17. November 2013
von admin
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“Die Tschechen legen vor – 2:1 nach dem Doppel”

Unser „Mann in Belgrad“ bleibt am Ball. Er berichtet uns von dem Doppeltag beim Davis-Cup-Finale in Serbiens Hauptstadt.

„Vor der Entscheidung im Doppel habe ich keine Ruhe gefunden und bin früh zur Arena gefahren, um erste Erkenntnisse über die Aufstellung zu gewinnen. Bei den Tschechen haben sich Stepanek und Berdych warm gemacht – bei den Serben Nenad Zomonjic und Ilja Bosoljac. Es kursiert das Gerücht, dass sich Novak in einem internen Gespräch entschieden hat, nicht Doppel zu spielen. Ich sehe schwarz für Serbien. Aber „schaun mer mal“, wer dann wirklich antreten wird.

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Bis zur letzten Sekunde wurde nichts über die Aufstellung der Serben bekannt. Als dann bei Beginn der Doppelveranstaltung die vier ausgewählten Spieler beider Nationen aufliefen, ging ein Raunen durch die Zuschauerränge. Nole Djokovic kam nicht zum Einsatz. Für Serbien spielten Zomonjic und Bosoljac, die Tschechen boten ihre besten Einzelspieler Stepanek und Berdych auf.

Die etwa 1500 Fans aus Tschechien, die schon in den Einzeln alles getan hatten, um sich gegen die 15000 Serben in der Arena durchzusetzen, hatten schnell Grund zur Freude. Ihr Doppel setzte sich im ersten Satz mit 6:2 klar durch. Zomonjic und Bosoljac schienen dem Druck noch nicht gewachsen zu sein. Sie steigerten sich zwar im darauf folgenden Satz, mussten sich aber mit 4:6 geschlagen geben.

Im dritten Satz konnte man lange auf eine positive Wende bei den Gastgebern hoffen. Die Trompeten, Tröten und Trommeln von den Rängen wurden wieder lauter. Es half nichts. Die Tschechen verwandelten bei 6:4 im Tiebreak gleich den ersten Matchball und gehen in dem Finale jetzt mit 2:1 Punkten in Führung.

Eine Vorentscheidung? Ich tendiere dazu. Selbst wenn Novak Djokovic, der nach seiner langen Siegesserie langsam an die Grenzen der Belastbarkeit kommt, sich morgen im ersten Einzel gegen Tomas Berdych durchsetzen kann, ist es schwer vorstellbar, dass Dusan Lavojic im entscheidenden Einzel gegen Radek Stepanek große Siegeschancen besitzt. Das Fehlen von Tipsarevic (wegen Verletzung) und Troicki (wegen Dopingsperre) macht sich jetzt negativ bemerkbar.

Die Belgrader Tennisfans hoffen darauf, dass Lavojic morgen über sich hinauswachsen wird. Die Tschechen gehen davon aus, dass spätestens im zweiten Einzel dafür gesorgt wird, dass nach 2012 der „Cup“ ein weiteres Mal nach Prag geholt wird.“

16. November 2013
von admin
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“Noch ist alles offen in Belgrad”

Nach den beiden Einzelmatches am ersten Tag des Davis-Cup-Finales in Belgrad hat unser Korrespondent uns noch spätabends seine Eindrücke vor Ort übermittelt:

Strahlend blauer Himmel und Sonnenschein in Serbiens Hauptstadt am Vormittag des großen Finales. Belgrads Himmel gibt einen guten Rahmen ab für die Erwartungen der tennisbegeisterten Bevölkerung. Die heiß begehrten Karten waren knapp 6 Stunden im Vorverkauf, da waren schon alle drei Tage komplett ausverkauft. Nicht einmal die Spieler der Teams hatten deshalb die Möglichkeit, den Bitten ihrer Freunde und Bekannten um Tickets für dieses nationale Super-Ereignis nachzukommen.

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Als der Volksheld Nole Djokovic zu seinem ersten Einzel gegen den Tschechen R.Stepanek auflief, wurde er von den vollen Rängen mit ungeheurer Begeisterung empfangen. Von Anfang an wurde jeder Gewinnpunkt von Djokovic frenetisch bejubelt. Novak musste sich zu Beginn wohl erst an die übergroßen Erwartungen gewöhnen, bis er zu seiner gewohnten Form fand. Am Ende des ersten Satzes demonstrierte er dann Überlegenheit und gewann mit 7:5. Ganz Serbien war dann im Hoffnungstaumel, als Nole die nächsten Sätze mit 6:1 und 6:4 für sich entschied.

Etwas gedämpft wurde dann die Begeisterung, als der Ersatz für den verletzten Tipsarevic, D.Lavojic, klar mit 3:6 4:6 und 3:6 gegen den Tschechen Tomas Berdych unterlag. Vielleicht hatten die optimistischen Serben auch zu viel von ihrem Landsmann erwartet – für die Insider war der Tscheche, der seit Jahr und Tag zu den Top Ten der Weltrangliste gehört, auch in dem Hexenkessel von Belgrad haushoher Favorit.

Morgen fällt im Doppel wohl die Vorentscheidung. Deshalb ist es für viele überraschend, dass Djokovic voraussichtlich nicht eingesetzt wird. Nach offiziellen Auskünften spielen die Serben Bozoljac und Zimonjic gegen die Tschechen Hajek und Rosol. Die Teamkapitäne beider Länder verzichten also auf ihre Super-Einzelstars.

Mit Millionen Serben und Tschechen sehe ich dem Ausgang des Doppels mit Spannung entgegen. Zur Illustration meines Berichts habe ich Euch noch ein kurzes Video von dem besten Ballwechsel des heutigen Tages mitgeschickt.

15. November 2013
von admin
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“Davis Cup Finale in Belgrad – die Tradition ist wichtiger als die Dollars”

An diesem Wochenende findet in Belgrad das Finale des Davis-Cups zwischen Serbien und Tschechien statt. In dem Heimatland Nole Djokovics, das im Balkankrieg, der Jugoslawien zerstört hat und das übriggebliebene Serbien an den Rand der ökonomischen und politischen Katastrophe geführt hatte, ist anlässlich der Weltmeisterschaft der Tennis-Nationalteams eine flächendeckende Begeisterung ausgebrochen. Der Sieg Djokovics bei den ATP-Finals in London hat die Erwartungen noch weiter entfacht.

Unser Tennisblog hat das Glück, dass wir einen Korrespondenten vor Ort haben, der uns in den nächsten Tagen Informationen direkt aus Belgrad liefert. Er möchte seinen Namen noch nicht genannt haben, aber wir werden das Geheimnis sicherlich später lüften können.

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Bevor wir unseren „Reporter“ zu Wort kommen lassen, sollen zwei Zitate bekannter Tennisstars die internationale Bedeutung dieses Wettbewerbs veranschaulichen:

Niki Pilic, der als Coach von drei verschiedenen Nationen fünf Mal den Davis-Cup gewann: „Ein Grand-Slam-Sieg macht einen Spieler zum Champion, ein Erfolg im Davis-Cup zum Helden!“

Yannick Noah, der als Spieler und Coach erfolgreich im Davis-Cup tätig war: „Ich liebe den Davis-Cup, weil es nicht um Verträge, Zeitpläne und Geschäft geht. Die Tradition ist größer als Dollars. Es braucht einen individuellen Charakter, um Grand Slams zu gewinnen. Aber im Davis-Cup musst du dich für andere opfern. Es geht ums Teilen und den Respekt vor deinen Teamkollegen. Deshalb ist der Davis-Cup so großartig.“

Wir möchten beiläufig daran erinnern, dass der berühmt-berüchtigte Tennisboom in Deutschland vor etwa 25 Jahren auch durch die TV-Übertragungen von den Davis-Cup-Erfolgen der Männer um Becker, Westphal, Jelen, Schwaier und Stich ausgelöst wurde. Mehr als 10 Millionen Menschen saßen damals vor ihren Fernsehern und haben bei den dramatischen Matches mit gefiebert. Wer das noch miterleben durfte, kann sich leicht mit der aktuellen Begeisterung in Serbien identifizieren. Vergleichbar mit dem Jahr 1954, „dem Wunder von Bern“, als Deutschland erstmalig Fußballweltmeister wurde, hat das Tennisfinale in Belgrad eine weit über den Sport hinaus weisende Bedeutung: Es geht um nationale Identität, es geht um Patriotismus, um Selbstbewusstsein und Stolz. 

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Lassen wir jetzt „unseren Korrespondenten“ aus Belgrad mit seinen ersten Eindrücken zu Wort kommen:

„Ich bin in Belgrad, der für mich überraschend modernen und lebendigen Hauptstadt Serbiens, eingetroffen. Alles dreht sich hier um das bevorstehende Finale. Die Spannung ist grenzenlos. Diese Begeisterung sorgt wohl für einen Heimvorteil der Serben gegenüber ihren Gegnern aus Tschechien. Einzige Beeinträchtigung der optimistischen Stimmung in Belgrad: Der Davis-Cup-Held Tipsarevic kann verletzungsbedingt nicht spielen. Die Serben treten deshalb mit Djokovic, Zimonic, einem überragenden Doppelspieler und wahrscheinlich mit Bolojzak, als zweiten Einzelspieler, an. Für Tschechien laufen Berdych, Rusol und Stepanek auf – alle drei sind ausgezeichnete Einzelspieler. Nach dem Ausfall Tipsarevic gingen die Wettquoten für Serbien sofort nach unten. Gegenwärtig stehen die Quoten 1,5 zu 1 auf Sieg Serbien, 2,7 zu 1 auf Sieg Tschechien. Mein Tipp: Serbien gewinnt 3:2! Ich gehe davon aus, dass zwei Einzelsiege von Nole errungen werden und dass das serbische Doppel sich durchsetzen wird. Morgen hört ihr mehr von mir! Ach, noch etwas: Beim Foto vom serbischen Team hat Tipsarevic auf den Auslöser gedrückt.“

Für alle, die es noch nicht gesehen haben: wir zeigen euch nochmal den legendären Ballwechsel von Westphal gegen Smid im Davis Cup 1985: