16. Januar 2014
von admin
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“Hitzestopp Down Under”

An dieser Stelle wollten wir eigentlich über das Match von Michael Berrer berichten. Vorerst ist das Spiel wegen der Hitzewelle in Melbourne sinnvoller Weise verschoben worden: Am dritten Hitze-Tag nacheinander haben die Veranstalter des Grand Slams Turniers erstmals Matches wegen der hohen Temperaturen unterbrochen. Bei 42 Grad Celsius setzten die Organisatoren gegen 14 Uhr Ortszeit eine spezielle Regel in Kraft. Diese bemisst in einer Mischung aus Temperatur und Luftfeuchtigkeit einen Wert, wann es für die Akteure zu gefährlich wird, zu spielen. Gemäß einer sogenannten “Extreme Heat Policy” (EHP) mussten in den Partien auf den Außenplätzen die begonnenen Sätze zu Ende gespielt werden, dann wurden die Begegnungen unterbrochen. In den größeren Arenen wurde nach dem Ende die Dächer geschlossen und der Spielplan nach nur kurzer Unterbrechung fortgesetzt.

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Dieser Beschluss ist vernünftig und zeigt endlich Verantwortung für das Wohl der Sportler: die brutalen Bedingungen sind für alle Akteure eindeutig gesundheitsschädlich. Bereits am gestrigen Tag hatten verschiedene Teilnehmer in den Presse-Konferenzen die Veranstalter kritisiert. Sabine Lisicki: “Spieler und Ballkinder übergeben sich und kollabieren. Es gibt einen Punkt, an dem es zu heiß wird, um Sport zu treiben!“

Bisher ist eine Tatsache, die vor Jahrzehnten „in aller Munde war“ und die gerade in Australien unvergleichbare Gefahren für die Gesundheit der Menschen hervorruft, noch gar nicht berücksichtigt worden: das Ozonloch über dem fünften Kontinent. Ohne auf diese Gefahr speziell Bezug zu nehmen, geht die Kritik an der Informationspolitik von Maria Scharapova, die sich vorher unter diesen schweren Bedingungen gerade noch mit viel Glück gegen Karen Knapp nach dreieinhalb Stunden mit 10:8 im dritten Satz durchsetzen konnte, in die richtige Richtung: „Niemand weiß, was das Limit ist, kein Spieler, nicht einmal die Physios, wenn man sie fragt.(…) Es gibt viele offene Fragen, die geklärt werden sollten.“

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Die internationalen Spitzenspieler und Spitzenspielerinnen zeigen, dass sie wahre Profis sind: Sie demonstrieren nicht nur Top-Leistungen auf dem Platz, sondern agieren mit rationaler Verantwortung für das System  und mit beeindruckendem Weitblick außerhalb des Courts.

Und die Organisatoren handeln daraufhin einsichtig.

Ist das keine erfreuliche Nachricht von den Australian Open?

15. Januar 2014
von admin
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“The heat goes on”

Frühes Aufstehen für drei von sieben deutschen Teilnehmern, die im Einzel noch im Hauptfeld vertreten sind, am dritten Tag der Australian Open: Sabine Lisicki, Flo Mayer und Mona Barthel traten alle in der Vormittagssession der ersten Runde an. Konnte einer von ihnen schnell die Negativserie des Vortages brechen und damit den Teamkollegen neue Siegeszuversicht geben?

Sabine Lisicki traf auf die Rumänin Monica Niculescu. Ihrer Favoritenrolle wurde Bine schnell gerecht: agil und entschlossen startete sie das Match. Wir hatten den Eindruck, dass sie die eintägige Spielpause genutzt hatte: ihr Aufschlag war stark verbessert. Schon im Auftaktspiel servierte sie zwei Asse. Die Rumänin fiel mit ihrer sehr individuellen „Ion Tiriac Gedächtnis–Slicevorhand“ auf, war aber dem Druck der deutschen Powerfrau nicht gewachsen. Nach dem 6:2 Satzgewinn ließ Lisicki im Service nach, produzierte auch andere leichte Fehler, verlor den Rhythmus und versuchte trotzdem weiter die defensive Gegnerin vom Platz zu schießen. Resultat: die unorthodoxe Rumänin gewann 6:2. Die Tragödie setzte sich fort. Mitten im entscheidenden Satz fragte Sabine laut: „Was mache ich eigentlich?“ Diese Frage war berechtigt – wir hatten sie vorher schon öfters gestellt. Bine fand keine Antwort und verlor 2.6 im dritten Satz. Kleine Statistik gefällig? Lisicki schlug 43 Winner – die Rumänin 8; die Deutsche produzierte 56(!) unforced errors – Niculescu 18…  Die Damenlegende Martina Hingis, die in Melbourne Sabine begleitete, hat im Trainingsbereich „Taktik und Strategie“ in Zukunft noch einiges zu tun. Allerdings haben wir schon das Gerücht gehört, dass dieses Engagement der Schweizer Wimbledonsiegerin eine Eintagsfliege bleiben könnte. Wenn sich das als richtig herausstellt, war das ein teurer Publicity-Gag.

