2. Dezember 2014
von admin
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Die Kontroverse um die “Tennis League” geht weiter

Tatort: Ein Cafe im Univiertel Hamburgs in der Nähe des Fernsehturms.

Tatzeit: 24 Stunden nach dem 26 : 16 -Sieg der Aces gegen die Slammers und 48 Stunden nach der 15:24-Niederlage der Mavericks gegen Micromax.

Man trinkt seinen Cappuccino und liest die wichtigen Nachrichten der Tagespresse. Plötzlich wird einem von hinten auf die Schulter geklopft und ohne dass man zur Begrüßung ansetzen kann, wird man von dem unangekündigten Besucher zu einer Rechtfertigung herausgefordert: „Was habt ihr da eigentlich für einen Verriss über die neue InternationalTennis Premier League verzapft?“

kaffee

Ich bekenne mich schuldig, versuche aber meine Gedanken zu sammeln, um Zeit zu gewinnen und antworte trotz der Störung höflich lächelnd: „ Ich wusste gar nicht, dass unser Blog in den Luxusbezirken meiner Heimatstadt gelesen wird! Das ist doch mal eine reine Freude.“ Der Störenfried, eine bekannte Person aus der norddeutschen Tennisszene, reagiert überhaupt nicht auf mein Ausweichmanöver und schlägt mit harten Argumenten weiter auf mich ein: „Ihr seid viel zu konservativ in euren Ansichten. Ihr geht nicht mit der Zeit. Da wird zeitgemäß eine Tennisveranstaltung als richtiger Event organisiert und ihr kritisiert diese zukunftsweisende Veranstaltung mit antiquierten Ansichten.“ Unser Kritiker ist jünger als ich, deshalb attestiert man ihm erst einmal, dass er bei diesem Thema  – aufgrund der Natur der unterschiedlichen existentiellen Voraussetzungen  – einen in aller Zukunft nicht mehr zu korrigierenden Vorteil hat und fragt deshalb zuvorkommend danach, was diese International Tennis Premier League denn so besonders macht.

Die Antworten schießen dem Gesprächspartner, der mittlerweise auf dem Sitz Platz genommen hat, der eigentlich für einen Geschäftspartner reserviert war, der mit Tennis nichts am Hut hat, aus dem weit geöffneten Mund: „Das ist eine Marktöffnung für das Tennis! Da wird der asiatische Markt für den Tennissport erobert! Dadurch steigt der Wert der Spieler! Dadurch wird neues Interesse von Sponsoren geweckt!“

Nach dem Bombardement durch diese vier Ausrufesätze versucht man sich mit einer Zwischenfrage das Leben zu retten: „Okay, das sind alles finanzielle Aspekte. Die dienen sicherlich dem Portemonnaie der eh schon reichen  Sportler und den wohlhabenden Managern des Tennisbetriebes. Aber womit wird den Tennisfans gedient?“

Diese Frage entfacht beim jüngeren Gegenüber nur weiteren Rückenwind: „Die ITPL ist eine richtig gute Show! Hier wird Tennis vorbildlich als moderner Show-Mix gestaltet. Aktionsreich, schnelllebig, mit attraktiven Rahmenevents!“

Die kleinliche Nachfrage, ob „schnelllebig“ wirklich so positiv ist oder „nachhaltig“ nicht die die bessere Perspektive wäre, wird mit Schwung vom Tisch gefegt: „Diese Tennis-League macht den weißen Sport bunter!“

Dagegen können wir nichts sagen, der Mann scheint mehrere Texte von uns gelesen zu haben und zitiert hier einen Begriff, den wir häufiger benutzt hatten, um die Tennisgesellschaft für neue Wege zu öffnen. Bevor man durchgeatmet hat, um eine sinnvolle Erwiderung zu formulieren, schlägt die nächste Granate ein: „Das ist ein richtiges Spektakel! Da wird Tennis in zukunftsweisender Form für das Publikum variiert: Mit neuen Regeln wie Power-Point oder One Ad.“

Auf die Regeländerungen wird von mir  nicht näher eingegangen – auch weil ich  die Abkürzungen so schnell nicht richtig einordnen kann. Mein Gegenschlag wird wieder mit eher vorsichtigen Fragen ausgeführt:

„Ist ein Spektakel wirklich so allumfassend positiv? Klingt das nicht zu sehr nach Zirkus oder Gladiatorenkämpfen  in der Antike? Wird hier nicht der Sport verkauft? Wie  zum Beispiel beim Wrestling?“

Blitzschnelle Antwort: „Natürlich! Das ist auch gut so! Die jungen Leute lieben die Wrestling-Shows!“

Ich bin alt, mich langweilen diese Shows, bei denen alle wissen, dass nur eine Schau geboten wird. Ich glaube aber, Terrain gewonnen zu haben und stelle die Frage deutlicher: „Wird Tennis nicht verraten und verkauft?“

Hallelujah, unser „Advocatus Diaboli“ runzelt die Stirn. Keine spontane Antwort fällt aus dem Mund. Ein Zeichen, dass er nachdenkt.

Immer noch die Aussagen unseres Textes verteidigend, nutze ich die entstandene Dialogpause und setze nach: „ Ist der Spitzensport nicht deshalb so attraktiv für unsere Gesellschaft, weil man hier nur mit eigenen Leistungen zum Erfolg kommt? Ohne Vitamin B, ohne Klüngel, ohne Lobbys, ohne Korruption? Hier zählt doch noch einzig und allein das eigene Können. Dadurch gewinnt man doch ein reales Selbstbewusstsein, oder?“

Unser Kritiker räumt ein: „Ja, schon.“ Dann öffnet er sein Smartphone, schlägt auf einigen Seiten nach und findet dann das Argument und das Testimonial,  das die  kontroverse Diskussion auf einen Schlag beendet: „ Hast du Boris Beckers Kommentar zum ersten ITPL am letzten Wochenende gelesen? Er sagt: Es gibt hier viele interessante Elemente, von denen man das eine oder das andere auch in Deutschland übernehmen könnte!“

eintracht nach dem duell

Da hat Bobbele recht. Das stimmt uns milder. Da öffnen wir uns gern für andere Ansichten. Das Gerücht, dass unser Spieler- und Trainerheld an der Organisation des asiatischen Tennisprojekts beteiligt ist, spielt dabei auch keine große Rolle.

Wir unterlassen  es auch, unserem Gesprächspartner noch zwei letzte kritische Fragen zu stellen, weil wir den friedlich-schiedlichen Kompromiss nicht gefährden wollen:

Warum haben die groß angekündigten Topstars Djokovic, Federer und Serena Williams am vergangenen Wochenende nicht für ihre Teams gespielt?

Ist es nicht ein wenig lächerlich, dass Andy Murray seine Einzelniederlage damit entschuldigt, dass er erst in der Nacht vor dem Match eingetroffen war und deshalb einen „Jetlag“ hatte?

 

29. November 2014
von admin
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The Show must go on

Mit dem Davis-Cup-Finale in Lille und dem Fed-Cup-Finale in Prag war die Saison 2014 der ATP und der WTA eigentlich abgeschlossen. Am kommenden Wochenende startet aber jetzt die sogenannte „International Premier Tennis League.“ Ein aufwendiger Teamwettbewerb im asiatischen Raum, der von dem Inder Mahesh Bhupati, einem ehemaligen Weltklassespieler im Doppel, initiiert wurde, um den Tennis-Boom auf diesem Kontinent zu nutzen und die damit verbundenen Gelder auch in die eigene Tasche fließen zu lassen. Im Hintergrund dieses Projekts agieren auch noch andere alte Tennisstars – man munkelt, dass zum Beispiel Boris Becker seine Hände mit im Spiel hat.

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Es existieren unterschiedliche Ansichten über diese Veranstaltung – unsere Auffassung wird aus dem kommenden Text wohl deutlich ersichtlich…

Das beginnt mit dem Titel, der aus der Welt des Fußballs entlehnt ist: „Premier Tennis League“. In der englischen Premier-League spielt zwar auch viel Geld eine Rolle und der asiatische – hier genauer der arabische – Einfluss ist zum Leidwesen der Traditionalisten auch immer stärker geworden, aber da wird schon Spitzensport nach allgemein gültigen Regeln geboten und die Clubidentität gewahrt.

Es geht weiter mit den Namen der vier Teams, die an verschiedenen, über den asiatischen Kontinent verstreuten Orten im Hin- und Rückspiel gegeneinander antreten: Manila Mavericks, Singapore Slammers, Micromax Indian Aces und UAE Royals Dubai. Da hat man vom Basketball und Cricket geklaut – das ist nicht besonders kreativ, dafür aber so richtig prätentiös.

Immerhin hat dieses neue Tennis-Projekt in der Öffentlichkeit schon für viel Wirbel gesorgt. Kritischen Stimmen sehen einen grundlegenden Widerspruch im Konzept: Da beklagen sich seit Jahren die besten Spieler/innen der Welt, dass der dicht gedrängte Turnierkalender der ATP und WTA eine zu große psychische Belastung und eine Gefährdung der Gesundheit darstellt und dann verlängern gerade diese aufmüpfigen Profis ihre eigene Saison, nur weil Aussichten auf üppige Preisgelder winken. „So haben sich der Weltranglisten-Erste Novak Djokovic, Davis-Cup-Champion Roger Federer, Olympiasieger Andy Murrayoder auch Serena Williams und Maria Sharapova für die anfangs als „Show-Liga“ abqualifizierte Hatz über die asiatischen Hartplätze angemeldet“, berichtet „tennis-net.com“.

Der stolze Etat von 24 Millionen US-Dollar bietet dann auch Altstars  wie Pete Sampras und Andre Agassii, die als „Legenden“ einen festen Platz in den  jeweiligen Teams haben, eine günstige Gelegenheit, sich ein paar Dollars so nebenbei in die Tasche stecken zu können.

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Uns wundert, dass Bhupati und Konsorten nicht noch ausgediente Stars aus der Filmbranche in die Teams aufgenommen haben. Dann entscheidet ein Mixed zwischen Roger Federer mit Sissi gegen Andy Murray mit Miss Marple über den Ausgang des Teamvergleichs. Sollten wir den Fehler gemacht haben, und die Darsteller dieser Personen längst nicht mehr auf der Erde weilen, dann werden eben „Doppelgänger“ eingesetzt. Das entspräche jedenfalls gut der Form des „gemischten Doppels“ und der Heuchelei und Aufgeblasenheit dieses Unternehmens. Mit der Ankündigung des Titels dieses Mixeds, „Clash of the Zombies“, kann man bei guter PR -  und das können Bhupati und Bros., wie sie längst bewiesen haben – alle asiatischen Liebhaber des Horrorfilms auch noch als interessierte Zuschauer dazugewinnen.

„Es ist ein revolutionäres Tennis-Event, das die Grenzen der traditionellen Formate aufbricht“, propagiert der clevere indische Initiator seine „Tennis-Dschungelcamps“. Unter historischen Revolutionen hatten wir bisher verstanden, dass die Unterdrückten für ihre Rechte kämpften. In der „IPTL“  von Bhupati verdienen sich Gutverdiener eine „goldene Nase“ aufgrund der Naivität ihrer Kundschaft. Das klingt für uns mehr nach Feudalwirtschaft – aber wir geben zu, dass wir im postmodernen Sprachgebrauch noch nicht so richtig heimisch sind.

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Geplant sind vier Events an vier „Heimspielorten“: vom 28. bis 30. November in der „Mall of Asia“ in Manila, vom 2. bis 4. Dezember in Singapur, vom 6. bis 8. Dezember in Delhi im „Indira Gandhi Indoor Stadium“ und vom 11. bis 13. Dezember im „Hamdan Sport Complex“ von Dubai.

Jedes der vier Teams hat drei Tage nacheinander Heimrecht, um jeweils gegen eine der drei anderen Mannschaften anzutreten. Die beiden anderen Städte-Teams spielen ebenfalls gegeneinander, so dass die Fans pro Tag zwei „Clubmatches“ verfolgen können. Pro Partie gibt es ein Herren- und ein Damen-Einzel, ein Herren-Doppel, ein Mixed und ein Duell der Altstars. Alles über einen Satz – damit die Akteure nicht so unangenehm schwitzen müssen. Das könnte nämlich dem Pseudo-Glamour schaden.

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Zuschauerfreundliche Regeländerungen wie „No Ad“ (bei Einstand entscheidet sofort der nächste Punkt) oder ein Tiebreak (bis sieben) beim Stand von 5:5 sollen die Duelle schneller und unterhaltsamer machen.

Der Chef der Spielerorganisation ATP sieht dieses „revolutionäre“ Tennis-Event  nicht als Konkurrenz: „Ich bin da sehr entspannt. Es ist keine Tour oder Liga, sondern eine Serie von Showveranstaltungen. Sie schadet unserer Tour nicht, weil sie in der Saisonpause läuft“, gab Chris Kermode bekannt und betonte gelassen, aber treffend: „Ich sehe es als leichtes Entertainment.“

Einen Ergebnisdienst von den asiatischen “Vereins”-Spielen  werden wir in unserem Blog aus einsichtigen Gründen nicht posten.

Warten wir ab, was diese Show uns noch bietet.

 

 

28. November 2014
von admin
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Raus aus dem alten Trott im deutschen Tennis!

Die Fachpresse und die Fußballästheten schwärmen von dem schnellen – auf höchstem technischem Niveau ausgeführten – „Umkehrspiel“ von Borussia Dortmund oder der deutschen Nationalmannschaft.

Voraussetzungen dieser Handlungen sind klare Wahrnehmungen der komplexen Situation, die schnelle Koordination von geistigen und motorischen Prozessen, das entschlossene Entscheiden und Reagieren.

Technisch und athletisch sind aktuell alle Topteams im Fußball hervorragend ausgebildet. Die Jungs von Klopp und Löw unterscheiden sich von den meisten anderen Teams gerade dadurch, dass sie die oben genannten kognitiv-motorischen Fähigkeiten einfach besser entwickelt haben.

Das hat seine Gründe: Beide Coaches haben in ihrem Trainingskonzept längst ein Bewegungsprogramm installiert, das geistig-motorische Prozesse optimiert und auf neurowissenschaftlichen Erkenntnissen beruht: das sogenannte „Life Kinetik“.

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Die Hockey-Nationalmannschaften, die Biathleten und andere olympische Sportarten haben diese Methode inzwischen auch als wichtigen Bestandteil des Trainings im Leistungssport integriert.

In der deutschen Tennisausbildung spielt diese effektive Maßnahme bisher keine Rolle. Das überrascht umso mehr, weil klare Wahrnehmungen, situativ gut koordinierte Bewegungshandlungen und entschlossenes Reagieren im Tennis als Rückschlagsportart von entscheidender Bedeutung sind!

Ein weiterer Grund für die Bedeutung des Life Kinetiks ist die Tatsache, dass sowohl im Fußball, wie auch im Tennis, das Tempo des Spiels in der Gegenwart extrem höher geworden ist. Darüber hinaus sind die Räume in beiden Sportarten  kleiner geworden. Beim Fußball durch die intensivierte taktische Ausrichtung und die stark verbesserten Laufleistungen, beim Tennis durch die Verbesserung des Schlägermaterials, der Athletik und der Antizipationsleistungen. Das führt dazu, dass man in kürzerer Zeit seine Handlungspläne präziser ausführen muss. Das moderne Spielgeschehen in beiden Sportarten verlangt deshalb stärker als früher nach kognitiven Fähigkeiten!  Dieses Zusammenspiel von kognitiven Tätigkeiten im Verbund mit motorischen Entscheidungsprozessen steht im Zentrum des Life-Kinetik- Trainings.

Das System dieses „Gehirnjoggings“, das immer kombiniert mit Bewegungs-Aufgaben abläuft, ist offen. Es bietet gerade dem „bunten weißen Sport“ den idealen Rahmen, spezifische Übungen für diese Sportart weiterzuentwickeln!

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Es wird Zeit, dass wir dieses Angebot endlich nutzen!

In fast allen Regionen unserer Bundesländer gibt es ausgebildete Life-Kinetik-Trainer, die leicht zu kontaktieren sind. In den zukünftigen Trainerlehrgängen sollte man unbedingt Präsentationen von Life-Kinetik in das Programm aufnehmen. Damit unsere Trainer sich endlich ein Bild von der Wirksamkeit dieser Methode machen können, die emotionale, körperliche und kognitive Strukturen miteinander verbindet!

Wir müssen raus aus dem alten Trott im Leistungssport! Wir müssen neue Wege gehen, deren positive Wirkungen in anderen Sportarten längst bewiesen sind!

Life Kinetik ist keine Geheimwissenschaft. Das Programm ist auf aufeinanderfolgenden Schritten aufgebaut, die von einfacheren Koordinationen ausgehen und bis zu komplexen Anforderungen unter Zeitdruck führen. Wer die Gelegenheit hat, diese Übungen in der Praxis zu verfolgen, wird schnell von ihrer Effizienz überzeugt sein.

Noch eines: Obwohl das Konzept auf gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnissen beruht, bereitet es den Trainierenden Spaß! Auch das ist das Geheimnis seines durchschlagenden Erfolges!

Wir können in einem Post eines Tennisblogs das System, die Hintergründe und den Zusammenhang der einzelnen Übungsschritte beim Life-Kinetik nicht sachgerecht darstellen. Es gibt aber ausreichend Literatur zu diesem Thema. Auch im Internet sind einige gute Beiträge zu finden.