkräftige nimmt auftretende Schwierigkeiten womöglich sogar als Herausforderung wahr, die es zu bewältigen gibt und an deren Ende das gute Gefühl warten wird, einen weiteren Sieg im Leben errungen zu haben.“

Wer mit seinem Schicksal hadert, sich permanent ungerecht behandelt fühlt, allen Kummer in sich selbst verschließt, klebt an der Vergangenheit und hat keine Sicht auf eine positive Zukunft. Wer nicht alles im Leben allzu ernst nimmt, wer Distanz zu seiner Person hat, über eigene unbedeutende Fehler ironisch lächelt und viel über sich selbst lachen kann, hadert nicht mit seinem Schicksal und wird immer versuchen, den Spaß im Leben zu suchen. Das schafft Offenheit und die Einstellung, immer aktiv nach Lösungen für Probleme zu suchen. Das Dopamin, das bei spaßigen Erlebnissen ausgeschüttet wird, sorgt dafür, dass sich erfolgreiche Handlungen tiefer im Gedächtnis verankern und dass damit in zukünftigen Herausforderungen eine bessere Orientierung bereit steht. Gerade bei Djokovic, aber auch bei Nadal oder Tsonga ist immer wieder zu beobachten, dass sie bei überraschenden und komischen Aktionen – auch in der Hitze des Gefechts – befreit und natürlich lachen können. Dieser Abstand zum Geschehen trägt zur angemessenen Entspannung bei und  neue Energien können leichter geschöpft werden. Dabei wird das Ziel bei diesen Profis nie aus den Augen verloren.

Bei Kindern aus elenden Verhältnissen in Kauai/Hawai oder in den brasilianischen Favellas, aber auch in weiteren Studien zur Resilienz, wurde entdeckt, das Alle, die trotz der bedrängenden Lage, später Erfolg hatten, eine Voraussetzung als besonders wichtig erachteten: sie besaßen vertrauenswürdige Bezugspersonen. Es gab immer zumindest eine Person, die sich liebevoll um sie kümmerte, auf ihre Bedürfnisse reagierte, die aber auch Grenzen setzte und Orientierung bot. Eine Eigenschaft, die dazu beiträgt, diese passenden Betreuer und Berater zu finden, ist die Empathie – das gefühlvolle sich Hineinversetzen in andere Menschen. Wem diese Empathie im Tenniszirkus fehlt, der wird immer wieder die Coaches wechseln. Aber gerade die langfristige Bindung an einen vertrauenswürdigen Coach ist das Erfolgsrezept im Tennis – wie bei den resilienten Kindern.

An dieser Stelle beenden wir diesen Post mit einer zusammenfassenden Aussage: Tennis ist eine Sportart, die optimal geeignet ist, um Resilienz zu trainieren!

Im nächsten Post versuchen wir darzustellen, mit welchen Bewegungsaufgaben im Tennis individuelle Resilienz bei den Schüler/innen trainiert werden kann.

Der folgende Videoclip zeigt eindrucksvoll, was Resilienz auf dem Tennisplatz bewirken kann:

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