23. Juli 2014
von admin
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Tennis im deutschen TV

Sport war einmal in den Anfängen die schönste Nebensache der Welt.

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Die Zeiten sind längst vorbei. Die moderne Freizeitgesellschaft  hat sportliche Leistungen in das Zentrum ihrer Aufmerksamkeit gerückt.  Besonders die Massenmedien haben dem ehemals ungezwungenen Spielen und Bewegen längst ihren Stempel aufgedrückt, die Strukturen und Inhalte ausgebeutet und kommerzialisiert.

Als deutliches Beispiel für die Macht der Medien, kann das kollektive Leiden des brasilianischen Volkes nach der Halbfinalniederlage gegen Deutschland gelten. Kein Wort mehr über die Rebellion  gegen die Korruption der FIFA oder den Filz der brasilianischen Amtsträger. Plötzlich schien eine ganze Nation vereint -  in kollektiver Depression wegen eines 1:7 verlorenen Spiels.

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Als Liebhaber des „bunten weißen Sports“ war man plötzlich fast froh, dass Tennis in den deutschen Medien nicht mehr so präsent ist. Man atmete auf in dem Bewusstsein, dass Niederlagen von „Bumm Bumm Bine“ oder „Dust  in the wind Brown“ keine kollektive Depression in unserem Land hervorrufen können.

Das deutsche Tennis hat aktuell  anders gelagerte Probleme im Umgang mit der Medienberichterstattung.

Es ist die Tragödie des Tennis in den Massenmedien, das kaum noch sachkundige Journalisten über den Sport im Fernsehen berichten können. Im Viertelfinalspiel des Aufsteigers Zverev gegen Tobias Kamke in Hamburg, sprach der Eurosport-Kommentator nach dem ersten verschlagenen Ball von der Müdigkeit des Ausnahmetalents. Dieses Mantra  zog sich durch das gesamte Match. Bei jedem Punktverlust von Zverev wurde weiter darauf hingewiesen, dass die vorhergegangenen Matches die Kraft aus dem Körper des Schlacks gezogen hatten. Wenn ein Ball auf dem Sand versprang und einen Fehler Zverevs nach sich zog, war die Müdigkeit Saschas schuld, wenn sein Gegner mit einen verdeckten Stopp punktete, war es nur die Energielosigkeit des armen Sascha, die dem fein abgestimmten Spezialschlag seines Gegners zum Erfolg verhalf. Als Kamke den ersten Satz mit 6:0 gewann, folgte der objektive Kommentar mit Triumph in der Stimme: „Dieses Ergebnis ist eindeutig ein Ausdruck …“, na ja, wir wissen schon. Unbeachtet blieb auch in den nächsten zwei Sätzen, dass der Youngster sich längst frei gespielt hatte, dass Körper und Geist deutlich sichtbar Entschlossenheit und Siegeszuversicht verrieten. Als der – ach, so müde – Sascha im dritten Satz, dank seiner hervorragenden Kondition, gewonnen hatte,  blieb ein einordnender Kommentar aus. Da war der Kopf des Reporters nur von der „Müdigkeit“ ausgefüllt.

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Das nächste Beispiel gefällig? Bei den Übertragungen des Sky-TVs von Wimbledon hatten die TV-Zuschauer das zweifelhafte Vergnügen von mindestens 5 Plätzen Bilder und Kommentare in das Wohnzimmer geliefert zu bekommen. Dazu muss man wissen, dass Eurosport eine Allzweckwaffe besitzt, die eloquent – und nicht immer kompetent – über Skifliegen und Leichtathletik, über Darts und Fußball, über Skilanglauf oder irgendeine Ralley in der Pampa berichtet. Der „witzige Schnacker“ war in London nicht vor Ort.Sky hatte offenbar kein solches Allround-Talent im Aufgebot. Dafür ein Ensemble von  sogenannten Reportern, deren Informationen sich wohl – im günstigsten Falle – aus einem abgebrochenen Anfängerkurs in der lokalen kommerziellen Tennisanlage speisten. Da wurde ein Slice als Topspinschlag denunziert, da wurden fleißig Statistiken zitiert, die den aktuellen Spielverlauf auf den Kopf  stellten. Im Gegensatz zu dem „Tennisguru“ der Spartensender, der in Waldi Hartmann-Manier mit jedem Tennisprofi, der nicht schnell genug wegläuft, private Plaudereien gestaltet und dann der Welt bedeutungs-schwangere Informationen über die Wahl der Tennissocken oder die unruhigen Nächte der Kinder der Tennisstars  mitteilt, können diese Kollegen von Sky nicht einmal die Tennisprotagonisten auf der Anlage voneinander namentlich  unterscheiden.

Das Casting für die Kommentatoren-Auswahl der Wimbledonübertragungen muss bei Sky wegen Teilnehmermangel ausgefallen sein.

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Okay, unsere Kritik ist zugespitzt und ungerecht. In der postmodernen Welt muss man flexibel reagieren und öfters Jobangebote nutzen, bei denen man sich erst mit der Zeit sinnvolle Informationen und Erfahrungen aneignet.

Tragisch ist aber, dass gerade die Informationen, Nachrichten, Texte, Bilder und Kommentare der Massenmedien das aktuelle Image einer Sportart prägen. Wenn nicht schnell mehr sachkundige, differenzierungsfähige und auch emotional teilnehmende Reporter die internationalen Bilder vom Tennis in Deutschland kommentieren, dann wird Tennis in unserem Land in eine Nische gedrängt, wie der Kleingartenverein vor den Toren unserer Heimatstadt.

Dann ist Tennis auch keine Lebensart mehr, von der einige Nostalgiker noch heute schwärmen.

Wir empfehlen allen Liebhabern des weißen Sports, in die Tennisübertragungen des englischen Senders BBC während des Wimbledonturniers zu „zappen“. Dort kommentieren versierte, aber zurückhaltende Sportreporter, unterstützt von fachkundigen Experten. Da wird Tennis am Bildschirm zum Erlebnis. Der Zuschauer gewinnt überraschende Einblicke in das Geschehen, ihm werden interessante Perspektiven angeboten. Da sitzt dann auch Boris Becker am richtigen  Platz – als Co-Kommentator. Und findet weltweiten Respekt für seine knappen, aber treffenden Beiträge…

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Von dieser Qualität der Berichterstattung über Tennis sind wir meilenweit entfernt. Die Engländer zeigen uns aber, wie es in Zukunft aussehen könnte.

Es gibt einen klugen Satz über Kommunikation: „Wenn jeder Mensch nur über das urteilen würde, was er wirklich weiß, herrschte eine große Stille, die man zum Lernen nutzen könnte.“

Oft haben wir uns gewünscht, dass dieses Prinzip bei Sportübertragen im TV befolgt werden würde. Meist sagen Bilder mehr als tausend Worte.

22. Juli 2014
von admin
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Mona Barthel holt Titel!

Die Leistungen der deutschen Herren bei den German Open Championships hatten die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich gezogen. Weniger als 600 Kilometer weiter im Norden, hat zur gleichen Zeit eine junge deutsche Frau für Furore gesorgt. Die Neumünsteranerin Mona Barthel hat bei den „Collectors Open“ im schwedischen Bastad, das mit 250 000 Dollar dotierte Turnier gewonnen!

„Der Titel bedeutet mir sehr viel. Es war ein sehr schwieriges letztes Jahr für mich, und ich bin froh, dass ich jetzt den Titel gewinnen konnte. Die ganze harte Arbeit der letzten Monate hat sich ausgezahlt“, erklärte Barthel.

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Das Turnier im schwedischen Badeort war von Anfang an für Überraschungen gut. In der ersten Runde schieden die vier topgesetzten Spielerinnen Cornet, Pawlyuchenkova, Giorgi und Shevedova (gegen Laura Siegmund!) aus. In der zweiten Runde verloren die Deutschen Annika Beck, Julia Görges und auch Laura Siegmund.

Mona Barthel bezwang im Viertelfinale die Estin Kanepi, setzte sich nach hartem Kampf gegen die Spanierin Soler-Espinosa in drei Sätzen durch und triumphierte dann im Finale gegen die Südafrikanerin Chanelle Schepers mit 6:3 und 7:6.

Mit diesem Turniersieg in Schweden verbesserte sich die Norddeutsche von Position 63 auf Rang Nr. 42 der Weltrangliste. Es war ihr dritter Titelgewinn auf der WTA-Tour. Die Neumünsteranerin hatte 2012 beim Turnier in Hobart ihren ersten Titel gewonnen, der zweite Titel folgte ein Jahr später beim Hallenturnier in Paris.

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Der tolle Erfolg von Mona ist ein gutes Omen für das Federation-Cup Finale in Tschechien. Vielleicht kann die 24-jährige Barthel sich mit dieser Leistung auch für den Kader empfehlen. Andererseits hat Team-Kapitän Babara Rittner mit Angie Kerber, Andrea Petkovic, Julia Görges und  Anna-Lena Grönefeld eine erfolgreiche Truppe zusammengeschweißt. Da Sabine Lisicki zuletzt auch wieder positiv auf sich aufmerksam gemacht hat, kann die Bundestrainerin aktuell aus einem extrem starken Spielerinnen-Angebot schöpfen. Die Turniere in den nächsten Wochen werden sicherlich noch für weitere Aufschlüsse sorgen.

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20. Juli 2014
von admin
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Mayer-Feier am Rothenbaum 2014!

Hamburg ist ein gutes Terrain für argentinische Tennisprofis. Im letzten Jahr spielte sich Franco Delbonis durch die Qualifikation bis in das Finale der „German Open“ und schaffte den Durchbruch in der ATP- Weltrangliste. Im Jahr 2012 hatte sein Landsmann Juan Monaco sogar das Turnier gewonnen. Blickt man noch weiter zurück, findet man die Argentinier Guillermo Coria (2003) und Guillermo Vilas (1978) in den Siegerlisten des „Rothenbaums“.

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In diesem Jahr steigerte sich der „Gaucho“ Leonardo Mayer als Ungesetzter von Runde zu Runde und kämpfte heute gegen David Ferrer um den Titel. Auch für ihn kann das Turnier in Hamburg einen „Quantensprung“ in seiner Karriere bedeuten.

Die deutschen Tennisfans, die auf eine Finalteilnahme eines Landsmannes hofften, konnten sich trotzdem auf ein interessantes Endspiel freuen. Auf der einen Seite David Ferrer, die vorbildliche Solidität und kämpferische Entschlossenheit in Person, auf der anderen Seite der Argentinier, ein guter Aufschläger mit einer Vorhandwaffe, die auch der einzigen leichten Schwäche des Spaniers, der Rückhand, Probleme bereiten könnte.

Um 15 Uhr betraten die Finalisten den Center Court. David Ferrer konnte sich im hart umkämpften 1.Satz  im Tiebreak knapp durchsetzen.

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Im zweiten Durchgang verlor der Spanier zwischenzeitlich den Faden. Der Argentinier nutzte seine Chance, setzte sich klar mit 6:1 durch. Im entscheidenden Satz gelang Mayer früh ein Break. Bei 5:4-Führung und eigenem Aufschlag hatte er den Sieg schon vor Augen. Ferrer gab sich längst noch nicht geschlagen und ihm gelang der Ausgleich. Der Tiebreak brachte dann die Entscheidung. Nach 2 Stunden und 20 Minuten war die Überraschung perfekt: Leonardo Mayer verwandelt seinen ersten Matchball und war verdienter Sieger des ATP-Turniers in Hamburg! Nach 11 Jahren auf der ATP-Tour, hat er zum ersten Mal einen großen Titel gewonnen.

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Die Turnierwoche in Hamburg, die von vielen überraschenden Ergebnissen und außergewöhnlichen Auftritten geprägt war, hat auch mit einer kleinen Sensation ihren Abschluss gefunden.