19. Januar 2014
von admin
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“Die letzten zwei heißen deutschen Eisen sind im Feuer verglüht”

Bevor wir auf das Abschneiden unserer beiden letzten deutschen Teilnehmer im Achtelfinale der Australian Open eingehen, nehmen wir unsere Chronistenpflicht ernst und tragen kurz die Ergebnisse der Matches nach, die bei unserer letzten Berichterstattung aus Melbourne noch liefen: Tsonga setzte sich in überzeugender Manier gegen den Landsmann Simon in drei Sätzen durch – wir können uns auf ein Highlight des Turniers in Melbourne freuen, wenn er im Achtelfinale jetzt auf Roger Federer trifft.

In einem hochklassigen Match- trotz des klaren Ergebnisses – zeigte Rafael Nadal bei seinem überzeugenden 6:1, 6:2, 6:3 Sieg über die französische Wundertüte Montfils, dass er zu Recht Titelambitionen hegt. In der nächsten Runde tritt er gegen die japanische Hoffnung Nishikori an.

Die Reise zum Final Shoot-Out des Turniers in Down Under kommt mit vielen spannungsvoll erwarteten Partien des Achtelfinals in die heiße Phase – und der Himmel hatte ein Einsehen, war von Wolken bedeckt und sorgte damit für angenehmere Temperaturen als in den brütend heißen letzten Tagen.

Von unseren beiden deutschen heißen Eisen im Feuer von Melbourne musste Angelique Kerber zuerst auf den Platz: Unsere Angie trat in der ehrwürdigen Rod Laver Arena am späten Vormittag in der ersten Spielpaarung gegen Flavia Penetta an. Eine motivierende Ehre oder doch eher ein Bürde? Kerber bemüht sich am Anfang, selbst Druck aufzubauen, ihr fehlt zu Beginn noch die Überzeugung bei Killerschlägen und sie verschlägt häufig sehr knapp. Penetta wirkt von Anfang an entschlossen und spielt sich im weiteren Verlauf des 1.Satzes in einen Rausch: 6: 1 für die leichtfüßige Italienerin. 13 Winner von Penetta stehen 3 Winner der Kielerin am Ende des Satzes gegenüber. Angelique fightet sich in das Spiel, steckt nie auf. Bis 4:4 wogt das Match zweier ebenbürtiger Gegnerinnen im zweiten Satz hin und her. Dann gewinnt die jetzt entschlossener auftretende Deutsche zwei Games in Folge:6:4! Im dritten Satz setzt sich bis 3:3 der ausgeglichene Kampf fort. Dann breakt die Italienerin, gewinnt ihr Servicespiel und geht 5:3 in Führung. Kerber wehrt sich tapfer gegen die Niederlage und gleicht zum 5:5 aus. Ein oder zwei unnötig verschlagene Bälle von Angie in vorteilhaften Situationen führen zu ihrer Niederlage: Penetta gewinnt den entscheidenden Satz mit 7:5. Das erste deutsche Eisen war im Feuer verglüht. Zwei Statistiken können vielleicht den Unterschied, der über Sieg oder Niederlage entschied, verdeutlichen: 8 Asse von Penetta, 1 Ass von Kerber; 43 Winner der Italienerin, 25 Winner der Deutschen im gesamten Match. Trotzdem: Angelique hat sich tapfer geschlagen.     

Nach diesem aus deutscher Sicht enttäuschenden Verlauf nahm Serena Williams den Court der Rod Laver-Arena in Besitz. Die aparte Ana Ivanova wehrte sich nach Kräften, ging nach Break sogar mit 3:2 im ersten Satz in Führung, aber gegen die gnadenlose Power der US-Spielerin war dann im ersten Satz doch kein Kraut gewachsen: 6:4 für die Turnierfavoritin. Im zweiten Satz forcierte Ivanovic noch mehr, nutzte jede Chance zum Netzangriff. Serena zeigte Respekt, Ana gewann den zweiten Satz. Die prall gefüllte Rod Laver Arena tobte. Im dritten Satz peitschte das Publikum Ivanovic weiter voran und sie nahm die Unterstützung dankbar an: bei 5:2 erspielte sie sich den ersten Matchball, vergab ihn mit einem leichten Vorhandfehler und verlor dann das Game. Unterstützt von leichten Fehlern der unter Druck stehenden Williams, gewann die Serbin dann aber doch ihr nächstes Aufschlagspiel zum 6.3. Die bisher größte Sensation des Turniers war perfekt. Serena war nicht „amused“. Ana strahlte.

Die an Position 4 gesetzte Na Li aus China, die in der Runde zuvor schon mehrere Matchbälle abwehren musste, schien sich von ihrem Schrecken gut erholt zu haben und ließ der Russin Ekaterina Makarova beim 6:2, 6:0 kaum eine Chance.

Im Anschluss an dieses Einzel lief Florian Mayer gegen David Ferrer als letzte deutsche Hoffnung in der Hisense Arena auf. Hatten wir zu viel erwartet, wenn wir dem deutschen Taktikfuchs eine kleine Siegchance eingeräumt hatten? Der Bayreuther erfüllte unsere gewagten Erwartungen schon im ersten Spiel. Er stoppte, er chopte, er lobte, er slicete, dass es eine Freude war und breakte den Spanier sofort im ersten Servicegame. Ferrer spielte aggressiv, der Deutsche widerstand. Bis 4:3 bei eigenem Aufschlag und Spielball trat Flo in bestechender Form auf. Dann breakte ihn Ferrer doch und ging anschließend 5.4 in Führung. Mayer hielt bis zum Tiebreak dagegen und gewann dann sogar mit einem mutigen Return den 1.Satz bravourös. Im anschließenden Satz konnte Mayer anfangs nicht mehr ganz das hohe Niveau halten und lag 1:4 zurück, als er den Spieß wieder umdrehte und auf 5:5 ausglich. Erbarmungslos behielt Ferrer in den nächsten beiden Spielen die Oberhand und gewann den 2.Satz mit 7:5. Das war endgültig der Turning Point: von diesem Zeitpunkt ließ sich Ferrer, der in Melbourne beweist, dass er zu Recht an Position 3 gesetzt ist, nicht mehr die Butter vom Brot nehmen. Mit 6:2, 6:1 in den nächsten Sätzen machte er alle deutschen Hoffnungen zunichte. Mit der Niederlage Mayers, der uns aber in Melbourne bis zum letzten Schlag immer Spaß gemacht hatte, muss jetzt der letzte deutsche Aktive schon nach den Achtelfinals die Heimreise antreten.

nole

Sorry, diese Aussage muss korrigiert werden: unser Boris nimmt ja weiter aktiv am Siegeszug Djokovics teil…

Das Leben in den beiden Tennisarenen in Melbourne ging weiter: Der bisher souverän aufspielende Tscheche Tomaz Berdych setzte sich mit dem Südafrikaner Kevin Anderson auseinander. Berdychs beeindruckende Grundschläge dominierten Anderson, der nur in der Qualität der Aufschläge ebenbürtig war: Der Tscheche setzte sich mit 6:2, 6:2, 6:3 durch und demonstrierte, dass bei den Herren selbst im Achtelfinale klare Klassenunterschiede herrschen.

Dieser Eindruck wurde von der nächsten Auseinandersetzung im Herren-Achtelfinal bestätigt: Dem Italiener Flavio Fognini hatten wir zugetraut, den dreimaligen Australian Open-Sieger Nole Djokovic in Schwierigkeiten zu bringen. Aber auf australischen Boden bringt Nole nichts aus dem Gleis Richtung Turniersieg. Auch wenn er kurz etwas nachlässt, scheint er sich im entscheidenden Moment immer wieder steigern zu können und sein scheinbar unerschöpfliches Potential zu nutzen. Das hatte er gegen den Italiener nicht einmal nötig. In beeindruckender Form zeigte Nole dem chancenlosen Fognini die Grenzen auf: 6:3, 6:0, 6:2. Es sieht weiterhin so aus, dass Boris Becker auch in 7 Tagen noch auf der Tribüne der Rod Laver Arena Platz nehmen wird.  

In der Nachtsession musste die Kanadierin Eugenie Bouchard gegen die letzte australische Hoffnung Casey Dellaqua und gegen das einheimische Publikum im Hexenkessel der Rod Laver Arena antreten. Das Aussiegirl gewann den ersten Satz im Tiebreak, musste sich dann aber der Kanadierin mit 2:6 und 0:6 geschlagen geben.

Und jetzt die Highlights des vergangenen Tages:

18. Januar 2014
von admin
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“Hitzefrei für unsere Teilnehmer und was sonst noch geschah”

Hitzefrei für die übrig gebliebenen deutschen Teilnehmer bei den Australian Open in Melbourne. Angie Kerber, die morgen gegen die Barthel-Bezwingerin Penetta spielt und Zauber-Flo Mayer, der gegen den an 3-gesetzten Spanier Ferrer antreten wird, hatten heute einen Tag Spielpause. Bevor sich Angelique in das Hotel begab, um neue Energien zu gewinnen, stellte sie sich den Veranstaltern noch zu einem Interview zur Verfügung. Die aus Polen stammende Kerber machte in ihren knappen Aussagen deutlich, dass sie längst Schleswig-Holsteinische Kultur angenommen hat. Als sie nach einer etwaigen persönlichen Beziehung zu ihrer morgigen sportlichen Kontrahentin gefragt wurde, verzog die Kielerin keine Miene: „Wir sprechen miteinander. Ich denke, wir sind Freunde. Wir gehen nie miteinander aus, aber wir haben eine gute Beziehung.“

kerber

Nicht viel ausschweifender antwortete sie auf die Frage, ob es ein Zufall sei, dass sie in den vier bisherigen Treffen mit der Italienerin, die wichtigen Grand Slam- Begegnungen alle gewonnen hatte: „Vielleicht. Ich weiß es nicht. Ich hoffe es. Vielleicht auch nicht. Ich weiß es nicht.“ Eine adäquate Äußerung auf eine Frage, die kaum von einem Mathematik- oder Philosophieprofessor sinnvoll hätte beantwortet werden können..

Kurzen Prozess machte sie auch mit der naseweisen Erkundigung, ob sie ihren Aufschlag noch verbessern will, weil der im vorangegangen Spiel so „shaky“ wirkte: „Ja, in der nächsten Trainingseinheit werde ich ein paar Aufschläge mehr als üblich machen.“

Wenn unsere letzte weibliche Hoffnung in Melbourne so cool morgen auf dem Platz reagiert, wie bei diesem doch etwas ungewöhnlichen Interviewfragen, dann wird sie auch die temperamentvolle Flavia Penetta in die Schranken weisen. Uns soll es recht sein.

Beim Hitzefrei-Tag der Deutschen musste die internationale Konkurrenz wieder auf die Courts, um die Achtelfinals zu komplettieren. Bei den Herren setzten sich die Superstars Federer gegen den Russen Gabashvili und Murray gegen den Spanier Lopez in drei Sätzen erwartungsgemäß durch und sind wie Djokovic noch ohne Satzverlust bei den Australian Open. Wawrinka war ohne Spiel in die Runde der letzten 16 vorgedrungen, weil sein Gegner wegen Verletzung zurückzog.

Auch David Ferrer hat sich bisher ohne Satzverlust durchgespielt – Zauber-Flo Mayer wird das bei ihrem morgigen Aufeinandertreffen ändern.

Beeindruckende und vielversprechende Auftritte lieferte bisher der Italiener Flavio Fognini. Auch wenn er jetzt gegen Beckers Schützling Djokovic ausscheiden sollte, werden wir in diesem Jahr noch erleben, dass er weiter vor auf der Weltrangliste klettern wird.

Der Bulgare Grigor Dimitrov beweist auch Down Under, dass er das Zeug hat, in die absolute Weltspitze vorzudringen. Mit seinem 4-Satz-Sieg gegen den hoch eingeschätzten Kanadier Raonic stellte er sein außergewöhnliches Talent auch gestern unter Beweis.

Gegenwärtig spielt in der Nightsession Nadal gegen Montfils und Tsonga gegen den anderen Franzosen Gilles Simon. Wir werden die Resultate nachreichen.

Bei den Damen hatte von den Topgesetzten nur die Position 4 gesetzte Chinesin La Ni größere Probleme: Sie musste Matchbälle abwehren, um sich dann doch gegen Safarova durchzusetzen.

Maria Sharapova „hangelt“ sich noch durch das Turnier: Nach dem 10:8 Sieg im dritten Satz über Karin Knapp in der 2.Runde, folgte jetzt ein mühevoller Erfolg mit 6:2, 7:6 gegen die Französin Cornet.

Auch die Polin Radwanska tat sich schwer, bis sie sich mit 5:7,6:2, 6:2 gegen die Russin Pavlyuchenkova durchsetzen konnte.

Mit überzeugenden Leistungen hat uns die attraktive Ana Ivanovic viel Freude bereitet. Beim Einzug in das Achtelfinale schlug die sympathische Serbin die Australierin Stosur nach dramatischem Kampf mit 6:7, 6:4 und 6:2. Leider trifft Ana jetzt auf Venus Williams.

Victoria Asarenka scheint sich in der Nachtveranstaltung souverän für die Runde der letzten 16 zu qualifizieren. Bei Redaktionsschluss hat sie gerade mit 6:0, 6:1 ihre Kontrahentin Meusburger aus Österreich vom Platz geschossen.

Die Spannung steigt weiter bei den Australian Open.

Wir hoffen, dass unsere beiden deutschen Teilnehmer den Ruhetag genutzt haben und werden natürlich wieder morgen von ihren Matches berichten.

So long.

