16. Juli 2014
von admin
Keine Kommentare

Sonne, Skandale und Sensationen am Rothenbaum

Am 3.Spieltag  der „bet-at-home-Open“ in Hamburg trat zuerst Tobias Kamke, der seit Jahren vom Turnierdirektor Michael Stich gefördert wird, gegen den letztjährigen Finalisten, Federico Delbonis, an. Auf Tobi kann man sich verlassen. Mit bedingungslosem Einsatz nutzte er seine Chance gegen den Argentinier und gewann den ersten Satz mit 6:3. Wer von einer Wende im zweiten Durchgang ausging, sah sich getäuscht. Der Lübecker überwand alle Nervosität, gewann auch den zweiten Satz(6:4) und zog als erster Deutscher in das Achtelfinale ein. Ein grandioser Auftakt an diesem sonnigen Tag am Rothenbaum!

tobias-kamke

Dann griff der Titelverteidiger Fabio Fognini auf dem Center Court in das Turniergeschehen ein. In seiner Auseinandersetzung mit Filip Krajinovic konnte man ein großes Schauspiel vom exzentrischen Italiener erwarten. Was er dann ablieferte, war reines Kasperletheater. Total gelangweilt spulte er seine Schläge ohne jeglichen Einsatz ab. Intensität zeigte er nur, wenn er die Bälle wütend auf die Tribüne drosch oder den Schläger auf den Boden „pfefferte“. Nachdem er den 1.Satz 4:6 gegen einen Gegner verloren hatte, der sein Warm-Up wegen Übelkeit abbrechen musste, zerlegte er sein Racket ganz auf der Bank. Die Lustlosigkeit prägte Grandsignore Fabios Spiel auch im zweiten Satz. Konsequent arrogant  schenkte er diesen Durchgang mit 0:6 ab. Eine verantwortungslose Unverschämtheit! Mit solchen Auftritten ruiniert man das Image des Tennis. Die vereinzelten Pfiffe aus dem Publikum waren berechtigt – aber auch der freundliche Beifall für den Serben (Nr. 152 der ATP), der mit diesem Sieg den größten Erfolg seiner bisherigen Karriere feiern konnte.

krajinovic

Als nächstes Spiel fand auf dem Center Court die Partie von unserer 17-jährigen Hoffnung Alexander Zverev und dem an 5-gesetzten Mikhail Youshny  statt. Diese Kontrahenten boten dem dankbaren Publikum „großes Tennis“. Das intensive Match auf Augenhöhe entschied im ersten Satz – zum Jubel der Hamburger Zuschauer – der Lokalmatador mit 7:5 für sich. Im zweiten Durchgang konnte bis 5:5 keiner der Spieler die Oberhand gewinnen. Der Russe steht sichtbar unter Druck. Bei 0:15 serviert er einen Doppelfehler. Sascha nutzt seine Chance und breakt zum 6:5. Er steht kurz vor einem sensationellen Durchbruch. Wie eine Wand steht das Publikum bei seinem nächsten Servicegame hinter ihm. Unser Ausnahmetalent erfüllt die Hoffnungen. Beim Stand von 40:15 verwandelt er den ersten Matchball zum 7:5, 7:5-Sieg. Hamburg hat nach Roger Federer und Tommy Haas jetzt einen neuen Publikumsliebling und Zuschauermagnet! Turnierdirektor Stich wird sich freuen, dass er Zverev die Wildcard für das Turnier gegeben hatte.

