17. Dezember 2014
von admin
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Roger Federers Kunst, aus Niederlagen Siege zu machen

Nole Djokovic hat die Saison 2014 als Weltranglistenerster abgeschlossen. Für noch größeres Aufsehen hat in diesem Jahr der Weltranglisten-Zweite Roger Federer gesorgt. Nach seinem „Seuchenjahr 2013“, das von – für ihn ungewohnten – Verletzungen geprägt war, hat der Schweizer 2014 im Alter von 33 Jahren wieder an beste Zeiten angeknüpft.

Dieses Phänomen wird gerade in den Kreisen der Profikollegen mit Staunen betrachtet und thematisiert. Jetzt hat sich Andy Roddick, der 2003 die US Open gewann, zu Wort gemeldet. Für ihn unterscheidet sich Federer durch die Fähigkeit, verlieren zu können, von allen anderen Spitzenprofis. Der US-Boy verweist auf eine Aussage Rogers während der US Open 2014: „Nun, ich fühle die Befriedigung stärker, die mit einem Sieg in Verbindung steht, als den Zorn und die Enttäuschung bei einer Niederlage.“

roger

Niederlagen nicht überbewerten, sondern sachliche Erkenntnisse über die Gründe des Misserfolges suchen, um diese noch vorhandenen Schwächen im Training und bei den nächsten Matches zu korrigieren, ist eines der  Erfolgsgeheimnisse der Schweizer Tennislegende. Direkt nach einer vermeidbaren Niederlage in Toronto in diesem Jahr, kommentierte er diese negative Erfahrung gelassen und schaute klar in die Zukunft: „Es war einfach nur frustrierend für mich heute auf dem Platz. Ich habe kaum eine Vorhand anständig getroffen. Aber ich weiß jetzt, woran ich zu arbeiten habe in den nächsten Tagen und Wochen!

Er hat im Training daran gearbeitet und stand einige Monate später auf dem Sprung zur Nr.1 der Weltrangliste.

Diese Art des sachlichen Umgangs mit Niederlagen war Andy Roddick in seiner Karriere fremd: „Für Federer scheint es im Kopf ganz einfach abzulaufen. Ich glaube, er versteht auch nicht, wie es andere Spieler quält, wenn sie auf dem Tennisplatz besiegt werden. Wenn ich verloren hatte, war ich den restlichen Tag wütend.“

federer

Roddicks Einstellung ist stark von subjektiven Emotionen geprägt. Dabei verliert er die Stärke seines Gegners aus dem Auge, nimmt zu wenig die besonderen Umstände des Misserfolges wahr. Deshalb sieht er nicht den großen Zusammenhang, in dem dieses negative Ereignis steht. Er überbewertet den Rückschritt und kann deshalb keine sinnvollen Erkenntnisse für den Fortgang seiner Karriere gewinnen.

Federer kontrolliert die negativen Gefühle besser. Das wird erleichtert durch seine Einstellung: Der „weltbeste Spieler aller Zeiten“ bewertet nicht einzelne Ereignisse isoliert, sondern sieht sie in einem übergeordneten Zusammenhang: Er betrachtet seine Tenniskarriere als einen Weg, der nie das Ziel außer Acht lässt. Auf diesem Weg liegen immer wieder Stolpersteine – d.h. Niederlagen gegen Konkurrenten. Roger respektiert seine Gegner, sucht nach Gründen seines eigenen Misserfolges und arbeitet daran, diese Schwächen zu korrigieren, um beim nächsten Match besser gerüstet zu sein.

Eine meisterhafte Einstellung. Ein Vorbild für alle Tennistalente, die von großen Erfolgen träumen!

Diese vorbildliche Herangehensweise ist auch ideal für das Training: Ein achtsam wahrgenommener Fehler gibt uns Auskünfte über das, was noch fehlt. Ein Fehler wird erst dann zum richtigen Fehler, wenn man nicht verändert, sondern mit den gleichen Gewohnheiten diesen Fehler immer wieder wiederholt!

Mit seiner Haltung kommt der Schweizer Tennisstar dem zen-buddhistischen Prinzip der japanischen Samurai sehr nah:

Aus Niederlagen Siege machen!“

P.S.

