8. März 2014
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“International Premier Tennis League – ein Blick hinter die Kulissen”

„Unser Konzept ist auf Spaß ausgerichtet. Es soll den Spielern auf den Courts und abseits des Platzes viel Freude bereiten.“  (Mahesh Bhupathi)

Den größten Hype im internationalen Tennis löst gegenwärtig die „International Tennis Premier League“ aus. In den Umkleideräumen der Tennisprofis bei den großen Turnieren in diesen Wochen ist das Vorhaben Gesprächsstoff Nr. 1, in den Fachzeitschriften entzünden sich heftige Debatten. Da lohnt ein Blick auf die zugrunde liegenden Strukturen dieses noch etwas kryptischen Unternehmens.

Die Idee stammt von dem indischen Doppelspezialisten Bhupathi, der nach Beendigung seiner Tenniskarriere sich jetzt als Sportmanager präsentiert. Für dieses neue Event, das so neu gar nicht ist, weil ein analoges Modell sowohl im Hockey, als auch im Kricket schon längst realisiert ist, hat sich der Inder einflussreiche Mitarbeiter gesichert: Fest eingebunden ist der ATP-Spielervertreter Justin Gimmelstob. Dahinter steht kluge Strategie: Die Spielergewerkschaften der ATP und WTA nehmen jetzt eine Überbeanspruchung oder sogar ein „Burnout“ ihrer Spieler/innen hin, weil sie sich bei den Akteuren mehr als unbeliebt machen würden, wenn sie ihnen diese zusätzlichen Verdienstmöglichkeiten nehmen.

Mit Boris Becker, dem neuen Coach von Djokovic und Nadals Manager Benito Perez-Barbadillo sind zwei weitere einflussreiche Personen im ITPL-Stab. Da überrascht es kaum, dass Nole und Rafa schon jetzt ihre Teilnahme zugesagt haben.

Chief Exekutive dieses Megaevent-Projekts ist Morgan Menahem, der Manager von Jo-Wilfried Tsonga. Ach ja, Jo-Wilfried ist natürlich auch von Anfang an dabei.

Anlässlich der Klagen aller dieser Teilnehmer, dass die ATP-und WTA-Turnierserie viel zu lang, viel zu belastend ist und sie jetzt in der Regenerationszeit plötzlich mit Begeisterung zum Racket greifen, könnte man den Eindruck gewinnen, dass ihre Manager etwas unverantwortlich mit der Karriere ihrer Sportler umgehen. Dass für die „Big Show“ und für „Big Money“ verantwortungsvolle Verhaltensweisen außer Acht gelassen werden.

Den Vorbehalt, dass die Premier League als Post-Season-Event die Gesundheit der Aktiven nachhaltig schädigen könnte, wischt der indische Neumanager mit folgendem Argument vom Tisch: „Die Spieler kennen ihren Körper sehr gut, sie entscheiden am besten über ihn!“. Das klingt richtig, wenn die Spieler wirklich über ihre Körper entscheiden würden – und nicht ihre Manager…

Dem nächsten Vorwurf, dass die ITPL eine gigantische Show-Veranstaltung ist, entgegnet der Inder mit lakonischen Sätzen, die zum Nachdenken anregen: „Die ITPL ist ein ernst zu nehmender Wettbewerb. Das Wort Show ist im Zusammenhang mit der „Tennis Premier League“ ein Tabu!“. Tabu ist ein ursprünglich religiöser Begriff, der von vornherein sich einer kritischen Nachfrage entzieht. Ob diese Aussage einer westlich aufgeklärten Weltanschauung standhält, ist zumindest zweifelhaft.

Die Argumentation der ITPL erinnert uns an ein Zitat aus dem bekannten Film „Truman Show“, der kritisch hinter die Kulissen des „Show-Business“ schaute: „Nie sieht man irgendetwas. Die dunkeln immer ab und ziehen den Vorhang vor.“

Am Wochenende wurden die Stars ihren Teams in Dubai anlässlich einer Versteigerung zugeführt. Nole, Serena, Ana und Rafa kamen „unter den Hammer“ des Auktionators. Hier verfestigt sich der Eindruck, dass Spieler und Spielerinnen wie Ware behandelt werden.

