Statt Regen Niederlagen-Hagel in Paris!

| 1 Kommentar

Mit zwei Siegen und drei Niederlagen ist die bisherige deutsche Bilanz bei den French Open suboptimal. Am dritten Spieltag gingen 12 deutsche Profis in Roland Garros an den Start, um für neuen Aufschwung zu sorgen.

In der ersten Spielrunde trat Queen Angie auf dem Court Philippe Chartrier gegen die Turniersiegerin von Nürnberg, Kiki Bertens (WTA Nr.58), an. Ein Erfolg unseres Vorzeigestars könnte positive Motivation im deutschen Team auslösen. In den Vorberichten hatte sich die „German Angst“ ausgebreitet. Mit Skepsis sahen die Medien dem deutsch-niederländischen Duell entgegen. Das verminderte nicht unbedingt den Druck, der seit den Australian Open auf der Kielerin lastet. Angie gewann zwar ihr erstes Aufschlagspiel ohne Abgabe eines Punktes, wirkte dann aber angespannt. Ihr unterliefen ungewöhnlich viele Fehler und sie verlor drei Spiele in Folge zum 1:3. Die Ballwechsel wurden dann umkämpfter, Bertens gelangen einige Big Shots und die selbstbewusst auftretende Holländerin setzte sich mit 6:2 im 1.Satz durch.

 bertens

Im zweiten Durchgang steigerte sich unsere Nr.1, variierte ihre Spielweise, ging mehr über die langen Ballwechsel. Bei 3:2-Führung nutze die Kielerin nach 48 Minuten Spielzeit ihren ersten(!) Breakball und baute den Vorsprung auf 4:2 aus. Sie kassierte zwar gleich ein Rebreak, behielt aber die Nerven und setzte sich mit 6:3 im 2.Satz durch. Nach der Satzpause kehrte die Niederländerin mit neuem Elan auf den Center Court zurück und erspielte sich gleich eine 3:0-Führung. Angie warf entsetzte Blicke zur Coachbox, nahm anschließend eine medizinische Auszeit. Sie kehrte mit Widerstandswillen auf den Platz zurück, verkürzte auf 1:3, vergab aber bei Breakball einen Elfmeter ohne Torwart und musste das 1:4 hinnehmen. Sie brachte dann zwar ihr Aufschlagspiel zum 2:4 durch, war dann aber wieder gegen die Poweraufschläge Bertens machtlos und stand bei 2:5 mit dem Rücken zur Wand. Wie ein Häufchen Elend saß die Kielerin beim Seitenwechsel auf ihrer Bank, konnte sich aber noch zum 3:5 aufraffen. Die Niederländerin hatte dann bei 40:15 zwei Matchbälle in Folge. Den ersten wehrte Angie in fast aussichtsloser Position mit einem Kurz-Cross-Passierschlag ab, den zweiten vergab ihre Kontrahentin mit einer leicht verschlagenen Vorhand. Mit einem Stopp Kerbers, der im Netz landete, konnte die Niederländerin bei dem nächsten Matchball die Partie für sich entscheiden. Mit 2:6, 6:3 und 3:6 schied unsere größte Hoffnung bei den French Open schon in ihrem Auftaktmatch aus. Die „German Angst“ war wohl berechtigt…

Zur gleichen Zeit wie Angelique Kerber bestritt Tatjana Maria (WTA Nr.111) ihr Match auf Court 4 gegen die an 23-gesetzte Favoritin Jelena Jankovic (WTA Nr. 26). Der 28-jährigen Deutschen gelang ein sehr guter Start und sie ging schnell 5:0 in Führung. Bei 5:1 vergab sie einen Satzball, konnte sich aber anschließend den 1.Satz mit 6:3 sichern. Die Serbin fing sich und konnte im 2.Satz mit 6:3 den Spieß umdrehen. Tatjana Maria spielte auch im entscheidenden Durchgang auf Augenhöhe mit der ehemaligen Nr.1 der Weltrangliste. Der Deutschen mit Wohnsitz in Palm Beach/Florida gelang sogar die Sensation:  Sie stürzte die Favoritin mit einem 6:3-Sieg im 3.Satz und zog in die zweite Runde der French Open ein. Die junge Mutter hatte für den ersten deutschen Tagessieg gesorgt.

 maria

Unser Routinier Florian Mayer (ATP Nr.236) musste bei den Herren auch gleich am Vormittag eine schwere Aufgabe gegen den Tunesier Malik Jaziri (ATP Nr.72) lösen. Der Bayreuther verlor den 1.Satz knapp mit 4:6, drehte aber im 2.Satz den Spieß um und setzte sich mit 6:3 durch. Im 3.Satz war wieder der Nordafrikaner mit 6:3 vorn. Zwei Breaks im vierten Durchgang reichten Jaziri, um den Satz und das Match mit 6:2 zu gewinnen.

Auch unsere Aufsteigerin der letzten Monate, Laura Siegemund (WTA Nr. 37), hatte in der ersten Spielrunde am Dienstag gegen Eugenie Bouchard (WTA Nr. 47) ein schweres Los. Die Kanadierin hatte nach dem tiefen Fall in den letzten Wochen  wieder einige Matches geliefert, die ihr Ausnahmetalent unter Beweis stellten. Vom ersten Ballwechsel an wurde um jeden Punkt gerungen. Beide Spielerinnen agierten offensiv und druckvoll. Die Kanadierin punkte mit einigen Powerschlägen und erspielte sich eine 5:2-Führung und gewann den 1.Satz dann 6:2. Die Stuttgarterin gab sich aber noch längst nicht geschlagen und kämpfte sich bis zur Mitte des zweiten Durchganges in das Match zurück. Dann verlor sie mehrere Spiele in Folge, den 2.Satz mit 2:6 und schied nach Witthöft, Kerber und Lisicki als vierte von sechs deutschen Spielerinnen in der ersten Runde des Turniers in Roland Garros aus.

Die Zwischenbilanz nach der ersten Spielrunde am dritten Tag der French Open fiel enttäuschend aus: vier Niederlagen stand ein einsamer Überraschungssieg von Tatjana Maria gegenüber. Der Tag zog sich aus deutscher Sicht mühsam dahin wie eine Robbe in der Wüste.

Tobias Kamke (ATP Nr.154) hatte sich in Paris erfolgreich qualifiziert.  In der ersten Hauptfeldrunde traf er gleich auf den an 23-gesetzten Pablo Cuevas (ATP Nr.27). Der Lübecker ging selbstbewusst in das Match und holte sich den ersten Satz ohne große Aufregung mit 6:3. Im 2.Satz gewann der hohe Favorit aus Uruguay langsam die Oberhand und setzte sich mit 6:2 durch. Auch den 3.Satz dominierte der Südamerikaner und siegte 6:3. Im 4.Satz war Tobi bis zum Tiebreak ein ebenbürtiger Gegner. In der Satzverlängerung unterlag er aber 4:7 und schied auch in der ersten Hauptfeldrunde aus.

Auch Anna-Lena Friedsam (WTA Nr. 48) musste gleich  gegen eine Gesetzte antreten, aber gegen die Russin Daria Kasatkina (WTA Nr.29)  traute man ihr Siegchancen zu. Im 1.Satz fand die junge Deutsche zu Beginn schwer in das Match und unterlag 2:6. Im 2.Satz wurde sie aggressiver und erfolgreicher: Die 22-jährige aus Neuwied erkämpfte sich eine 3:1-Führung und hatte Chancen zum 4:1, vergab aber den Vorsprung unglücklich. Sie blieb unbeirrt und brachte anschließend den zweiten Durchgang mit 6:4 nach Hause. Im entscheidenden Durchgang erwischte die Deutsche einen Fehlstart und lag 0:3 zurück. Den Rückstand konnte sie nicht mehr aufholen und schied mit 3:6 im 3.Satz aus dem Grand Slam Turnier aus.

Am dritten Spieltag gab es Paris zum ersten Mal keinen Regen – dafür prasselte auf das deutsche Team ein heftiger Niederlagen-Hagel nieder.

Nach der sechsten deutschen Niederlage am Tag traute man dem an Position 24-gesetzten Philipp Kohlschreiber dann doch einen Sieg zu. Der Augsburger hatte im 1.Satz gegen Nicolas Almagro (ATP Nr.48) einige Mühen, konnte sich aber knapp mit 7:5 durchsetzen. Etwas skeptischer wurde man, als der Spanier den 2.Satz deutlich 6:2 gewann.

Man fühlte sich wie in einem Horrorfilm, als unsere Nr.1 auch den 3.Satz mit 3:6 vergeigte. Als Kohli bei 3:2-Führung im 4.Satz nach einem leichten Returnfehler seinen Schläger am Boden zerlegte, konnten wir uns mit ihm mühelos identifizieren. Es wurde dadurch aber nicht besser: Der Augsburger verlor das Spiel, kassierte anschließend ein Break und stand dann bei 3:5 vor dem Abgrund. Kohli verkürzte noch auf 4:5, aber der Spanier macht etwaigen optimistischen deutschen Hoffnungen ein Ende und sorgte mit 5:7, 6:2, 6:3 und 6:4 für die sechste deutsche Niederlage am Dienstag.