Eine weitere Voraussetzung des Erfolges von Gentleman Roger, die unseren Talenten und ihren Trainern einen wichtigen Hinweis liefern könnte, hat kürzlich ein ehemaliger Coach von FedEx im Interview hervorgehoben:

Tony Roche, ehemaliger French-Open-Champion von 1966 ist überzeugt, dass der Schweizer neben dessen unglaublichen Talent und seiner vorbildlichen Einstellung noch einen anderen besonderen Vorteil gegenüber seiner Konkurrenz genießt: „Durch seine besondere, natürliche Agilität ist seine größte Stärke, dass er sich kaum verletzt. Was sein Geheimnis ist? Er übt seine Schläge immer fließend aus, ohne dabei zu ermüden. Es ist die Art, wie er spielt. Verletzungen spielen eine sehr große Rolle im Tennis. Und während der Jahre war er mit keinerlei größeren Problemen konfrontiert. Sehen sie sich Rafael Nadall an. Wenn er nicht seine vielen Verletzungen gehabt hätte, hätte er möglicherweise noch mehr erreichen können.“

P.S. II

Unsere verehrten Fußballteams – Borussia Dortmund und HSV – sollten sich die Einstellung des Tennisstars Federers zu Niederlagen zum Vorbild nehmen. Dann hätten wir am Wochenende wieder mehr positive Energie, uns den Problemen des „bunten weißen Sports“ zuzuwenden.

15. Dezember 2014
von admin
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Stell dir vor, es sind deutsche Meisterschaften – und keiner sieht hin

Des einen Leid ist des anderen Freud: Unser Tennisblog stand mehrere Tage lang an erster Stelle bei der Suchmaschine von „Google“, wenn man das Schlagwort „Deutsche Tennismeisterschaften 2014“ eingab. Wir hatten uns weiterhin gesträubt, irgendwelche Gelder an das Unternehmen zu überweisen, um mit dieser Manipulation höhere Ränge in den Suchlisten zu „ergattern“. Auch die Besucherzahlen in diesem Zeitraum waren eher rückläufig. Der wahre Grund für dieses „stolze“ Ergebnis ist die traurige Tatsache, dass in den Internet-, Print und TV-Medien diese Veranstaltung sonst vornehm ignoriert wurde. (Siehe Kommentar von Turnierdirektor Rolf Schmid)

Bevor wir dieses Sinnbild für den Rückgang des weißen Sports in Deutschland kommentieren, wollen wir die Spitzensportler würdigen, die sich in Biberach bei den nationalen Titelkämpfen mit ihren Leistungen in den Vordergrund (wirklich?) gespielt haben:

Den Zuschauern wurden in beiden Endspielen attraktives und spannendes Tennis geboten. Die Matches gingen beide über drei Sätze und wurden nur durch Nuancen entschieden.

Bei den Damen setzte sich die 18-Jährige Antonia Lottner – in Düsseldorf geboren und für Berlin spielend -  gegen die 19-jährige Hamburgerin Carina Witthöft mit 6:4, 2:6 und 7:5 durch.

lottner

Bei den Herren siegte der Aachener Andreas Beck (28 J.) gegen den gebürtigen Bückeburger Daniel Masur (20 J.) mit 4:6, 6:3 und 6:4.

beck

Dass diese nationalen Titelkämpfe in der Öffentlichkeit keine Resonanz finden, ist enttäuschend. Dass die Tennisinsider und Aktiven sich auch kaum für diese Meisterschaften interessieren, haben wir am eigenen Leib miterlebt.  Dass eine derartige Ignoranz am dünn-brüchigen Glanzlack des Images des Tennis weiter kratzt, sollten alle Protagonisten dieser Sportart in unserem Land bedenken und sich endlich „an die eigene Nase fassen“. Dieses Desinteresse ist noch unverständlicher, wenn die Aussage unseres Bundestrainers Arriens der Wahrheit entspricht: „Auch aus Spielerkreisen höre ich nur Gutes über die Veranstaltung und dem Umfeld.“

Wo ist die Solidarität, wo ist die Verantwortung für den Sport und die Dankbarkeit gegenüber den ehrenamtlichen Helfern?

Okay, wir wissen, dass das Interesse an diesem nationalen Tennisereignis seit Dekaden Jahr für Jahr abnimmt. Wir wollen die vielfältigen Gründe dafür nicht an diesem Ort diskutieren. Es ist sinnvoller, einige Vorschläge für eine mögliche  Veränderung in den Raum zu stellen:

Der DTB könnte mit seinen Medienpartnern im Vorfeld der Titelkämpfe Aktionen starten, um breiteres Interesse zu wecken. Zum Beispiel mit kurzen, gut platzierten TV-Clips von hoffnungsvollen Spitzentalenten, die bei den Titelkämpfen antreten.  Das entspräche  der Beurteilung unseres Bundestrainers Arriens – und der sollte es doch eigentlich richtig einschätzen: „Es ist vor allem aber eine Bühne für die Talente von morgen. Die Jungs sind heiß darauf, sich in die lange Siegerliste mit Namen wie Jürgen Faßbender, Michael Stich, Nicolas Kiefer oder Rainer Schüttler einzutragen. Der Stellenwert des Turniers ist also nach wie vor hoch.“

arriens

Na ja, da ist sicherlich noch Raum für eine Verbesserung des Stellenwerts … Vielleicht könnte der DTB jetzt aktiv eingreifen und sich mit den Veranstaltern der großen Turniere (Halle,  Hamburg, München, Filderstadt etc.) in Verbindung setzen, um  für die Bestplatzierten der nationalen Titelkämpfe Wildcards für das Hauptfeld  dieser attraktiven Weltranglisten-Turnieren auszuhandeln.

Das wäre ein motivierendes Moment nicht nur für die deutschen Nachwuchstalente:  Die Teilnehmer erhalten bei ersten Erfolgen ein für sie hoch interessantes Preisgeld und sie haben eine einmalige Chance,  sich besser in den Weltranglisten platzieren zu können.

Eine naive oder utopische Idee? Nein, es setzt nur Solidarität und Kooperationsbereitschaft der verschiedenen Tennisprotagonisten in unserer Nation voraus. Das gerade dieses zielorientierte Miteinander im deutschen Tennis bisher kaum stattgefunden hat, ist ein Rätsel, das mit rationalem Denken nicht gelöst werden kann…

Ohne diese partnerschaftliche Zusammenarbeit sägen wir uns aber alle endgültig den doch dünnen Ast ab, auf dem wir sitzen.

13. Dezember 2014
von admin
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Titelkämpfe auf der Zielgerade

Die deutschen Tennis-Meisterschaften in der Halle kommen auf die Zielgerade. Am Samstag wurden bei den Damen und bei den Herren die Semifinal-Matches gespielt.

Bei den Herren kam es zwischen dem an 1-gesetzen Andreas Beck und Maximilian Marterer zu einem ausgeglichenen und spannenden Kampf. Am Ende konnte sich der Aachener Beck knapp mit 4:6, 6:3, 6:4 durchsetzen.

Sein Finalgegner wird Daniel Masur sein. Der 20-Jährige schlug überraschend klar den Geheimfavoriten Kevin Krawietz mit 6:2, 6:2.

 masur

Bei den Damen steigert sich die Topgesetzte Carina Witthöft von Runde zu Runde. Im Halbfinale ließ die 19-Jährige Hamburgerin Sarah Gronert keine Chance und zog mühelos mit 6:2, 6:3 in das Finale der Titelkämpfe.

Für die Turnierüberraschung Katharina Hobgarski war das Semifinale jetzt Endstation. Die 17-Jährige unterlag Antonia Lottner aus Berlin 4:6, 1:6.

Die Endspiele Witthöft gegen Lottner bei den Damen und Beck gegen Masur bei den Herren versprechen attraktives Tennis. Fachleute sehen in Witthöft und Masur zwei junge Talente, die uns bald auf den großen Turnieren der WTA und ATP begegnen könnten.

Bei den Rollstuhl-Tennis-Meisterschaften sind die Entscheidungen schon gefallen. Die Titelträger sollen nicht unerwähnt bleiben: Katharina Krüger gewann bei den Damen und Sven Sommerfeld bei den Herren.