Sachdienlicher ist die Aussage Nole Djokovics in Hinsicht auf die Perspektiven dieses neuen Tennis-Wettbewerbs: „In Asien giert man nach Weltklassetennis. Da gibt es einen riesigen Markt für Tennis.“ Hier ist das Motiv zu finden, warum ATP und WTA dieses Megaevent dulden und warum die Stars mitmachen, obwohl sie sich der Heuchelei verdächtig machen. „Ich mag neue Ideen“, erklärt der Tscheche Berdych, „die Liga kann unseren Sport attraktiver machen“

Auch in einem anderen Aspekt hat die Premier League des weißen Sports eine interessante Perspektive: Die Fünf-Satz-Serie des Teamwettbewerbs dauere maximal drei Stunden, rechnete Bhapathi seinen Zuhörern anlässlich einer Präsentation vor, und sei somit perfekt für überschaubare Fernsehübertragungen. Die größte Klage der Fernsehanstalten sei doch immer gewesen, dass man keine Kontrolle über die Dauer die Spiele hat. Dem wirke das System der ITPL“ deutlich entgegen. Bhupathi versteht sein Geschäft – hohe TV-Einnahmen winken.

Weil man die Stars braucht, nimmt das Konzept der „ITPL“ Rücksicht auf die Protagonisten. Am letzten Wochenende hat Rafa Nadal öffentlich seine Teilnahme zugesagt. Was bisher eher im Geheimen diskutiert wird, ist die Art seines Auftretens. Es wird gemunkelt, dass er nur an einer Heimspiel-Serie seines Teams teilnimmt. Dann fliegt er in die Sonne, kann mit adäquaten Partnern trainieren, spielt drei Mal kurze Matches gegen die Vertreter der anderen asiatischen Teams, kassiert dafür jeweils 1 Million Dollar, wie jetzt bekannt wurde und fährt dann frohgemut nach Hause und bereitet sich sinnvoll auf die neue Saison vor. Murray, der als Investor in die IPTL eingetreten ist und auch schon seine Zusage als Spieler abgegeben hat, erklärt seine Einstellung: „Ich habe zugesagt, drei Nächte an einem Ort zu spielen. Da muss ich nicht quer durch den ganzen asiatischen Kontinent reisen. Wenn ich eine Woche Camp an einem Ort mache, an dem es warm ist, beste Trainingsvoraussetzungen herrschen und ich gegen die besten Spieler der Welt matchen kann, dann ist das doch sogar noch besser als in Miami, wo ich mich sonst aufhalten würde.“

Da hat er recht, das ist eine ideale und hochbezahlte Turnier-Vorbereitung. Aber das klingt nicht nach ernsthaftem Wettbewerb und Leistungsvergleich. Wird das aber nicht von dem Publikum in Asien erwartet?

Max Eisenbud, der Manager von Li Na, die sofort abgesagt hatte, vertritt die sehr deutliche Haltung vieler Experten, die nicht wissen, wie das Konzept funktionieren soll. „Aber ich hoffe, ich irre mich”, so Eisenbud.

Roger Federer nimmt vorerst auch nicht teil. Er begründete das damit, dass er sich das ganze Geschehen erst einmal genauer anschauen werde.

Das ist eine vernünftige Einstellung, die auch für die Skeptiker außerhalb des ATP- und WTA-Circuits richtungsweisend sein sollte.

Zum Schluss müssen wir doch noch einen kritischen Aspekt anführen: Nach unserem Wissen liegt in den Modellen Kricket, Hockey und Tennis ein elementarer Unterschied: Hockey und Kricket werden hier nach den gültigen Regeln der jeweiligen Sportarten gespielt, das Tennis nur wie ein „Schleifchenturnier“ über einen Satz pro Match.

6. März 2014
von admin
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“International Premier Tennis League” – The show must go on

In Asien wird in diesem Jahr die International Premier Tennis League aus der Taufe gehoben. Mit einem anderen Konzept als die bekannten Profi-Touren wird gegen Ende 2014 zum ersten Mal der neue internationale Teamwettbewerb ausgetragen. Also in der Zeit, in der die internationalen Turniere ruhen, um den Tennisprofis endlich Zeit zur Regeneration zu geben.

Bedenkt man die wiederholten Klagen der schmerzgeplagten Spitzenprofis, dass die Belastungen der WTA-und ATP-Turnierserien zu hoch seien und gesundheitsschädlich wirkten, überrascht die Entscheidung zu dieser neuen Wettkampfform im internationalen Tennis doch sehr.

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Ins Leben gerufen wurde dieses Mega-Event, bei dem die vier asiatischen Städte Mumbai, Bangkok, Singapur und Dubai gegeneinander antreten, vom indischen Doppel-Spezialisten Mahesh Bhupathi.