zverev_alexander5x4_Diashow

Das euphorisierte Publikum konnte sich auf das nächste spannende Ereignis freuen: Dustin Brown setzte sich mit Fernando Verdasco auseinander. Der Rastamann ließ es wieder „krachen“ auf dem Center Court und zog alle Register: Brillante Stopps, harte Services, gefühlvolle Volleys, knallende Vorhände – und viele  Fehler, bei denen der Ball nur von der Plane auf der anderen Seite in seinem freien Flug gestoppt werden konnte. Im ersten Satz überwogen noch die zu vielen Fehler und der Spanier konnte sich mit 6:4 durchsetzen. Das Bild änderte sich zur Freude der Zuschauer im zweiten Satz. Brown kam in seinen „Flow“ und glich  mit 6:2 aus. Der Entscheidungssatz war pure Spannung. Der Kampf auf Augenhöhe musste im Tiebreak seine Entscheidung finden. Bei 5:6 und 6:7 wehrt der Deutsch – Jamaikaner zwei Matchbälle ab. Die Zuschauer springen von ihren Sitzen auf. Bei 8:7 vergibt der Deutsche seinen ersten Matchball, holt sich mit dem nächsten Punkt die Führung zurück und erspielt sich einen weiteren Matchpoint. Verdasco hat ein Einsehen mit der Herzinfarktgefährdung der  „mitfiebernden“ Hamburger Tennisfans und serviert einen Doppelfehler. Nach Tobi Kamke und Sascha Zverev hat mit Dustin Brown der dritte Deutsche überraschend das Achtelfinale der German Open erreicht!

brown

Diesen sensationellen deutschen Siegeszug hätte Philipp Kohlschreiber in seiner Partie gegen den Portugiesen Gastao Elias fortsetzen können. „Kohli“ als Spielertyp ist das Gegenteil von seinem deutschen Vorgänger auf dem Platz: solide Technik contra abenteuerliche Schläge; klare Strategie gegenüber ständiger Improvisation; Rationalität auf der einen, pure Emotionalität auf der anderen Seite. Zu Beginn des Matches funktioniert das System Kohlschreiber noch nicht perfekt. Der Portugiese führt 5:4 nach einem Break. Mit Mühen gelingt dem Augsburger gleich ein Rebreak. Jetzt verliert Elias seinen Rhythmus und Kohlschreiber gewinnt den 1.Durchgang mit 7:5. Im zweiten Satz gibt der Bayer die neu gewonnene Dominanz nicht mehr aus der Hand. Mit einem 6:1 im zweiten Durchgang zieht er als vierter Deutscher in das Achtelfinale ein.

Vier deutsche Tagessiege – keine Niederlage! So kann es  weitergehen! Hamburg, das Tor zur Welt? Das war einmal. Hamburg ist ab heute die offene Tür zur Weltklasse für die deutschen Tennisprofis!

rothenbaum

Bei aller Euphorie verlieren Hanseaten nie ihre Sachlichkeit  – deshalb noch zum Schluss ein Blick auf die anderen Tagesergebnisse: Alexander Dolgopolov schlägt Jerzy Janowicz 6:4 und 6:1; Lukas Rosol bezwingt Joao Sousa 6:2, 6:4 und Juan Monaco unterliegt Andreas Seppi 6:1, 0:6 und 6:7. Der Argentinier Leonardo Mayer warf mit 7:6 und 7:6 den nächsten Gesetzten, den Spanier Garcia-Lopez, aus dem Turnier.

Der Tag hat Spaß gemacht. Ein Grund, auch am Donnerstag die Anlage am Rothenbaum zu besuchen. Wir werden nicht die einzigen sein, die in das deutsche Herrentennis-Mekka pilgern werden.

15. Juli 2014
von admin
Keine Kommentare

Vielversprechender Auftritt von Sascha Zverev in Hamburg!

Freudentag in Hamburg am Rothenbaum: ab und zu blinzelt die Sonne aus dem Wolkenhimmel. Diese gute Laune war ansteckend: im ersten Spiel auf dem Center Court zeigte  der „Hamborger Jung“ Alexander Zwerev vor gut gefüllten Rängen eine bravouröse Leistung. Wir haben vor einem Jahr „Sascha“ am gleichen Ort bei seinem ersten Auftritt auf einem großen ATP-Turnier gesehen. Welch ein Unterschied! Welch eine Leistungsentwicklung!

zverev

Mit deutlich sichtbaren Selbstvertrauen ging der 17-jährige in das Spiel und dominierte seinen holländischen Gegner Robin Haase von Anfang an. Bevor der Niederländer so richtig wach war, hatte er schon den 1.Satz mit 0:6 verloren. Kompromisslos und konzentriert zog unsere deutsche Nachwuchshoffnung auch den zweiten Satz durch und gewann ihn mit 6:2. Über das Spiel von Hasse können wir nicht aussagen: zu kurz dauerte das Match und zu wenig Chancen wurden der Nr.51 der Weltrangliste geboten, sich auszuzeichnen.