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Die Neumünsteranerin Mona Barthel hatte sich mit Luksika Kumkhum auseinander zu setzen. Die Thailänderin hatte nicht nur uns bei ihrem Erstrundensieg gegen die Turniergeheimfavoritin Kvitova begeistert. Mit stoischer Miene trommelte Mona dann ihre beeindruckenden Grundschläge in die gegnerische Hälfte, aber die junge Asiatin widerstand und gewann den ersten Satz 6:4. Der feine Unterschied, der den Satzgewinn ausmachte, war die größere Bereitschaft Kumkhums auch an das Netz vorzurücken – Mona spielte im gesamten Satz keinen einzigen Volley. Im nächsten Satz änderte sie die Taktik graduell, griff mehr an und setzte sich mit 6:3 durch. Auch im entscheidenden Satz blieb das Match ausgeglichen. Die Deutsche machte etwas weniger leichte Fehler – das führte zum 6:4 Sieg im dritten Satz. Dank Mona war der Bann gebrochen: endlich wieder ein deutscher Erfolg!

Unserer größten Hoffnung bei den Herren, Florian Mayer, war mit dem gesetzten Russen Mikhail Youzhny „ein richtiger Brocken“ zugelost. Der Franke ist bekannt für seine Stärke, sich auch dem höchsten Spielniveau anpassen zu können. Diese spezielle Fähigkeit machte Hoffnung. Mit seinem variantenreichen Spiel verschaffte er dem Russen dann auch von Anfang an Probleme und breakte ihn beim 4:4 im 1.Satz, um dann sein Aufschlagspiel sicher durchzubringen. Im zweiten Satz wendet sich dieses Match auf Augenhöhe: der Russe gewann mit 6:3. Im dritten Satz dreht Mayer den Spieß um, triumphierte mit 6:3. Youzhny konterte wieder im darauf folgenden Satz mit 6:3. Ein Spiel auf des Messers Schneide. Flo, der Taktikfuchs, nimmt seinem ebenbürtigen Kontrahenten zum 3:1 im 5.Satz den Aufschlag ab,, um bei eigenem Service die Führung auf 4:1 auszubauen. Kurz vor dem grandiosen Favoritensturz? Eiskalt serviert Herr Mayer bis 5:3, 40:15 durch, vergibt zwei Matchbälle, um dann das Spiel mit den nächsten beiden Aufschlägen erfolgreich zu beenden. Der zweite deutsche Tagessieg. Chapeau, Florian!

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Auf Schleswig-Holsteiner kann man sich verlassen – besonders im deutschen Damentennis. Das stellte Angelique Kerber wieder unter Beweis. Kurz und knapp – aber immer souverän – schlug Angie ihre russische Kontrahentin Alla Kudrryatseva mit 6:4, 6:2. Wenn sie ihre Services weiter verbessert, können wir noch einiges von der Kielerin auf der weiten Reise zu den Halbfinals erwarten. In der nächsten Runde wird es nicht leicht: ihre Gegnerin, die Amerikanerin Allison Riske, hat heute mit Yanina Wickmayer kurzen Prozess gemacht: 6:1, 6:1. Die Belgierin hatte vorher immerhin Dinah Pfitzenmaier „aus dem Feld geschlagen“.

Für Annika Beck war die Hürde Ana Ivanovic in der zweiten Runde zu hoch. Die Serbin bestimmte das Match und ließ der jungen Deutschen beim 6:1 und 6:2 Sieg kaum eine Chance. Das ist kein Beinbruch, Annika wird aus dem Match ihre Lehren ziehen und aufgrund ihres jungen Alters noch viele Chancen bekommen, auch Topspielerinnen zu bezwingen.

Dramatischer gestaltete sich das Match zwischen Julia Görges und ihrer Kontrahentin L. Davis aus den USA. Nach verlorenem erstem Satz fightete sich Julia zurück, gewann den zweiten Durchgang klar und musste sich im entscheidenen Dritten dennoch geschlagen geben: 5:7, 6:2 und 4:6 satnd es am Ende. Nach der starken Erstrundenpartie gegen Errani hatten sich Julia und viele Tennisanhänger sicherlich mehr erhofft. Andererseits hat sie sich nach ihrem schwierigen letzten Jahr wieder gefangen und wir sind gespannt, wohin ihr Weg 2014 führen wird.

In Australien ist alles immer ein bisschen anders – hang loose! Lokalmatador Hewitt trat am heutigen Tag mit der AussieTennislegende Patrick Rafter zum Doppel an. Der jetzt 41-jährige Pat hatte seine Karriere wegen Rückenproblemen vor jetzt 13 Jahren an den Nagel gehängt. In den letzten Jahren tourte er als Surfer an den australischen Küsten und hatte sich ab und zu auf der Young-Senior-Tour mit Erfolg gezeigt. Die beiden Aussies hatten viel Spaß. Wir auch. Beinahe hätten sie sogar gewonnen. Wahrscheinlich gehen sie jetzt gemeinsam surfen –Lleyton hatte am ersten Tag des Grand Slams schon sein Auftaktmatch gegen den Italiener Seppi im fünften Satz verloren.

Mit dieser internationalen Blickrichtung beenden wir jetzt erst einmal den Text und versprechen, dass wir in den nächsten Posts von den Australian Open unseren patriotischen Blick auf das Turniergeschehen etwas öffnen und zukünftig stärker die internationale Konkurrenz berücksichtigen werden.

Zum Abschluss seht ihr zusammengefasst die Highlights des zweiten Tages:

14. Januar 2014
von admin
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“Viel Schatten bei der Hitzeschlacht von Melbourne”

Tag 2

Der erste Tag der Australian Open war aus deutscher Sicht ein glanzvoller Auftakt. Von zehn Teilnehmern hatten sich sieben erfolgreich durchgesetzt. Am zweiten Tag traten acht weitere Profis aus unserer Republik an, um vergleichbare Leistungen zu erzielen. Von vornherein schienen die Aussichten etwas schlechter, weil der Druck auf die deutschen Spieler „des zweiten Tages“ nach den Erfolgen ihrer Kollegen/innen nicht geringer geworden ist. Wir sollten dabei nicht vergessen, dass die 1.Runde bei einem Turnier von allen Profis dieser Welt, die am meisten gefürchtete ist. Der Hintergrund dieser Furcht ist vielfältig: Die Profis sind sich vor dem ersten Match nicht ganz über ihre  aktuelle Form sicher. Sie haben viel Vorbereitungszeit und hohe Reisestrapazen unter Umständen ganz schnell umsonst investiert, wenn sie ihr Erstrundenmatch verloren haben. Und keiner hat Lust, nach einer frühen Niederlage zu den 50% „Loosern“ zu gehören, die in den Aufenthaltsräumen der Tennisprofis auf der Turnieranlage von ihren erfolgreicheren Konkurrenten mitleidig belächelt werden. Dieser besondere Druck erhöht sich natürlich, wenn man im fernen Australien zu einem Grand Slam antritt.

Am Dienstag stiegen die Temperaturen in der Hauptstadt des fünften Kontinents  noch weiter an. Bis zu 43 Grad Celsius machten aus den Turniermatches wahre Hitzeschlachten.

Der zweite Spieltag begann für die deutschen Teilnehmer, bevor der erste Ball geschlagen war, unglücklich: Philipp Kohlschreiber musste kurzfristig sein Match wegen Oberschenkelproblemen absagen.

Auch dem Qualifikanten  Peter Gojowczyk stand das Glück nicht zur Seite. Bei seinem ersten Grand-Slam-Auftritt verlor er gegen den Rumänen Victor Hanescu die beiden ersten Sätze denkbar knapp im Tiebreak und schied, nachdem er den dritten Satz mit 3:6 abgab, aus. Er wird aus dieser Erfahrung lernen und hoffentlich in der weiteren Saison an seine hervorragenden Leistungen in letzter Zeit wieder anknüpfen.

Der verletzungsgeplagte Julian Reister startete gut und gewann den ersten Satz gegen den etablierten Brasilianer Bellucci mit 6:4, gab den zweiten Satz 3:6 ab, um nach Verlust des dritten Satzes im Tiebreak das Match aufzugeben. Die Gründe sind noch ungeklärt – die brennende Hitze hat sicherlich eine Rolle gespielt.

berrer

Der andere Qualifikant Michael Berrer musste sich mit dem Franzosen Llodra auseinandersetzen. Mit seinem verdienten 6:4,7:5,6:1 Sieg sorgte er für den ersten deutschen Sieg bei den Hitzeschlachten des zweiten Spieltages.

Der aufschlagstarke Benjamin Becker dämpfte dann mit seiner Viersatzniederlage gegen den Aussie Nick Kyrgios (6:3, 6:7, 2: 6, 6:7) die wieder neu aufgefrischte deutsche Siegeszuversicht.

Den negativen Tagestrend setzte das Nordlicht Tobias Kamke gegen den Ami Jack Sock leider fort. Tobi fightete bis zum bitteren Ende: 6:7, 7:5, 2:6, 3.6.

Daniel Brands, der uns im letzten Jahr so viel Freude bereitet hatte, war gegen den an 18-gesetzten Giles Simon aus Frankreich die letzte Hoffnung, um zum Schluss doch noch mit einem deutschen Sieg den Tag positiv zu beenden. Wir saßen vor dem Live-Ticker und verfolgten von dort den 5-Satz- Krimi, weil Eurosport kein Kamerateam auf dem Court hatte. Bei 14:13 Führung Brands im entscheidenden Satz glaubten wir schon, dass unsere Mühen belohnt werden würden: 15:40 bei Aufschlag Simons: zwei Matchbälle für unseren Helden. Abgewehrt  – 14 :14 nach 4 Stunden harten Fights im Brutofen Australiens. Simon breakt dann das Servicegame Daniels (bis dahin 41 Asse!), Brands setzt noch einmal dagegen, führt mit 30:0 und muss sich dann doch am Ende mit 7:6, 4:6, 6:3, 3:6 und 14:16 geschlagen geben. Bad luck, Daniel. So what – du hast es verdient, wenn deine Füße dich noch tragen, am nächsten Tag deine Wunden am Strand von Melbourne zu pflegen. Die tragische Niederlage des Deutschen war charakteristisch für den „versauten“ (Zitat Klopp) deutschen Tag in Down Under.

Bisher haben die Legenden an der Seite der Turnierfavoriten in der Herrenkonkurrenz ihre Aufgabe souverän erfüllt. Der von Boris Becker unterstützte Nole Djokovic gewann sein Auftaktmatch in drei Sätzen gegen den Slowaken Lacko und Roger Federer, dessen neuer Begleiter Stefan Edberg das Spiel aufmerksam aus der Player‘s Box beobachtete, setzte sich ebenfalls souverän mit 6:4, 6:4,6:2 gegen den Aussie Duckworth durch.   

Zwei deutsche Damen hatten sich am zweiten Spieltag in Melbourne vorgenommen, als sechste und siebte deutsche Teilnehmerin in die 2.Runde vorzurücken: Andrea Petkovic und Carina Witthöft. Ohne Erfolg.

Die „Hamburger Deern“ Carina Witthöftt kämpfte nicht nur gegen die  Luxemburgerin Mandy Minella, sondern auch gegen die brütende Hitze. Mit 1:6, 4:6 musste sie sich beiden Gegnern geschlagen geben. Schade, aber allein ihre Qualifikation war schon ein Achtungserfolg.

Andrea Petkovic fehlte in ihrem Spiel gegen die gesetzte Slowakin das letzte Quäntchen Selbstvertrauen und Siegeszuversicht. Zu oft nutze sie klare Situationsvorteile nicht. Da knallte Petko dann schon häufiger aus Frust den Schläger auf den Hartplatz. Die gelassener agierende Slowakin ging am Ende klar als Siegerin mit 6:2, 6:3 vom Platz. 

Bilanz nach zwei Tagen: Zahlenmäßig sieht das nach dem zweiten Tag etwas anders aus als gestern: 7 deutschen Siegen stehen jetzt 10 Niederlagen gegenüber. Wir sollten die Kirche im Dorf lassen. Der zweite Spieltag bei den Australian Open hat aus deutscher Sicht die Bäume nicht in den Himmel wachsen lassen. Bleiben wir bescheiden und erfreuen uns an jedem einzelnen Weiterkommen eines deutschen Tennisprofis in Melbourne.

Wir können schon jetzt zuversichtlich unsere pessimistischen Leser beruhigen: Auch am Finaltag wird mit deutscher Beteiligung gespielt werden – wenn unser Oldtimer Boris auf der Tribüne an der Seite Djokovics teilnehmen wird…

Da uns noch keine Bilder von den Australien Open vorliegen, haben wir ein Video aus der letzten Saison für euch, dass das Leistungsvermögen von Brands eindrucksvoll belegt: