4. Juli 2015
von admin
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Wimbledon findet jetzt ohne deutsche Teilnehmer statt!

Am sechsten Tag der Championships von Wimbledon hatten vier deutsche Teilnehmer die Chance, das Achtelfinale zu erreichen. In der ersten Spielrunde des Tages um 11.30h Ortszeit griffen zwei aussichtsreiche nationale Vertreter schon in das Geschehen ein.

Der an 10-gesetzten Angelique Kerber stand keine leichte Aufgabe gegen die hochgelobte Garbine Muguruza (WTA Nr.20) bevor. Die Kielerin geht hochmotiviert in das Match. Ihre gelingen beeindruckende Konter und viele Gewinnschläge. Sie geht 3:0 in Führung und hat 3 Spielbälle zum 4:0. Dann reißt der Faden, die Spanierin gewinnt 9(!) Punkte in Folge, gleicht zum 3:3 aus. Kerber fightet, eine Partie auf höchstem Weltklasseniveau entwickelt sich. Vor dem satzentscheidenden Tiebreak hat Angie 11 nicht verwandelte Breakbälle zu Buche stehen! Im Tiebreak vergibt sie 3 Satzbälle und Muguruza setzt sich mit 14:12 durch.

garbine-muguruza

Hat man schon einmal erlebt, dass Angie aufgibt? Im 2.Satz geht sie hochkonzentriert und unbeirrt 4:1 in Führung. Die Spanierin spart sich ihre  Energien für den entscheidenden Durchgang auf, die Kielerin holt sich den 2.Satz ungefährdet mit 6:1.

Zu Beginn des 3.Satzes ist die Baskin sofort wieder entschlossen im Match. Sie führt 3:1 und 40:0, aber die deutsche Spitzenspielerin widersetzt sich erst einmal der drohenden Niederlage, verkürzt auf 2:3. Garbine Muguruzas Siegeswillen ist ungebrochen, sie gewinnt die nächsten beiden Spiele und geht bei eigenem Aufschlag 5:2 in Führung. Angie versucht noch einmal alles, aber sie kann der Spanierin nicht mehr den Sieg nehmen: Mit 6:2 im 3.Satz hat Garbine Muguruza das Achtelfinale erreicht.

Parallel zu Kerbers Auftritt ging Dustin Brown gegen Viktor Troicki auf Court 3. Der Deutsch-Jamaikaner hatte gegen Nadal für internationales Aufsehen gesorgt. In den zahlreichen Interviews, die er in den letzten zwei Tagen geben musste, gab sich der Rastaman sympathisch und relaxt. Konnte er die nötige Energie und Fokussierung wieder aufbauen, um den nächsten Erfolgsschritt gegen den an 22-gesetzten Serben zu realisieren? Konnte er die Lockerheit, die sein Spiel gegen „Rafa“ kennzeichnete und die ihn auf der ATP-Tour so einmalig macht, auch am Samstag wieder auf den Rasen zaubern?

Von Anfang an versucht Dustin den Serben mit Serve- und Volleyspiel unter Druck zu setzten. Bis zur 5:4-Führung von Troicki verliert keiner der Kontrahenten ein Aufschlagspiel. Dann breakt der Serbe den Deutschen mit überragenden Returns und gewinnt den ersten Durchgang mit 6:4.

Im 2.Satz gelingen unserer Wundertüte wieder faszinierende Schläge, die das Publikum von den Sitzen reißen. Der Belgrader spielt aber bärenstarkes Rasentennis – der Tiebreak muss den Satz entschieden. Wieder ist Troicki eine Nuance besser und gewinnt auch den zweiten Durchgang.

Das Publikum will weiter teilhaben an der Reggae-Tennis-Show von Dustin Brown. Enthusiastischer Jubel bricht aus, als ihr Liebling den 3.Satz mit 6:4 gewinnt!

brown

Im 4. Satz hält der Deutsche dem überragend aufspielenden und solideren Troicki lange stand, muss aber die Niederlage und das Ausscheiden aus dem Turnier mit 4:6 im vierten Durchgang hinnehmen.

Man kann von dem Paradiesvogel Brown nicht erwarten, dass er – wie eine Maschine -  sein unorthodoxes und kreatives Spiel Tag für Tag erfolgreich wiederholen kann. Das widerspricht seinem ungewöhnlichen Stil. Dustin hat sich durch die Qualifikation gespielt, zwei Runden im Hauptfeld brilliert. Heute hat die „Wundertüte“ wieder das Publikum und die Tennisfans begeistert – auch wenn es nicht zum Sieg gereicht hat. Ob Sieg oder Niederlage, Dustin Browns Tennis ist eine Attraktion im modernen – von Pragmatismus, Rationalität und Athletik geprägten –  internationalen Spitzentennis. Es macht einfach Spaß ihm zuzusehen.

Als zweite deutsche Teilnehmerin trat am Nachmittag Tatjana Maria gegen die an 21-gesetzte Madison Keys auf Court 12 an. Dem aggressiv spielenden US-Girl reicht ein Break, um sich den 1.Satz mit 6:4 zu holen. 18 Gewinnschläge der Amerikanerin stehen zu diesem Zeitpunkt 6 der Deutschen gegenüber. Im 2.Satz gelingt Keys wieder ein frühes Break. Den Sieg lässt sich die Amerikanerin nicht mehr nehmen. Mit 6:4, 6:4 zieht sie in das Achtelfinale ein. Drei von drei deutschen Profis sind am heutigen Tag ausgeschieden.

madison keys

Nach Angie Kerber ging Sabine Lisicki als einzig übrig gebliebene deutsche Teilnehmerin auf den Rasen von Court 3. Die sensible Berlinerin hatte in der zweiten Runde nur mit großem Kampfgeist und Mühen gewinnen können. Ihre heutige – an 15-gesetzte – Gegnerin Timea Bacsinszky hat in den letzten Monaten eine erstaunliche Erfolgsserie auf der WTA-Tour hingelegt. Bine beginnt hektisch, produziert im 1. Satz zu viele Fehler und verliert 3:6. Auch im 2.Satz behält die Schweizerin mit soliderem Tennis die Oberhand und gewinnt klar mit 6:3 und 6:2.

Timea-Bacsinszky

Damit sind vor dem Achtelfinale alle deutschen Teilnehmer in Wimbledon ausgeschieden. Das hat es lange nicht mehr gegeben. Nach einem Tennismatch sollte man eine gewisse Zeit vergehen lassen, um sinnvoll das Spiel zu analysieren. Wir folgen dieser vernünftigen Regel und unterlassen einen vielleicht zu emotionalen Kommentar zum deutschen Spitzentennis bei den inoffiziellen Weltmeisterschaften.

Kommen wir also zum Schluss noch unserer Chronistenpflicht nach: Bei den Damen hatte am späten Freitagabend Serena Williams mühsam das Achtelfinale mit einem 7:5-Sieg im dritten Satz gegen Heather Watson erreicht. Am Samstag folgten ihr von den Mitfavoriten Wozniacki und Radwanska. Die Titelverteidigerin Kvitova verlor gegen die Serbin Jankovic im 3.Satz.

Bei den Herren haben Federer, Berdych, Isner, Pospisil und Bautista Agut die vierte Runde erreicht. Jo Wilfried Tsonga verlor gegen Ivo Karlovic, der sich immer mehr zum Geheimfavoriten mausert, mit 6:7, 6:4, 6:7 und 6:7.

Andy Murray hat am späten Abend die ersten beiden Sätze gegen Seppi klar gewonnen. Gael Monfils hat seinem Landsmann Gilles Simon vor wenigen Minuten den 1.Satz abgenommen.

3. Juli 2015
von admin
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Petkovic auf Kriegsfuß mit dem “grünen Zeug”!

Dustin sei Dank! Spiegel und Focus berichten ausführlich und aktuell vom deutschen Tennis -  fast exklusiv über den Paradiesvogel aus Celle. Am heutigen Freitag trat  in Wimbledon mit Andrea Petkovic eine Spielerin an, die seit Jahren mit ihren Auftritten – auf und neben dem Platz – Werbung für das deutsche Tennis gemacht hat. Die Darmstädterin spielte auf Court 12  in ihrem Drittrundenmatch gegen Zarina Diyas (WTA Nr.34) um den Einzug in das Achtelfinale der Championships. „Petko“” ist aktuell die Nr.14 der Weltrangliste, aber sie ordnet ihr Tennistalent sehr relativ ein: „Es gibt viele Dinge, die ich besser kann als Tennis spielen”, äußerte sie in einem Interview mit dem Spiegel. In der Schule übersprang sie eine Klasse und schloss das Abitur mit der Note 1,2 ab. Ihren Tenniserfolg führt sie auf ihren Perfektionismus zurück:  „Es stört mich einfach, wenn ich etwas falsch mache, ich bin da beinahe neurotisch.”

Andrea-

Zu Beginn der Begegnung machen beide Spielerinnen einiges falsch. Die Partie ist geprägt von vielen leichten Fehlern. Bis 5:5 und 30:30 bei Service von  Petkovic haben die Kontrahentinnen noch kein Aufschlagspiel verloren: Dann gibt Andrea sechs Punkte in Folge und damit den Satz mit 5:7 ab.

Im 2.Satz wird die Darmstädterin gleich im ersten Spiel gebreakt. Im nächsten Spiel vergibt sie drei Breakbälle in Folge. Sie hat jetzt 9 Breakbälle zu Buche stehen und noch keinen einzigen verwandeln können. Tränen rinnen über das Gesicht der 27-Jährigen. Die Kasachin geht 2:0 in Führung. Im weiteren Verlauf gelingt es Petko noch immer nicht, Druck und Platzierung in ihr Spiel zu bekommen.Sie gerät 2:5 in Rückstand. Andrea kämpft tapfer – gegen die Tränen und die Gegnerin. Sie wehrt zwei Matchbälle ab, verkürzt auf 4:5. Die 21-jährige Kasachin ist entschlossen, gewinnt den Satz mit 6:4 und zieht in das Achtelfinale ein.

Zarina+Diyas

Das „grüne Zeug“ – wie Andrea den Rasen nach einigen bitteren Erfahrungen genannt hat – hat sich am heutigen Tag nicht beliebter bei ihr gemacht.

Sharapova,  Safarova,  Azarenka, Vanderweghe und Venus Williams haben das Viertelfinale in Wimbledon bei den Damen erreicht. Serena Williams ist gegen die Britin Watson aktuell im 3.Satz und liegt 0:2 zurück.

Bei den Herren zogen Djokovic, Wawrinka, Anderson und Goffin ohne Satzverlust in das Achtelfinale ein. Etwas überraschend verlor der an 11-gesetzte Bulgare Dimitrov gegen den Franzosen Gasquet.

Sensationell schlägt der junge Australier Nick Kyrgios den an 6-gesetzten Kanadier Raonic mit 5:7, 7:5, 7:6 und 6:3.

 

2. Juli 2015
von admin
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Kerber, Lisicki und Maria siegen – Brown zaubert!

Die Luft wird schon in der zweiten Runde des Wimbledonturniers immer dünner für unsere Spitzenspieler/innen. Drei Niederlagen standen einem Sieg am dritten Tag der Championships aus deutscher Sicht gegenüber. Dieser Sieg wurde von Andrea Petkovic errungen, die seit Jahren – wie Angelique Kerber, auch Sabine Lisicki und  einzelne andere Damen – mit ihren Leistungen dafür sorgt, dass in der deutschen Tennisöffentlichkeit immer noch geglaubt wird, dass wir noch zu den großen Tennisnationen gehören.

Spanien, Tschechien, Frankreich, Schweiz, Rußland und Serbien haben uns längst den Rang abgelaufen. Die USA bleiben eine Tennismacht, Australien ist wieder auf gutem Weg, Japan ist ambitioniert und Kroatien, Italien, Kanada und Polen sind zumindest auf ebenbürtigem Leistungsniveau mit Deutschland.

Am vierten Wimbledontag traten vier deutsche Erstrundensieger zu ihrem zweiten Match   auf dem heiligen Rasen an, um mit ihren Siegen das Image des nationalen Spitzentennis wieder aufzupolieren.

In der ersten Spielrunde kam es auf Court 18 zur Begegnung der an 10-gesetzten Angelique Kerber mit der  Barthel-Bezwingerin Anastasia Pavlyuchenkova (WTA Nr. 42). Die Russin spielt in der Anfangsphase druckvoll-entschlossenes Tennis. Angelique gelingen einige herausragende Konterschläge und Winner. Bis 5:5 ist die Partie ausgeglichen, Breaks und Rebreaks verhindern eine klare Führung. Angie breakt dann wieder und bringt ihr Aufschlagspiel sicher zum 7:5 durch. Im 2.Satz gelingt es der Kielerin immer besser, die Offensive zu übernehmen. Sie setzt sich deutlich mit 6:2 durch und erreicht als zweite Deutsche nach ihrer Freundin Andrea Petkovic die dritte Runde der Championships. Die Russin  war ein echter Prüfstein für die zukünftigen Partien von Angie im weiteren Turnierverlauf.

Angeli

Sabine Lisicki hatte die Ehre, das Eröffnungsmatch auf dem Centre Court, den sie in ihrem Erfolgsjahr 2013 zum Wohnzimmer erklärt hatte, gegen Christina McHale (WTA Nr. 64) zu spielen. Die Berlinerin beginnt etwas hektisch, bei 2:2 wird  ihr das  Aufschlagspiel abgenommen. Danach wirkt sie verunsichert, verliert auch die nächsten drei Spiele und den 1.Satz mit 2:6. Als Bine gleich wieder ihr erstes Aufschlagspiel im 2.Satz abgibt, machen wir uns langsam Sorgen um die sensible Aufschlagweltrekordlerin. Der Aufschlag des US-Girls schwächelt dann zum ersten Mal, sie öffnet der Deutschen wieder die Tür zu ihrem Wohnzimmer und Lisicki gelingt ein Rebreak. Bis zur 6:5-Führung Lisickis wird kein Aufschlagspiel mehr verloren. Dann spielt Bine entschlossener, breakt ihre Kontrahentin und gewinnt den 2.Satz mit 7:5. Im 3.Satz scheint sich Bum Bum Bine endlich in ihrem Wohnzimmer eingerichtet zu haben. Jetzt gelingen krachende Aufschläge, knallharte Vorhände serienweise und auch die Rückhand wird sicherer. Die an 18-gesetzte Deutsche geht 5:1 in Führung. Bei eigenem Aufschlag „flattert“ unsere Bine kurz, vergibt einen Matchball, verwandelt dann aber den zweiten zum 6:1- Satz- und Matchgewinn. Der Aufschlagweltrekordlerin ist ein kämpferisches Comeback gelungen. Die dritte deutsche Spielerin hat die dritte Runde des Grand Slams in London erreicht.

sl

Tatjana Maria startete ihre Partie gegen Ying Ying Duan (WTA Nr. 112) am späten  Nachmittag auf Court 11. Die Chinesin hatte zum Auftakt die gesetzte Kanadierin Bouchard aus dem Turnier geworfen. Im 1.Satz war die Deutsche chancenlos beim 1:6. Im 2.Satz schlug sie zurück und setzte sich 6:2 durch. Der 3.Satz war ein Thriller mit zahlreichen Siegchancen auf beiden Seiten. Tatjana Maria, geborene Malek, zeigte ihr Kämpferherz und zog mit einem 10 : 8-Sieg im entscheidenden Durchgang in die dritte Runde von Wimbledon ein.

Am Abend spielte der einzige im Turnier noch  übrig gebliebene deutsche Spieler, Dustin Brown, auf dem Centre Court gegen Rafael Nadal. In Halle hatte unser Paradiesvogel den Spanier vor wenigen Wochen auf Grass geschlagen. Im ersten Satz knüpfte der Deutsch-Jamaikaner an seine Form vom Turnier in Westfalen an: mit wahnwitziger Variabilität und unorthodoxen Schlägen bezwang er Rafa mit 7:5.

Dustin Brown playing for Germany at Wimbledon 2013

Der zweifache Wimbledonsieger kämpfte sich im 2.Satz in das Match hinein, setzte sich mit 6:3 durch – auch weil nicht alle Zaubereien von Dustin zum Erfolg führten. Im dritten Satz gelingt dem Rastaman ein frühes Break. Dann folgen knallharte Winner, krachende Asse und gefühlvolle Stopp-Lob-Kombinationen. Das entzückt natürlich uns und auch einen Großteil der Zuschauer, die mit groß geöffneten Mündern den 6:4-Satzsieg der „Wundertüte“ aus Celle (das ist ein biederes Örtchen in Niedersachsen) bestaunen. Im 4. Satz gelingt Brown im ersten Spiel gleich ein Break. Onkel Tony kaut auf den Nägeln, sein Neffe kratzt sich hektisch- gegen alle Etikette –  am Hinterteil. Bei 5:3 und Aufschlag Nadal hat der Deutsch-Jamaikaner zwei Matchbälle in Folge. Der Spanier ist ein unermüdlicher Kämpfer, er wehrt sie ab und verkürzt dann auf 4:5. Im nächsten Spiel beginnt Brown mit einem Doppelfehler. Mit einem Ass beendet er das Spiel, den Satz zum 6:4 und das Match. Großes Tennis. Grass – da ist „Dust in the Wind“ in seinem Element.

Vier deutsche Tagessiege – besonders das spektakuläre Reggae-Tennis von Brown – haben dazu beigetragen, dem Image des Tennis neuen Glanz zu verschaffen.

Viel nüchterner – mit klaren Dreisatzsiegen – spielten sich Federer, Murray, Berdych, Tsonga und Monfils in die dritte Runde.