14. Juli 2014
von admin
Keine Kommentare

Tennisdamen auf ihrem Weg zum Weltmeistertitel!

Deutschland ist am vergangenen Sonntag Fußball-Weltmeister geworden. Der Jubel in unserem Land ist grenzenlos. Unser Nationalsport Nr.1 bewegt den Bundespräsidenten, die Kanzlerin und das ganze Volk. Wenn sich die gerechtfertigte Begeisterung gelegt hat, wird der Blick wieder frei werden für andere Sportarten. Zum Beispiel für Tennis. Im bunten weißen Sport haben wir in diesem Jahr noch eine weitere Chance, Weltmeister zu werden. Unsere Damen sind im Finale des Fed-Cups, der inoffiziellen Weltmeisterschaft der Tennisnationen.

teamge

Wenige Stunden vor dem Sieg unserer Nationalelf gewann in Bad Gastein ein prominentes Mitglied dieses Tennis-Nationalteams, Andrea Petkovic, das Finale des WTA-Turniers. Nach Siegen über Cepelova, Pfizenmaier undVoegele   trat Andrea im Endspiel des Kurortes gegen die Qualifikantin Shelby Rogers an. Das 21-jährige US-Girl hatte im Hauptfeld eine Topspielerin nach der anderen (Giorgi, Pliskova, Suarez-Navarro und Errani) aus dem Weg geräumt. „Petko“ setzte sich dann gegen die Nr.110 der WTA-Weltrangliste (vor dem Turnier in Österreich!) deutlich mit 6:3 und 6:3 durch. Nach diesem Sieg beeilte sich unser vorbildlicher „Teamplayer“ aus Darmstadt, den Flug nach Berlin zu erreichen, um beim Public Viewing in der Hauptstadt das Finalspiel der Nationalelf in Rio de Janeiro mitzuerleben. Auch dieser Trip war bekanntermaßen von Erfolg gekrönt.

petko

Ihr Sieg im Finale von Bad Gastein und der Triumph der Nationalelf sind ein gutes Omen für das Federation Cup- Finale, das Anfang September in Prag gegen Tschechien ausgetragen wird. Das Team unseres Nachbarlandes wird von Petra Kvitova, der frisch gekürten Wimbledonsiegerin angeführt. Aber der Teamgeist von Kerber, Petkovic und Captain Babara Rittner kann „Berge versetzen“. Das haben wir schon in Australien und in der Slowakei miterlebt, darauf können wir auch in der „Goldenen Stadt“ vertrauen.

team

Auch die deutschen Tennisherren können dafür sorgen, dass nach dem Finalsieg der Deutschen bei der Fußballweltmeisterschaft auch andere Sportler mit ihren Leistungen die Begeisterung der Nation wachhalten können. Bei den „bet at Home Open German Championships“ in Hamburg können Kohlschreiber, Struff, Brown und Gojowczyk sowie die „local heroes“ Kamke, Reister und Zverev gegen die starke Konkurrenz von Ferrer, Fognini, Robredo, Dolgopolov oder Youzhny dafür sorgen, dass auch das deutsche Herrentennis sich positiv in der Öffentlichkeit darstellt.

zverev

Es ist uns eine Ehre, in den nächsten Tagen aus unserer Heimatstadt zeitnah von den großen Siegen und den überraschenden Niederlagen am Rothenbaum berichten zu dürfen.

12. Juli 2014
von admin
Keine Kommentare

Kurz vor der Weltmeisterschaft – eine Medienkritik

Im letzten Post sind wir den Ansprüchen einiger auserlesener User gefolgt und  haben einen kritischen Text in das Netz gestellt. Da das nächste Großereignis im Tennis, die German Open, erst in der nächsten Woche stattfindet, nutzen wir die Gelegenheit und veröffentlichen mit dem vorliegenden Text noch einmal problematisierende  Gedanken.

Als gegebenen Anlass nehmen wir die Fußball- WM in Brasilien, die ganz Deutschland in Atem hält. Einige Beobachtungen zu dem Geschehen um unsere Nationalelf bieten Parallelen zu der aktuellen Situation im deutschen Tennis-Spitzensport.

aktuelle-wm-pokal

Vor dem „surrealen“ Triumph über Brasilien standen der Trainer, der Manager und einige Stars (z.B. Özil) immer wieder – besonders nach knappen Siegen oder gar Unentschieden gegen vermeintlich schwache Gegner – in der Kritik. Hauptargument vor der WM: die spielen zwar ganz schön, die gewinnen aber keine Turniere. Spielen assoziieren diese ewigen Nörgler mit „verspielen“ – von Chancen, von Titeln. Nicht das Erlebnis zählt, sondern ganz allein das Ergebnis. Als die deutsche Nationalelf gegen Schweden in der WM-Qualifikation in der ersten Halbzeit Fußball mit herausragenden technischen, spielerischen und kreativen  Momenten präsentierte und in der zweiten Halbzeit den Vorsprung einbüßte, wurde gleich der „Teufel an die Wand gemalt“ und der mangelnde Siegeswillen, die nicht vorhandene Killermentalität, das Fehlen von Spielerpersönlichkeiten, die die Führung an sich reißen, beklagt. Außer Acht gelassen wurde die hervorragende kämpferische und resiliente Einstellung der Schweden oder ihre Geistesgegenwart, das Erkennen und entschlossene Zupacken bei einer Chance. Übrigens haben die Spieler und das Trainerteam aus dem 4:4 gegen Schweden gelernt. Hohe Führungen sind seitdem nicht mehr „verspielt“ worden! Vielleicht war dieses Spiel sogar entscheidend für diesen Fortschritt.

Unabhängig vom Ergebnis war dieses Match  ein Erlebnis, wo das Zuschauen einfach Spaß gemacht hatte – wenn man die Perspektive nicht auf die „eigene Mannschaft“ verengt hatte.

Manchmal könnte ein „Blick über die eigene Nasenspitze hinaus“ dazu führen, dass man die Gesamtsituation besser erkennt, verschiedene wichtige  Aspekte berücksichtigt und deshalb zu einer informationsreicheren und objektiveren Erkenntnis gelangt.

Ghana hat gegen uns sehr gut gespielt, die USA hat bravourös gekämpft und die Algerier sind über sich gegen Deutschland hinausgewachsen. Sind diese Leistungen von der Öffentlichkeit respektiert, geschweige denn gewürdigt worden? Eine Aussage von Bundestrainer Löw könnte diesen Gedanken vertiefen: Er wies darauf hin, wie hauchdünn die Grenze zwischen Erfolg und Misserfolg in einem Weltmeisterschafts-Turnier ist. Dann führt er weiter aus: “Nach dem Spiel gegen Portugal sind wir schon Weltmeister, wir müssen die Emotionen herunterdrosseln, dann kommt Ghana, es läuft nicht so gut, schließlich rechnen alle damit, dass wir ausscheiden könnten. Panik, Untergangsstimmung sind das Resultat.“

löw

Etwas mehr Distanz, etwas mehr Gelassenheit und ein respektvoller Blick auf andere Nationen würden der öffentlichen Wahrnehmung gut tun – und dazu beitragen, dass am Sonntag die Nationalelf Weltmeister wird, weil sie nicht so unter öffentlichen Druck spielt, wie der Gastgeber Brasilien. Dann sind nicht wir Weltmeister, aber wir alle haben zumindest einen kleinen Beitrag zur Weltmeisterschaft geleistet.

Ein kurzer, vergleichender Blick auf das Tennis in Deutschland sei gestattet: Wir haben mit Dustin Brown aktuell einen Tennisprofi, der mit seinen Auftritten begeistern kann, der das Publikum in seinen Bann zieht. Es wäre ein Fehler, jetzt schon seinen Aufstieg in die Top Ten zu erwarten. Er braucht noch Zeit, um seine Fähigkeiten zu stabilisieren. Er hat ein enormes Potential, aber er hat eine internationale Konkurrenz, die in naher Zukunft alles tun wird, ihm diesen Weg zu erschweren. Also: kein Grund zur Panik, wenn er in Zukunft auch ein Mal ein Spiel nach eigenen Matchbällen verliert.

