1. Juli 2015
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Petkovic zieht die Karre aus dem Dreck!

Acht deutsche Tennisprofis haben die 2.Runde der Lawn Championships in Wimbledon erreicht, neun sind ausgeschieden. Das ist keine katastrophale Bilanz – das ist aber auch kaum Anlass zur Euphorie. Die entschuldigende Argumentation, dass einige unserer Spitzenspieler früher ausgeschieden sind, weil sie nicht gesetzt waren, ist kurzsichtig. Dass in diesem Jahr kein deutscher Teilnehmer im Herren-Hauptfeld gesetzt war, ist gerade ein deutliches Zeichen von dem schleichenden Niveauverlust in den letzten Jahren. Die Erfolge unserer Topspielerinnen haben diese schon länger anhaltende negative Entwicklung bisher etwas verschleiert. Es sieht so aus, dass dieselben Damen auch in Wimbledon 2015 die Karre wieder aus dem Dreck ziehen werden.

kerber

Bei den deutschen Herren ist der Hoffnungsträger 37 Jahre alt und hat erst vor Wochen wieder an Turnieren teilgenommen, weil ihn eine langwierige Schulterverletzung zur Pause zwang. Tommy Haas ging um 13Uhr Ortszeit auf Court One,  um gegen den an 7-gesetzten Milos Raonic die Kohlen aus dem Feuer zu holen – eine Herkules-Aufgabe! Die Helden der Antike sind längst tot und taugen vielleicht  noch als märchenhafte Legenden. Dieser Tatsache musste der in Hamburg geborene Tommy, der seit Jahren in Florida lebt, in seiner Partie mit dem Kanadier klar ins Auge sehen. Raonic nahm seinen Gegner ernst, er war hoch konzentriert und entschlossen. Nach 18 Minuten hatte er den 1.Satz mit 6:0 gewonnen.  Tommy fluchte nicht wie ein Rohrspatz, nahm das Geschehen fast teilnahmslos hin. Das ist kein gutes Zeichen! Auch im 2.Satz kommt der Deutsche nicht auf Touren, verliert den Durchgang 2:6.

milos_raonic

Im 3. Satz gewinnt Haas mit Mühen seine Aufschlagspiele, Raonic bringt sie problemlos durch. Im Tiebreak ist der Deutsche hellwach, zelebriert zwei Mal erfolgreich seinen Paradeschlag, den Rückhand long line. Er vergibt Satzbälle und fängt an zu schimpfen und zu fluchen. Das macht Hoffnung! Haas gewinnt den Tiebreak 7:5 und damit den dritten Durchgang. Raonic ist „not amused“. Im 4.Satz wird auf Augenhöhe gespielt. Der Kanadier hat bei 6:5-Führung 3 Matchbälle in Folge. Haas wehrt sie ab, gleicht aus. Im Tiebreak muss er doch die Waffen strecken. Mit 4:7 scheidet Haas aus dem Wimbledonturnier aus. So what, Tommy. Es hat Spaß gemacht, dir zuzuschauen – und noch mehr, dir zuzuhören!

Dem jüngsten Teilnehmer des Herrenhauptfeldes, dem 18-jährigen Alexander Zverev,  traute man im Match gegen Denis Kudla (ATP Nr. 105) einen Einzug in die 3.Runde zu. Zu Beginn schwächelte Saschas erster Aufschlag und er verlor den 1.Satz 3:6. Muss der Hamburger den Strapazen seines Fünfsatz-Matches in der 1.Runde jetzt Tribut zollen? Offensichtlich nicht:  Der junge „Schlaks“ dreht den Spieß um und gewinnt den 2.Satz mit 6:3. Im 3.Satz geht er 5:3 in Führung, vergibt unentschlossen Satzbälle und muss sich unnötig den 3.Satz im Tiebreak mit 2:7 vom US-Boy noch abnehmen lassen. Sascha findet nicht mehr auf den Erfolgsweg zurück und scheidet mit 4:6 im 4.Satz aus den Championships aus.

Anna-Lena Friedsam spielte unbekümmert im 1.Satz ihres Matches gegen Belinda Bencic (WTA Nr. 22) auf. Die 18-jährige Schweizer Favoritin kann aber den Durchgang knapp mit 7:5 für sich entscheiden. Unbeirrt setzt die Deutsche ihren Weg fort, geht 2:0 im 2.Satz in Führung, vergibt viele Chancen zum Ausbau der Führung, setzt sich am Ende des Durchgangs aber entschlossen mit 6:4 durch. Im entscheidenden 3. Satz reißt in völlig unverständlicher Weise der Faden im Spiel der 21-jährigen aus Neuwied: sie wird mit 0:6 aus dem Turnier geschossen.

Bencic

Drei deutsche Niederlagen standen am 3.Tag in Wimbledon zu Buche, als  Andrea Petkovic  am späten Abend  auf Court 12 gegen  Marina Duque-Marino (WTA Nr.99) antrat. Die an 14-gesetzte Darmstädterin ging als klare Favoritin in das Match. Sie begann zögerlich, kassierte gleich ein Break, kämpfte sich aber Schritt für Schritt in die Partie, gewann 4 Spiele in Folge und dann den 1.Durchgang mit 6:3. „Petko“ dominiert auch im 2.Satz. Nach etwas mehr als zehn Minuten liegt sie 4:0 in Führung. Das fünfte Spiel dauert allein 10 Minuten, die Kolumbianerin gewinnt es und jubelt, als wenn sie den Grand Slam gewonnen hätte. Weitere sechs Minuten später hat Andrea den Satz 6:1 gewonnen und zieht als erster deutscher Turnierteilnehmer in die dritte Runde von Wimbledon ein.

30. Juni 2015
von admin
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Vier deutsche Siege am 2.Tag von Wimbledon!

Am 2.Tag des Wimbledonturniers kam es zum Aufeinandertreffen unserer deutschen Spitzenspielerin Angie Kerber, der viele Fachleute  außergewöhnliche Erfolge in der Damenkonkurrenz zutrauen, mit der deutschen Nachwuchs- hoffnung Carina Witthöft.

Die junge Hamburgerin begann die Partie mit einem Doppelfehler. Obwohl alle Spiele umkämpft waren, setzte sich die Kielerin am Ende immer durch und gewann den 1.Satz folgerichtig mit 6:0. Im 2. Satz wurde deutlich, dass Carina Witthöft  bisher kaum  Erfahrungen auf Rasen sammeln konnte. Auch in diesem Durchgang gab Kerber kein Spiel ab und zog mit 6:0 und 6:0 in die zweite Runde ein. Ein vielversprechender Auftritt von Angie – eine bittere Erfahrung für Carina, die sie hoffentlich richtig einordnen und schnell verschmerzen wird.

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Mona Barthel (WTA Nr.49) konnte eine Partie auf Augenhöhe gegen ihre  Erstrundengegnerin Anastasia Pawljutschenkova (WTA Nr. 42) erwarten. Die Neumünsteranerin entschied dann den 1.Satz auch knapp im Tiebreak mit 7:3 für sich. Im 2.Satz servierte Mona bei 5:4-Führung zum Matchgewinn, wurde aber gebreakt. Auch in diesem Durchgang musste der Tiebreak dann die Entscheidung herbeiführen. Barthels Gesicht zeigte keine Regung, aber ihr 8. Doppelfehler und einige leicht vergebene Chancen, deuteten darauf hin, dass ihr Selbstvertrauen aktuell noch etwas fehlt. Die Russin gewann den 2.Satz mit 7:4 im Tiebreak. Im 3.Satz stemmte sich Mona kaum gegen die drohende  Niederlage und schied mit 2:6 im entscheidenden Durchgang aus.

Auch Dustin Brown (ATP Nr. 102) trat in der ersten Spielrunde gegen den Taiwanesen Lu Yen Hsun (ATP Nr.61) an. Der Asiate servierte im 1.Satz überragend und gewann mit 6:3. Im 2.Satz gelangen unserem „Rastaman“ einige Zauberschläge und er drehte mit einem 6:3-Sieg den Spieß um. Nach 7:5-Gewinn des 3.Satzes sprang Dustin vor Freude in die Luft. Die Euphorie hielt an. Mit einem 6:4-Sieg im 4. Satz zog Dustin als dritter Deutscher in die 2.Runde der Herrenkonkurrenz ein. Das war eine gelungene Reggae-Tennis-Ouvertüre aus deutsch-jamaikanischer Produktion!

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Michael Berrer (ATP Nr. 139) hatte in Wimbledon die Qualifikation überstanden und traf  in der 1.Runde des Hauptfeldes auf Adrian Mannarino (ATP Nr.34). Der Stuttgarter gewann den 1.Satz im Tiebreak, musste sich dann aber der Überlegenheit des Franzosen beugen und verlor die nächsten Sätze mit 0:6, 4:6 und 1:6.

Julia Görges hatte mit der an 15-gesetzten Timea Bacsinszky eine echte Herausforderung zugelost bekommen. Die Schleswig-Holsteinerin kam anfangs nicht richtig in das Spiel, verlor den 1.Satz mit 2:6. Sie steigerte sich im 2.Satz, musste sich aber dann doch der Schweizerin mit 5:7 beugen.

Sabine Lisicki, bei den Championships an Position 18 gesetzt, betrat den geliebten Rasen in London, um gegen Jarmila Gajdosova (WTA Nr.58) in die 2.Runde des Turniers einzuziehen. Die Wimbledonfinalistin von 2013 setzte sich dann auch gegen die Australierin nach 71 Minuten Spielzeit 7:5, 6:4 durch.

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“Im Großen und Ganzen bin ich zufrieden, es ist immer gut, sich in der ersten Runde durchzubeißen. Es war komisch windig, und die Lichtverhältnisse waren schwierig, daran musste ich mich erst gewöhnen.”, erklärte die Berlinerin ihre kleinen Probleme während des Matches.

Laura Siegemund, die Nr. 128 der Weltrangliste, kämpfte tapfer gegen die an 26-gesetzte Svetlana Kusnezova, unterlag aber der Russin mit 3:6 und 4:6.

Tatjana Maria (WTA Nr.78) sorgte am Abend für Freude im deutschen Lager, als sie die Serbin Bojana Jovanovski (WTA Nr.51)in einem spannenden Match mit 7:6 und 7:5 bezwang.

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Roger Federer macht bei seinem ersten Auftritt auf dem „Heiligen Rasen“ mit dem Bosnier Dzumhur nicht viel Federlesens und zog mit 6:4, 6:2 und 6:3 in die zweite Runde ein.

Rafael Nadal trat bei seinem 6:4, 6:2, 6:4-Sieg gegen Tomaz Bellucci ähnlich souverän auf.

Jo Wilfried Tsonga hatte da schon mehr Probleme: Mit 7:6, 6:7, 6:4, 3:6 und 6:2 gegen Gilles Muller hat er so eben noch die Kurve in die 2.Runde gekratzt.

Der „Local Hero“ Andy Murray gewann die Big Points gegen Mikhail Kukushkin und setzte sich mit 6:4, 7:6 und 6:4 durch.

Bei den Damen gab es schon in der ersten Runde unerwartete Niederlagen: Die  an 3-gesetzte Simona Halep verlor sensationell gegen die Slowakin Cepelova mit 5:7 und 4:6.

“Genie” spielt seit Wochen alles andere als genial: Die an 12-gesetzte Bouchard schied gegen die Chinesin Duan mit 6:7 und  4:6 in ihrem Auftaktmatch aus.

 

 

 

29. Juni 2015
von admin
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Vier deutsche Siege zum Auftakt in Wimbledon!

Seit Wochen versuchen sich alle Tennisstars für den Höhepunkt der Saison,  das Wimbledon-Turnier,  in Form zu bringen. Am Montag begann der Showdown in London. Der deutsche Spitzenspieler Philipp Kohlschreiber hatte das zweifelhafte Vergnügen gegen den topgesetzten Novak Djokovic das Turnier auf dem Centre Court zu eröffnen.

Der Augsburger ist dann in der ersten Runde an Titelverteidiger Djokovic gescheitert. „Kohli“ unterlag dem serbischen Weltranglistenersten mit  4:6, 4:6, 4:6.  Der Deutsche  hatte Pech mit der Auslosung, als Nummer 33 des ATP-Rankings war er der erste ungesetzte Spieler im Turnier.

Tommy Haas erreichte dann bei seinem 15. Wimbledon-Start als erster deutscher Tennisspieler die zweite Runde. Der 37-Jährige gewann am Montag nachmittag bei dem Rasen-Grand-Slam in London 6:2, 6:3, 4:6, 6:2 gegen den Serben Dusan Lajovic. Der älteste Spieler im Hauptfeld trifft jetzt auf den an Nummer sieben gesetzten Kanadier Milos Raonic. Der gebürtige Hamburger kommentierte seinen Sieg auf schnoddrige hanseatische Art: „Es ist immer etwas Besonderes, in Wimbledon aufzulaufen. Ich bin froh, die erste Runde überstanden zu haben. Die Schulter hat gehalten, ich kann nicht meckern.”

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Bei den Damen musste am Montag zuerst Annika Beck gegen Kirsten Flipkens  auf den Platz. Die 21-jährige Deutsche begann sehr stark und sicherte sich den ersten Satz nach drei von sechs verwandelten Breakbällen ohne Spielverlust mit 6:0. Im 2.Satz kam jedoch die Belgierin besser ins Spiel und zeigte sich beim eigenen Aufschlag deutlich stabiler. Zudem holte sie jetzt viele Punkte am Netz, worauf sich Beck nie so richtig einstellen konnte. Flipkens setzte sich mit 6:3 durch. Im entscheidenden 3. Satz konnte die Deutsche trotz harten Widerstandes die Oberhand nicht mehr zurückgewinnen und schied mit 4:6 im entscheidenden Satz in der Auftaktrunde aus.

Der Auftritt von Andrea Petkovic war dann eine reine Freude für die deutschen Tennisfans. „Petko“ war motiviert bis in die Fingerspitzen und fegte die US-Amerikanerin Shelby Rogers in 39 Minuten mit 6:0 und 6:0 vom Rasen. Rogers hatte nicht eine Breakchance, Petko holte alle (!) Punkte, wenn ihr erster Aufschlag saß. Ein perfektes Auftaktmatch der Darmstädterin!

Mit viel Herz und guten Nerven verhinderte dann Anna-Lena Friedsam das schnelle Aus im Tennismekka. Friedsam, die bei den French Open in der zweiten Runde nur knapp an Serena Williams gescheitert war, kam  anfangs nur schwer in das Spiel und gab den ersten Satz mit 3:6 an Witalia Dijatschenko ab. Im 2.Satz meldete sich die Andernacherin dann eindrucksvoll zurück, schlug fünf Asse sowie zwölf Winner und schien die Partie nach ihrem 6:3-Satzsieg im Griff zu haben.

Anna-Lena-Friedsam

Der entscheidende dritte Satz entglitt ihr dann aber zunächst schnell. Die Russin zog auf 4:1 davon und kontrollierte das Spiel – bis sich Friedsam in einem packenden Match zurückkämpfte. Vor allem am Netz agierte sie jetzt deutlich besser, die Gegnerin auf der anderen Seite leistete sich 20 „unforced errors“ allein im Schlusssatz. Anna Lena holte auf 5:5 auf, breakte dann die Russin. Bei eigenem Aufschlag machte sie dann alles klar und erreichte als nächste Deutsche mit 7:5 im 3.Satz die zweite Runde. Dort wartet mit der Schweizerin Belinda Bencic eine schwere Aufgabe.

Die Serie von Erstrunden-Niederlagen hat für Tennisprofi Jan-Lennard Struff am Montag leider eine bittere Fortsetzung gefunden. Trotz starker Leistung  unterlag der Warsteiner in der ersten Runde dem Australier Bernard Tomic in fünf Sätzen mit 3:6, 6:3, 6:2, 2:6 und 3:6. Nach 2:04 Stunden war das Grand Slam-Turnier in London für die Nummer 112 der ATP-Weltrangliste bereits am Auftakttag wieder beendet.

Florian Mayer teilte das bittere Schicksal einer Erstrundenniederlage mit Struff und Kohlschreiber. Der 31-Jährige, 2004 und 2012 Viertelfinalist von Wimbledon, unterlag dem Argentinier Juan Monaco 1:6, 2:6, 4:6. Mayer war im April nach mehr als einem Jahr Verletzungspause auf die Tour zurückgekehrt und kämpft seitdem um den Anschluss an die Weltspitze.

Benjamin Becker rechnete man gute Chancen gegen Viktor Estrella Burgos aus der Dominikanischen Republik aus. Der Mettlacher kämpfte wie immer, setzte sich auch im 1.Satz noch  7:5 durch. Mit  1:6, 4:6 und 4:6 verlor dann aber schon der vierte deutsche männliche Profi in der ersten Runde von Wimbledon.

Die Hoffnungen auf einen zweiten deutschen Herrensieg am ersten Tag der Lawn Championships ruhten jetzt auf Alexander Zverev in seinem Match gegen Teimuras Gabaschwili. Mit seinen 18 Jahren ist der Hamburger der jüngste Teilnehmer im Hauptfeld von Wimbledon.Sascha begann abgeklärt und gewann den 1.Satz mit 6:3.

zverev2

Im 2.Satz riss sein Spielfaden und er verlor 1:6. Im 3.Satz dominierte der Hamburger Junge wieder und setzte sich mit 6:3 durch. Der Russe dreht den Spieß im 4.Satz wieder um, entschied den Durchgang mit 6:3 für sich. Ein Drama entwickelt sich. Der junge Deutsche scheint mit den Kräften am Ende, übergibt sich auf dem Platz. Er schleppt sich mit beeindruckender Widerstandskraft durch den entscheidenden 5.Satz, erspielt sich trotz zweier Verletzungspausen sogar bei 6:5-Führung und Aufschlag des Russen zwei Matchbälle. Die werden allerdings vergeben. Bei 7:7 gelingt Sascha ein Break. Mit letzter Kraft bringt er sein Aufschlagspiel durch und gewinnt das Partie mit 9:7 im 5.Satz. 3 Stunden und 46 Minuten dauerte sein erfolgreiches Grand-Slam- Debüt. Großes Tennis, Sascha!