Der Spielmodus unterscheidet sich grundlegend von den bisher bekannten Varianten: ein Team besteht aus Herren, Damen und „Legenden“, es werden fünf Matches über nur einen Satz gespielt. Im Herreneinzel und -doppel, Dameneinzel und-doppel sowie im Mixed treffen die eingekauften Spieler der Städteteams aufeinander. Dabei spielt das Heimteam von Freitag bis Sonntag gegen die anderen drei Mannschaften. Terminiert ist das mit 24 Millionen Dollar dotierte Spektakel auf den Zeitraum zwischen dem 28. November und dem 13. Dezember 2014.

The show must go on.

Viele der sonst so überbelasteten Tennisstars haben jetzt mit Freude zugesagt und sich damit der verdienten Regenerationspause am Ende der Saison beraubt: Zum Beispiel Ana Ivanovic, die doch bei den Australian Open nur wegen einer schweren Verletzung im Viertelfinale scheiterte. Rafa Nadal und Nole Djokovic, die eigentlich bisher jede Gelegenheit genutzt hatten, sich über den unzumutbaren Stress der Turnierserien zu beklagen, dokumentieren eine frühe Schädigung ihres Kurzzeitgedächtnisses und haben nach kurzen Verhandlungen begeistert ihre Teilnahme an dem Post-Saison-Showevent mitgeteilt. Berdych, Murray, Tsonga, Wozniacki und Williams sind schon ihren teuren Teams definitiv zugeteilt. Die „Legenden“ Agassi, Ivanisevic und Hingis haben ihren Aufnahmeantrag für dieses „Tennis-Dschungelcamp“ in diesen Tagen hinterlegt.

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Die Herren und Damen des Tennis-Circuits laufen keinesfalls dem Geld nach – sie laufen ihm mit offenen Armen und Händen entgegen!

Ist es nachzuvollziehen, dass einige Spieler/innen Davis- oder Fed-Cup- Begegnungen wegen Überbelastung absagen, sich aber als „echte“ Mumbaier oder Dubaier gerne in der eigentlichen Regerationspause auf den Platz stellen?

Da freut sich der Skeptiker dann doch über die Meldung, dass Maria Sharapova, Na Li, Stanislas Wawrinka und Roger Federer den Veranstaltern der „Premier League“ eine Absage erteilt haben. Vielleicht haben diese Profis erkannt, dass langfristig die Gesundheit für sie wertvoller ist, als ein kurzfristig ausgezahltes finanzielles Honorar. Auf jeden Fall hält ihre Entscheidung bei den wohlgesinnten Außenstehenden das Vertrauen in die Glaubwürdigkeit des Tennisgeschäfts noch ein wenig aufrecht.

Natürlich spielt auch ein anderes Motiv bei den Teilnehmern am „Premier League-Spektakel“ eine Rolle: In der Premier Tennis League entscheidet immer nur ein Satz über Sieg und Niederlage der Teamspieler. Das erscheint wie ein sehr gut bezahlter Urlaub vom mühsamen Geschehen in den letzten Runden der Grand Slam Turniere – den bewunderungswürdigen Kämpfen mit den letzten Kräften für den Erfolg, die gerade Djokovic und Nadal uns immer wieder präsentiert hatten.

The show must go on…

Spielen da die Zuschauer mit? Ist das nicht Betrug am Publikum? Oder an den Tennisfans auf der ganzen Welt?

Oder will das asiatische Publikum sogar „verschaukelt“ werden – wie bei den makabren Wrestling-Shows? Ist Authentizität eine längst überholte Kategorie im modernen Profisport?

Auch wenn wir neuen Ideen und Impulsen gerne unseren Zuspruch geben, stimmt uns dieses Konzept doch nachdenklich. Ob eine künstliche, mit großen finanziellen Aufwendungen „gepushte“ Veranstaltung, bei dem der Leistungsgedanke an zweiter Stelle steht, zu einem Imagegewinn der Sportart führen wird, ist abzuwarten. Vielleicht wären die beteiligten Städte, die nicht als Hochburgen des Tennissports bekannt sind, besser beraten, Investitionen in eine nachhaltige Jugendförderung und den Aufbau einer Tennis-Infrastruktur zu tätigen.

