3. Oktober 2013
von admin
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“Ein neuer Tag, ein bunterer Blog”

Hundert Tage im Netz! Das ist eine günstige Gelegenheit, den Tennisblog mit neuen Ideen weiter zu entwickeln. Nur müde Autoren gehören in den Pen-Club.

Nur wer mit der Zeit geht, muss nicht mit der Zeit gehen: unseren jungen und jung gebliebenen „Followern“ bieten wir ab heute einen multimedialen Überblick über die Welt des Tennissports. Das spart euch Zeit und bringt noch mehr Spaß.

Hierbei helfen uns die beiden neu hinzugewonnenen Mitarbeiter „JoJoe“ (krasser Typ!) und „Arat“ (hammermäßig!), die das Netz nach den besten Videos durchforsten.

Heute stellen wir mit dem folgenden Link ein Video vor, das auf den ersten Blick keinen direkten Zusammenhang mit den Inhalten unseres Blogs präsentiert. Aber nur auf den ersten Blick: diese filmische Darstellung, die inzwischen weit mehr als Zweihunderttausend der Internetuser gesehen haben, kann die Phantasie unserer Leser in ihrer beispielhaften Art anregen und sie hoffentlich dazu motivieren, eigene Tennisvideos mit ähnlichen Szenen zu filmen und sie uns einzusenden. (Ihr merkt, wir geben nicht auf…).

Macht euch auf, ihr Traanfunzeln! Werdet kreativ, ihr Tüdelbüdel!

Außerdem werden wir in Zukunft die neue Trendsportart Padel-Tennis noch mehr in das Zentrum unserer Posts rücken. Wir werden unsere Leser über die neuesten Entwicklungen dieses Sports in Deutschland, das – im Gegensatz zu Spanien, England und auch Schweden – in Europa dem Siegeszug noch etwa nachhinkt, informieren. Darüber hinaus werden attraktive Veranstaltungen, Porträts von herausragenden Spielern und Infos aus der Community im Blickpunkt unserer Padel-Berichte stehen.

Damit die Tennis-Community in Deutschland wieder das Lachen lernt und ihr euch aus unserem Blog immer wieder mit guter Laune und einem Lächeln ausklickt.

Hier die angekündigte erste Sequenz:

Haut rein!

1. Oktober 2013
von admin
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“Der lange Weg zur Weltspitze im Tennis”

Mit Verwunderung wird in der Tennisszene zur Kenntnis genommen, dass die Weltspitze im Profitennis immer älter wird. Überflieger und Wunderkinder, wie ehemals Borg, Chang oder Becker, die schon mit siebzehn Jahren Grand Slam Turniere gewannen, haben in der modernen Konkurrenz kaum noch Chancen. Einzige Ausnahme: Rafael Nadal. Fachleute prophezeien, dass in der Zukunft das Durchschnittsalter auf der Tour noch höher sein wird und dass kaum noch Chancen für akzelerierte Supertalente bestehen, in jungen Jahren den Durchbruch in die Top Ten der Weltrangliste zu schaffen.

Die Gründe für diese Entwicklung werden schnell genannt: Erhöhte Trainingsumfänge, verfeinerte Trainingsmethoden, bessere medizinische Betreuung, optimierte Ernährung und die Erfahrung, die die routinierten Profis den wilden Himmelsstürmern voraus haben.

Ein anderer Faktor, der dazu beiträgt, dass Spieler und Spielerinnen im modernen Tennis erst später zur vollen Reifung ihres Talents kommen – und  der in der Diskussion der Insider noch keine nennenswerte Berücksichtigung gefunden hat – ist unseres Erachtens die Globalisierung.

borg

In früheren Zeiten dominierten die sogenannten Tennisnationen USA, Australien, Schweden, Deutschland, Frankreich, Spanien und immer schon bestimmte Nationen aus Südamerika. Kein Schwede befindet sich aktuell unter den besten 400 der Herrenweltrangliste, kein Australier ist unter den Top 50 der ATP-Weltrangliste und bei den US Open 2013 waren alle Amerikaner vor dem Achtelfinale schon ausgeschieden.

Spieler aus sieben  Nationen verteilen sich auf die Top-Ten des ATP-Rankings. Unter den Top 27 sind Profis aus Kanada, Lettland, Bulgarien, Serbien, Südafrika, Japan, Polen, Österreich. Bis zu den Top 50 kommen Spieler aus der Ukraine, Finnland, Usbekistan, China und Zypern dazu. Die Australier, die früher einen Wimbledonsieg nach dem anderen errangen, haben ihre besten Akteure auf den Plätzen 55, 56 und 59 unter ferner liefen aufgeführt. Nur einzelne Spieler unter den besten 50 der Welt stammen aus den Traditionsländern Tschechien, Russland, Deutschland, USA und Spanien. Drei Nationen stellen jeweils 2 Top-Ten-Spieler: Spanien und Frankreich als bekannte Tennisnationen – und die kleine Eidgenossenschaft Schweiz, die früher international erfolgreich nur in den Wintersportarten war. Ein kompletter Strukturwandel hat in den letzten Jahren im internationalen Tennis stattgefunden.

Wo liegen die die Gründe für diese Veränderung?

Zuerst einmal ist Tennis weltweit nicht mehr die Elitesportart, die von den höheren Schichten ausgeübt wurde. Tennis ist seit Jahrzehnten auf allen Kontinenten für fast alle Menschen offen. Über die TV-Medien und das Internet ist der weiße Sport auch in die Wohnzimmer in Kuala Lumpur und Nairobi gedrungen und hat viele Jugendliche motiviert, zum Schläger zu greifen und ihren Vorbildern wie Blake, Williams oder Srichaphan und Date nachzueifern.

Die ITF, der internationale Tennis-Dachverband, hat vorbildlich gearbeitet und mit vielen Aktionen Tennis in die entferntesten Ecken unserer Welt getragen. Viele ehemalige Tennisstars haben sich in die Herkunftsländer ihrer Familien begeben und Kinder für den Tennissport begeistert und ihre Bewunderer zur Nachahmung motiviert.

Bei aller Kritik, die gerade wir gern an Institutionen äußern: Die internationale Tennis-Community hat Vorbildliches getan, um den Sport weltweit in Bewegung zu bringen. Ein Beispiel für diesen Siegeszug des Tennis auf unserer Erdkugel:

Nur im Monat September 2013 haben weit über 100 „Future-Turniere“ auf der Welt stattgefunden, die den herausragenden Talenten die Möglichkeit gaben, Weltranglistenpunkte zu gewinnen! 

In diesem kurzen Zeitraum haben sich in Armenien, Bolivien, Ägypten, Georgien und Kuwait junge Spitzenspieler mit der internationalen Konkurrenz gemessen. Über das gesamte Jahr hinweg finden diese Turniere in Ländern statt, deren Bevölkerung vor 25 Jahren noch nicht wusste, was das Wort „Tennis“ bedeutet. Deren Einwohner, wenn sie einmal zufällig mit dem Spielgerät, dem Racket, in Berührung kamen, sich über den Besitzer lustig machten, weil er mit einem derart unbrauchbaren Werkzeug vermeintlich zum Fischen gehen wollte.

foto kind

Überall auf der Welt haben sich jetzt Jugendliche aufgemacht, um mit ihren Tenniskünsten so viel Geld zu verdienen, dass sie sich und ihrer Familie unter günstigen Umständen eine Existenz sichern können. Ihre Aussichten werden auch dadurch verbessert, dass sie in den professionellen Tennisakademien in Europa und in Amerika, die von erfahrenen Coaches geleitet werden, Aufnahme finden und von Fachleuten noch optimaler ausgebildet werden.

Die Quantität der Konkurrenten um den „Platz an der Sonne des internationalen Tennis-Circuits“ ist in den letzten Jahren explodiert! Haben sich vor Jahrzehnten weniger als 1000 mutige Tenniskönner auf den Weg gemacht, um in die Weltspitze vorzustoßen, sind es heute mehr als 6000 Spieler – aus allen Herren Länder!

Es braucht seine Zeit, um sich gegen diese Konkurrenz durchzusetzen. Auch weil das Weltranglistensystem hierarchisch organisiert ist und man nur in die Tableaus der höher dotierten Weltranglistenturniere kommt, wenn man genügend Punkte gewonnen hat. Einige Stars, die heute zur Spitze zählen, haben teilweise mehr als 2 Jahre gebraucht, um die Qualifikationen zu überstehen und den ersten Weltranglistenpunkt zu ergattern. Von Stufe zu Stufe, vom „Future-“, über das „Challenger-“, bis hin zum „Grandslam“- Turnier wartet eine neue Konkurrenz, die jeweils über noch stärkere Qualität verfügt. Ein mühsamer und langwieriger Weg.

Die Zeiten haben sich geändert. Das sollten die in der Vergangenheit erfolgsverwöhnten Deutschen endlich zur Kenntnis nehmen und unseren Spitzenspielern, die sich aktuell in die Weltspitze gespielt  haben, die verdiente Anerkennung zollen…

Nach diesen Zahlen und Informationen finden wir vielleicht auch mehr Verständnis für unsere Bewunderung für alle jungen deutschen  Talente, die immer noch den Mut aufbringen, ihre Leistungen mit der internationalen Konkurrenz zu messen und nicht ihren Traum bei Rückschlägen aus den Augen verlieren.

29. September 2013
von admin
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“Der Mann hinter Lisicki, Kerber und Wawrinka”

3. Teil: Einblicke in die aktuelle Herren-Weltklasse

Auf dem deutschen Tennismarkt kämpft die Firma YONEX seit Jahrzehnten gegen das Vorurteil an, dass ihre Schläger nur ideal für Frauentennis sind. Das hängt sicherlich auch damit zusammen, dass auffällig viele Spielerinnen in der internationalen Damenkonkurrenz mit den Produkten des fernöstlichen Schlägerherstellers zahlreiche „Grand-Slam-Siege“ errungen haben. Man vergisst dabei – gerade in Deutschland – scheinbar gern, dass mit Hewitt und Krajicek auch Herren, die Wimbledon gewannen, bei YONEX unter Vertrag standen. Bei den US-Open hat vor wenigen Wochen der Schweizer YONEX-Spieler Wawrinka sich mit hervorragendem Tennis in den Blickpunkt der Tennisöffentlichkeit gesetzt und im Halbfinale Djokovic an den Rand einer Niederlage gebracht.

Bevor er näher auf diesen Aufsteiger in der Herren-Weltklasse eingeht, unterscheidet unser japanischer Gesprächspartner das Weltklassetennis der ATP-Herren von den WTA- Damen: „Die Spitzenprofis sind zu jedem Opfer bereit. Mit eiserner Disziplin arbeiten sie Tag für Tag, Training für Training, Match für Match daran, alles aus sich herauszuholen. Der Entwicklung ihres Leistungspotentials wird alles untergeordnet. Auch von Rückschlägen lassen sie sich nicht aufhalten. Da reagieren die grundsätzlich emotionaleren Damen anders. Die lassen sich schon einmal hängen, wenn etwas daneben läuft. Sie brauchen dann viel mehr sensible und nachhaltige Hilfe von außen.“

Um diesen Unterschied in der professionellen Einstellung bei den ATP- und WTA-Stars hervorzuheben, schildert er die schwierigen Voraussetzungen für das Auftrumpfen von Stanislas Wawrinka bei den US Open:

„Schon länger wurde in Insiderkreisen darüber gesprochen, dass es im privaten Umfeld von Wawrinka große Probleme gab. Ja, die gab es wirklich. Er hatte darunter gelitten. Um mit dieser Situation klar zu kommen, hatte er sich entschieden, sich erst einmal auf sein Tennis zu konzentrieren. Mit seinem Trainer Magnus Norman hat er in der problematischen Zeit die Trainingsintensität noch weiter gesteigert.“

Konzentriertes Tennistraining als Mittel, die eigene Ausgeglichenheit wiederzufinden. Damit verbunden aber eine ethische Einstellung zum Beruf. Nach dem Motto: Wenn alles um mich herum zusammenzubrechen droht, muss ich dafür sorgen, dass existentielle Grundpfeiler unseres Lebens nicht auch noch in Mitleidenschaft geraten. Diese unglaubliche Disziplin und diese vorbildliche Verantwortlichkeit hat sich gelohnt: Er spielte in New York aufsehenerregendes Tennis und privat scheint die Welt auch wieder in Ordnung zu sein.

Wawrinkas Verhalten ist über den tennisspezifischen Rahmen hinaus ein vorbildliches Beispiel für eine Eigenschaft, die in der modernen Soziologie und Pädagogik eine besondere Rolle spielt: die Resilienz. Unter Resilienz versteht man in der Wissenschaft die Widerstandskraft eines Systems gegenüber Störungen. Es wurde beobachtet, dass Kinder aus Ghettos oder Favellas, trotz der widrigsten Umstände es schafften, außerordentlich erfolgreiche Karrieren zu starten. Andere scheiterten (und es war die Mehrheit!) – sie hatten keine ausreichende Widerstandskraft.  

Im Leistungssport Tennis ist diese Resilienz nach unserer Auffassung eine wichtige Voraussetzung zum nachhaltigen Erfolg: Immer wieder muss der einzelne Spieler enormen Druck widerstehen, immer wieder muss er sich neuen Herausforderungen stellen, die seine Kräfte übersteigen könnten. Immer wieder muss er sein System neu justieren, um seine hohe Leistungsfähigkeit noch weiter zu entwickeln. Immer wieder muss er sich neu motivieren.

Die Finalspiele von Djokovic und Nadal in Melbourne 2012 und in New York 2013 wären für alle Soziologen, Psychologen und Pädagogen idealer Anschauungsunterricht „in Sachen“ Resilienz!

Ein weiteres Beispiel für diese aufopferungsvolle Disziplin der Spitzenprofis hat Taka sofort bereit: „Bei den Herren gibt es einen graduellen Unterschied von Nadal, Murray, Djokovic – und immer noch Federer – zu den anderen Topprofis. Sie sind eine Liga für sich. Das wird auch deutlich an ihrem alltäglichen Verhalten auf der Tour. Während der Turniere halten sich fast alle Profis für längere Zeit in der Players-Lounge auf. Sie essen und trinken dort, spielen auf ihren Computern, unterhalten sich mit ihren Kollegen. Ganz anders die oben genannten vier Stars mit Sonderstatus. Die bereiten sich in Ruhe mit ihrem Team – abgeschieden von dem generellen Trubel auf einem Tennisturnier – an einem separaten Ort in Ruhe vor, spielen das Match, gehen zur Pressekonferenz und von dort unmittelbar in ihr Spielerhotel und zu ihrem gewohnten Turnierkreis zurück. Gerade bei Grand-Slam-Turnieren lassen die sich kaum einmal in dem Clubhaus sehen. Da wird keine Energie vergeudet. Da wird jede Ablenkung vermieden.“

Die gewohnte Umgebung ist für alle Topspieler, die es sich leisten können, von großer Bedeutung. Sie sind die „Heimat in der Fremde“. Dazu gehören die Spielerfrauen, die verschiedenen Trainer, manchmal Geschwister und Eltern – und sogar Freunde, die die Tennisstars von Kindheit an kennen.

Taka verrät uns ein bisher gut gehütetes Geheimnis: „Die Turnierveranstalter zahlen den absoluten Topspielern hohe Extrasummen für diese Freunde. Bei den Verhandlungen über das Antrittsgeld ist das längst ein fester Bestandteil“.

Der weltoffene Japaner hatte uns während des Gesprächs noch weitere interessante Einblicke in das moderne Tennis auf Weltklasseniveau gegeben. Wir werden sie in Zukunft in unsere weiteren Posts einfließen lassen.

Uns hat das ausführliche Gespräch, in der die Zeit „wie im Nu“ verstrich, viel Spaß gemacht. Euch hoffentlich auch!