24. März 2014
von admin
Keine Kommentare

“Heiße Schlacht im Urlaubsparadies Miami”

Wir leben im Land der weiten Horizonte. Deshalb haben wir uns auch in unserem Blog vorgenommen, über die eigene Nasenspitze hinweg zu schauen. Freunde von uns hatten aktuell aus Serbien oder Australien berichtet. In Miami, bei den Sony Open, einem „ATP-1000-Turnier“ setzt sich gegenwärtig der spannende Kampf von Nadal, Djokovic, Wawrinka, Murray und Federer um die Weltspitze fort. Ein guter Bekannter von uns, der für die Universität von South Florida in Tampa spielt, hat sich mit zwei Teamkollegen auf den Weg nach Miami gemacht, um das Spektakel hautnah zu erleben und uns von seinen Erlebnissen zu berichten.

miami2

In den letzten Posts hatten wir uns ausführlicher mit dem bemerkenswerten Aufschwung Federers im Jahr 2014 beschäftigt. Der Schweizer hatte sich erst kurz vor Beginn des Turniers entschieden, in Miami anzutreten. „Ich wollte abwarten, wie ich mich mental und körperlich fühle», berichtete Federer. Dass er mit seiner Familie nach Florida reisen werde, sei geplant gewesen. „Ich wollte Disney World besuchen und hatte am Mittwoch einen Sponsoring-Event. Nun bin ich aber auch froh, dass ich mich entschieden habe, zu spielen“, erklärt der Eidgenosse.

Bisher hat sich Rogers „Familienausflug“ und die Änderung seines Terminplans sportlich gelohnt. Nach 2-Satz-Siegen über Karlovic und De Bakker ist er in das Achtelfinale eingezogen.

Auch Nole Djokovic (sein Gegner Flo Mayer konnte wegen einer Verletzung nicht antreten), David Ferrer, Andy Murray und Jo Tsonga haben souverän das Achtelfinale erreicht. Rafa Nadal, Tomas Berdych und Stan Wawrinka können heute in die Runde der letzten 16 vorrücken.

miami

Man sieht, die gesamte Weltelite (außer Del Potro, der für längere Zeit ausfallen wird) hat sich an der Südspitze der USA eingefunden, um wertvolle Punkte in der Schlacht um die Weltspitze im Tennis zu sammeln. Als einziger Deutscher ist Benjamin Becker im hochklassigen Teilnehmerfeld geblieben. Er trifft heute auf den Qualifikanten Aljaz Bedene.

Unser „Floridakorrespondent“ Finn Meinecke wird uns im Verlaufe des heutigen Tages von seinen persönlichen Eindrücken berichten. Wir werden seinen Text dann sofort im Blog veröffentlichen. Heute Morgen hatte er uns erst einmal die Snapshots aus Miami, die diesen Post illustrieren, zugeschickt.

21. März 2014
von admin
Keine Kommentare

“Hoeneß und die Lehren, die das deutsche Tennis aus seinem Fall ziehen könnte”

Der „Fall Hoeneß“ spaltet aktuell die deutsche Öffentlichkeit in zwei Lager: Auf der einen Seite finden wir die hämische Freude über den Fall eines Mannes, der nicht nur im Sport für Erfolg stand.

Auf der anderen Seite artikuliert sich eine irrationale Solidarität der Hoeneß-Fans, die in blinder Anhängerschaft alle rechtlichen Gesichtspunkte – und damit ihr ureigenstes Interesse- außer Acht lässt.

Da werden keine Unterscheidungen mehr getroffen, nur noch Meinungen propagiert. Da äußern sich zwei getrennte fundamentalistische Lager, die einen zielgerichteten und sinnvollen Dialog von vornherein zum Scheitern verurteilen.

Gibt es Parallelen dazu im deutschen Tennis?

Ja, die gibt es -  trotz aller Unterschiede!

