25. November 2014
von admin
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Frauen stören nur im Tennis?

Die Eidgenossen hätten am vergangenen Wochenende nie den Davis Cup 2014 gewonnen, wenn Frauen zum erweiterten Team gehört hätten. Diese exklusive Meinung vertritt auf  jeden Fall „Blick“, die noch etwas blödere Bild-Zeitung unseres südlichen Nachbarlandes.

frauen

Zitate gefällig? Nicht gern, aber mit dem Hinweis für unsere Leserinnen und Leser, dass wir von derartig antiquierten Einstellungen Abstand nehmen, dient es zur Unterscheidung und im nächsten Schritt zum Nachdenken.

Fangen wir mit einem in Fettbuchstaben hervorgehobenen Zwischentitel des „Blick“-Artikels an: „Frauen stören nur.“ Dann wird ausgeführt: „Das ist in diesem Mannschafts-Wettbewerb beinahe schon Tradition. Die meisten Mitglieder checken ohne weibliche Begleitung ins Hotel ein. Captain, Spieler, Physios, Team-Arzt und Masseure verwachsen zu einer verschworenen Gruppe – essen gemeinsam, trainieren viel, schmieden geheime Pläne im Hotelzimmer oder an der Bar und pflegen mit Gesellschaftsspielen den Team-Spirit. Frauen stören da nur. Das männliche Gefüge könnte auseinanderbrechen. Die Freundin dürfte sich spätestens am zweiten Tag im Exil vernachlässigt fühlen.“

Frauen stören also beim Essen, bei den Gesellschaftsspielen und beim Schmieden geheimer Pläne. Das leuchtet nicht unbedingt direkt ein. Wenn man dann weiterdenkt, fragt man sich, um was für eine Art von Gesellschaftsspielen und Pläneschmieden sich das in dem Davis-Cup-Team wohl handeln könnte – und gerät auf Abwege.

Im weiteren Verlauf des Textes wird darauf hingewiesen, dass es auch bei den Eidgenossen eine Ausnahme von der Regel gegeben hat: Roger Federer, der seine Frau – „nach Absprache mit den Kameraden“, hebt der „Blick“-Autor hervor – zu den Teamwettbewerb mitgenommen hatte. Das Teammitglied Marco Chiudinelli erklärt im Text dann die Hintergründe:  «Roger ist das ganze Jahr mit der Familie unterwegs. Da wäre es doch blöd, ihn in eine neue Situation zu bringen.“

„Wenn er schon mal dabei ist, soll Federer punkten. Und er ist nun mal am besten, wenn er seine Liebsten um sich weiß“, kennt sich der Blick-Autor aus.  Mit diesen Worten reduziert er – wohl unbemerkt -  den Mensch und vorbildlichen Sportler Federer auf die Funktion des Punktelieferanten. Und wirft ihm zwischen den Zeilen vor, dass er sich in der Vergangenheit viel zu häufig von dieser verschworenen Männergesellschaft ferngehalten hat.

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Im nächsten Absatz gibt er wieder seinem Argumentationshelfer  Chiudinelli das Wort: „Also wars bei Roger dann irgendwann erlaubt und bald darauf auch mal bei Stan.»

Stan ist in der Zwischenzeit auch ein Punktlieferant geworden. Um weiter Matches für die Schweiz gewinnen zu können, wird ihm ein Tabubruch zugestanden: Auch er darf seine Ehefrau als Störenfried in das verschworene Team schmuggeln. Aber die wird ja am zweiten Tag schon abhauen, weil sie im „E x i l“  vernachlässigt wird…

waw

Was der Journalist und sein Testimonial verschweigen, ist die Tatsache, dass ein Großteil der weltbesten Spieler auf den internationalen Turnieren von ihren Frauen und Freundinnen begleitet wird. Die weiblichen Begleiter sind wichtige Vertrauenspersonen für die Tennisstars, die fast das ganze Jahr über im Ausland ihre berufliche Tätigkeit ausüben müssen. Sie sind die „Heimat in der Fremde“ für die Weltreisenden. Das kostet natürlich Geld. Das können sich nur die Topspieler leisten, die ausreichend Preisgeld in ihrer Karriere verdient haben.

Andere Tennisprofis, die sparsam mit ihren Verdiensten umgehen müssen, verzichten auf einen Coach und nehmen lieber ihre Frau oder Freundin mit. Weil Vertrauenswürdigkeit,  Partnerschaft und eine gewohnte Umgebung für sie die wichtigsten Voraussetzungen für zukünftige Erfolge auf der Tour sind.

Der „Blick“-Reporter hat noch nicht erkannt, dass sich in der – früher sehr maskulin  gebärdenden – Profigesellschaft bei den Herren die Einstellungen längst geändert haben.  Früher war es unvorstellbar, dass eine Frau im ATP-Zirkus als Trainerin fungierte. Einige russische Spieler haben damit den Anfang gemacht, In diesem Jahr hat der absolute Spitzenspieler Andy Murray eine Frau, Amelie Mauresmo, als Coach verpflichtet.

Das wird aktuell noch mit kritischen Augen verfolgt – das wird in wenigen Jahren immer häufiger zu beobachten sein.

Mit einem Hinweis auf den Zwist zwischen Mirka Federer und Stan Wawrinka anlässlich des Semifinals in London, setzt der Journalist (wir sind uns einig, dass das nach Inhalt und Stil ein Mann sein muss) sein Pamphlet fort: „Diese unglückliche Vorgeschichte dürfte aber nicht der Grund dafür sein, dass keine der Spieler-Frauen unter der Rekord-Menge im Pierre-Mauroy-Fussballstadion weilt. Mütter, Väter und Geschwister jubeln mit – ­Mirka Federer und Ilham Wawrinka nicht! Im Final wird der Davis Cup zur Männersache: fünf Kerle, ein Team, eine Mission!“

männergesellschaft

Die Ehefrauen von Stan und Roger durften nicht mitjubeln! Das Ausrufezeichen hinter dieser Aussage deutet auf den schäbigen Triumph und die ziemlich erbärmliche und deplatzierte Schadenfreude des Journalisten hin.

Der  gesamte Text weist einen solchen Mangel an Sachkenntnis auf, dass man die Leser dieser Schmähschrift nur bedauern kann.

Wir machen hier jetzt einen Punkt und beenden unseren Text mit einer resignativen Aussage: Die Schweizer Tennisspitzenspieler hätten weitaus bessere Kommentatoren verdient.

P.S.

Wenn Millionen Leser in der Schweiz mit solchen Texten ihrer Boulevard-Presse bombardiert werden, ist es kein Wunder, dass das Verbot zum Bau von neuen Moscheen oder die radikale Einschränkung von Neuzuwanderern in diesem Land so viel Zustimmung findet.

P.S,II

Der Text könnte auch als Versuch einer  Parodie geschrieben worden sein. Aber auch in dieser Form ist er misslungen.

 

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23. November 2014
von admin
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Federer triumphiert im Einzel – Schweiz gewinnt den Davis Cup!

Die Schweiz hat nach dem Sieg im Doppel schon eine Hand an dem Henkel der “hässlichste Salatschüssel der Welt”. Federer und Co. haben noch nie diese Teamweltmeisterschaft im Tennis gewonnen und gehen hochmotiviert in die ausstehenden Einzel.  Frankreich wird  vor der Weltrekord-Kulisse von 27.432 Zuschauern im umgebauten Fußball-Stadion des OSC Lille alles tun, um den insgesamt zehnten Davis Cup-Titel doch noch zu erstreiten. Zuletzt hatte die Equipe Tricolore den Sieg im Davis Cup 2001 errungen.

Davis_Cup_Pokal

Eine Maßnahme, um das fast Unmögliche noch möglich zu machen, war die Nominierung von Richard Gasquet, der an Stelle von Tsonga das erste Einzel am Sonntag gegen Roger Federer bestritt.

Der Basler hat sich in Lille von Tag zu Tag besser von seiner Rückenverletzung erholt und sich offenbar auch besser auf den Sandbelag umgestellt. Er startet hochmotiviert und nutzt entschlossen jede Gelegenheit zum Netzangriff im ersten Satz. Die Nr.2 der Weltrangliste breakt den Kontrahenten früh und gewinnt den Durchgang nach etwas mehr als 40 Minuten mit 6:3. Die Tennislegende aus Basel nimmt Gasquet Anfang des zweiten Satzes gleich wieder den Aufschlag ab. Der Franzose erscheint etwas überfordert. Noch spürt man den Druck, der auf seinen Schultern lastet. Auch das Anfeuern der einheimischen Fans kann ihm im Augenblick nicht helfen. FedEx spielt fehlerlos und überlegen auf, deklassiert seinen Gegner im zweiten Durchgang  mit 6:2. Er schüttelt demonstrativ die geballte Faust nach dem Satzball. Die Schweiz steht kurz vor dem Triumph.

federer

Mit dem Rücken zur Wand hat Richard Gasquet nichts mehr zu verlieren. Er steigert sich, hält das Match im dritten Satz anfangs ausgeglichen und hat jetzt zum ersten Mal Chancen, die Aufschlagspiele von seinem Gegner zu gewinnen. Bei 2:2 verliert er aber sein eigenes Servicegame. Federer kennt kein Erbarmen, breakt den Franzosen noch einmal, geht 5:2 in Führung. Bei eigenen Aufschlag lässt er dem Franzosen nicht den Hauch einer Chance, gewinnt mit 6:2 den 3. Satz, das Match und zum ersten Mal den Davis-Pokal für die Eidgenossen!

In der Halle von Lille wird das mit geschwenkten Landesfahnen, Kuhglockenläuten, Trommelschlägen und Trompetenfanfaren gefeiert. Das Team aus der Alpenrepublik liegt sich in den Armen.

Die Schweizer Nr.1 ist, nach seiner deprimierenden Niederlage gegen Monfils im seinem ersten Einzel in Lille, wieder auferstanden. Aus diesem Stoff werden Helden gemacht.  Glückwunsch Schweiz! Chapeau, Wawrinka und Federer!

22. November 2014
von admin
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Stan und Roger bringen die Schweiz in Führung!

Nach den ersten beiden Einzeln ist noch alles offen im Davis Cup-Finale 2014 in Lille. Die Schweizer Führung durch Wawrinka hat Monfils mit seinem Sieg zum 1:1 Zwischenstand ausgeglichen. Die Aussage des französischen Paradiesvogels nach seinem erfolgreichen Match vor 27432 Zuschauern kann richtungsweisend für die Motivation seiner Landsleute vor dem Doppel sein: „Es war ein Traum hier zu spielen.“

Die Hoffnungen der Schweizer ruhen nach dem ersten Tag jetzt mehr auf den Schultern Wawrinkas, der gegen Tsonga überzeugte: „Das war das beste Davis Cup-Match meiner Karriere. Ich habe sehr gut gespielt und war  von Anfang an sehr aggressiv“, zeigte sich Stan the Man zufrieden mit seiner Leistung.

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Bis zum letzten Augenblick war offen, wer am Samstag um 15,30h für das Doppel auflaufen würde. Federer hatte nach der Einzelniederlage seine Bereitschaft  für einen Einsatz im Doppel bekundet. Er schrieb die Niederlage hauptsächlich der starken  Leistung von Monfils, aber auch seinen Problemen bei der Umstellung auf den Sandplatz zu. „Mit der Fortdauer des Spiels fühlte ich mich immer besser. Hätte ich den ersten Satz etwas länger offenhalten können, wer weiß: Vielleicht hätte es zu mehr gereicht.“ Die Rückenschmerzen seien zumindest während des Matches nicht zurückgekehrt.

