21. November 2014
von admin
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Hopp Schwiz! – Allez France!

Nach all dem Wirbel im Blätterwald geht es jetzt los bei der Teamweltmeisterschaft und endlich  wird Tennis gespielt. Um 14Uhr am Freitag eröffnen Stan Wawrinka und Jo Wilfried Tsonga mit der ersten Einzelbegegnung das Davis Cup Finale zwischen Frankreich und der Schweiz.

Roger Federer hat seine Rückenverletzung inzwischen so auskuriert, dass Team-Kapitän Lüthy ihn nominiert hat. Im anschließenden zweiten Einzel in der Halle von Lille trifft die Schweizer Nr.1 auf Gael Monfils.

lille

Vor dem Match haben die Schweizer Medien noch einmal herausgestellt, dass eigentlich zwei eidgenössische Auswahlteams aufeinandertreffen: Alle französischen Spieler haben einen offiziellen Wohnsitz in der Schweiz. Tsonga und Monfils residieren im Kanton Waadt, Simon und  Gasquet in Neuenburg.

Ein weiteres Kuriosum: Am Donnerstag wurden die Trainingseinheiten mit Mützen und Halstüchern durchgeführt. Die Heizung der Mehrzweckhalle konnte keine Temperaturen über 10 Grad hervorbringen. Ob das dem lädierten Rücken von Federer gut getan hat, ist zu bezweifeln. Bis zum Spielbeginn werden aber 16 Heizstrahler neu installiert werden.

Nicht wegen der Heizstrahler, sondern wegen der erwartungsvoll knisternden Spannung wurde es beim Auflaufen der Teams schnell heiß in der Halle. Die französischen Tennisfans bejubelten enthusiastisch ihr Team, die angereisten Schweizer Anhänger machen akustisch mit den obligatorischen Kuhglocken und einer Percussion-Gruppe auf sich aufmerksam.

Wawrinka startet fokussiert, Tsonga hat noch Probleme. Der Schweizer gewinnt den ersten Satz mit 6:1. Im zweiten Durchgang kämpft sich der Franzose mit Unterstützung des Publikums zurück in das Match. Als ihm das erste Break gelingt, wird er sicherer und holt den zweiten Satz unter dem Jubel des einheimischen Publikums mit 6:3. Volksfeststimmung in Lille! Anfang des dritten Satzes wird Punkt für Punkt auf Augenhöhe gekämpft. „Stan the man“ spielt aggressiver auf. Bei 3:2-Führung gelingt ihm das vorentscheidende Break. Das Heft lässt er sich nicht mehr aus der Hand nehmen. Im rot-weißen Fahnenmeer setzt er sich mit 6:3 im dritten Durchgang durch. Teamkapitän Lüthy zeigt seinem Schützling die anerkennende Geste des „Chapeau“.

StanislasYon

In der ausverkauften Halle – mit neuem Zuschauerweltrekord bei einer Tennis-Veranstaltung -  herrscht eine Atmosphäre wie bei einem WM-Finale im Fußball. Wawrinka scheint sich hier „pudel-wohl“ zu fühlen, startet den 4.Satz mit einem Break. Bis zum Ende gibt er die Oberhand nicht ab und gewinnt souverän den vierten Durchgang mit 6:2. Die Schweiz geht 1:0 in Führung im Davis Cup-Finale! Auch wir ziehen den Hut vor der beeindruckenden Leistung Stan Wawrinkas!

Die Spannung der 27 500 Zuschauer im Stade Pierre- Mouroy ist auf dem Siedepunkt,  als Gael Monfils und Roger Federer zum zweiten Showdown den Platz betreten. Der Paradiesvogel aus Frankreich legt los „wie die Feuerwehr“. Er breakt den Schweizer schon im vierten Spiel des ersten Satzes.  Federer bleibt äußerlich gelassen. Asse und Doppelfehler wechseln sich ab bei Monfils. Trotz Breakbällen geht er 4:1 in Führung, beendet den 1.Durchgang erfolgreich mit einem klaren 6:1. Wenn er den ersten Service in das Spiel brachte, hatte er bisher 100 Prozent aller Punkte gewonnen. Federer steht nicht nur deshalb unter Druck: Einerseits ist jedes weitere Spiel Training auf Sand für den Schweizer, andererseits kann eine längere Spieldauer für seinen Rücken eine drohende Gefahr bedeuten.

Diesmal wird Roger im dritten Spiel des Satzes vom Franzosen gebreakt. Bis zum Ende des Satzes gibt Monfils kein Aufschlagspiel mehr ab und gewinnt auch den zweiten Durchgang mit 6:4. Der Weltranglistenzweite ist jetzt besser in das Spiel gekommen, serviert erfolgreicher, spielt aber seine Grundschläge noch generell zu kurz.

Beim letzten bedeutungsvollen Aufeinandertreffen der beiden Kontrahenten, hatte der Schweizer auch mit 0:2 Sätzen in Rückstand gelegen und doch noch gewonnen. Wenn es ihm heute gelänge, wäre das ein Wunder.

Bis zum 2:2 verläuft das Match im dritten Satz ausgeglichen. Monfils feuert seine Zuschauer an, ihn noch mehr zu unterstützen.

Gael Monfils 3

In einem umkämpften Aufschlagspiel Federers mit faszinierenden Ballwechseln, setzt sich der Franzose durch, gewinnt sein Servicegame und geht 4:2 in Führung. Im nächsten Spiel geht Federer entschlossen an das Netz, verkürzt auf 3:4. Hätte er das nicht vorher machen können? Bei seinen ersten Netzangriffen hatte er acht von acht Punkten gewonnen… Der Rastaman aus Frankreich lässt nicht nach, entschlossen gewinnt er seinen Aufschlagspiel zum 5:3. Er steht kurz vor dem Sieg. Federer hat weiterhin Probleme mit seiner Rückhand (14 unforced errors im Spiel). Der erste Matchball wird von Gael Monfils zum Satz- und Matchgewinn verwandelt. Frankreich gleicht zum 1:1 aus.

Das ging richtig gut los am ersten Tag des Davis Cup-Finales 2014 in Lille.

Wir setzen uns jetzt zur Ruhe und entspannen uns auf der Couch bei „Voice of Germany“ im deutschen Fernsehen.

A demain!

 

19. November 2014
von admin
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Viel Wirbel vor dem Davis Cup-Finale!

Vor dem mit Spannung erwarteten Finale des Davis Cups zwischen Frankreich und der Schweiz glaubt die legendäre französische Sportzeitung „L’Equipe“,  eine Krise im eidgenössischen Team entdeckt zu haben. Unter der zumindest witzigen Überschrift  “Je t` aime moi non plus“ (ich liebe dich – ich dich auch nicht), die ein weltberühmtes Lied von Serge Gainsbourg und Jane Birkin zitiert, wird ein Zerwürfnis zwischen Federer, seiner Frau Mirka und Stan Wawrinka thematisiert. Anlass der – von Wawrinka längst dementierten – Auseinandersetzung soll ein Disput zwischen Stan und Rogers Ehefrau Mirka während des Halbfinalmatches der Schweizer Profis bei den ATP-Finals in London   gewesen sein. Die Boulevardpresse in unseren beiden Nachbarländern hat dieses Thema längst aufgegriffen und berichtet seit Tagen ausschweifend mit weiteren Spekulationen.

Glückliche Schweiz – glückliches Frankreich: Soviel Wirbel in den Printmedien hat seit Jahrzehnten kein Tennisereignis mehr in Deutschland hervorgerufen.

In der Zwischenzeit ist der komplette Schweizer Kader längst in Frankreich angekommen und hat seine Vorbereitung für das Finale am kommenden Wochenende in Lille aufgenommen. Dass die Spieler auf unterschiedlichen Wegen nach Lille gekommen sind, war dann wieder ein Anlass für wilde Spekulationen in den Medien.

schweiz

Das nervt. Das ist ein Hinweis darauf, dass Tennis immer mehr zum Show-Sport degradiert wird. Da sammeln sich tausend Seiten  im Blätterwald der Presse, mit Spekulationen über das Streitgespräch von Mirka und Stan oder den verschiedenen Anfahrtswegen zum Davis Cup und keine fünf Zeilen werden über die wahnsinnigen Volleys von Federer, die er im Semifinalmatch noch „gefischt“ hat oder von den atemberaubend schnellen Rückhand -Passierschlägen Wawrinkas geschrieben.

Leute, da stimmt etwas nicht. Da haben sich die Relationen verschoben. Zum krassen Nachteil des Sports.