Als Video haben wir heute das Ende des Matches von Kerber gegen Riske ausgewählt:

17. Januar 2014
von admin
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“…da waren es nur noch zwei”

Es bleibt heiß in Australien –  und das in doppelter Hinsicht:

Während die Temperaturen in Melbourne weiter auf Rekordjagd gehen, kämpfen sich die Profis mit brennenden Füßen durch das Tableau.

Und mittendrin ein heißes deutsches Duo, das sich allen Widrigkeiten zum Trotz in die vierte Runde und somit auch in die zweite Turnierwoche gekämpft hat.

Bei den Damen ist es Topspielerin Angie Kerber vergönnt, die deutschen Hoffnungen in der Damenkonkurrenz aufrecht zu erhalten. Sie bezwang in einer sehr starken Partie die US-Amerikanerin Alison Riske mit 6:3 und 6:4. Nach gutem Beginn leistete sich Kerber im ersten Satz ihre einzige kurze Auszeit, bevor sie beim Stande von 2:3 das Ruder rumriss und das Match in zwei Sätzen für sich entschied. Auffallend ist die starke Physis der konterstarken Angie, die ihr trotz der erschwerten Bedingungen im australischen Sommer eine gute Ausgangsposition zu geben scheint. Ihre etwas zu defensive Spielweise und die langen Wege hinter der Grundlinie, hat sie in Melbourne nuanciert und positiv verändert: sie spielte etwas aggressiver und nutzte die Chancen zum Angriff. Wenn sie so weiter so entschlossen agiert, können wir noch einiges von ihr erwarten.

Im Duell um den Einzug ins Viertelfinale trifft sie auf die Italienerin Flavia Penetta. An ihr scheiterte unsere zweite weibliche Hoffnung der letzten Nacht, Mona Barthel. Beim 1:6 und 5:7 war für sie mehr zu holen. Nach schnell verlorenem 1. Satz fightete Mona sich in die Partie zurück, konnte jedoch ihre 5:3 Führung im zweiten Durchgang nicht nutzen. Ihr Spiel war von Anfang an von zu vielen leichten Fehlern von der Grundlinie und auch mangelndem Siegeswillen geprägt. Auffällig waren die vielen Fehler auf der sonst so dominierenden Vorhandseite. Penettas unbedingter Siegeswille wurde belohnt. Vielleicht wurde Mona auch zu ihrer Spielweise gezwungen; das Match gegen Kumkhum hatte viele Energien gekostet. Um die aktuelle Auseinandersetzung abzukürzen, hatte sie unter Umständen versucht, schnelle Punkte zu erzielen.

Ganz souverän war hingegen der Auftritt des „Zauberers aus Franken“ Florian Mayer. Er bezwang die polnische Tennishoffnung Jerzy Janovicz klar in drei Sätzen mit 7:5, 6:2 und 6:2. Mit seinem unkonventionellen Spielstil schaffte er es wieder einmal einen Kontrahenten völlig zu verunsichern und ließ ihn nie wirklich ins Spiel finden. Beeindruckend: Mayer servierte 17 Asse, sein Gegner, als starker Aufschläger auf der Tour gefürchtet, nur 3! Dafür produzierte er allerdings 44 (!!!) „unforced errors“ – in drei Sätzen.

Als nächstes bekommt es der starke Mayer mit der spanischen Ballwand David Ferrer zu tun. Ein dicker Brocken, muss man doch davon ausgehen das unter der sengenden Hitze Melbournes die Ballwechsel lang werden. Wir sind gespannt, welche Varianten Flo noch aus seinem Schlagrepertoire gegen Ferrer aus dem Hut zaubert.

Letzte Nacht verabschiedete sich der Argentinier Juan Manuel Del Potro als erster Top-Ten Spieler aus dem Turnier der Herren. Die Elite scheint mit den harten Bedingungen besser zu Recht zu kommen als das übrige Feld und dominiert das Geschehen nach Belieben. Nadal, Djokovic, Federer, auch Murray und dahinter Wawrinka, Ferrer oder Tsonga – sie alle marschieren fast ohne Satzverlust durch die Konkurrenz und versuchen, sich im Schongang in die kommende Woche zu spielen.

Mit durchschlagendem Erfolg.

serena1

Ein etwas anderes Bild sehen wir bei den Damen: Über Allen thront weiterhin Serena Williams. Von den Top-Gesetzten mussten sich bisher nur Petra Kvitova und Sara Errani geschlagen geben. Hinter Williams gibt es mindestens zehn Spielerinnen, die jederzeit auch die anderen Topgesetzten aus dem Felde schlagen könnten. Dazu gehört auch Angie Kerber.

Ist das nicht eine beruhigende Perspektive für den weiteren Verlauf der Australian Open aus deutscher Sicht?

 

Als Service jetzt noch die Highlights vom vierten Tag: