13. Dezember 2014
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Die Meisterschaften nehmen Fahrt auf

Die deutschen Tennismeisterschaften in der Halle nehmen Fahrt auf. Die Viertelfinalspiele in Biberach boten am Freitag attraktives Tennis mit den ersten überraschenden Ergebnissen.

Bei den Herren schlug Daniel Masur in einem Kampf auf Augenhöhe den an 2-gesetzten Nils Langer mit 6:7, 6:4 und 7:5.

Die anderen Favoriten setzten sich klar durch: Andreas Beck schlug Florian Fallert 6:3, 6:2, Maximilian Marterer dominierte  Wunner  bei dem 6:2, 6:2-Sieg  und Kevin Krawietz überwand Netuschil mit 6:4, 6:4.

kevin krawietz

Bei den Damen gab die Topgesetzte Carina Witthöft diesmal keinen Satz beim 6:4, 6:2- Erfolg gegen Wöhrle-Scheller ab.

Nach hartem Kampf konnte Sarah Gronert ihre Gegnerin Daniel mit 3:6, 7:6, 6:1 bezwingen und trifft jetzt auf die Hamburgerin im Semifinale.

Antonia Lottner gab der überraschend ins Viertelfinale vorgedrungenen Litfin beim 6:1, 6:3 keine Siegchance.

Ihre Widersacherin im Halbfinale wird die 17-jährige  Katharina Hobgarski sein, die sich als Ungesetzte  unerwartet gegen die an 3-gesetzte  Zander mit 6:4 und 7:5 durchsetzen konnte.

Katharina-Hobgarski

Am Halbfinaltag dürfen sich die Tennisfans in Biberach noch auf eine besondere Veranstaltung freuen. Am 13. Dezember werden auch die Endspiele der Deutschen Meisterschaften im Rollstuhltennis ausgetragen. „Gemeinsame Meisterschaften von gehandicapten und nicht-gehandicapten Sportlern ist für mich gelebte Inklusion“, freut sich der schwäbische Bundestagsabgeordnete Ulrich Lange.

12. Dezember 2014
von admin
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Zwischenbericht von den nationalen Titelkämpfen

Es ist selten der Mühe wert, wenn man sich in diesen Zeiten im deutschen Tennis engagiert. Rolf Schmid, der Turnierdirektor der deutschen Tennis-Meisterschaften in Biberach, kann davon ein Lied singen. Kaum hatte er froh ein attraktives Teilnehmerfeld bei den Damen angekündigt, da hagelte es Absagen. Nach der Verletzung Dinah Pfizenmaiers haben die Topgesetzten Anna-Lena Friedsam und Laura Siegemund kurz vor Beginn der Hauptfeld-Matches ihre Teilnahme zurückgezogen. Das macht dem Veranstalter keine Freude, das zieht nicht unbedingt mehr Zuschauer an die Turnierstätte. Da werden die Printmedien ihre marginale Berichterstattung kaum erweitern und auch die TV-Teams  werden deshalb nicht aus Sympathie und Mitleid nach Biberach strömen.

Da wir in unserem Tennisblog ausgiebig das mangelnde Verantwortungsgefühl einiger Tennisprotagonisten in dem mitgliederstärksten Verband der Tenniswelt kritisiert haben, wenden wir uns den Tatsachen zu und geben einen kurzen Zwischenbericht von den nationalen Titelkämpfen:

Die jetzt an Nr.1 gesetzte  Carina Witthöft hat am Donnerstag in das Geschehen eingegriffen und im Achtelfinale die Qualifikantin Caroline Übelhör( Karlsruhe) knapp mit 6:3, 4:6 und 6:1 besiegt. In der nächsten Runde trifft die „Hamburger Deern“ auf Kathrin Wöhrle-Scheller aus Radolfzell.

ITF Bueschl Open 2012

Auch Nina Zander(Halle), die aktuelle Nr.306 der WTA-Weltrangliste, wurde ihrer Favoritenrolle gerecht und hat mit ihrem 6:4, 6:3–Erfolg gegen Laura Schaeder (Stuttgart) das Viertelfinale erreicht.

Mit Sarah Grunert(gegen Gerlach) und der Berlinerin Antonia Lottner (gegen Bachofer) haben sich zwei weitere Gesetzte in die Runde der letzten Acht gespielt.

Die an 8-gesetzte Tayisya Mordgeber schied – wie ihre Schwester Yana – gegen Katharina Hobgarski (Kamen) aus.

Auch Carolin Daniels (Essen) konnte sich ihrem Zwei-Satz-Erfolg gegen Anna Klasen für das Viertelfinale qualifizieren.

Als Lucky Looser ist überraschend  Carina Litfin (Bremen) mit ihrem 6.0, 6:0- Streich gegen Sina Niketta (Düsseldorf) in die Runde der letzten Acht vorgestoßen.

Bei den Herren hat es bisher keine Überraschungen gegeben. Die Gesetzten Andreas Beck (Aachen),  Florian Fallert (Reutlingen), Maximilian Marterer (Amberg), Marvin Netuschil (Iserlohn), Kevin Krawietz und Daniel Masur (Versmold) haben alle ohne Satzverlust das Viertelfinale erreicht.

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Der an 7-gesetzte Nürnberger Matthias Wunner konnte sich dagegen erst nach hartem Kampf – in dem einzigen Dreisatz-Match des Achtelfinales – gegen Michel Dornbusch (Oldenburg) durchsetzen.

Als sympathische Rahmenveranstaltung wurden in Biberach auch die Titel-kämpfe der Rollstuhl-Tennisspieler parallel zu den nationalen Meisterschaften unserer Tennisasse veranstaltet.

Wir gehen davon aus,  dass die Mühen der Turnierveranstalter von den Sportlern, die an diesen Wettkämpfen teilnahmen, belohnt wurden.

10. Dezember 2014
von admin
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Aufschlussreiches Interview mit der größten nationalen Tennishoffnung

In Biberach werden die deutschen Meisterschaften gespielt und die größte deutsche Hoffnung, der 17-Jährige Sascha Zverev, bereitet sich im Sunshine State Florida bei warmen Temperaturen auf das Tennisjahr 2015 vor. Konditionstraining mit Jez Green, dem ehemaligen Fitnesscoach von Andy Murray, ist hier der Schwerpunkt. Technische und taktische Entwicklungen werden durch das Training mit seinem älterem Bruder Mischa nicht außer Acht gelassen.

Die auflagenstarke Tageszeitung „Die Welt“ hat die Zverevs in ihrem Heim in Wesley Chapel, nördlich von Tampa, besucht und ein Interview mit dem jüngsten Tennisspross der Familie gemacht, das einige Einblicke in die Welt der Jungstars im Tennisprofizirkus erlaubt.

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Im der vergangenen Saison hatte der Auftritt von Sascha bei den „German Open“ für Aufsehen gesorgt. Für den „Schlaks“ aus Hamburg ist dieses Ereignis die bedeutungsvollste Erinnerung an das Jahr 2014:

„Hamburg war schon das Highlight. Das ist schließlich mein Heimturnier, und dort ins Halbfinale zu kommen, das war immer mein Traum. Dass ich ihn realisiert habe, konnte ich zunächst wirklich gar nicht fassen. Das hat mir unheimlich viel bedeutet. Dennoch vergesse ich auch nicht, wo alles begonnen hat, nämlich Anfang Juli beim Challengerturnier in Braunschweig. Das war der Beginn der verrücktesten drei Wochen meiner bisherigen Karriere.“

Bei dem Blick zurück vergisst er auch nicht, welches Lehrgeld er beim Wechsel auf die Profitour bezahlen musste und dass sein Turniersieg beim Challenger in Braunschweig, wenige Tage vor dem Turnier am Rothenbaum, das Ereignis war, dass bei ihm den „Knoten zum Platzen“ brachte:

„Ich denke, dass Braunschweig der Moment war, in dem ich spürte, dass ich mithalten kann bei den Profis. Sehen Sie, ich hatte im Januar die Australian Open der Junioren gewonnen und bin dann auf die ATP-Tour gewechselt. Plötzlich musste ich, der es gewohnt war, fast immer zu gewinnen und meist bis zum Ende im Turnier zu sein, in der Qualifikation antreten. Ich habe viele Erstrundenmatches verloren, mir fehlten Spielpraxis und Selbstvertrauen. In Braunschweig habe ich mir beides geholt, und das war für mich der Wendepunkt.“

