23. Januar 2014
von admin
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“Ruck Zuck” in das Damenfinale und der erste Schweizer triumphiert

Am heutigen Spieltag der Australian Open in Melbourne standen die beiden Halbfinals der Damen und in der Nightsession das Semifinale der Herren zwischen Berdych und Wawrinka auf dem Programm.

Mit dem Beginn des Jahres 2014 ist in der Damenkonkurrenz das Tennis-Establishment gehörig durcheinander gewirbelt worden. Die Sieggaranten Williams, Asarenka und Scharapova sind längst ausgeschieden und neue Gesichter haben sich in den Vordergrund gerückt.

Der jüngste Himmelstürmer, die 19-jährige Kanadierin Eugenie Brouchard, wollte im Spiel gegen die etablierte Chinesin Na Li weiter dafür sorgen, dass der Wechsel an der Spitze in Melbourne dokumentiert wird. Vom ersten Schlag an ging aber die Chinesin in die Offensive und führte nach 14 Minuten 5:0, ohne dass der beeindruckte Teenager aus Kanada einen einzigen Punkt bei seinem Service gewonnen hatte. Dieser Lehrstunde widersetzte sich bei Aufschlag Na Lis dann aber der jetzt erstaunlich abgeklärt spielende Youngster. Mit einem Break und dem endlich gewonnen Servicegame verkürzte Bouchard auf 2:5. Erste Fehler schlichen sich in das Spiel der Asiatin, die dann aber doch den ersten Durchgang mit 6:2 für sich entschied. Im darauf folgenden 2.Satz wogte das Spiel, das jetzt auf Augenhöhe stattfand, hin und her. Die unglaublich schnelle und direkte Rückhand der Chinesin machte dann den kleinen Unterschied aus. Mit dem 6:4-Satzgewinn zog die Chinesin in das Finale.

cibulpic

Im anschließenden Halbfinale in der Rod Laver Arena traf die intelligent und gefühlvoll agierende Polin Agniezka Radwanska auf die Slowakin Dominika Cibulkova, die mit ihren konsequent harten Grundschlägen nicht nur ihre bisherigen Gegnerinnen beeindruckt hatte. Diese Auseinandersetzung zwischen Power und Gefühl hat eine lange Geschichte: Schon im Alter von 9 Jahren standen sich die beiden Talente aus Polen und dem Nachbarland Slowakei auf dem Tennisplatz gegenüber. Zahlreiche weitere Duelle, sowohl im Jugend-, als auch später im Profibereich folgten, bei denen meist Radwanska die Oberhand behielt. In der Rod Laver Arena ging Cibulkova aber schnell mit 2:0 in Führung, spielte entschlossen und offensiv und gab auch danach ihrer polnischen Widersacherin bis zum 6:1 Satzgewinn kaum eine Chance, „in das Match zu kommen“. Zielstrebig und mit unerschütterlichen Siegeswillen setzte die Slowakin ihre Angriffstaktik auch im nächsten Durchgang fort und war in kürzester Zeit wieder mit 4.0 in Führung, bis der Polin der erste Spielgewinn gelang. Das Aufbäumen war nur kurz. Das kleine Energiebündel aus Bratislava setzte sich mit 6:2 durch und komplettierte das Endspiel in der Damenkonkurrenz der Australian Open.

In der Nachtveranstaltung wollte Stanislav Wawrinka als erster Schweizer in das Finale der Australian Open 2014 vorrücken und seinem Landsmann und Freund Federer vorangehen. Die Erfolge Stans in Melbourne haben für viel Interesse und Sympathie in der Tennisszene und besonders in der Bevölkerung der Alpenrepublik gesorgt. Ganz Tschechien hoffte zumindest auf den Finaleinzug seines Helden Tomaz Berdych. Vom ersten Ball an dominieren die druckvollen Aufschläge das Match und lassen kaum aufregende Ballwechsel zu. Ein Break genügt „Stan the Man“ um mit 6:3 den 1.Satz zu gewinnen. Die Spielstruktur änderte sich auch im nächsten Satz kaum, nur dass der Tscheche jetzt besser in das Spiel kam. Logische Konsequenz: Tiebreak. Hier schwächelte Wawrinka und Berdych gewann klar zum Satzausgleich. Das Spielgeschehen setzt sich im dritten Satz in gleichem Stil fort. Bis zum Tiebreak hat Berdych sich im bisherigen Match noch keinen Breakball bei Aufschlag seines Kontrahenten erspielt! Der Schweizer kommentiert sein Auftreten am heutigen Tag dennoch mit „Cèst nul!“(das ist gar nichts!) und gewinnt dann doch den Tiebreak – mit Hilfe vom Tschechen, der plötzlich zwei Doppelfehler servierte. Der YONEX-Spieler aus der Umgebung Lausannes gewinnt ohne Aufschlagverlust beider Kontrahenten den 4.Satz wieder im Tiebreak. Stan ist im Finale und damit seinem Freund Roger ein Vorbild.  

Kritische Zusammenfassung des ersten Semifinals der Herren: Die beiden Tenniscracks wirkten etwas müde in der „Nacht-Veranstaltung“ in Melbourne.

„The rest oft the best“ der Deutschen wurde weiter dezimiert: Alexander Zverev, den wir vor Monaten in unserem Blog in einem Portrait als große Hoffnung vorgestellt hatten, traf im Viertelfinale der Juniorenkonkurrenz auf den Koreaner Chung. Sascha gewann den ersten Satz mit 6:2 und ließ auch im 2.Satz mit 6:4  nichts anbrennen. Weiter so, Sascha! Julia Görges konnte Alexanders Sieg in ihrem Mixed an der Seite des Pakistanis Asam-Ul-Haj Qureshi (Wenn Julia einmal ihren Partner unfallfrei mit vollem Namen anspricht, hat sie schon den ersten Satz verloren. Sie sollte in Zukunft besser mit Na Li im Damendoppel antreten…) nicht nachfolgen. Mit einer 3:6,4:6 Niederlage musste sich die nächste Deutsche verabschieden.

Zum Trost zeigen wir im folgenden Video noch einmal erfolgreiche Schläge der Weltspitze in Melbourne vom Vortag:

22. Januar 2014
von admin
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“Graue Wolken, traurige Abschiede und helle Aussichten für die Schweizer”

Seitdem graue Wolken den Himmel über Australiens Metropole bedecken und die brutale Hitze verscheucht haben, erleben wir bei den Australian Open bittere Abschiede. Am Dienstag traf es Serbien: Ana Ivanovic schied aus und auch ihr Landsmann, der Tennisperfektionist Nole Djokovic, wird bezwungen. Beide gingen als vermeintliche Favoriten in ihre Matches, beide unterlagen ganz knapp. Geteiltes Leid: Durch diesen serbischen Untergang kann jetzt auch unser Boris den Flug zurück in die Heimat buchen.

wawrinka

Dafür erleben wir bei den Herren eine Demonstration des eleganten Schweizer Tennis. Neben dem Comeback des „Gentleman des weißen Sports“, Roger Federer, hat es Wawrinka endlich geschafft in der entscheidenden Phase eines Grand Slams einen der ganz Großen zu bezwingen. Nach den knappen Niederlagen gegen den Djoker im vergangenen Jahr ist das ein wichtiger Schritt in Richtung Grand Slam Titel. Das 9:7 im fünften Satz belegt seine physischen, aber erst recht auch seine psychischen Fähigkeiten.

Federer trat jetzt in der Nightsession gegen den Briten Andy Murray an. Der Fedexpress macht seinem Spitznamen in diesem Jahr alle Ehre. Mit unglaublicher Konstanz und einem klar strukturierten Spiel ließ er bei eigenem Aufschlag bis Ende des dritten Satzes keinen Breakball zu. Kurz vor dem Sieg Federers konnte Murray seine erste Chance nutzen und sich in den Tiebreak fighten. Dort vergab der Schweizer unnötig klare Siegchancen und verlor mit 6:7. Wird seine Psyche diesen unnötigen Satzverlust verkraften? Das Drama setzt sich fort. Federer hat sofort den Frust abgeschüttelt, gewinnt das erste Game souverän und lässt wieder zahlreiche Chancen mit mehreren Break-Bällen beim anschließenden 17-minütigen Aufschlagspiel des Engländers aus. Murray wirkt erschöpft, zeigt aber außergewöhnliche Widerstandskraft. Trotzdem wird er im Verlaufe des Satzes vom Schweizer gebreakt. Jetzt gibt es kein Zögern mehr – entschlossen beendet Roger das Match mit einem Ass zum 6:3 im vierten Satz.  

Wir sind uns sicher: so schnell wird Federer seine Karriere nicht beenden und es werden noch wichtige Titel zu seiner Sammlung hinzukommen. Vielleicht schon diese Woche.

Jetzt warten mit Berdych und Nadal schon die Kontrahenten um den Einzug ins Finale. Zwei hochklassige Halbfinals, die ein Endspiel auf Topniveau garantieren.

Bei den Damen gab es in den letzten zehn Tagen einige Überraschungen. Wer vor dem Turnier auf die Halbfinals Bouchard gegen Li Na und Cibulkova gegen Radwanska gewettet hätte, wäre heute wohlhabend. Einen wahren Lauf haben die beiden Überraschungen aus Canada und der Slowakei. Wer die Topspielerinnen Ivanovic und Scharapova im Viertelfinale aus dem Turnier wirft, hat auch das Potential den „großen Schlag“ zu schaffen. Es bleibt abzuwarten, ob sie dem nervlichen Druck gewachsen sind, sich im Halbfinale gegen Radwanska und Li Na durchzusetzen.

Wir haben aber noch deutsche Hoffnungsschimmer entdeckt: der an 1- gesetzte „Hamburger Jung“ Sascha Zverev ist im Juniorenwettbewerb bisher noch ungeschlagen – und im Mixed ist Julia Görges auch noch dabei. Zwei deutsche Teilnehmer, die fernab der großen Bühne ihre Chancen auf einen Erfolg aufrecht erhalten haben.

Wir drücken unseren deutschen Vertretern weiterhin die Daumen, müssen aber mit einer Träne im Auge die herausragenden Entwicklungen und das hohe Niveau, das die anderen Tennisnation Down Under 2014 präsentieren, ohne Neid anerkennen.

Wir empfehlen allen deutschen Tennisenthusiasten, die weiteren Matches bei den Australian Open mit zu verfolgen – es gibt einiges zu lernen.

Zum Abschluss haben wir wieder ein Video mit den Highlights des letzten Tages für euch:

21. Januar 2014
von admin
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“Entscheidende Phase in Melbourne – unser Boris immer im Bild”

Die zweite Woche beim Grand Slam Turnier in Melbourne ohne deutsche Beteiligung – eine Gelegenheit, das Augenmerk intensiver auf die Leistungen der absoluten Weltspitze zu richten:

Auffällig ist der strukturelle Unterschied zwischen der Damen- und der Herren- Weltklasse. Bei den Damen haben mehr als 10 Spielerinnen das Potential, bei günstigen Umständen in das Finale eines derartigen Mega-Events vorzudringen. Wenn jetzt, wie am gestrigen Tag, die doch dominierende Serena Williams schon im Achtelfinale stolpert und ausscheidet, ist es vollkommen ungewiss, wer am kommenden Wochenende das Turnier gewinnen wird. Die größten Aussichten auf den Titelgewinn – spätestens nach dem Ausscheiden Sharapovas gegen die in Melbourne stark auftrumpfende Slowakin Cibulkova - hat nach Meinung der Experten die Russin Victoria Asarenka. Aber für diese Prognose legt auch keiner seine Hand in das Feuer.

bouchpic

Unser Geheimtipp war die Serbin Ana Ivanovic. Hat sie langfristig das Potential, wieder an die Spitze der Damenweltrangliste zurückzukehren? Ihr Viertelfinalspiel gegen die 19-jährige Kanadierin Eugenie Bouchard, von der die Tennislegende Martina Navratilova sagt, dass sie mit Sicherheit in Zukunft Grand Slam-Titel einsammeln wird, begann am heutigen Tag mit aggressiven und entschlossenen Schlägen beider Kontrahentinnen. Bis 3:3 im ersten Satz findet ein ausgeglichenes Match auf hohem Niveau statt. Ivanovic vergibt zwei Breakbälle, gewinnt den dritten und geht erstmals in Führung. Bei 5:4 verschlägt die Serbin zwei Satzbälle mit leichten Fehlern und Bouchard gleicht aus. Ivanovic lässt nicht nach und gewinnt dann den Satz mit 7:5. Dieses Match auf Augenhöhe, bei dem die Spielerinnen das komplette Tennis-Schlagrepertoire präsentieren, setzt sich im zweiten Satz auf herausragendem Niveau fort. Bemerkenswert ist das präzise Volleyspiel dieser beiden Profis. Weil die Serbin in Führung zu oft leichte Fehler produziert, geht der Satz mit 5:7 verloren. Im entscheidenden Satz will Ivanovic den Sieg erzwingen, macht zu viele Fehler. Der Teenager aus Kanada agiert eiskalt und entschlossen. Sie gewinnt das Match mit 6:3 im dritten Satz. Die nächste große Überraschung in Melbourne ist perfekt. Hat sich die „Old Lady“ Navratilova geirrt?  Gewinnt das Wunderkind Eugenie schon am Ende dieser Woche das erste Grand Slam-Turnier ihrer Karriere? Das ist nicht ausgeschlossen.

In den Vordergrund hat sich in den letzten Wochen und Monaten auch die Rumänin Simona Halep gespielt. Ihr Aufeinandertreffen mit Cibulkova im Viertelfinale wird wegweisend für beide Spielerinnen sein. Von beiden können wir noch eine weitere Steigerung im Verlauf der Saison erwarten.

Die Matches der Italienerin Flavia Penetta in Melbourne waren bisher vielversprechend. Um das angestrebte Semifinale wie bei den US Open 2013 zu erreichen, trat sie vor wenigen Stunden gegen die Chinesin Na Li an. Flavia kam in dieser Begegnung von Anfang an nicht in den Tritt, verschlug besonders viele Vorhände. Die Chinesin dominierte die Italienerin mit ihren schnellen und kontrollierten Grundschlägen wie nach Belieben bis zur 5:0-Führung und gewann den 1.Satz mit 6: 2. Penettas Siegeswille, den sie in den vorhergegangenen Matches demonstrierte, schien wie weggeblasen. Sie verlor sofort die ersten vier Spiele des 2.Satzes. Ein kurzes Aufflackern von Gegenwehr Penettas führte zum 1:4. Dann „streute“ sie weiter ihre Vorhand jenseits der Spiellinien und verlor auch den 2.Satz mit 2:6. Mit Na Li ist in Melbourne zu rechnen – obwohl an diesem Tag auch Barthel und Kerber gegen Penetta gewonnen hätten.

In der Herrenkonkurrenz kann man, trotz insgesamt extrem hoher Leistungsdichte – auch im Vergleich zum Damentennis – doch gewisse Hierarchien feststellen. Da thronen die Megastars Nadal, Djokovic und auch Murray über allen. Seit dem ersten Tag in Melbourne zählen wir unbedingt auch Roger Federer wieder zu diesem Kreis. Die verletzungsfreie Vorbereitung – vielleicht auch das Engagement Stefan Edbergs – hat dem Schweizer gut getan. Sein Achtelfinal-Triumph über Tsonga war Tennis „alter Klasse“. Dem armen Wilfried hat er nicht einen einzigen Breakball im Verlauf der drei Sätze gegönnt! Vor, in und nach den Matches wirkt Roger angenehm gelöst in Melbourne. Das wird ein „heißer Tanz“ gegen Andy Murray im Viertelfinale. Der Brite sollte sich trotzdem „warm anziehen“ – unser „gefühlter“ Favorit ist der Schweizer!

Übrigens – auch als Trost für das frühe Ausscheiden der deutschen Delegation in Melbourne: als überzeugte Europäer können wir stolz festhalten, dass die Viertelfinals bei den Australian Open in der  Herrenkonkurrenz ausschließlich von Spielern unseres Kontinents bestritten werden.

Knapp hinter dieser absoluten Superliga der gegenwärtigen Profistars rangieren Berdych, Tsonga, Wawrinka – und Ferrer. Vielleicht unterschätzen wir den Spanier, der in Melbourne bisher bewiesen hat, dass er jederzeit auf dem spielerischen Niveau seiner aktuellen Weltranglistenposition (Nr.3!) agieren kann, aber für uns fehlt doch noch eine Nuance im Vergleich zu Djokovic und Co. In der Runde der letzten Acht trat Ferrer heute gegen den Tschechen Tomaz Berdych an. Der Osteuropäer startet wie eine Ballmaschine mit druckvollen Grundschlägen und dominiert die ersten beiden Sätze mit 6:1 und 6:4. Ferrer fightet sich unermüdlich gegen den fast fehlerlosen Berdych in das Match zurück und nutzt eine Phase, in der sein Konkurrent etwas nachließ, zum 6:2-Satzgewinn. Im vierten Satz wird der Spanier wieder von dem „D-Zug aus Tschechien“ überrollt: Berdych zieht mit 6:4 in das Halbfinale der Australian Open ein.

In diese Champions-Liga hinter der absoluten Weltspitze hat sich – nicht erst seit den Australian Open – auch der Bulgare Grigori Dimitrov gespielt. Im morgigen Viertelfinale gegen Rafael Nadal hängen die Trauben aber wohl noch zu hoch. Andererseits haben wir die Wunde von der Blutblase in der Schlaghand von Rafa gesehen…Damit kann kein normal Sterblicher – auch wenn er mit Verband spielt – eine normale Leistung vollbringen. Aber Nadal ist wohl sterblich, aber auf keinen Fall normal.

Der zweite Schweizer im Viertelfinale, Stanislas Wawrinka, hatte im zweiten Spiel des unteren Tableaus der Herrenkonkurrenz heute gegen Beckers Schützling Djokovic anzutreten. Der Serbe gab sich vom ersten Schlag an keine Blöße und brachte den Schweizer mit seiner präzisen, druckvollen und fast fehlerlosen Matchführung hoffnungslos in die Defensive. Der erste Satz wurde überlegen mit 6:2 gewonnen, im zweiten Durchgang fightete sich der Schweizer in die Partie, gewann 6:4 und glich nach Sätzen aus. Einiges deutet darauf hin, dass sich diese Auseinandersetzung mit ungewissen Ausgang noch über einen längeren Zeitraum erstrecken wird.

Zum krönenden Abschluss zeigt Nole Djokovic, dass er nicht nur brav auf jedes Wort seines Turniercoaches hört, sondern dass er sich auch sonst einiges von ihm abschaut: