6. Juli 2014
von admin
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“Beckovic” gewinnen das Wimbledon-Drama

Showdown in Wimbledon am Sonntag: Im Traumfinale treffen die Champions Roger Federer und Novak Djokovic aufeinander. Es ist auch ein Duell der „Comebecker“. Die beiden Coaches Boris Becker und Stefan Edberg nehmen kurz vor 14h Ortszeit in ihrer jeweiligen Playersbox Platz. In ihren Aufeinandertreffen im Wimbledon als Aktive führt Edberg mit einer 2 : 1 Siegbilanz.

fedberg

Im Match präsentieren sich von Satzbeginn an zwei ebenbürtige Topspieler. Beide Akteure dominieren souverän in ihren jeweiligen Aufschlagspielen. Ab dem neunten Spiel entwickelt sich eine Auseinandersetzung auf höchstem Weltklasseniveau. Ralleys mit über zwanzig Ballwechseln sind keine Seltenheit. Das ganze Repertoire an Schlagvariationen – vom Slice zum Stopp, vom „Serve and Volley“ zum Lob, wird vom Schweizer und vom Serben präsentiert. Nuancen werden diesen Satz entscheiden. Ohne einen einzigen Breakball mündet das Match in den Tiebreak. Federer wehrt zwei Satzbälle ab. Bei 8:7 verwandelt Roger dann,  unterstützt durch einen leichten Rückhandfehler des Djokers in vorteilhafter Situation, seinen ersten Setpoint zum Gewinn des 1. Satzes. Nuancen haben entschieden…Obwohl Djokovic in fast allen Statistiken zum Anfangssatz vorn liegt, hat er diesen Durchgang doch verloren.

federer

Trotzdem lässt „Nole“ sich im zweiten Satz „nicht hängen“. Im Gegenteil: er wird entschlossener, breakt Federer früh, als der ein Mal nicht überragend serviert. Ab 4:2-Führung seines Schützlings wirkt das Gesicht von Boris auf dem Trainersitz entspannter und zuversichtlicher. Edbergs Pokerface bleibt, wie es schon immer war… Der Serbe gewinnt gerade bei den längeren Ballwechseln Oberhand und serviert bei 5:4-Führung zum Satzausgleich. Leichte Vorhandfehler „Noles“ führen zum ersten Breakball Federers in diesem Durchgang. Ein Vorhandwinner des Serben folgt. Dann ein Ass. Mit einem gelungenen Smash beendet Djokovic das Spiel und damit den zweiten Satz mit 6:4.

nolesieger

Das Match auf Augenhöhe und auf höchstem Niveau setzt sich im 3.Satz fort. Wo sind die unter Umständen entscheidenden Unterschiede? Federer serviert etwa härter, geht entschlossener an das Netz vor. Djokovic hat leichte Vorteile in den Grundlinienduellen, returniert herausragend. Bis 5:5 gibt sich keiner der beiden Stars eine Blöße in den Aufschlagspielen. Federer muss dann zwei Breakbälle abwehren. Im Stil eines Champions  rettet er sein Servicegame mit 2 Assen. Djokovic gewinnt souverän sein Aufschlagspiel – der Tiebreak, als Zeichen der Ausgeglichenheit, muss wie im ersten Satz zur Entscheidung führen. Nach dramatischem Verlauf gewinnt der Serbe mit 7:4 und geht 2:1 nach Sätzen in Führung.

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Die Spannung im Publikum und bei den Spielern bleibt auch im vierten Durchgang erhalten. Bei 1:2 und Service des Schweizers erspielt sich der Serbe 3 Breakbälle in Folge. Der 32-jährige Eidgenosse kontert, gleicht mit bravourösen Schlägen auf Einstand aus. „Nole“ punktet mit zwei Winnern, geht 3:1 in Führung. Boris zeigt die geballte Becker-Faust. Aber der Patient lebt noch. Der Schweizer Champion spielt noch risikovoller, ihm gelingen Traumschläge und er breakt auf  2:3 zurück. Zum Entsetzen seiner Fans verliert Federer dann wieder sein Aufschlagspiel. Beide Kontrahenten spielen auch im nächsten Game am höchsten Limit – Djokovic setzt sich zum 5:2 durch. Der Schweizer serviert souverän, holt auf 3:5 auf. Dann gewinnt „der Löwe aus Basel“ zum Entzücken des Publikums auch das nächste Spiel. Wehrt bei eigenem Aufschlag den ersten Matchball des „Djokers“ mit einem Ass(nach Challenge!)  ab. Gewinnt das Game zum 5:5 Ausgleich. Der Serbe produziert anschließend drei Fehler in Folge. Den dritten Breakball nutzt Roger, geht 6:5 in Führung und lässt sich bei eigenem Aufschlag nicht mehr den vierten Satz nehmen. Das Drama geht in den letzten Akt. Das steckt Hitchcocks Thriller „in die Tasche“. Eine derartige Spannung kann sich kein Regisseur oder Drehbuchautor ausdenken!

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Bei 2:1-Führung muss Djokovic eine Verletzungspause nehmen. Der Schweizer verliert anschließend nicht seinen Rhythmus, bringt seinen Aufschlag ohne Punktverlust durch. Er erkennt seine Chance, greift jetzt häufiger im Edberg-Stil an, erspielt sich einige Breakbälle, aber der Serbe hält stand, erholt sich vom Schrecken nach der Verletzung und  erspielt sich selbst Breakbälle. Bis 5:4 aus Sicht des Serben gibt aber keiner mehr seinen Aufschlag ab. Dann kommt der 1.Service vom Schweizer nicht mehr, er produziert zwei Fehler mit Rahmentreffern und „Nole“ hat zwei weitere Matchpoints in Folge. Federer verschlägt eine Rückhand und „Beckovic“ hat Wimbledon 2014 gewonnen!

