10. Februar 2015
von admin
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Quo vadis deutsches Tennis?

Die deutsche Fed Cup-Mannschaft hat nach einem großartigen Sieg über Australien das Halbfinale der Weltgruppe erreicht – endlich eine erfreuliche Nachricht in dem aus deutscher Sicht zäh anlaufenden Tennisjahr 2015.

Tage später findet man sich schnell auf dem Boden der grauen Realität wieder: bei „tennis- net.com“  wird ein Text über Carsten Arriens veröffentlicht, der jedes Maß an objektiver Berichterstattung außer Acht lässt und der den Eindruck erweckt, dass hier eine Auftragsarbeit unseres neuen Vizepräsidenten vorliegt.

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Unser Hamburger Michel äußert sich zu dem Thema „Entlassung des Davis Cup-Kapitäns“ anlässlich des „Sponsor`s Business Summit“ in Düsseldorf dann auch wenig profiliert: „ Der DTB spricht nicht mit einer Stimme. Das ist nicht gut für das Tennis“, statiert Michael Stich und gibt dann bekannt, dass er beim nächsten Mal unter Umständen wieder als potentieller Präsident kandidieren wird.

Boris Becker, der immer wieder – hier sogar zu recht – herausstellt, welch guten Job er als Coach von Novak Djokovic macht, meldet sich immer noch bei jeder passenden – oder besser nichtpassenden – Gelegenheit zu Wort. Erst fordert er, dass man im Davis Cup nicht auf die Nr.1 der Nation verzichten sollte, um nach der Entlassung Arriens sogleich zu verkünden, dass er als Nachfolger nicht zur Verfügung stehe, weil die Zeit für diesen Job einfach nicht vorhanden sei.

Man gewinnt den Eindruck, dass alle Protagonisten des deutschen Tennis nur „ihr eigenen Süppchen kochen“ –  dass die Verantwortung für die Zukunft des „bunten weißen Sports“ viel zu kurz kommt.

Dabei wird es endlich Zeit, gemeinsam daran zu arbeiten, dass das Schiff wieder auf Kurs kommt.

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Wir sprachen früher bildlich davon, dass das deutsche Tennis “ins Schlingern gekommen ist“. Aktuell muss man sich Sorgen machen, dass es  “an den Klippen zerschellt”.

Ein aktuelles Beispiel gefällig? Vor dem Auftaktspiel unseres Fed Cup-Teams wurde in den Medien über Bundesliga-Fußball und Ski-Weltmeisterschaft ausführlicher berichtet. Biathlon und Skispringen fanden auch noch Erwähnung. Kaum eine Zeile erschien in den Printmedien unserer Region über das anstehende Match gegen Australien.

Bei einer privaten Umfrage in unserem am Tennis interessierten Umfeld über das nächste wichtige Tennisereignis auf deutschen Boden – wenige Tage vor der Veranstaltung  – konnte gerade jeder zehnte Befragte die  Fed-Cup-Begegnung nennen. Diese Kundigen waren verwandt oder befreundet mit Akteuren aus dem Fed-Cup-Team…

Sat1 hatte mit großem Aufwand und vielen Vorberichten auf das Fed-Cup-Finale in Prag aufmerksam gemacht. Vor dem Match in Stuttgart war nichts dergleichen zu sehen. Hatte die Quote nicht den Erwartungen entsprochen?

Geben diese Tatsachen nicht zu denken?

Sollte man nicht jetzt endlich einmal die Kräfte bündeln, anstatt sich permanent zu zerstreiten?

Wo ist die Person, die genügend Vertrauen und Anerkennung genießt, um diesen Prozess endlich einzuleiten?

8. Februar 2015
von admin
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Deutschland im Halbfinale der Weltgruppe!

Das Auftaktspiel der Fed Cup-Teams in der Weltgruppe mit Australien hat in den Medien keinen Sturm ausgelöst – eher ein laues Lüftchen. Fußball-Bundesliga und Alpine Ski-Weltmeisterschaft stehen eher im Zentrum der allgemeinen Aufmerksamkeit – Biathlon und Skispringen folgen mit Abstand. Die wenigen Journalisten, die sich mit dem Auftritt unserer Damen beschäftigten, sind sehr kritisch mit der Leistung von Angie Kerber umgegangen, haben den Einsatzwillen von Andrea Petkovic freundlich gelobt, aber haben die Dramatik des Geschehens kaum gewürdigt. Das könnte damit zusammenhängen, dass die Autoren nicht über genügende  Kenntnisse verfügen, um zu differenzierteren Aussagen zu kommen.

Die Begegnung  Deutschland gegen Australien hatte  am ersten Tag außergewöhnlichen  Sport geboten. Beide Einzel gingen über die volle Distanz, die Sieger sind über sich selbst hinausgewachsen, die Verlierer haben „bis zur letzten Patrone“ gekämpft. Die Gastgeber waren in Stuttgart schon fast auf verlorenem Posten, haben dann doch ausgeglichen. Dass der Gegner Australien über ein starkes Team verfügte, war schon vor dem Spiel bekannt. Für den nationalen Sportjournalismus wäre es von Vorteil, über die eigene Nasenspitze hinaus zu beobachten. Das wäre auch deshalb hilfreich, weil man auf diese Art auch die Leistungen der internationalen Gegner besser einschätzen könnte.

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Kommen wir zum  Geschehen am Entscheidungstag: Durch den hart erkämpften Ausgleich hatten  die Deutschen vielleicht sogar einen kleinen Situationsvorteil errungen. Die nach mehr als 3 Stunden Spielzeit unterlegene Samantha Stosur musste als erste Australierin gegen Angie Kerber, die sich viel länger von den psychischen und physischen Strapazen ihres Matches erholen konnte, im Auftakteinzel auf den Platz. Beide Spielerinnen beginnen nervös – die Verunsicherung aufgrund der Niederlagen ist deutlich zu spüren. Angie fängt sich früher. Ihr gelingen einige Siegschläge. Nach 2:2 gewinnt sie 4 Spiele in Folge und den Satz mit 6:2. Die Faust wird geballt, das Team springt hinter der Bank auf und empfängt sie mit lautstarker Anfeuerung.

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Auch im zweiten Satz ist die Kielerin bemüht, bei jeder Gelegenheit die Initiative zu ergreifen. Im Gegensatz zur gestrigen Partie schwingt sie viel entschlossener und freier. Bei 4:4 gelingt der Deutschen ein wichtiges Break. Angelique lässt sich den Sieg nicht mehr nehmen: mit 6.4 im zweiten Satz bringt sie Deutschland mit 2:1 in Führung.

Andrea Petkoviv kann im nächsten Einzel mit einem Sieg über die „Wundertüte“ Jarmila Gajdosova schon für den Einzug des deutschen Teams in das Halbfinale sorgen.

Andrea ist nach dem letzten Einzelsieg wieder selbstsicherer geworden. Sie spielt von Anfang an entschlossen. Die Australierin agiert gewohnt unbekümmert und aggressiv. Petko versucht selbst Dominanz zu gewinnen, kontert aber auch sehr gut. Noch unterlaufen Gajdosova zu viele Fehler – die Deutsche gewinnt den Satz mit 6:3.

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Im zweiten Satz hat die 26-jährige Australierin den Rhythmus ihrer Schläge gefunden. Sie spielt sich in einem „Lauf“ und kann den 2.Durchgang mit 6:3 für sich entscheiden.

Im dritten Satz ist anfangs  jeder Punkt umstritten. Der Australierin gelingt ein frühes Break, Petko breakt zurück. Gajdosova geht mit 4:2 in Führung. Das Publikum feuert Andrea an. Die ist ein Resilienz-Phänomen. Sie holt auf gegen eine Gegnerin, die diesmal nicht auffällig nachlässt, geht sogar 5:4 in Führung. Die australische Wundertüte lässt sich nicht beirren, sie gleicht aus. Bei 7:6-Führung für Petkovic setzt die Deutsche mit erhöhtem Druck dagegen, breakt ihre Gegnerin, gewinnt den 3.Satz und das Match mit 8:6, und führt Deutschland in das Halbfinale der Weltgruppe, voraussichtlich gegen Russland.

Das deutsche Fed-Cup-Team ist ein Vorbild für Einsatzwillen und Kampfgeist!

7. Februar 2015
von admin
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Crunch Time in Stuttgart! Petko gleicht aus!

Crunch Time in Stuttgart! In der Porsche Arena werden am Samstag die ersten beiden Einzel der Fed Cup-Partie zwischen Deutschland und Australien gespielt.

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Am Tag der Auslosung zu den Einzelspielen war noch offen, wer neben Angie Kerber als Einzelspielerin des Gastgeberlandes nominiert werden würde. Team-Chefin Barbara Rittner  entschied sich für Andrea Petkovic. Julia Görges, die zu Jahresbeginn eigentlich am meisten von allen deutschen Spitzenspielerinnen überzeugt hatte, musste verzichten. Die 26-Jährige aus Bad Oldesloe war allerdings mit einer fiebrigen Erkältung aus Australien in ihr Heimatland zurückgekehrt. „Jule war schon ziemlich krank. Das Wochenende kommt einen Tick zu früh für sie“, begründete Rittner ihre Entscheidung.

Die Auslosung ergab dann, dass um 13 Uhr im ersten Spiel in der Porsche-Arena Angelique Kerber und Jarmila Gajdosova  gegenüber standen. Andrea Petkovic hatte sich daran anschließend mit der australischen Nummer eins, Samantha Stosur, auseinanderzusetzen.

Angie Kerber stand unter extremen Erwartungsdruck. Alle warteten auf den ersten großen deutschen Erfolg im Jahr 2015 – und sie ging als Favoritin in das Match.  Obwohl ihre Gegnerin Gajdosova in diesem Jahr schon herausragende Leistungen gezeigt hatte und auch aus diesem Grund für Australien im Einzel nominiert wurde..

Angie beginnt hoch konzentriert gegen 26-jährige Wahlaustralierin, die aktuell auf Rang 54 der WTA-Weltrangliste steht.  Bei 3:3 gelingt der Kielerin das erste Break. Mit gewohntem Kampfgeist und Entschlossenheit sowie einigen spektakulären Defensivaktionen gewinnt sie den ersten Satz 6:4.  Das beruhigt schon einmal.

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Im zweiten Satz erhöht Gajdosova das ohnehin schon hohe Tempo ihrer Schläge. Bei 3:2-Führung gelingt der Australierin das erste Break. Sie gibt danach bis zum 6:2 Satzsieg kein Spiel mehr ab. Kerber macht eine längere Satzpause.

Im entscheidenden Durchgang fightet sich die Deutsche am Anfang  wieder in das Spiel zurück. Ihr gelingt ein frühes Break, sie wird aber sofort zurück gebreakt. Angie wirkt – trotz aller Unterstützung von außen –  verunsichert, muss erst einen 1:4, dann einen 2:5 Rückstand hinnehmen. Wir haben das worst case scenario dicht vor unseren Augen. Aber die Australierin bekommt  kurz vor dem Sieg Nerven – sie produziert Fehler auf Fehler. Kerber holt auf 4:5 auf. Da fängt sich Gajdosova wieder und gewinnt den 3.Satz und das Match mit 6:4.

Kerber, Rittner, das Team und das Publikum sind konsterniert. Deutschland liegt unerwartet 0:1 zurück!

Andrea Petkovic, die in diesem Jahr noch kein(!) Turnierspiel gewinnen konnte, musste jetzt gegen die Topspielerin des Teams von Down Under, Samantha Stosur, Deutschland wieder auf Kurs bringen. Ihre Gegnerin hatte in den Trainingstagen arge Probleme mit dem Belag und hatte die Bruchfestigkeit mehrerer Schläger auf dem Boden getestet. Die Australierin begann auch dann das Match sehr unsicher. „Petko“ ging schnell mit 4:1 in Führung. Die Australierin beruhigt sich – und ihr Spiel, macht keine leichten Fehler mehr. Sie gleicht auf 4:4 aus. Das nächste Aufschlagspiel der Darmstädterin ist hart umkämpft. Andrea wehrt 4 Breakbälle ab, geht 5:4 in Führung. Das angespannte Publikum atmet durch, jubelt. Den ersten Satzball verwandelt die Deutsche und gewinnt den 1.Satz mit 6:4. Auf Petko ist Verlass- sie hat ein Kämpferherz!

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Im zweiten Satz ist die hohe Anspannung beider Kontrahentinnen weiter zu spüren. Tolle Schläge und schlampige Fehler wechseln sich ab. Andrea geht 3:1 in Führung, verliert dann aber drei Spiele in Folge. Bei 4:3im zweiten Satz ist Stosur zum ersten Mal im gesamten Match in Führung. Das stabilisiert ihre Psyche: sie entscheidet auch die nächsten beiden Spiele für sich und gewinnt den Satz mit 6:3. Zeigen sich hier Parallelen zum Auftakteinzel von Kerber auf?

Die Partie ist im entscheidenden Durchgang vollkommen offen. Nuancen werden entscheiden. Petkovic wehrt mit einem überraschenden Netzangriff bei 4:5 den ersten Matchball ab. Das Publikum rast. Beide bringen dann wieder souverän ihre Services durch. Bis zum 9:9 gibt es keine Breakchancen dann erkämpft sich die Deutsche Breakbälle, die kaltschnäuzig von Stosur abgewehrt werden. Ein wahnsinniger Tennisthriller auf hohem Niveau hat sich entwickelt. Bei 10:10 gelingt Petkovic mit einem Rückhand-Linienball das Break. Sie serviert zum Match! Petko ist entschlossen, sie gewinnt das Spiel und das Match mit 12: 10 im dritten Satz! Welch ein Triumph des Willens und der Kampfkraft!

Deutschland hat ausgeglichen!