22. November 2013
von admin
Keine Kommentare

“Skandal um Charly Steeb – da würde Uli Hoeneß zu recht weinen”

Mit Erleichterung haben wir vor Tagen von der positiven Entwicklung beim DTB berichtet. Wir hatten den Eindruck gewonnen, dass endlich einmal alle Verantwortlichen an einem Strang ziehen. Das wirkte alles so wunderschön – und neu. Aber Wunder hat das deutsche Tennis zuletzt im vergangenen Jahrhundert, in der Ära Graf, Becker und Stich, erleben dürfen. Jetzt bricht das aktuelle Geschehen den zarten Ast der kurzen Euphorie brutal entzwei: Der Bundesauschuss des DTB, in dem die 18 Landesfürsten vereint sind, hat in einer Sondersitzung am vorletzten Wochenende in Frankfurt einstimmig (Hurrah!) beschlossen, dem Präsidium den Vorschlag zu unterbreiten, sich in der Personalie des Vizepräsidenten Carl Uwe Steeb „Gedanken zu machen“. Wow! Diese Empfehlung mit dem Beigeschmack des Aktionismus wurde natürlich sofort der Presse mitgeteilt. Dann haben einige Presseorgane auch gleich gemeldet, dass die Entlassung Steebs, der auf seinem Posten für Spitzensport und Ausbildung zuständig ist, jetzt endgültig bevor steht. Nach den Erfahrungen mit der Presse in der nahen Vergangenheit, zeigt der Rat der Verbandsvorsitzenden eine besorgniserregende Schwäche des Kurzzeitgedächtnisses: Man hätte wissen können, dass die Medien, „wenn man ihnen den kleinen Finger reicht, mit Lust in die ganze Hand beißen“.

steeb

Noch eine pikante Notiz gefällig? Am Nachmittag desselben Tages saß man mit dem aus London gekommenen Präsidenten Altenburg bei der 65.Mitgliederversammlung des weltgrößten Tennisverbandes zusammen. Wäre es nicht sinnvoll gewesen, den Präsident über das Vorhaben zu informieren und ihn zu bitten, einige wenige Stunden vorher einzufliegen? Okay, diese Frage ist zu einfach für das komplexe Thema „Kooperation in der Verbandsführung“. Vielleicht hatte der ehrenamtliche Präsident auch Wichtigeres in London zu tun. Er ist Geschäftsführer Deutschland der J.P.Morgan-Bank – und man weiß ja, dass diese Finanzdienstleister seit Jahr und Tag mit einer umfassenderen Krise zu tun haben, als die kleinen Krisen, die die DTB-Führungsetage sich immer zur rechten Zeit in das eigene Haus holt.

Altenburg hat dann – wahrscheinlich aus London – verlauten lassen, dass die Entlassung Steebs noch nicht endgültig sei.

Es geht um den Posten des Vizepräsidenten des DTB, es geht um die Person Carl Uwe Steeb. Werfen wir einen Blick zurück, um uns an die Bedeutung Steebs für das deutsche Tennis zu erinnern: “Unser Charly“ (Zitat „Bild“) hatte 1988 im Finale des Davis-Cups gegen Schweden, die Nr.1 der Weltrangliste, Mats Wilander, in einem dramatischen Fünfsatzsieg bezwungen und hatte damit einen entscheidenden Anteil daran, dass Deutschland zum ersten Mal in der Geschichte des internationalen Tennissports die begehrte Trophäe gewann. Auch im darauf folgenden Jahr war „unser Charly“ im Team, das den Davis-Cup zum zweiten Mal nach Deutschland brachte. Nach Beendigung seiner Tenniskarriere war er als Kommentator beim TV tätig, agierte kurz als Turnierdirektor der German Open in Hamburg, arbeitete mit dem DTB in verschiedenen Funktionen zusammen, ist seit Ende 2011 Vizepräsident unter Herrn Altenburg geworden und hat 2013 als Turnierdirektor des traditionsreichen ATP-Turniers in München fungiert.

Mit dieser neuen Funktion beginnt das Verhängnis in der sonst so glatten Karriere des Mannes aus Aalen.

Die von Carl Uwe 2009 gegründete CharlySteeb Gmbh war für die Ausrichtung des Turniers in München 2013 verantwortlich gewesen. In dieser Tätigkeit wurde nicht an Geld gespart. Es wurde in den Umbau der Anlage, in Luxusservice für die Spieler und VIPs und in hohe Antrittsgagen investiert. In der Turnierwoche war dann alles auch eitel Sonnenschein. Die Sonne ging aber schnell unter, als Wochen danach Steeb die offenen Rechnungen erhielt. Eine Summe von mehreren hunderttausend Euro stand zu Buche. Unser ehemaliger Davis-Cup-Held schlitterte nach eigener Aussage in „die schlimmsten Tages meines Lebens.“ Er machte seinem Mitarbeiter F. Nier, der mit dem Projekt BMW Open betraut war, schwerste Vorwürfe. Da diese rechtlich nicht zu halten waren, blieb ihm nichts andres übrig, als Insolvenz seiner GmbH anzumelden. Das Verfahren läuft derzeit.

Jetzt wird vom Imageschaden aufgrund dieses wirtschaftlichen Zusammenbruchs geredet. Imageschaden für die BMW Open im ersten Schritt. Jetzt auch Imageschaden für den DTB, weil der Vizepräsident, der „Herr Steeb“ (Zitat Tennis Magazin). geschäftlich unglücklich agiert hat und damit das zweithöchste Amt in der Führungsetage des deutschen Tennis nicht mehr adäquat repräsentieren könnte.

Wir kennen nicht alle Hintergründe und Zusammenhänge in dieser Affäre. Aber wir kennen Charly Steeb – und das über mehr als 3 Jahrzehnte. In diesem Zeitraum haben wir ihn als fairen Sportsmann, als empathischen Partner kennen und schätzen gelernt. Mit diesen positiven Erfahrungen gehen wir also nicht aus objektiver Sicht an das Geschehen heran. Aber eine Frage sei erlaubt: Muss man den geschäftlichen Misserfolg einer sympathischen Persönlichkeit des weißen Sports derart in der Öffentlichkeit breittreten? Ist man unbrauchbar auf einem Posten, der im Spitzensport und in der Ausbildung für neue Qualitäten sorgen soll, weil man im wirtschaftlichen Geschäft Fehler gemacht hat? Etwaige Kritik an seiner Kompetenz und seinem Arbeitsstil als Vizepräsident sind bisher noch nicht bekannt geworden.

Bisher haben wir in allen Veröffentlichungen der letzten Wochen über „Herrn Steeb“ von keinem Verbrechen Charlys lesen oder hören können. In unserem führenden deutschen Fußballclub hat der Vorsitzende eindeutig Steuerhinterziehung begangen und wird jetzt mit stürmischem Beifall in seinem Amt als Vorsitzender des Aufsichtsrats bestätigt. Dieser Vorgang aus Bayern soll hier nicht bewertet werden. Andererseits wirft er aber folgende Frage auf:

Handelt angesichts dieser Erfahrungen die Führungsetage des deutschen Tennis angemessen?

 

20. November 2013
von admin
Keine Kommentare

“Die Stars von Morgen – Dominik Stary”

Am letzten Wochenende gewann das tschechische Davis-Cup-Team die wichtigste Trophäe im Ländervergleich der Tennisnationen zum zweiten Mal in Folge. Der Tennisbegeisterung in unserem Nachbarland hat das einen weiteren Aufschwung gegeben. Das kleine Tschechien kann dabei auf eine große Tradition im weißen Sport zurückgreifen. In den Zeiten nach dem Ende des 2.Weltkriegs haben tschechische Spieler immer schon für internationale Furore gesorgt. Die Wimbledonsieger Jaroslav Drobny(1954) und Jan Kodes (1973) sowie die Finalisten Ivan Lendl (1986 und 1987) und Tomas Berdych (2010) sind die international bekanntesten Protagonisten der Tenniskunst aus Böhmen und Mähren. Noch beeindruckender sind die Erfolge der Damen: Martina Navratilova(9 Mal Wimbledonsiegerin zwischen 1978 bis 1990!), Vera Sukova (1962) und aktueller Vera Kvitova (2011) haben alle den Titel im „Mekka des Tennis“ gewonnen. Hana Mandlikova (1981) und Jana Novotna (1993 und 1997) standen im Finale der „inoffiziellen Tennisweltmeisterschaften“.

Jetzt folgen junge Talente auf den Spuren ihrer nationalen Tennishelden. Wir haben uns entschlossen, über unsere Landesgrenzen hinaus zu schauen und stellen in diesem Post die aktuelle Nr.1 seiner Altersklasse dieses besonderen Tennislandes vor. Der junge Tscheche wird den Anfang machen in einer Serie von Porträts nationaler und internationaler Talente, die wir in nächster Zeit sporadisch in unserem Tennisblog veröffentlichen werden. Diese kleine Post-Serie hat zwei Ziele: Wir wollen unseren Usern einen Einblick geben, wie die unterschiedlichen Nationen ihre Talente fördern und wir wollen junge Spieler darstellen, die in naher Zukunft sich vielleicht schon als Stars des Proficircuits etabliert haben.

dominik stary 2

Dominik Stary, am 18.1.1997 geboren, begann in Pilsen mit dem Tennis im Alter von 5 Jahren beim traditionsreichen Sportclub Slavia. In der Obhut seiner Mutter, die auch als Tennistrainerin arbeitete, wurden durch seine schnellen Fortschritte auch andere Fachleute auf sein außergewöhnliches Talent aufmerksam. Unter der Führung des Headcoaches von Slavia, David Jirak, errang er regionale Erfolge und gehörte bald zum Kader der herausragenden Jugendlichen, die im international anerkannten „Nationalen Tennis Zentrum“ in Prostejov gezielt für internationale Spitzenkarrieren gefördert werden. Er gewann die tschechische Meisterschaft U12 und U14, und auf der europäischen Turnierserie U14 ging er bei drei Turnieren als Sieger vom Platz.

Die Eltern haben vom Anfang seiner Tenniskarriere an sehr weitsichtig gedacht. Er besuchte früh eine Schule in seiner Heimatstadt Pilsen, in der „Native Speakers“ die Schüler in Englisch unterrichten. Gegenwärtig ist er auf dem Gymnasium Franz Krizika und bereitet sich dort so ganz nebenbei auf das Abitur vor. Diese Schulbelastung hat seiner Tenniskarriere nicht geschadet: er ist gegenwärtig die Nr.1 der Tschechischen Rangliste U16 und ist die Nr.15 der Weltrangliste in seiner Altersklasse.

„Den nächsten Schritt in meiner Tenniskarriere habe ich jetzt gerade unternommen: Vor zwei Monaten habe ich das Training bei Jakub Zahlava, der seine heutige Ehefrau Barbara Strycova unter die Top 100 der WTA-Weltrangliste gebracht hat, aufgenommen. Darüber hinaus habe ich mit Petr Przan einen Manager verpflichtet, der auch dazu beitragen soll, dass ich jetzt professionell meinen Lieblingssport ausführe. Mit der Schlägerfirma YONEX habe ich auch schon einen Tennisausrüster gefunden, der auf mich setzt“, berichtet das sechszehnjährige Ausnahmetalent.

domonik stary cz

Fragt man ihn nach seinen Fernzielen, wird nicht lange gezögert: „Ich will ein Grand Slam-Turnier gewinnen!“

Über die Realisierung der nächsten Nahziele auf seinem Weg in die Weltspitze informiert uns sein Manager: „In den nächsten 4 Monaten wird Dominik hauptsächlich ITF-Turniere unter 19 Jahren spielen. Zu Beginn der Freiluftsaison 2014 wird er nach Norddeutschland kommen, sich mit spielstarken Talenten aus der Region zu einer Trainingsgruppe zusammenfinden, um mit diesen Partnern später als Reiseteam auf eine Future-Turnierreise in Deutschland zu gehen. Da soll er versuchen, die ersten ATP- Punkte für die Herrenweltrangliste zu „ergattern“. Darüber hinaus sind wir bestrebt, einen Verein in Deutschland zu finden, für den er  - während seines Aufenthalts im Raum Hamburg – Punktspiele bestreiten kann.“

Wir können stolz sein, dass die hoffnungsvollen Talente aus dem überragend erfolgreichen „Tennisland Tschechien“ die Tennistradition in unserem Land noch so schätzen, dass sie sich auf den Weg in die Bundesrepublik machen, um weitere Fortschritte zu realisieren.

18. November 2013
von admin
Keine Kommentare

“Das dramatische Finale von Belgrad”

Auf unseren Korrespondenten in Belgrad ist Verlass: trotz der Trauer in der serbischen Hauptstadt kommt er seiner Pflicht als Chronist nach und berichtet uns von den entscheidenden Matches am Sonntag:

„Noch ist Serbien nicht verloren. Trotz des 1:2 Rückstandes hofft das ganze Land noch auf den zweiten Davis-Cup-Triumph nach 2010 am heutigen Tag. Sie erwarten vom ihrem Volkshelden Djokovic im ersten Einzel einen Sieg und hoffen darauf, dass der klare Favorit im dann entscheidenden Einzel, der Tscheche Radek Stepanek, unter dem Erfolgsdruck zusammenbrechen wird. Was sie in ihrem Zweckoptimismus gern vergessen, dass ihr zweiter Einzelvertreter, Dusan Lajovic, genauso unter Druck steht und viel weniger Erfahrung mit solchen Situationen hat, als sein tschechischer Konkurrent.“

tschechenpartie

Der erste Teil ihrer zuversichtlichen Hoffnungen geht voll auf. Ihr Nole wird mit Begeisterung empfangen und wird vom Jubel der Zuschauer zum Sieg getragen. Schon in den ersten Schlägen zeigt Djokovic, dass er alle Energien für dieses Einzel gegen den Spitzenspieler der Tschechen aus sich herausholen wird. Keine Spur von Müdigkeit, die nach Aussagen der selbsternannten Insider, der Grund für den Verzicht auf den Doppeleinsatz am Samstag gewesen ist. Novak gewinnt den ersten Satz mit 6:4, weil er bei wichtigen Punkten oder Spielphasen gegen den bärenstarken Berdych immer noch etwas mehr zuzusetzen hat. Dieses Selbstvertrauen Djokovics macht auch im zweiten Satz den haarscharfen Unterschied aus: 7: 6. Das Publikum in der Belgrad Arena tobt. Der Ausgleich ist nahe. Im dritten Satz lässt der vorher fast ebenbürtige Berdych etwas nach – vielleicht auch, weil er im Hinterkopf weiß, dass er seinem Mannschaftskollegen Stepanek im entscheidenden Einzel mehr vertrauen kann, als Djokovic seinem Teampartner. Unter tosenden Applaus beendet Nole das Match mit 6:2 im dritten Satz. Der serbische Nationalheld ist gegenwärtig eine Klasse für sich im Welttennis.

Vor dem entscheidenden letzten Einzel knistert die Spannung. Die angereisten 1500 tschechischen Fans geben sich zuversichtlich, dass ihre Spieler heute den Titel verteidigen werden. Die Serben haben neue Hoffnung geschöpft. Große Erfahrung trifft auf jungen Mut, ein dramatischer Showdown steht an.

Stepanek übernimmt von Anfang an die Initiative, setzt seinen nervösen Gegner permanent unter Druck. Mit einem frühen Break in Führung, lässt Stepanek im ersten Satz nichts mehr anbrennen. 6:3 für den Tschechen. Im 2. Satz macht Stepanek dort weiter, wo er aufgehört hat und bekommt sofort wieder die Oberhand. Der Routinier, der eine beeindruckende Bilanz im Davis-Cup vorzuweisen hat, spielt mit einer gnadenlosen Abgezocktheit weiter und lässt den jungen Serben im 2. Satz keine Chance. Das Ergebnis: 6:1

Im 3. Durchgang zieht der Tscheche sofort wieder an und erstickt die letzten Hoffnungen der Serben gleich zum Beginn des Satzes. Mit 6:1 im 3. Satz fertigt er den überforderten Lajovic ab und sichert seinem Land, wie im Jahre zuvor, den Titel. Während das tschechische Publikum ausgelassen feiert, bleibt den serbischen Gastgebern lediglich der Trost, sich bis ins Finale gekämpft und dem Gegner bis zum letzten Match Widerstand geleistet zu haben.

Mit dem Davis Cup Finale endet das letzte große Tennisevent in Jahr 2013.

Mit einem verdienten Sieger Tschechien:

„They’ll be dancing on the streets of Prague tonight!”