4. März 2014
von admin
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“Das Padel-Spiel – eine Attraktion für die Jugend und den Tennisverein”

Im vorangegangenen Post haben wir dargestellt, dass Padel- Tennis ein geselliger Sport ist: „Leicht zu erlernen“ und „schnell mit Partnern zu spielen“. Das klingt vielversprechend, bedenkt man die Hürden, die manch andere Sportart für den Anfänger bereit stellt. Dieser schnelle Einstieg ist motivierend für die modernen Jugendlichen, deren Lebensstil dem mühsamen Erlernen von Techniken in standardisierten Übungssituationen nicht entspricht. Spaß und Spiel suchen die Jugendlichen in der Freizeit. Padel ermöglicht das in unvergleichlicher Weise von Anfang an. Die situativ benötigten Techniken kann man sich in individueller Freiheit, ohne einschränkende Maßgaben eines Lehrers, im Spiel selbst erwerben. Diese Art des Lernens entspricht übrigens den Forderungen der „Neurodidaktik“, die entdeckt hat, dass in konkreten Handlungen nachhaltiger gelernt wird, als durch verbale Instruktionen von Lehrern.

padelsonne

Jugendliche „Draufgänger“ sind häufig auf der Suche nach Herausforderungen und verlangen vom Sport mehr als nur geselliges Beisammensein. Das Austesten ihrer physischen und psychischen Grenzen, die Verbesserung ihrer technischen Fähigkeiten, Stilkönnen und individuelle Ausdrucksmöglichkeiten sind elementare Ziele ihres Sporttreibens. Trotz der begrenzten Spielfläche sind durch die aktive Einbeziehung der Glas- und Drahtwände unzählige Spielvariationen beim Padel-Doppel möglich. Im Spiel mit Tempo, Schnitt und Höhe der Schläge kann der Raum abwechslungsreich für das eigene Spiel einbezogen werden. Der Kreativität sind beim Padel keine Grenzen gesetzt. Die Jugendlichen können sich mit außergewöhnlichen Bewegungsformen selbst darstellen, sie können durch nachahmenswerte erfolgreiche Aktionen Profil gewinnen.

Der glasumrandete Spielraum sorgt dafür, dass die Bälle aus allen Richtungen auf den Akteur zufliegen. Das erfordert eine erhöhte Aufmerksamkeit. Die Position auf dem Platz wird stetig gewechselt, jeder neue Schlag verändert die Spielsituation. Diese Geschwindigkeit lässt sich auch in der Reaktionszeit wiederfinden. Aufgrund der kurzen Distanz müssen alle vier Spieler unter stetiger Spannung stehen und ihre Entscheidungen in Sekundenbruchteilen treffen.

Eine besondere Bedeutung beim Padel hat der Smash. Aufgrund der engen räumlichen Begebenheiten kommt der Überkopfball sehr häufig zum Einsatz und ist der wichtigste Schlag um einen Punkt zu erzielen. Hierbei ist die mit viel Kraft geschmetterte aber nur eine Variante. Nicht selten lädt ein zu kräftig an die Glaswand gespielter Ball die Gegner zum leichten Winner ein. Ein Abwägen zwischen Tempo, Schnitt und der Platzierung im gegnerischen Feld ist das Geheimnis der Padelvirtuosen.

Langeweile kommt beim Padel-Spiel nicht vor – Speed, Power und „Touch“ kennzeichnen die Aktivitäten auf dem Padel-Court und spiegeln das jugendliche Lebensgefühl damit wider.

Der Trendsport Padel-Tennis hat in Südeuropa und Südamerika unvergleichbare Begeisterung nicht nur bei den Jugendlichen hervorgerufen. Viele dieser Enthusiasten sind spielstarke Tennis- und Golfspieler und üben das Padelspiel nebenbei aus. Die meisten Tennisanlagen in Spanien haben längst Padel-Courts gebaut. Sie haben den Trend erkannt und genutzt. Mit den Padel-Plätzen bieten sie ihren Spieler/innen eine weitere Attraktion. Darüber hinaus können sie neue Mitglieder durch das Angebot hinzugewinnen. Einige Tennistrainer nutzen Padel-Tennis als zusätzliches Wahrnehmungs-, Reaktions- und Fitnesstraining für die Tennisleistungsspieler. Dass man Doppelstrategien entwickeln und den Teamgeist mit Padel-Tennis fördern kann, ist von den Coaches natürlich auch längst erkannt.

Inzwischen haben Golfanlagen, Hotels und Freizeitcenter in Europa den Padeltrend genutzt und ihre Resorts aufgerüstet. Die Attraktion des Padel-Tennis hat man auch in Schweden erkannt: Golf-Platzbetreiber haben sich mit dem Bau von Padelcourts gegen die Stagnation gewehrt, sich einer breiteren Zielgruppe geöffnet und sind damit für die Zukunft besser gerüstet.

Auch in Deutschland sollten wir begreifen, dass das Padel-Spiel keine Konkurrenz des traditionellen weißen Sports ist, sondern eine attraktive Ergänzung des Vereinslebens!

Und weil es so schön ist, gibt es zum Abschluss ein Highlight-Video von der Pro-Tour: