9. Oktober 2013
von admin
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“Skandal!”

Um ein sauberes Image zu bewahren und das Spektakel „Profitennis“ erfolgreich zu vermarkten, bietet es sich von Zeit zu Zeit an, die eigenen Reihen zu säubern. Das geht zum Beispiel über die Eliminierung von Sportlern, die eindeutig gegen die Regeln verstoßen. Der „Fall  Daniel Köllerer“, der durch illegale Spielabsprachen und dadurch entstandenen Wettgewinn diese Regeln verletze und lebenslang gesperrt wurde, wäre ein Beispiel für diese Praktiken.

Überaus fragwürdig sind allerdings die Vorgänge im Falle von Victor Troicki: Hier wird ein Spieler gesperrt, der seine Urinprobe zur Dopingkontrolle nach Vorschrift abgegeben hat, seine Blutprobe jedoch, die übrigens auch „negativ“ (also ohne Auffälligkeiten) ausgefallen ist, erst am nächsten Morgen. Daraufhin wurde er von der ATP für 18 Monate gesperrt. Laut seiner Aussage war dieses Vorgehen zuvor von der zuständigen Ärztin genehmigt worden, da er sich am Abend nach dem Spiel über Übelkeit beklagte und laut eigener Aussage „Angst vor Nadeln und immer Probleme, Blut abzugeben“ habe.

Die Medizinerin behauptete dann, eine derartige Absprache zwischen dem Spieler und ihr habe in dieser Form nicht stattgefunden.

Stellt sich die Frage, warum am nächsten Tag noch eine Blutprobe von Troicki genommen wurde, wenn diese gar keine Gültigkeit mehr besaß?

Objektiv betrachtet steht hier Aussage gegen Aussage und es ist schwer zu ermitteln, welcher der beiden Protagonisten in dieser Posse lügt.

Bedenkenswert ist jedoch, dass gerade der Spieler Troicki wenige Wochen vorher für einen Eklat beim Turnier in Rom gesorgt hatte: Nachdem der Schiedsrichter seinen Ball „aus“ gegeben hatte, ließ sich der Serbe in ein hitziges Wortgefecht mit dem Schiedsrichter ein. Als die Entscheidung nicht korrigiert wurde, schnappte er sich einen Kameramann und ging mit diesem zum besagten Abdruck. Er wollte auch dem Publikum beweisen, dass der Ball die Linie berührt und der Schiedsrichter sich geirrt hatte. Wir haben diese sehr unterhaltsame Szene, die schon kurz nach den Geschehnissen mit großer Resonanz im Internet kursierte, für euch noch einmal als Video am Ende unseres Textes bereitgestellt.

Diese öffentliche Zurschaustellung von Fehlleistungen hat die Funktionäre der ATP sicherlich nicht begeistert.

Betrachtet man die Sperre des Spielers in diesem Kontext, stellt sich die Frage, ob ein Exempel statuiert werden sollte und nur eine Gelegenheit gesucht wurde, einen Querulanten zu disziplinieren. Hat der Spieler durch wiederholt provokantes Benehmen und unsportliches Verhalten diese Entwicklung heraufbeschworen?

Troickis Verhalten wirft weitere Fragen auf: Hätte er sich nicht überwinden können, und sich unbedingt der Blutprobe unterziehen müssen?

Wäre es nicht klüger gewesen, an Ort und Stelle vorschriftsmäßig den Dopingverdacht auszuräumen?

Gegen diesen Verdacht und gegen diese Entscheidung der ATP hat der Serbe Troicki, der inzwischen auf Position 72 der Weltrangliste zurück gefallen ist, sich jetzt auch formal gewehrt und zieht vor den Internationalen Sportsgerichthof in Lausanne.

Sein Freund und Davis-Cup-Kollege Novak Djokovic hat bei den „China Open“ in Peking in der letzten Woche öffentlich und deutlich für Troicki Stellung bezogen: „Ich kann nicht nachvollziehen, warum sie ihn noch immer suspendiert haben. Für mich gibt es keinen Zweifel, dass er unschuldig ist!“

Warum aber gingen neben Djokovic nicht andere seiner ATP-Spielerkollegen vehement gegen das Urteil an? Wäre es nicht Aufgabe der Tennis-Community, undemokratische Machtstrukturen der ATP zu entlarven?

Auf jeden Fall geben uns diese Vorgänge Einblicke in die Schattenseiten des heutigen Profisports. Man kann erkennen, dass der Glanz des Showsports Tennis, das für die Öffentlichkeit aufpolierte Bild in den Medien, nur gewisse Missstände überstrahlt.

Offenbaren sich im „Skandal Troicki“ intrigante Machtdemonstrationen eines Tennisverbandes, der primär von finanziellen Interessen geprägt ist?

Macht euch ein eigenes Bild:

 

7. Oktober 2013
von admin
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“Wir amüsieren uns nicht zu Tode”

Unser Tennisblog hat sein Gesicht verändert. Mit der neu eingerichteten Video-Empfehlung ist der Unterhaltungsanteil vergrößert worden. Die täglichen Besucherzahlen sind seitdem gestiegen. Mit Blick auf die „Quote“, d.h. die Clickrate, sollten wir also weiter auf Amüsement und Zerstreuung setzen.

Andererseits hatten wir uns vorgenommen, kritisch über unsere Sportart zu berichten, um Fehlentwicklungen zu enthüllen, sie korrigieren zu können oder neuen Initiativen den Weg zu bereiten. Dafür müssen Zusammenhänge dargestellt, Einblicke gegeben und Alternativen entwickelt werden. Für diesen Anspruch ist eine differenzierende Sprache das beste Instrument. Die Freiheit des Internets – mit seinen horizontalen und gleichberechtigten Beziehungen – erschien uns der ideale Ausgangspunkt für dieses Vorhaben.

In Diskussionen mit unseren Lesern konnten wir feststellen, dass sie bestimmte Präferenzen haben. Und wir trafen auf den im deutschen Tennis so häufig zitierten Zeitgeist: Gerade die jungen Leser, die wir mit unserem Internetauftritt gewinnen wollten, sind selten geübte und geduldige Leser. Sie bevorzugen kurze Infos, gehen komplizierteren Denkanstrengungen aus dem Weg („Im Internet bin ich nicht in der Schule.“) und bevorzugen eine Kommunikation, die auf Abwechslung, Vergnügen und Kurzweil ausgerichtet ist.

Das können wir akzeptieren, weil wir nicht als Oberlehrer auftreten wollten. Es ist auch zukünftig unser Ziel, die Jugend zu erreichen. Deshalb wird Spaß und Unterhaltung immer ein wichtiger Aspekt unserer Berichterstattung sein.

Die Konsumhaltung, die kennzeichnend für die Follower“ ist, die sich anstatt auf das Abwägen von Argumenten lieber an vorgefertigten Vorstellungen orientieren, trägt aber eher zur Passivität bei. Deshalb können von dieser Einstellung auch keine großen Veränderungen erwartet werden.

Das deutsche Tennis muss sich aber verändern. Die rückläufigen Mitgliederzahlen, die leeren Tennisplätze der Vereine, die zerstrittenen Führungsinstitutionen geben deutlich genug ein kritisches Bild ab. Um Tennis in unserem Land wieder in Schwung zu bringen, müssen wir jeden Einzelnen gewinnen, der sich dem „weißen Sport“ verbunden fühlt.

Wir werden also weiter kritisch berichten, Unterschiede herausarbeiten, Zusammenhänge darstellen und die Geduld einiger unserer Leser auf die Probe stellen – in der Hoffnung, den einen oder anderen unserer leseabgeneigten User damit sogar in das Boot zu holen.

Unser Tennis-Blog wird aber auch in Zukunft verstärkt dafür sorgen, dass unsere Leser unterhalten werden, Spaß an unseren Angeboten haben.

Unseres Erachtens widersprechen sich die beiden Informationsfunktionen, kritische Reflektion und Unterhaltungsabsichten, nicht unbedingt: wer Spaß im Leben hat, der hat auch mehr Energien, ernste Probleme zu bewältigen.

Auch Tennis – wie alle populären Sportarten – lebt von Emotionen. Durch Spaß in Verbindung mit Tennis kann eine tiefere emotionale Bindung entstehen, die zu einem intensiveren Engagement auf und neben dem Tennisplatz führt. Vergnügen und kritische Reflektion gehören – wie zwei Seiten einer Medaille – zusammen, wenn wir eine lebendige Tennis-Community anstreben.

Deshalb setzen wir uns bei unseren Videoempfehlungen auch zum Ziel, Filme zu präsentieren, die über Komik und Gefälligkeit hinaus, Informationen präsentieren, die im Blog immer wieder thematisiert werden. Die Videoempfehlung vom Djokovic-Nadal-Ballwechsel hat genau diese Funktion erfüllt: sie konnte als vorbildliches Anschauungsmaterial für Einsatz, für Durchsetzungsvermögen, für vorbildliche Athletik und für Resilienz im Spitzentennis dienen.

Jetzt haben wir erst einmal genug problematisiert und den pädagogischen Zeigefinger zu lange in die Luft gehalten – entspannen wir uns also wieder.

Es ist an der Zeit, euch jetzt einen Link zu einem Video, das zumindest uns viel Vergnügen bereitet hat und deutlich die Emotionalität des Tennis veranschaulicht, zu präsentieren:

 

Eine weiterführende Frage sei hier noch „nachgeschoben“: Krankt das Image des DTBs nicht auch daran, dass das Auftreten des Führungspersonals kaum positive Emotionen hervorruft?

5. Oktober 2013
von admin
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“Auf Worte sollten Taten folgen!”

Wir schwärmten von dem faszinierenden Ballwechsel von Novak Djokovic und Rafael Nadal während des Finales der US Open 2013.

Wer es nicht live erlebt hat:

Wir liefern Euch jetzt dieses Duell direkt in die Wohnstube.

Unser Tipp an alle Trainer:

Motiviert eure Schüler diese vorbildliche Sequenz auf unserer Seite anzuklicken!

 

Wir sind natürlich jederzeit offen für eure favorisierten Videos. Schickt uns ganz einfach die Links!