Jan-Lennard Struff  (ATP Nr.101) hatte sich in der Qualifikation durchgesetzt, musste aber in der ersten Hauptfeldrunde gleich gegen den an 7-gesetzten Publikumsliebling Jo-Wilfried Tsonga antreten. Der Franzose kannte kein Erbarmen mit der angeschlagenen deutschen Tennisseele und fegte den Warsteiner mit knallharten Aufschlägen im 1.Satz mit 6:3 vom Platz. Der junge Deutsche wehrte sich tapfer, konnte aber den 4:6-Verlust des 2.Satzes nicht verhindern. Tsonga blieb konzentriert, ließ sich auch im dritten Durchgang nicht breaken. Er erreichte mit 6:4 im 3.Satz die nächste Runde des Grand Slam-Turniers und hatte nebenbei die siebte deutsche Niederlage verursacht.

Gegen Laura Robson, der Nr. 329 der WTA, erwartete auch der immer stärker resignierende deutsche Tennisfan einen Sieg von Andrea Petkovic (WTA Nr.31). Das fing auch gut an, weil die Britin hemmungslos und ohne Kontrolle zu viele Bälle an die Plane drosch. Die Darmstädterin gewann den 1.Satz dann auch souverän mit 6:2. Im 2.Satz wurde das Spiel der britischen Linkshänderin kontrollierter,  Petko gab das Match aber nicht mehr aus der Hand und setzte sich im auch im zweiten Durchgang mit 6:2 durch und zog in die zweite Runde der French Open ein. Hallelujah! Deutsche Siege sind doch nicht unmöglich.

petko

Am Abend stand Julia Görges vor der schweren Aufgabe, gegen die an 20-gesetzte Engländerin Johanna Konta für einen weiteren deutschen Sieg zu sorgen. „Jule“ spielte offensiv und entschlossen auf und sicherte sich überzeugend den 1.Satz mit 6:2. Zielstrebig und konzentriert setzte sie ihr Spiel im nächsten Durchgang fort und besiegte mit 6:3 im 2.Satz die Britin. Deutschland konnte den dritten Tagessieg feiern.

julia-goerges

Die kleine Siegesserie am Ende des Spieltages hätte Alexander Zverev(ATP Nr.41) fortsetzen können. Der 19-jährige Hamburger schlug gegen Pierre-Hugues Herbert (ATP Nr.84) anfangs sehr effektiv auf, gewann seine Aufschlagspiele ohne Gefährdung, vergab bei 4:2 drei Breakbälle in Folge, kassierte dann sogar  aus heiterem Himmel bei 4:3 doch ein Break. Bei 5:6 wurde unser jetzt größter Hoffnungsträger in der Herrenkonkurrenz wieder gebreakt und musste den 1.Satz unnötig mit 5:7 abgeben. Im 2.Satz dominierte er wieder, spielte dieses Mal konzentriert durch und gewann 6:2. Im dritten Durchgang setzte der Elsässer sein unorthodoxes mit Überraschungsangriffen gewürztes Spiel fort und zwang unser – heute etwas phlegmatisch wirkendes – Ausnahmetalent in den Tiebreak. Zverev unterliefen haarsträubende Vorhand-Fehler, er wehrte aber drei Satzbälle in Folge ab und konnte den 3.Satz  in der Satzverlängerung mit 8:6 und viel Glück noch für sich entscheiden. Das Match wurd danach wegen Dunkelheit unterbrochen und wird am Mittwoch fortgesetzt.

Die in den letzten Wochen an einer Infektion leidende Mona Barthel(WTA Nr.66) ging am Abend als letzte deutsche Teilnehmerin gegen Irina Falconi (WTA Nr.63) auf den Platz. Die Neumünsteranerin begann stark, gewann gleich die ersten drei Spiele, bis das US-Girl auf 1:3 verkürzte. Mona erhöhte auf 4:1, aber Falconi gelang eine Serie von fünf gewonnenen Spielen und sicherte sich noch den 1.Satz mit 6:4. Im 2.Satz haute Barthel dann die Amerikanerin gnadenlos mit 6:0 weg. Im 3.Satz verlor die Deutsche trotz zahlreichen Situationsvorteilen die ersten beiden Spiele, verkürzte dann auf 1:2, musste Falconi dann auf 1:4 davonziehen lassen und verlor den Satz und das Match ohne große Gegenwehr 2:6.

Das Match von Mona Barthel rundete einen Tag ab, bei dem die meisten deutschen Tennisprofis mit extremer Nervenschwäche ihre Spiele vergeigten.

 

 

Ein Kommentar

  1. Ja was ist denn da los mit den deutschen Spielern? Fast alle raus… Also Kerber hatte heute einen wirklich schlechten Tag. Zu viele Fehler und Bertens war einfach zu stark. Naja ich freue mich trotzdem auf ein tolles weiteres Turnier!

Hinterlasse eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.