7. Juli 2015
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Mit Kriegsgeschrei in das Damen-Semifinale!

Am Dienstag fanden die Viertelfinalspiele der Damen in Wimbledon statt. Der Ansturm der „Jungen Wilden“ hat in der Damenkonkurrenz 2015 nicht so richtig stattgefunden. Eher haben sich Spielerinnen wie Azarenka (25 Jahre) und Radwanska (26 Jahre) in den Vordergrund gedrängt, die sich schon vor Jahren an die Weltspitze gespielt hatten und aufgrund von Verletzungen etwas zurückgefallen waren. Die 26-jährige Schweizerin Bacsinszky hat ihr Leistungspotential erst seit einem Jahr entdeckt. Serena Williams (33 Jahre) und Maria Sharapova (28Jahre) präsentieren sich seit mehr als einem Jahrzehnt immer wieder in den finalen Runden der Grand Slams. Die beiden US-Girls Coco Vanderweghe (23 Jahre) und Madison Keys (20 Jahre)  haben allerdings für frischen Schwung bei den Championships gesorgt. Den Durchbruch zur absoluten Weltspitze kann man der Spanierin Garbine Muguruza (23Jahre)vielleicht schon in London 2015 zutrauen. Fachleute trauen ihr aufgrund der bisherigen Auftritte sogar einen Sieg in Wimbledon in diesem Jahr zu.

Bevor die Damen in das Geschehen eingriffen, wurde die, vor Anfang des 5.Satzes unterbrochene, Achtelfinalpartie zwischen Titelverteidiger Novak Djokovic und Kevin Anderson wieder aufgenommen. Die beiden Kontrahenten beginnen nicht zögerlich: Bei den ersten fünf  Ballberührungen wurden vier Asse geschlagen! In den ersten Spielen gewinnt der Südafrikaner seine Aufschlagspiele klar, der Serbe muss sogar Breakbälle abwehren. Dann wird der Djoker überlegener in seinen Servicegames. Bei 5:5 serviert Anderson aus heiterem Himmel zwei Doppelfehler und wird gebreakt. Nole nutzt die Chance und gewinnt den 5.Satz mit 7:5 und zieht in das Viertelfinale ein.

novak

Mit der „Schlacht der Tennis-Generationen“ zwischen der an 4-gesetzten Maria Sharapova und der ungesetzten Coco Vandeweghe wurde der Viertelfinaltag der Damen auf dem Centre Court eröffnet. Die Russin ist hoch entschlossen, die  Amerikanerin versucht mit hohem Tempo zum Erfolg zu kommen. Die Solidität setzt sich im 1.Durchgang durch: Sharapova gewinnt mit 6:3. Sharapova führt auch im 2.Satz, steht vor dem schnellen Einzug in das Halbfinale und hat plötzlich einen Durchhänger – auch bewirkt von der extrem hohen Zahl an Doppelfehlern, Vandeweghe nutzt ihre Chance, gewinnt den Durchgang im Tiebreak mit 7:2. Im 3. Satz rückt die Diva und selbsternannte „Kriegerin“ aus Russland wieder die Verhältnisse zurecht: Sie gewinnt mit 6:2 und ist nach vier Jahren endlich wieder in einem Semifinale von Wimbledon.

maria-sharapova

Auf Court 1 versuchte die an 20-gesetzte Garbine Muguruza gegen die an 15-gesetzte Timea Bacsinszky ihrer leichten Favoritenrolle gerecht zu werden. Die 23-jährige Spanierin kann sich im 1.Satz  trotz harter Gegenwehr der aggressiv aufspielenden Schweizerin mit 7:5 durchsetzen. Das beeindruckende Offensivspiel Muguruzas führt auch im 2.Satz zum Erfolg: sie gewinnt mit 6:3 und ist zum ersten Mal in ihrer Karriere im Halbfinale eines Grand Slams. Das muss nicht das Ende ihres Erfolgsweges in Wimbledon sein.

Garbine_Muguruza

Im „Kampf der Klassiker“ auf dem Centre Court trat die Weltranglistenerste  Serena Williams gegen die an 13-gesetzte Victoria Azarenka an. Die Weißrussin ging hochmotiviert und zielbewusst in das Match. Sie gewinnt den 1.Satz in einer  hochklassigen Partie mit 6:3. Serena will nicht verlieren – heiß umkämpfte Ballwechsel auf absoluten Weltklasseniveau prägen den 2.Satz. Jeder Schlag der beiden Kontrahentinnen wird von einem ohrenbetäubenden Indianergeheul begleitet – als wenn sie sich in das Semifinale schreien wollen. Der ungestüme Durchsetzungswillen beschert der Turnierfavoritin die erste klare Führung und den Gewinn des zweiten Durchgangs mit 6:2. Im dritten Satz ist Serena weiterhin wild entschlossen. Ihr gelingt ein Break und sie lässt sich mit einem 6:3 im letzten Durchgang den Sieg nicht mehr nehmen. Dieser Kampf zwischen Williams und Azarenka bot auf jeden Fall das mit Abstand beste Tennis aller Viertelfinalmatches am heutigen Tag!

Im Halbfinale trifft die Siegerin auf Maria Sharapova. Wir sind gespannt, wie die beiden Wölfinnen sich anheulen werden.

Agnieszka Radwanska plays her unusual 'squat shot' in Wimbledon semi-final against Angelique Kerber

Jugend gegen Erfahrung lautete das Motto bei der Partie von der an 21-gesetzten Madison Keys mit der an 13-gesetzten Agnieszka Radwanska. Das 20-jährige US-Girl kann bei den ersten Spielen des 1.Satzes ihre zahlreichen Breakchancen nicht nutzen, dann wird die Polin stabiler. Mit variantenreicherem Spiel setzt sie sich mit 7:3 im Tiebreak des 1. Durchganges durch. Im 2. Satz behält die  Offensivkraft von Madison Keys mit 6: 3 die Oberhand. Im 3. Satz wird auf Augenhöhe gekämpft. Die größere Cleverness entscheidet die Begegnung: Agnieszka Radwanska zieht mit einem 6:3 im entscheidenden Durchgang in das Semifinale und trifft dort auf Garbine Muguruza.

6. Juli 2015
von admin
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Die Tschechen verlassen jetzt auch den Rasen!

Am Montag fanden alle Achtelfinalspiele der Damen und der Herren in Wimbledon statt. Die Favoriten setzten sich meist durch, aber es gab auch einige saftige Überraschungen.

Ladies first: Die Weltranglistenerste Serena Williams schlägt ihre ältere Schwester Venus in zwei Sätzen mit 6:4 und 6:3. Maria Sharapova (WTA Nr.4) besiegt Zarina Diyas aus Rasachstan souverän mit 6:4 und 6:4.

Maria-Sharapova

Agniezka Radwanska (WTA Nr. 13) setzt sich gegen Jelena Jankovic mit 7:5 und 6:4 durch. Timea Bacsinszky (WTA Nr.15) bezwingt die Rumänin Monica Niculescu nach zähem Kampf mit 1:6, 7:5 und 6:2. Viktoria Azarenka (WTA Nr.12)  gab der jungen Schweizer Hoffnung Belinda Bencic beim 6:2 und 6:3 nicht den Hauch einer Chance.  Madison Keys (WTA Nr.21) erreichte nach Rückstand gegen Olga Govortsova aus Weißrussland  (WTA Nr.122!)  durch ein 3:6, 6:4 und 6:1 doch noch das Viertelfinale.

In diesen Partien setzten sich die vermeintlichen Favoriten durch. Die erste Überraschung war dann das Ausscheiden der an 5-gesetzten Caroline Wozniacki gegen Garbine Muguruza (WTA Nr.20) mit 4:6 und 4:6. Dieser Sieg der jungen Spanierin ist ein Zeichen dafür, dass wir die Leistung von Angie Kerber gegen Muguruza in der 3.Runde zu recht hoch eingeschätzt hatten.

Dass die an 6-gesetzte Lucie Safarova an der 27-jährigen Coco Vanderweghe (WTA Nr. 47) mit 6:7, 6:7 scheiterte, ist vielleicht eine noch größere Sensation.

Vor dem Viertelfinale sind von den 10 topgesetzten Spielerinnen jetzt 8 ausgeschieden!

Bei den Herren waren von den 10 Topgesetzten nur Nishikori (Verletzung!), Nadal und Raonic vor dem Achtelfinale ausgeschieden. Der an 4-gesetzte Stan Wawrinka ließ sich von dem belgischen Aufsteiger David Goffin (ATP Nr.15) nicht beirren und zog mit einem 7:6(3), 7:6(7) und 6:4-Sieg in das Viertelfinale. Andy Murray (ATP Nr.3) bezwang den gefährlichen Ivo Karlovic unter dem Jubel des Londoner Publikums mit 7:6, 6:4, 5:7 und 6:4.

murray

Der an 2-gesetzte Roger Federer sparte bei seinem 6:2, 6:2 und 6:3 – Kantersieg gegen Roberto Bautista Agut Energien für die nächsten Auseinandersetzungen. Der Schweizer spielte überragend – so ganz nebenbei trainierte er Matchbälle. Der Spanier wehrte 6  davon ab, bis sich Roger entschied, jetzt doch den späten Abend noch mit der Familie und Coach Edberg ausklingen zu lassen.

Der Kanadier Vacek Pospisil (ATP  Nr. 54!) springt für seinen Landsmann Raonic ein: In einem Tennisthriller bezwang er den Serben Viktor Troicki mit 4:6, 6:7, 6:4, 6:3 und 6:3 und ist zum ersten Mal in seiner Karriere im Viertelfinale eines Grand Slams.

Der an 21-gesetzte Richard Gasquet war zu solide für den australischen Himmelsstürmer Nick Kyrgios (ATP Nr. 27). Der Franzose setzte sich mit 7:5, 6:1, 6:7(7) und 7:6(6) durch.

Sein Landsmann  Gilles Simon (ATP Nr.12) sorgte für die nächste Überraschung, als er den an 6-gesetztenTomas Berdych mit einem überlegenen 6:3, 6:3 und 6:2-Sieg aus dem Turnier warf. Die seit Jahren so stark auftrumpfenden Tschechen teilen jetzt das deutsche Schicksal: Alle Spielerinnen und Spieler sind ausgeschieden!

Der an 9-gesetzte Marin Cilic aus Kroatien beendete die Siegesserie des  US-Boys Denis Kudla (ATP Nr. 105) mit 6:4, 4:6, 6:3 und 7:5.

kevin-Anderson

Der topgesetzte Novak Djokovic verlor am Abend gegen einen überragend aufspielenden Kevin Anderson den 1.Satz mit 6:7(6). Das Niveau wurde im 2.Satz noch gesteigert, der Serbe ging mit 5:2 im Tiebreak in Führung. Der Südafrikaner bekam einen Lauf und entschied auch den 2.Satz mit 7:5 im Tiebreak für sich. Coach Becker was not amused. Eine Sensaton schien sich anzubahnen. Im 3.Satz rückt der Djoker häufiger an das Netz vor. Mit Erfolg: er setzt sich klar mit 6:1 durch. Im 4.Satz gelingt Nole ein frühes Break, er gewinnt ohne Aufschlagverlust den Durchgang mit 6:4. Der Showdown on Court Nr.1. wird wegen Dunkelheit unterbrochen – die Fortsetzung folgt am Dienstag.

6. Juli 2015
von admin
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Es wird Zeit für den DTB!

Der heilige Sonntag hat in Wimbledon den besten Tennisprofis und dem Rasen eine Erholung verschafft. Am Montag sind die Achtelfinalspiele der Damen und Herren in London angesetzt –  die deutschen Spitzenspieler können nur zuschauen.

Die Süddeutsche Zeitung kommentiert das Fiasko und zieht den grandiosen Wimbledonsieg des 17-jährigen Boris Becker vor genau 30 Jahren als Vergleich heran: „ Am Dienstag jährt sich dieses sporthistorische Jubiläum auf den Tag, und von Beckers Erben ist keiner im Feld, beim berühmtesten Turnier weltweit. Dabei gehörten seit damals deutsche Profis fast so sehr zu Wimbledon wie Erdbeeren und Pimm’s. Erstmals seit 2006 ist der Deutsche Tennis-Bund (DTB) bei den Frauen und Männern nun nicht in der zweiten Woche vertreten.“

becker

Die sonst so hochgelobten deutschen Tennisdamen werden im weiteren Text hart kritisiert.  Bei den Herren werden Kohlschreiber und Sascha Zverev entschuldigt, Dustin Brown wird mit seinen aufsehenerregenden Auftritten als große Ausnahme gewürdigt. Aller anderen nationalen Teilnehmer werden als „Sternschnuppen“ bezeichnet. In den anderen deutschen Printmedien,  wenn die sich überhaupt ernsthaft mit Wimbledon 2015 auseinandersetzen, sind die Beurteilungen eher noch negativer.

Aus unserer Sicht hat Angelique Kerber ehrlichen Sport geboten, Tatjana Maria hat sich gesteigert, Petkovic hat unglücklich verloren und ist auf Rasen einfach nicht zu Hause. Bei den Herren spiegeln die aktuellen Ergebnisse nur den wahren Leistungsstand wider, den wir seit Wochen und Monaten beobachten. Alexander Zverev hat in der 1.Runde bravourös gekämpft und dann eine Chance verpasst.  Seine Entschuldigung, er sei mit 18 Jahren noch zu jung, um nach einem Fünfsatzmatch zur gewohnten Leistung zurück zu finden, ist wohl berechtigt, aber symptomatisch für die vielen banalen Ausreden, die wir nach deutschen Niederlagen gehört haben.

Sehen wir den Tatsachen in das Auge: Petkovic und Kerber sind herausragende Wettkämpferinnen, aber im Vergleich zu der Konkurrenz in der Spitze der WTA (und auch zu den nachstrebenden jungen internationalen Spielerinnen!) sind sie technisch eindeutig unterlegen! Bei Sabine Lisicki sei die Frage erlaubt, ob sie wirklich professionell auf eine Optimierung ihrer Leistungsfähigkeit ausgerichtet ist. Sie hat außergewöhnliche Schläge, aber bekommt ihre Nerven zu selten in den Griff und ist kaum in der Lage, wenn es einmal schlecht läuft, mit taktischen Veränderungen den Spieß noch einmal umzudrehen.

Im Achtelfinale von Wimbledon stehen 5 Teilnehmer aus den USA, 4 aus der Schweiz, 3 aus Serbien, jeweils 2 aus Tschechien, Frankreich, Kroatien Weißrussland und Spanien.

England, Russland,  Kasachstan, Belgien, Südafrika, Australien, Dänemark, Polen, Kanada und Rumänien haben zumindest einen Spitzenspieler oder eine Spitzenspielerin in der Runde der letzten 16 der inoffiziellen Tennis-Weltmeisterschaft.

Dustin Brown playing for Germany at Wimbledon 2013

Dustin Brown hat dafür gesorgt, dass das deutsche Tennis endlich wieder in den Blickpunkt der internationalen Tennisöffentlichkeit gerückt ist. Aber Hand aufs Herz: Ist der Deutsch-Jamaikaner ein Produkt der deutschen Ausbildungsarbeit? Eher das Gegenteil.

Der DTB sollte langsam die internen profilsüchtigen Streitereien beenden und kreative Konzepte für den Spitzensport entwickeln!

Es wird Zeit.