brown

Die Medien, die Fachleute und die Fans sollten eine Tugend einüben, die in Deutschland nicht mehr gepflegt wird: Geduld! Als Beispiel können wir wieder auf den Nationalsport Nr.1 zurückgreifen: Deutschland wurde 1954 zum ersten Mal Weltmeister und die internationale Öffentlichkeit sprach von Härte, von deutscher Kraft, Disziplin und Effizienz. Dieser Eigenschaften brauchen wir uns nicht zu schämen, aber in der Zwischenzeit hat sich das Bild von dem deutschen Fußball in der Welt gewandelt. Er gilt nicht nur als erfolgreich und effizient, sondern auch als ansehnlich. Die deutschen Fußballer „werden in der Welt nicht mehr gefürchtet und belächelt, sie werden gefürchtet und bewundert:“( Zitat „Spiegel“ Nr.28,2014). Sie gelten als flink und kreativ.

In dieser Situation, in der unser Fußball weltweit große Anerkennung findet, suchen unsere Meinungsmacher, speziell die Boulevard-Presse, nur nach dem „Haar in der Suppe.“ Nach knappen Siegen, die als Kantersiege erwartet wurden, wird in „Bausch und Bogen“ unsachlich verteufelt. Da fehlt plötzlich Härte und Disziplin,  der Mangel an „Führern“, an Führungsspielern wird beklagt. Hinter diesen Kommentaren steckt ein System: da lobt man Menschen oder Menschengruppen unangemessen an die Spitze, um sie dann aus höchster Höhe fallen zu lassen. Das ist menschenverachtend. Da gilt nur die Formel „only bad news are good news“, die angeblich für die gute Quote sorgt. Wenn dieser Gedankengang stimmt, sind die Leser dieser Presseorgane ausschließlich geprägt von Neid und Schadenfreude. Charaktereigenschaften, die vor langer, langer Zeit als Todsünden galten.

Im Tennis sind diese unrühmlichen Hetz-Kampagnen gegenwärtig nicht zu beklagen. Das hat zwei Gründe: Wir haben bei den Herren nicht die Protagonisten, die man realistisch „an die Spitze schreiben“ kann und die deutschen Herren sorgen durch Skandale zu oft selbst dafür, dass man mit (Schaden-)Freude negativ über sie berichten kann.

Zum Schluss eine Einordnung unserer Argumentation: Es gibt eine kluge Aussage über Sport und Journalismus, die wir hier leicht variiert zitieren: „Tennis ist die Zeit, in der der Ball spricht. Alles davor und danach ist Geschwätz.“ Auf den gleichen Sachverhalt zielt die berühmte „philosophische“ Sentenz „Fußball ist auf dem Platz“, ab.

Wir stimmen diesen klaren Erkenntnissen zu. Und wissen, dass sie auch für uns selbst in aller Konsequenz gelten…

 

 

9. Juli 2014
von admin
Keine Kommentare

Weltmeister, Päpste und Wimbledonsieger

Ist Deutschland nach dem Wahnsinns-WM-Halbfinale gegen Brasilien schon aus dem Traum erwacht? Wir sollten die unvergesslichen Momente dieses Fußballspieles nicht vergessen, aber – Zitat Thomas Müller – „auf dem Boden bleiben“. Erinnern wir uns noch an die Kritik nach dem Algerien-Spiel, weil „wir“  nur(?) in der Verlängerung gewonnen hatten? Per Mertesacker hat mit seiner spontanen Reaktion unseres Erachtens die sportliche Wirklichkeit, aber auch die besserwisserisch-undifferenzierte Medienberichterstattung, sehr deutlich charakterisiert: Da freut man sich nach einem harten und erfolgreichen Kampf, das Ziel gemeinsam erreicht zu haben und muss sich kurz danach – ohne jegliche Einfühlung in die Psyche eines Leistungssportlers – gefallen lassen, dass der Sieg zu einem Versagen heruntergespielt wird.

Wir greifen diese Thematik auf, weil es im deutschen Tennis Parallelen in der öffentlichen Darstellung gibt. Novak Djokovic ist vor Tagen Wimbledonsieger geworden – betreut von unserer Tennislegende Boris Becker. Der Sieg des Serben – in einem phantastischen Finale gegen Roger Federer – ist von der deutschen Presse nur mit relativ wenigen Zeilen gewürdigt worden. Ausführlich wurde hingegen die Person Becker in den Vordergrund der Berichterstattung gerückt.  Als Ratzinger zum Papst gewählt wurde, war das gesamte deutsche Volk nach Bild-Schlagzeile am nächsten Tagen Papst, wenn die Nationalelf in Rio de Janeiro wieder gewinnen wird, sind wir alle Weltmeister und wenn Djokovic Wimbledon gewinnt, sind wir alle – und jetzt gehört auch Boris wieder dazu – Wimbledonsieger!

BILD, BU, 20.04.2005, Seite 1

Ist vergessen worden, mit welcher Häme die Medien über den neuen Trainerjob des „Leimeners“ von Anfang an berichtet hatten? Der „Comebecker“ ist da nicht so vergesslich. In einem kürzlich veröffentlichten Interview nimmt er zu diesem Thema Stellung:

„In Deutschland sehen mich die Menschen schon immer mit anderen Augen als im Rest der Welt. Das ist seit meinem ersten Wimbledonsieg so gewesen, und das ist auch so geblieben. Ich habe immer damit gelebt und mich davon auch nicht beirren lassen.“ Er führt weiter aus: „ Natürlich hatte ich mir den Start anders vorgestellt. Aber es war eben nur die erste Etappe eines längeren Weges. Manche haben da schon eine Rechnung für Becker und Djokovic ausgestellt, obwohl die Saison erst im November endet. Jetzt hat Novak Großes erreicht, das wichtigste Turnier des Jahres gewonnen, Platz eins zurückerobert – das müsste den Blick nun eigentlich auch mal verändern auf unsere Arbeit. Auf eine gemeinsame Arbeit, die noch mehr bringen wird, da bin ich sicher. Wir haben noch viel vor.“

boris-becker-novak-djokovic

Der ehemalige Wimbledonsieger weiß, wovon er spricht. Als Jugendlicher war es aus dem deutschen Förderungskader geworfen worden, weil seine Fitness für die Zukunft nicht ausreichend genug  ausgebildet sei. Drei Jahre später stand der 17-jährige im Finale von Wimbledon. Die gleichen Leute vom DTB, die dafür gesorgt hatten, dass er nicht mehr gefördert wurde, hatten sich Plätze auf der Tribüne neben Vater und Mutter Becker besorgt. Als die TV-Kameras nach dem verwandelten Matchball zu den Eltern von Boris schwenkten, sprangen die Herren von ihren Sitzen auf und umarmten die beiden Ahnungslosen mit deutlich zur Schau gestellter Begeisterung und Freude. Die Gesichter waren nicht den Eltern zugewandt, sondern strahlten in die Kameras…

Auf diese Episode und „auf seine Gefühle anlässlich dieses Erlebnisses“  angesprochen, erwiderte Boris: „ Im ersten Moment wollte ich…“, er zögerte kurz, dann äußerte er nach kurzem Nachdenken: „Ach weißt du, das sind Trittbrettfahrer, denen begegnet man immer, wenn man Erfolg hat. Es lohnt nicht, sich über solche „Vertreter“ aufzuregen. Sie sind es einfach nicht wert.“

Boris-Becker-86

Wir haben dieses Thema aufgegriffen, weil etwas mehr Ausgewogenheit, Zurückhaltung und Differenziertheit in der Berichterstattung  der jeweiligen Sportart dienen würde.

Noch wichtiger: weil Neid die Beurteilungen nicht beeinflussen sollte. In diesem Zusammenhäng fällt uns die Aussage eines Literaten von Weltruf ein, als sein – später hochgerühmtes – Werk gleich nach Erscheinen von einem Literaturkritiker zerrissen wurde: „Diese Berufskritiker sind doch nur Eunuchen!“…

Im Zusammenhang mit der Mertesacker-Affäre, sei zum Schluss des Textes noch eine deutsche Bauernweisheit zitiert:

„Was kratzt es die Eiche, wenn sich eine Wildsau an ihr reibt.“