Diese Art der Berichterstattung ist ein Zeichen dafür, dass seriöse Sportreportagen in unserer Zeit immer mehr in ein Nischendasein gedrängt werden.

Kehren wir also hier auf  den  Boden der sportlichen Tatsachen zurück:

Am kommenden Wochenende hat die kleine Schweiz zum ersten Mal die Chance, die Weltmeisterschaft im Teamwettbewerb des Tennis zu gewinnen. Die Eidgenossen mit ihren beiden Spitzenspielern Federer und Wawrinka gelten als Favoriten. Das französische Team mit Tsonga, Monfils, Simon und Gasquet verfügt zwar über klangvolle Namen, aber gegen die beiden Spieler der absoluten  Weltspitze aus der Schweiz geben ihnen die Fachleute in den Einzeln kaum eine Chance. Auch der Heimvorteil wird nicht so starken Einfluss haben, weil viele Schweizer über die Grenze nach Frankreich zum Tennisgroßereignis pilgern werden.

france

Größere Hoffnungen auf einen Sieg können sich die Franzosen eher wegen der  Ungewissheit des Gesundheitszustandes von Roger Federer machen. Der Weltranglistenzweite hat sich nach seiner Ankunft in Lille erst einmal nur medizinisch behandeln lassen.

Ein weiterer  Vorteil für die Franzosen kann ihre Wahl des Sand- Belages sein, auf dem in der gigantischen Mehrzweck-Arena in Lille gespielt wird. Die beiden Spitzenspieler der Alpenrepublik  haben seit Monaten nicht mehr auf Sand gespielt und ihnen stehen  nur wenige Trainingstage für eine Umstellung zur Verfügung.

Da Roger sich noch auskuriert, gerät er sogar unter größeren Zeitdruck. Federer bleibt aber bei all dem Wirbel gelassen und zeigte das bei der offiziellen Pressekonferenz des Schweizer Teams in Lille: „Es wäre schon schön, wenigstens einmal auf Sand trainieren zu können… Klar, ich kann auch ohne Training spielen. Ich versuche immer bereit zu sein. Ich habe jetzt noch morgen und übermorgen Zeit, dass der Rücken besser wird. Manchmal sind zwei Tage sehr lang, besonders für einen Spitzensportler, der sich in der Regel schneller erholt. Und ich kann mich nun doch hier gut erholen von einem stressigen, langen Jahr.“, erklärte der Tennisstar aus Basel am Dienstag.

Zum Ende des Post zitieren wir noch einen Text aus der Presse: Der Schweizer „Tagesspiegel“ hat in der jüngeren Geschichte der eidgenössischen Davis Cup- Begegnungen geforscht und eher soziale Gründe für Federers Stress gefunden. Wir zitieren wörtlich, lassen den Text unkommentiert stehen, um nicht selbst in vage Spekulationen zu verfallen. So kann „sich jeder seinen eigenen Reim darauf machen“:

„Das Bild der beiden Freunde, die gemeinsam den Davis-Cup jagen, ist ein Wunschbild der Regenbogenpresse. Tennisspieler sind Individualisten, die in Momenten wie diesen zu einer Zweckgemeinschaft finden. Bereits vor knapp drei Jahren bei der Davis-Cup-Begegnung gegen die USA in Freiburg war es zu einem Zusammenstoß der beiden gekommen, weil Federer Wawrinka öffentlich kritisiert hatte. Der Romand reiste danach vor den abschließenden Einzeln am Sonntag ab – offiziell um den Geburtstag seiner Tochter zu feiern. Er zog sich danach aus dem Davis-Cup-Team zurück – allerdings nicht aus Protest gegen Wawrinka, sondern weil er die Perspektiven auf einen Sieg nicht als gut genug einschätzte und die Prioritäten anders setzte. Er kehrte auf diese Saison hin zurück, weil die Auslosung gut war und sich Wawrinka mittlerweile in den Top-Ten etabliert hatte.“

stan

Sollte Federer, der erfolgreichste Spieler in der Geschichte des Profitennis tatsächlich ausfallen, würde sehr viel von der zu  erwartenden Spannung des Finales verloren gehen. Die Schweizer Ersatzspieler Marco Chiudinelli und Michael Lammer werden in der Weltrangliste auf den Positionen 212 und 508 geführt und stellen wohl kaum eine ernsthafte  Bedrohung für die französischen Stars, die alle als   Topspieler in der Weltrangliste platziert sind, dar.

Am Mittwoch schlug die Schweizer Nr.1 ein paar Bälle mit Marco Chiudinelli auf dem Sandplatz in der Arena von Lille. Die Hoffnungen auf ein spannendes Finale steigen.

 

 

 

 

18. November 2014
von admin
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Plädoyer für Roger Federer

Anlässlich der Finalabsage Roger Federers bei den Barclay ATP World Tour Finals wegen einer Rückenverletzung, breitete sich im Internet sofort Paranoia, die Modeerscheinung unserer Zeiten, aus: Der Schweizer hätte nur eine Verletzung simuliert. Mit derartigen Gesundheits-problemen hätte er den dritten Satz seines Semifinals gegen Wawrinka überhaupt nicht beenden können.

mediencartoon

Aus dieser Behauptung spricht eine gewaltige Unkenntnis der Sachverhalte im Spitzensport. Unter dem Einfluss von Adrenalin nehmen Weltklassespieler in einem spannenden Duell sich anbahnende Verletzungen oder Überbelastungen kaum wahr. Wenn das Spiel beendet ist, wenn die Muskulatur Wärme verloren hat und Adrenalin abgebaut ist, werden die Schmerzen erst bewusst.

Darüber hinaus wird oft vergessen, welche übermenschlichen Anstrengungen ein derartiges Turnier, mit fünf Spielen auf höchstem Niveau in sieben Tagen, den Spielern abverlangt. Da sind gesundheitliche Schädigungen nicht ungewöhnlich.

Auch eine weitere Erklärung der Absage, dass der Schweizer das Davis-Cup-Finale am kommenden Wochenende nur spielen kann, wenn er seinen strapazierten Körper schont, gerät in die Perspektive der Verschwörungstheorie: Es wird spekuliert, dass der „Egoist“ Federer auch nicht  in Lille antreten wird. Diese Art der Argumentation nennt man in der Psychologie „double-bind:  Einerseits wirft man ihm vor, dass er eine Verletzung vorgetäuscht hat, weil er sich Djokovic nicht gewachsen fühlte.  Andererseits spekuliert man, dass diese   Verletzung der Grund einer Absage für das Davis Cup-Finale sein wird. Tritt der Schweizer in Frankreich an, wird wieder behauptet, dass er in London nicht verletzt gewesen sei.

Armer Roger, diesen Klugscheißern wirst du es nie recht machen können.

fedex

Wenn Federer verletzt ist, und die Verletzung nicht mehr rechtzeitig auskurieren kann, dann ist es legitim, auch das Davis Cup-Match abzusagen. Um seinen Auftritt gegen Frankreich überhaupt möglich zu machen, hat er vorausblickend in London zurückgezogen.

Es wird ihm auch vorgeworfen, dass er unverantwortlich gegenüber den Zuschauern, den Veranstaltern und den Medien gehandelt hat. Wenn Federer am Rücken verletzt ist, kann er nicht auf dem Niveau spielen, dass ein ausgeglichenes Match gegen Djokovic zulässt. Er kann keine Leistungen präsentieren, die das Publikum in der Arena oder vor den Bildschirmen von ihm erwartet. Die er auch von sich selbst erwartet. Wenn er sich verletzt auf den Platz stellt, wird das Traumfinale zu einer Farce, weil zwei Kontrahenten mit völlig unterschiedlichen Leistungsvoraussetzungen gegeneinander spielen.

Hätte ein derartiges Match den Zuschauern Freude bereitet?

Nur denjenigen, die Federer jetzt im Internet paranoid verdächtigt haben. Diese Motivation, diese Freude an der Niederlage eines Geschwächten, verrät  allerdings ein so abgrundtiefes Niveau, dass man sich damit besser nicht näher beschäftigen sollte.

Wie heißt es so traurig-schön im Französischen: Honi soit, qui mal y pense.     Frei übersetzt: Beschämt sei, wer Schlechtes von anderen denkt.

P.S.

Die ganze Affäre ist ein Trauerspiel. Schauen wir uns lieber das Video unter dem vorangegangenen Artikel an. Da haben wir mehr Spaß.