Deshalb überrascht es nicht, dass um 15Uhr30 am Samstagnachmittag Federer und Wawrinka für die Schweiz auf den Platz gehen. Erstaunt hat uns eher, dass der französische Teamkapitän Clement Tsonga, der bisher im Davis Cup kein Doppel verloren hatte, nicht nominierte. Er vertraute der Kombination Gasquet und Benneteau. Die Franzosen spielten jetzt gegen eine  Paarung, die immerhin zusammen in Peking den Olympiasieg im Doppel errungen hatte und die auch in Hinsicht auf  Nimbus und auf  Erfahrung bei wichtigen Topmatches gewisse Vorteile hatte.

Streit und Zwist bei Roger und Stan, wie die Presse spekuliert hatte? Keine Spur! Da wurde viel kommuniziert, abgeklatscht, abgesprochen, gelobt und aufgemuntert. FedEx geht hochmotiviert in das Spiel, freut sich wie ein Kind bei erfolgreichen Punkten der Schweizer Kombination.

roger

Auch Stan ist total fokussiert. Die beiden wollen offensichtlich den fehlenden Davis-Cup-Titel ihrer beeindruckenden Trophäensammlung hinzufügen.

Bei 3:2-Führung der Schweizer wird Benneteau gebreakt. Die Eidgenossen gewinnen anschließend nach 28 Minuten den ersten Satz 6:3. Die mitgereisten Fans läuten die Kuhglocken, blasen Trompetenfanfaren und schwenken die Landesfahnen.

Das gut eingespielte französische Doppel wird stärker im zweiten Durchgang. Atemberaubende Ballwechsel beweisen wieder einmal, wie attraktiv das Doppelspiel sein kann. Ein Kampf auf Augenhöhe entwickelt sich. Bei 5:5 wird diesmal Gasquet das Aufschlagspiel abgenommen. Bei 6:5-Führung serviert Stan the man. Das Duo aus Basel und Lausanne lässt nichts anbrennen: die beiden gewinnen den zweiten Satz nach fast 60 Minuten Spielzeit mit 7:5. Rot-Weiß jubelt, Blau-Weiß ist in Blues-Stimmung.

doppel

Im dritten Satz bleibt das Schweizer Paar konzentriert, lacht gemeinsam über kuriose Situationen. Streit, Zwist und Ärger im Team? Schnee von gestern. Wenn überhaupt… Bei 2:2 werden die Franzosen gebreakt. Sie wehren bei 3:5 Rückstand zwei Matchbälle ab. Die französischen Fans schöpfen leise Hoffnung. Roger serviert, es wird kein Punkt mehr abgegeben und der dritte Satz mit 6:3 gewonnen. Stan und Roger fallen sich lachend in die Arme. Die Schweiz geht am zweiten Tag des Davis Cup-Finales in Lille mit 2:1 in Führung.

Mit vorbildlichem Teamgeist haben die Freunde (!) Stan und Roger gewonnen.

P.S.

Ja, die „mitfiebernde“ Frau von Federer hatte am Ende des Semifinal-Spiels in London (ungeschickt, unsportlich und laut) Wawrinka „Cry baby, cry“ zugerufen und ihn damit als weinerlich Jammernden gekennzeichnet. Wawrinka hat sich sofort cool an sie gewandt und ihr ruhig mitgeteilt, dass sie doch besser solche Äußerungen direkt vor seinem Aufschlag unterlassen sollte. Stan ist ein Mann. Roger auch. Die beiden können unnötige Aufregungen einordnen und den gemeinsamen Zielen unterordnen. Das haben sie spätestens heute bewiesen.     Chapeau!