Wir haben einige Wettkämpfe von Alexander Zverev in der Vergangenheit gesehen – er hat jetzt einen riesigen Sprung gemacht! Der Turniersieg in Braunschweig vor zwei Wochen hat offensichtlich sein Selbstbewusstsein gestärkt. Erstaunlich ist die Verbesserung seiner Schnelligkeit in der kurzen Zeit. Das Betreuerteam hat erstklassige Arbeit geleistet: aus einem jungen Talent ist ein Profi geworden, der sich mit den internationalen Spitzenspielern schon jetzt messen kann. Wenn Sascha mental „auf dem Boden bleibt“, wenn „der Schlacks“ Schritt für Schritt seine Athletik verbessert, kann er noch Gipfel erstürmen.

Peter Gojowczyik hat in dieser Saison mit einigen sehr guten Leistungen auf sich aufmerksam  gemacht  und verdient die Wildcard vom Turnierleiter erhalten. In seinem Auftritt auf dem Center Court gegen den Argentinier Leonardo Mayer hat er aber zu brav und zu passiv gespielt. Die klare Zweisatz-Niederlage (3:6 und 2:6) entspricht leider komplett dem Spielgeschehen.

Auch Julian Reister wurde von der Turnierleitung nach seinem erfolgreichen Comeback mit einer Wildcard belohnt. Gegen den Tschechen Lukas Rosol musste der in Hamburg ansässige Reister leider bei 4:6 und 1:2 aufgeben. Wir hoffen, dass es sich nicht um eine schwere Verletzung handelt, konnten aber noch keine detaillierten Informationen erhalten.

tennis-ball-hitting-net

Hamburg ist bekanntlich das „Tor zur Welt“ und was ein richtiger Hanseat ist, der versteht sich auch als offener Weltbürger. Deshalb haben auch dieses Jahr wieder einige internationale Cracks den Weg zum Rothenbaum gefunden. Für die erste große Überraschung des Turniers hat der Österreicher Dominic Thiem, die aktuelle Nr.58 der Weltrangliste, gesorgt: Der 20-jährige Wiener schlug den an 8-gesetzten Spanier Granollers in drei Sätzen (2:6, 6:3 und 7:5)! Da tritt jemand in die Fußstapfen von Thomas Muster…

thiem_vorschau

Probleme hatte auch der an Nr.1-gesetzte David Ferrer gegen den Kasachen Kukushkin. Im ersten Satz war der Spanier noch nicht richtig in der freien Hansestadt angekommen. Zumindest seine Rückhand schien er beim Zoll zurück gelassen zu haben. 12 „unforced errors“, nur auf dieser Seite im ersten Durchgang, sprechen da eine deutliche Sprache. Folgerichtig ging der Auftaktsatz dann auch mit 2:6 verloren. Im zweiten Satz lief es für Ferrer besser und er gewann nach einem frühen Break 6:3. Bis 2:2 im entscheidenden Satz war das Match ausgeglichen, dann unterliefen dem Kasachen vermehrt leichte Fehler und der Topgesetzte zog in die nächste Runde mit 6:3 ein.

Der Argentinier Juan Monaco bezwang den Spanier Riba deutlich(6:3, 6:1) und der Pole Janowicz setzte sich gegen den Spanier Ramos-Vinolas ebenso unangefochten  durch(6:0, 7:5). Der Kolumbianer Giraldo hatte nur im ersten Satz größeren Widerstand von seinem französischen Gegner Benoit Paire zu überwinden und zog mit 7:6 und 6:0 schon in die dritte Runde ein.

tennisslomo

Das Turnier in Hamburg kommt langsam auf Touren.

 

15. Juli 2014
von admin
Keine Kommentare

Leiden die German Open am Weltmeisterschaftsfieber?

Der erste Tag der German Open am Rothenbaum in Hamburg stand noch im Schatten des WM-Fußballfinales vom Vortag. Nur wenige Tennisfans wollten auf dem Center Court die Tennisprofis bei ihrer Arbeit beobachten, obwohl interessante Partien mit deutscher Beteiligung auf dem Programm standen.

rothenbaum

Vor seinem hanseatischen Publikum startete der Lübecker Tobias Kamke (Nr.83 der Weltrangliste) mit Schwung und Entschlossenheit gegen den Finnen Jarko Nieminen und konnte deshalb auch den ersten Satz 6:3 gewinnen. Im zweiten Durchgang kam der Finne besser in das Spiel und konnte sich knapp mit 6:4 durchsetzen. Mit Einsatzbereitschaft und entschlossenem Kampf rang der Lokalmatador dann seinen in der Weltrangliste höher positionierten Gegner (Nr.58) im entscheidenden Satz mit 6:2 nieder. Ein bravouröser Sieg, ein optimaler Start des Norddeutschen in das Turnier! Die Chance, wichtige Weltranglistenpunkte zu sammeln, wurde genutzt.

arriens doppel

Jan-Lennard Struff ging gegen den 21-jährigen Serben Filip Krajinovic als Favorit auf den Platz. Den Auftaktsatz gewann der junge Deutsche dann auch erwartungsgemäß klar mit 6:1. Auch im zweiten Satz schien der Sieg eigentlich nicht gefährdet, aber kleine Fehler schlichen sich in das Spiel des Warsteiners ein und plötzlich hatte Filip Krajinovic  diesen Durchgang mit 7:5 für sich entschieden. Im dritten Satz konnte Struff nicht mehr die Dominanz zurück erobern und verlor überraschend mit 2:6.

Das Spiel von Dustin Brown gegen den Spanier Pablo Carreno-Busta hatte mehr Zuschauer verdient, als die paar Tennisfans, die sich auf den Tribünen verloren. Um zu Beginn des Matches seinen Sitznachbarn zu identifizieren, musste man sich eines Fernrohrs bedienen. Unbeeindruckt von den leeren Rängen starteten beide Spieler entschlossen und zielstrebig und gewannen ihre Spiele mit ihren harten Aufschlägen. Unser Rastamann spielte besonders auf der Vorhand „Hopp oder Topp“. Eine Vorhandrakete explodierte platziert in der Ecke des gegnerischen Feldes, die nächste Vorhandgranate zerplatzte direkt am Zaun. Beeindruckend war es, wie Brown die Big Points mit überragenden Volleys gewann. Diese Nuance führte dann auch zum Sieg des Deutschen im Tiebreak des ersten Satzes. Im zweiten Satz stabilisierten sich die Schläge des Deutsch-Jamaikaners immer mehr, dementsprechend ließ die Solidität des Spaniers nach. Logische Konsequenz dieser Entwicklung: Dustin Brown zog mit 7:6 und 6:3 in die zweite Runde der „bet at home Open“ ein. Wir hatten wieder Spaß am variantenreichen Spiel des Paradiesvogels und litten bei verschossenen Schlägen mit!

brown

Die niedrigen Zuschauerzahlen auf dem Center Court hingen nicht mit den Preisen zusammen. Auch das Wetter war nicht ausschlaggebend: Jeder Hamburger spricht von Glück, wenn es einmal nicht regnet und die grauen Wolken am Himmel sind allemal beliebter als das berühmt- berüchtigte „Schmuddelwetter“.  Vermutlich sind die Sportfans noch müde vom Feiern des Weltmeistertitels. An den Qualifikationstagen vor dem WM-Finale waren einige Plätze besser besucht, als am gestrigen Eröffnungstag.

Fragt man einige Besucher nach ihren Einschätzungen, hört man die generelle Antwort, dass das Fehlen der traditionellen Publikumslieblinge Federer und Haas bedauert wird. Einzelne beklagen, dass das Hamburger Turnier zumindest Nadal oder Djokovic präsentieren muss. Das sind die „ewig Gestrigen“, die Jahr für Jahr die Spiele des HSV boykottieren, wenn der „Bundesliga-Dino“ keinerlei   Chancen auf die deutsche Meisterschaft hat.

hsv-raute

Am heutigen Dienstag treten die ersten Gesetzten an und die Deutschen Kohlschreiber, Gojowczyk, Reister und Zverev greifen in das Geschehen ein. Da werden die Tennisfans sich schon mehr von den Strapazen des „Weltmeister-Seins“ erholt haben.

Wir bleiben am Ball.

tennislandschaft