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Wir sind in diesem Bericht sehr in die Details gegangen – aber dieses Wahnsinns-Finale hat es verdient. In den nächsten Tagen werden wir ein Video von den Highlights dieses phantastischen Endspiels in das Netz stellen. Bilder sagen mehr als tausend Worte.

wimbledon

 

5. Juli 2014
von admin
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Petra Kvitova, the Queen of Wimbledon!

Als Highlight stand in Wimbledon am Samstag das Finale der Ladies auf dem Programm. Die Siegerin von 2011, die 26-jährige Petra Kvitova, hat 2014 wieder das Finale erreicht und hatte vor dem Match ihre Ambitionen verdeutlicht: “Ich weiß, wie es sich anfühlt, die Trophäe zu halten, und ich werde alles für meinen zweiten Titel tun”, sagte die Tschechin. Für ihre Kontrahentin, die 20-jährige Himmelsstürmerin Eugenie Bouchard, war das Erreichen des Endspiels offensichtlich eine Selbstverständlichkeit: „”Ich bin nicht überrascht, ich habe hart gearbeitet, ich erwarte gute Resultate”, bewertete die Kanadierin pragmatisch ihr erstes Vordringen in das Finale von Wimbledon. Obwohl „Genie“ als einzige Spielerin in den vorhergegangenen Grand Slams des Jahres 2014 jeweils das Semifinale erreicht hatte, hätte man doch mehr Stolz und Freude, angesichts dieses nächsten Schrittes auf dem Weg zur Spitze der WTA-Weltrangliste, erwarten können.

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Um 14 Uhr Ortszeit betraten die Spielerinnen den Rasen des Center Courts. Kvitova tritt von Anfang an aggressiv und risikoreich auf. Bei den Aufschlägen ihren Gegnern ist sie kompromisslos, spielt „Hopp oder Top“. Sie ist dabei erfolgreich, geht über 3:1 mit 5:2 in Führung. Hochklassige Ballwechsel begeistern das Publikum. Da die Tschechin diktiert, kann die junge Kanadierin meist nur reagieren – eine ungewöhnliche Situation für sie in dem bisherigen Turnierverlauf. Sie stemmt sich aber gegen die Niederlage, holt auf 3:5 auf, als ihrer Gegnerin erste leichte Fehler unterlaufen. Das verlorene Game kann Kvitova nicht aufhalten. Im nächsten Spiel verwandelt sie den zweiten Setpoint zum 6:3- Satzsieg. Im zweiten Durchgang setzt die Tschechin konsequent und entschlossen ihren risikoreichen Matchplan fort. Sie nutzt ihren „Lauf“ mit Erfolg und geht sofort 3:0 in Führung, baut den Vorsprung auf 5:0 aus. Für Eugenie sind die harten Powerschläge der Wimbledonsiegerin von 2011 am heutigen Tag einfach zu schnell. Nach 54 Minuten Spielzeit hat Petra Kvitova den ersten Matchball. Unwiderstehlich und vollkommen entschlossen, greift sie den Aufschlag ihrer Kontrahentin an, und gewinnt den zweiten Satz 6:0 – und damit das Match – mit einem unerreichbaren  Rückhand-Cross- Schuss. Die Tschechin erringt ihren zweiten Wimbledonsieg! Verdient! Das war einfach „Großes Tennis“!

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Es ist Zeit für ein Eingeständnis: Wir hatten uns weit aus dem Fenster gelehnt, den Wimbledonsieg der Kanadierin schon in der ersten Woche von Wimbledon angekündigt. Fehlanzeige! Wer sich weit aus dem Fenster lehnt, kann sich schnell und schmerzhaft auf dem Boden der Tatsachen wiederfinden … So what. Gegen den „Atomlauf“ von Kvitova war einfach „kein Kraut gewachsen“.

Nach dem „Ladies-Final“ wollen wir  zum Ende des Posts noch einen kurzen Blick in die Zukunft des internationalen Tennis werfen. In den Jugend-Konkurrenzen von Wimbledon haben sich bei den Girls vier Vertreter Osteuropas in die Runde der besten Vier gespielt: eine Tschechin, eine Slowakin, eine Rumänin und ein Lettin. Diese Struktur weicht nicht weit ab von der jüngsten Entwicklung bei den WTA-Turnieren.

Bei den Boys sieht das anders aus: in den Semifinals stehen drei US-Boys und ein Franzose. Das ist ein Versprechen für die Zukunft des US-Tennis. Bei den Herren stand in London mit John Isner gerade ein Repräsentant der traditionsreichen Nation  im Achtelfinale, bei den Damen hatte keine einzige Spielerin die Runde der letzten 16 erreicht. Ein Desaster! Die Spieler unter 18 Jahren werden diese nationale Katastrophe bald korrigieren und bei den Damen besitzt die USA mit Madison Keys(19 Jahre) und Coco Vanderweghe (22 Jahre) zwei Talente, die in den nächsten Jahren in die absolute Weltspitze vordringen können.

Und Deutschland?

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In Wimbledon hat sich kein Jugendlicher in den Vordergrund gespielt. Aber wir haben ja noch Alexander Zverev, der bei dem Challenger in Braunschweig in diesen Tagen für Furore sorgt. Im Viertelfinale hat „Sascha“  gestern sogar den starken Portugiesen Joao Souza geschlagen.