Der junge Hamburger schildert hier eine Erfahrung, die tausende junger Talente, die den Sprung in das Profitennis wagten, genauso erlebt hatten: Die ungewohnten Umstände, die härtere Konkurrenz, das Gefühl noch nicht dazu zu gehören, nähren Zweifel an der eigenen Person. Das vorher selbstverständliche Vertrauen in die eigene Stärke geht Schritt für Schritt verloren. Da heißt es, dranzubleiben, nicht zu verzweifeln, nicht aufzugeben. Wie bei Sascha genügen  dann oft glückliche Umstände und eine Siegesserie, um neues Selbstvertrauen zu gewinnen. Hier und jetzt muss „die Chance beim Schopf  gefasst werden“.

Das ist Sascha erst in Braunschweig, dann in Hamburg gelungen. Er vergisst aber nicht, dass ein optimales Umfeld diese Erfolge erst ermöglicht:

„Ich muss aber auch betonen, dass ich Michael Stich viel verdanke. Er hat mir als Turnierdirektor in Braunschweig und Hamburg Wildcards fürs Hauptfeld ermöglicht. Es ist für einen jungen Spieler wie mich unbezahlbar, wenn einem ein solcher Mensch wie Michael den Rücken stärkt. Ich bin ihm sehr dankbar für diese Hilfe und hätte mich gefreut, wenn er Präsident des DTB geworden wäre.“

stich + mi

Ein lakonischer Seitenhieb im letzten Satz – der junge Mann ist auch außerhalb des Platzes selbstbewusst geworden. Dann schildert er die Problematik, die der Weltranglistenerste Djokovic so treffend beschrieben hat: „Es ist so hart,  sich Selbstvertrauen zu erarbeiten – und es ist so leicht,  es zu verlieren…“:

„Dennoch war es hart, nach dem Rothenbaum-Erfolg wieder in den Rhythmus zu finden. Das hat sicherlich rund sechs Wochen gedauert. Es ist nicht einfach, wenn man nach einer Halbfinalteilnahme bei einem 500er-Turnier plötzlich bei einem 250er wieder Quali spielen muss und dort in der ersten Runde verliert, und dann sieht man im Hauptfeld Leute spielen, die man schon geschlagen hat. Daran musste ich mich erst gewöhnen. Aber mein Trost ist, dass es auch den größten Stars manchmal so geht. Ein Rafael Nadal gewinnt die French Open und fliegt dann in Halle in Runde eins gegen Dustin Brown raus. So etwas passiert. Ich muss das alles erst lernen. Niemand sollte vergessen, dass ich erst 17  bin.“

zverev

Auf die Frage, was sein neu gewonnenes Leistungsvermögen charakterisiert, antwortet die große deutsche Tennishoffnung spontan: „Dass ich mir zutraue, auch in Matches gegen besser platzierte Spieler mein Spiel zu spielen. Anfang des Jahres habe ich mal in München ein Match gegen Jürgen Melzer klar verloren. Danach ist mir schlagartig klar geworden, dass ich nicht daran geglaubt hatte, ihn wirklich schlagen zu können. Den Glauben, dass ich es grundsätzlich kann, habe ich seit dem Turniersieg in Braunschweig.“

In den letzten Sätzen des Interviews spricht Mischa noch andere Aspekte, wie Demut, Disziplin und Akzeptanz immer neuer Herausforderungen, an. Nur dieses Ensemble an Einstellungen führt dazu, außergewöhnliche Ziele im Spitzensport zu erreichen:

„Es gibt nichts, was ich nicht verbessern könnte. Aber das Wichtigste ist sicherlich, dass ich mich körperlich in den Zustand bringe, über Wochen physisch und mental an meine Grenzen gehen zu können. Daran arbeite ich hier in Florida ganz besonders. Dass ich spielerisch mithalten kann, weiß ich. Aber wenn der Körper nicht Schritt halten kann, nutzt das nichts.“

Wenn der Junge sein Wort hält, werden wir 2015 viel Freude an ihm haben.