Ähnlich sind die hämischen Reaktionen auf das Straucheln von Personen, die im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen: In der Affäre Steeb wurde ohne Erbarmen eine ehemals verdienstvolle Persönlichkeit „in die Wüste geschickt“. Im Fall Becker wartet ein großer Teil der Nation nur darauf, dass Boris als neuer Coach von Djokovic scheitert. Auch der neue DTB-Präsident Altenburg hatte es von Anfang an schwer. Jeder Fehlgriff in seiner Amtsführung wurde als Skandal in die Öffentlichkeit getragen, vorbildliche Aktionen werden mit Achselzucken eher in die Privatsphäre abgeschoben. In allen diesen Ereignissen wird das Urteil sehr stark von dumpfer Anschauungslust und wohl auch von Neid geprägt.

altenb

Gerade in der „Angelegenheit Altenburg“ stellt sich die (rhetorische) Frage nach der Aufgabe des DTB-Beirats: Sollten die Vertreter der Landesverbände nicht in erster Linie die Arbeit des Präsidenten unterstützen? Sollte man nicht im internen Kreis mit dem Präsidenten Entscheidungen abwägen und gemeinsam, im Interesse der Sache, vielversprechende Projekte voranbringen?

In der Rubrik „Zeitgeist“ (!) hat der Redakteur des Wochenmagazins „Die Zeit“, Josef Jessen, einige bedenkenswerte Sätze formuliert, die kennzeichnend für die gegenwärtige „Kommunikationskultur“ in unserer Gesellschaft sein könnten.

Da wird behauptet, dass es in der heutigen Welt „weder Helden noch Schurken von Format“ gibt. Deshalb wird „das Triviale zur Sensation, das Model zum Rollenmodell, die Hotelrechnung Wulffs zur Staatskrise und das unausweichliche Schuldgeständnis eines Hoeneß zur vorbildlich-moralischen Geste“ gemacht.

Provokant stellt Jessen die Motive dieses Verhaltens dar: „In Wahrheit genießen wir die Langeweile (als Synonym könnten wir dafür „Sicherheit“ einsetzen) – und gieren umso mehr nach dem Kitzel. Der Voyeurismus ist der Kick ohne Risiko und Reue“.

Wir werden den Wahrheitsgehalt dieser Argumente in dem Blogtext nicht weiter untersuchen oder gar bewerten. Es ist aber sinnvoll, einige grundsätzliche Empfehlungen für das „Projekt Tennis“ aufgrund dieser Kritik zu entwickeln:

Unsere Wahrnehmung sollte nicht von Neid oder Voyeurismus verschleiert werden.

Profilsucht sollte im Denken der Tennis-Verantwortlichen „hinten anstehen“.

Man sollte ständig überprüfen, ob Vorurteile die Einstellung beeinflussen.

Wir sollten Sachverhalte klar analysieren, Unterscheidungen herausarbeiten und erst dann Lösungen entwickeln. Undifferenzierte und verallgemeinernde Meinungen haben keine Tragfähigkeit. Albert Einstein hat wohl recht: „Es ist schwieriger, eine vorgefasste Meinung zu zertrümmern als ein Atom.“

Wir sollten nicht nur unsere Sicherheiten und Gewohnheiten pflegen, nicht nuran unseren Sitzen kleben“.

Wir sollten den „Kick“ und den „Kitzel“ nicht im Scheitern von VIPs finden, sondern mit Mut neue Wege einschlagen, die richtungsweisend sein könnten

Wir sollten miteinander und nicht gegeneinander Projekte voranbringen.

Wir wissen, das klingt banal.

Wenn wir aber in Zukunft nicht danach handeln, wäre das fatal.

 

Im anschließenden Video könnt ihr noch einmal den Führungsstil von Hoeneß miterleben:

18. März 2014
von admin
Keine Kommentare

“Djokovic und Federer ohne Becker und Edberg im Finale von Indian Wells”

Die Augen der internationalen Tennisöffentlichkeit waren gespannt auf eine kleine Stadt in der kalifornischen Wüste gerichtet. In Indian Wells wollte die Legende Roger Federer seinen zweiten Turniersieg in der Saison 2014 nach Dubai verwirklichen. Das Vorhaben ist denkbar knapp gescheitert. Mit 3/6 6/3 7/6 setzte sich der Serbe Djokovic am vergangenen Sonntag in dem Finale des mit 6,3 Millionen dotierten ATP-Turniers gegen den Schweizer durch.

Bis in das Finale hatte sich Federer keine Blöße gegeben: nach dem Zweisatz-Sieg über Tommy Haas setzte er sich im Viertelfinale gegen den Südafrikaner Anderson 7/6 6/1 durch und erreichte das Endspiel mit einem klaren 6/3 6/1 gegen den Ukrainer Dolgopolov.

Die Endspielniederlage kann der Schweizer auf seinem Weg zurück an die Spitze leicht verkraften. Seine härtesten Konkurrenten Nadal, Murray und Wawrinka waren überraschend früh aus dem Turnier ausgeschieden und in einem Match auf Augenhöhe gegen Djokovic demonstrierte Roger, dass ihn zu der absoluten Weltspitze gegenwärtig nur Nuancen fehlen. Die Statistik des Matches zeigte deutlich, wie extrem ausgeglichen das Match bis zum letzten Ball gespielt wurde. Der ausgelassene Siegesjubel des Serben nach dem verwandelten Matchball wies darauf hin, wie erleichtert Novak war, welchen Respekt er seinem Gegner zollte.

Die Turnierwochen im März 2014 haben Federers Angriff auf die Tennis-Weltspitze eine hohe Erfolgswahrscheinlichkeit gegeben. In den kommenden Wochen und Monaten wird der Kampf um die Spitzenplätze der ATP-Weltrangliste ein neues Spannungsmoment hinzu-gewinnen. Wir trauen Roger einiges zu und freuen uns auf die Reaktionen seiner schärfsten Konkurrenten bei den kommenden Auseinandersetzungen.

mirka

Für alle, die Federers weiteren Aufschwung bremsen wollen, haben wir sogar noch einen Tipp gratis: Wenn man wissen will, was in der Psyche des Schweizers gerade vorgeht, dann sollte man nicht auf die gegnerische Platzhälfte schauen, sondern den Blick nach oben, Richtung Playersbox, richten. Da sitzt seine Ehefrau. Mirka. Die kennt ihn in- und auswendig. Sie hat auch eigene Erfahrungen im internationalen Spitzentennis gewonnen: immerhin war sie unter ihrem Mädchennamen Vavrinec einmal die Nr.76 der WTA-Weltrangliste. Mirka ist der Spiegel der Seele Roger Federers. Wenn sie ihre Augen niederschlägt und den Kopf senkt, dann kann man sicher sein, dass ihr Ehemann auf dem Court in der nächster Zeitphase viele vermeidbare Fehler machen wird. Wenn ihre Augen funkeln und ein leises Lächeln auf dem Gesicht steht, dann wird Roger bald sein bestes Tennis spielen.

«Es ist kein Zufall, dass er nie ein Turnier gewann, bevor sie sich kennenlernten», behauptet Federers Manager Tony Godsick und charakterisiert damit die Bedeutung der gebürtigen Tschechin. Mit dieser „Frau hinter dem Erfolg“, mit dem Grand Slam- Coach Stefan Edberg und dem ihm sehr vertrauten Nationaltrainer Severin Lüthi hat Federer Trümpfe in seinem Team, die wesentlich dazu beitragen können, dass in diesem Jahr der Sprung an die Spitze wieder gelingen kann.

Die engsten Personen im Umfeld des Stars aus Basel haben alle eine Eigenschaft gemeinsam: im Interesse des Erfolges Federers treten sie gern in den Hintergrund. Das kann ein weiterer Wettbewerbsvorteil sein…

Übrigens: in Indian Wells wurde Nole Djokovic von Marian Vajda betreut. Stefan Edberg war nicht in Kalifornien. Er hatte sich verabredungsgemäß eine Auszeit genommen.