15. Oktober 2014
von admin
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Die “schöne” einhändige Rückhand vom Aussterben bedroht?

Tennis war in seinen besten Zeiten in der deutschen Gesellschaft eine besondere Lebensform. Vertraut man einigen wenigen  zeitgenössischen  Journalisten, ist es das auch heute noch so. Das bekannte Wochenmagazin „Spiegel“ hat in diesen Tagen einen Artikel veröffentlicht, der eine angeblich besondere ästhetische Note des Tennis, die einhändige Rückhand, wehmütig zu Grabe trägt. Ein weiterer Kratzer am Image des Tennis als außergewöhnlicher Lebensstil.

Einerseits sollte man als „Tennisliebhaber“ schon froh sein, das sich ein großes Printmedium heutzutage überhaupt mit dem weißen Sport in einem Text auseinandersetzt. Andererseits ist der Artikel leider dadurch gekennzeichnet, dass der Autor nicht besonders sorgfältig über das Thema recherchiert oder ausreichend Fachleute zu Rate gezogen hat.

federer

Da wird im ersten Satz behauptet, dass „die einhändige Rückhand der schönste Schlag im Tennis“ ist. Wenn wir an die einhändige Rückhand denken, die unsere sonst liebenswerte Partnerin beim „Kuddel-Muddel-Turnier“ in die Netzwurzel zelebrierte, kommen zumindest subjektive Zweifel über die allgemeine Gültigkeit dieses Urteils auf.

Na schön – und wenn…

Von größerer Bedeutung ist die nächste Behauptung im Text, dass die einhändige Rückhand aussterben wird. Bewiesen wird das mit der Statistik, dass „bei den Männern von den besten 50 Profis nur noch 15 eine einhändige Rückhand spielen.“ Obwohl wir den Rechenschieber nicht erfunden haben, können wir erkennen, dass diese 15 Spieler fast ein Drittel der Gesamtmenge ausmachen. Mit dem mathematisch- logischen Verständnis des Spiegelautors müsste man dann davon ausgehen, dass zukünftig alle Linkshänder von der Bildfläche im Tennis verschwinden, weil sie weit weniger als ein Drittel aller Spieler ausmachen.

Die weitere Argumentation des Spiegel-Journalisten stößt auch auf Widerstände: „Eine einhändige Rückhand ist auch variabler einsetzbar – als Drive, Slice oder Stopp.“ unbedingt an Ein Drive ist wunderbar mit der beidhändigen Rückhand zu spielen, auch ein Slice oder Stopp scheitert nicht an der unterstützenden Hand. Das beweisen tagtäglich Tennissportler von der Kreis- bis zur Regionalliga. Das beweist auch unser Spitzenspieler Florian Mayer in allen seinen Turniermatches.

Es wird im Spiegeltext dann argumentiert, dass der einhändige Schlag  technisch anspruchsvoller ist:  „Er verlangt eine synchrone Bewegung von Hüfte, Rumpf, Beinen, Ober- und Unterarm sowie der Hand.“  In der Realität der Tennistechnik werden genau diese Synchronisierungen auch bei den beidhändigen Rückhandschlägen verlangt. Die beidhändige Technik wird sogar noch anspruchsvoller, weil der  unterstützende Arm noch zusätzlich mit dem Schlagarm koordiniert werden muss. Um erfolgsorientiert zu handeln, werden  beim beidhändigen Schlag  zusätzliche Netzwerke im Gehirn entwickelt!

Es geht weiter: „Weil man jedoch für die einhändige Rückhand eine kräftige Schulter braucht, lernen Kinder inzwischen fast ausnahmslos, den Schläger mit beiden Händen zu halten.“  Dieser Aussage kann man grundsätzlich zustimmen. Für unsere Kleinsten ist es leichter, das schwere Spielgerät mit beiden Händen zu bewegen. Das ist auch gesundheitlich von Vorteil, um den kindlichen Körper nicht zu überlasten. Das gilt für die Schulter, das gilt umso mehr für die Arme und Handgelenke!

Wenn die Kleinsten ihre Muskulatur stärker ausgeprägt haben, spricht nichts dagegen, dass sie versuchen, einhändig zu spielen. Dass Kraft gerade bei der Rückhand eine besondere Rolle spielt, liegt an der Griffhaltung und an der Schulterstellung: Bei der erfolgsorientierten Vorhand liegt die Hand mehr hinter dem Griff und kann dadurch besser dem Druck des Balles standhalten. Da die Schulter des Schlagarmes bei der Ausführung der Vorhand hinter der anderen Schulter liegt, kann der Spieler stärker die Rumpfmuskulatur einsetzen und hat längere Beschleunigungswege als bei der Rückhand! Bei der einhändigen Rückhand ist die Schulter des Schlagarmes vorn. Die Differenz der Beschleunigungsstrecke ist bei der Vorhand also um eine Schulterbreite (etwa einen halben Meter)  länger. Das ist der Grund, warum zum Beispiel beim Boxen fast ausschließlich mit der Vorhand, bei den sogenannten „Schwingern“, der K.O.-Schlag ausgeführt wird.

wawrinka rück

Zum Ende des kurzen Textes zitiert der Spiegel-Journalist einen Fachmann, den ehemaligen Trainer von Justin Henin: „Rodriguez sagt, Trainer und Eltern besäßen nicht mehr die Geduld, auf kurzfristige Erfolge zu verzichten, damit Kinder eine einhändige Rückhand lernen.“

Dieser Kritik stimmen wir zu: Allzu häufig wird im heutigen Tennis bei Eltern und Trainern zu sehr Wert auf kurzfristige Erfolge gelegt. Diese Beobachtung spielt aber bei dem Problem der Entscheidung zwischen einhändiger oder beidhändiger Rückhand keine entscheidende Rolle. Beide Techniken haben ihre Vorteile: bei der einhändigen Rückhand kann der Spieler den Ball früher treffen, auch die seitliche  Reichweite ist größer – deshalb wird der Volley auch auf der Rückhandseite fast ausschließlich einhändig gespielt.

Die beidhändige Rückhand schont Körper und Muskulatur bei den jüngsten Tennisanfängern. Sie fördert die „Beidseitigkeit“, die Balance in den Koordinationen und vermeidet dadurch einseitig ausgebildete Körper, die vor langen Zeiten einmal typisch für die Tennisspieler gewesen sind.

Die einhändige Rückhand verlangt weniger Koordination und Gegensteuerung bei dem „Longline – Schlag“. Deshalb gehört dieser „Killerschlag“, mit dem Wawrinka geradeaus sehr häufig punktet, zu den besonders bewunderten Erfolgsschlägen auf der Tour.

Die beidhändige Rückhand erlaubt mehr Winkelschläge, man kann auch hinter dem Körper durch Einsatz der unterstützenden Hand noch Bälle in das Feld zurückschlagen.

Einhändige und beidhändige Rückhandschläge haben Vorteile und Nachteile. Es ist abhängig von individuellen Voraussetzungen, welche Schlagvariante vom Spieler auf Dauer gewählt wird.

Es ist nicht richtig, was im Spiegel in den letzten Sätzen prophezeit wird: „Der (einhändige) Schlag wird komplett verschwinden (…) In fünf oder zehn Jahren gibt es ihn nicht mehr.“

Sie wird nicht aussterben – da können wir uns sicher sein. Auch weil die  methodischen Entwicklungen im Tennis, z.B. abgestufte Schlägerlängen, immer leichtere Anfängerrackets und leichtere Bälle, das frühe Spielen der einhändigen Rückhand unter dem Aspekt der gesundheitlichen Verantwortung fördern!

Unsere Trainer sollten diese Fortschritte der Tennistechnologie und –methodik in Zukunft nur besser nutzen.

Als krönenden Abschluss präsentieren wir ein Video mit ästhetischen Rückhandschlägen – ein- und beidhändig geschlagen!

12. Oktober 2014
von admin
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Triumph Federers in Shanghai!

Roger Federer hat mehr als 80 Turniere auf der ATP-Tour gewonnen und konnte in Shanghai einen weiteren Titel dieser außergewöhnlichen Erfolgsbilanz hinzufügen. Nach einem „Seuchenjahr 2013“(Zitat Federer) hat er 2014 bisher eine Saison gespielt, in der er an die größten Erfolge seiner außergewöhnlichen Karriere anknüpfen konnte. Nach seinem Semifinal-Triumph über Novak Djokovic,  gönnten weltweit viele Tennisfans dem – in und außerhalb des Platzes – vorbildlichen Schweizer Tennisprofi einen Sieg bei dem „ATP Masters 1000“ in China.

Sein Finalgegner Gilles Simon wollte alles tun, um das zu verhindern. Seit 2008 steht er zum ersten Mal wieder im Endspiel eines ATP-Turniers der höchsten Kategorie. Ein Sieg in Shanghai  – und insbesondere gegen Federer – würde das  Highlight seiner bisherigen Karriere sein. In der chinesischen Metropole hatte er nach langer Zeit wieder in eine außergewöhnliche Siegesserie hingelegt. Auch aus diesem Grunde trauten einige Fachleute ihm zu, den Titel in der chinesischen Metropole zu gewinnen.

simon

Der 29-jährige Franzose startete dementsprechend motiviert und nahm seinen Konkurrenten früh im ersten Satz das Aufschlagspiel ab. Er hätte bei 5:4 und eigenem Service den Satz erfolgreich beenden können, aber Federer kämpfte sich in das Match mit einem Break zurück. Im Tiebreak setzte der Eidgenosse den Franzosen mit zahlreichen Netzangriffen unter Druck und konnte sich knapp mit 8:6 durchsetzen.

federer

Simon wirkte im zweiten Satz von den Strapazen des Turniers gezeichnet – schon im ersten Durchgang hatte er eine Auszeit genommen – aber fightete sich unermüdlich in das Spiel zurück. Federer dominierte zwar im zweiten Durchgang, startete unter den Augen seines Schweizer Nationalcoaches Lüthy ungewöhnlich viele Netzangriffe, konnte seinen zähen Widersacher aber bis zum 6:6 nicht breaken.

Im abschließenden Tiebreak gelangen Roger beeindruckende Schläge und mit 7:2 sicherte er sich den Titel.

Sein ausgelassener Jubel nach dem verwandelten Matchball bewies, welche Bedeutung dieser Turniergewinn für ihn hatte.

Shanghai wird ihm viel Selbstvertrauen für die „ATP-Finals“ in London gegeben haben.

11. Oktober 2014
von admin
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Federer besiegt Djokovic in Shanghai

Das mit 4,2 Millionen Dollar dotierte „Shanghai Rolex Masters“ gehört bei den Tennisprofis seit Jahren zu den beliebtesten Turnieren. Im Jahr 2014 präsentierte sich die Veranstaltung als ein außergewöhnliches Spektakel, das die Zuschauer mitriss und sicherlich für weiteren Aufschwung im Tennis-Boom-Land China sorgen wird.

shang

Nach dem frühen Ausscheiden von Wawrinka, Nishikori, Raonic, Dimitrov, Murray und Nadal flog mit Tomas Berdych im Viertelfinale ein weiterer Anwärter auf das „ATP-Tour-Finals“ in Shanghai aus dem Turnier und konnte sich dadurch nicht entscheidend im Race to London absetzen. Der Tscheche verlor gegen den Franzosen Gilles Simon 6:7, 6:4, 0:6.

Auch David Ferrer wurde in seiner Aufholjagd in der Runde der letzten Acht  gestoppt: er unterlag Novak Djokovic 4:6 und 2:6.

Roger Federer erreichte das Semifinale in der chinesischen Metropole mit einem 7:6, 6:0-Sieg über Julien Benneteau.

Das Halbfinale wurde durch Feliciano Lopez komplettiert, der sich mit 5:7, 6:4 und 6:4 gegen Youzhny durchsetzen konnte,

Im Semifinale unterlag der Spanier dann dem Franzosen Simon mit 2:6, 6:7.

Im zweiten Halbfinale kam es zum mit Spannung erwarteten Showdown zwischen Nole Djokovic, der auf dem asiatischen Kontinent in diesen Wochen noch kein Spiel verloren hatte und Roger Federer, der wieder nach seiner kurzen Ruhepause in das ATP-Geschehen eingriff. Und Roger zeigte sich gut erholt. In einem Match auf Augenhöhe breakte er den Serben bei 2:2 im ersten Satz, musste nur einen einzigen Breakball selbst abwehren und beendete den ersten Durchgang nach 48 Minuten erfolgreich mit 6:4.

fedex

Im zweiten Satz ließ der Schweizer keine weiteren Breakbälle zu und nahm dem Weltranglistenersten wieder früh dessen Aufschlagspiel ab. Bei 4:3-Führung dauerte das Servicegame des Schweizer länger als 8 Minuten. Das Match konnte noch einmal eine Wendung nehmen. Ohne dem „Djoker einen Breakball zu gönnen, gewann Roger sein Aufschlagspiel zur vorentscheidenden 5:3-Führung. Mit einem Ass wehrte der Serbe den ersten Matchball ab und kam auf 4:5 heran. Federer, der insgesamt 10 Asse schlug, konnte sich auf sein Service verlassen und gewann entschlossen den 2.Satz 6:4. Erlösender Jubel bei dem Eidgenossen und tosender und entzückter Beifall des chinesischen Publikums brach nach dem verwandelten Matchball aus. Federer ist auf dem besten Weg nach London!

Das Finale des Schweizers, der nach dem Turnier wieder auf Rang 2 der Weltrangliste zu finden sein wird, gegen Gilles Simon ist auf Sport1+HD ab 10.30h am Sonntag zu sehen.

In Linz hat sich Anna-Lena Friedsam bisher hervorragend geschlagen. Nach Siegen über Cibulkova und Cepelova schlug sie im Viertelfinale auch die Schweizerin Voegele (4:6, 6:2 und 6:3).

Anna-Lena-Friedsam

Im Halbfinale gegen die 22-jährige Tschechin Karolina Pliskova spielte die Deutsche im ersten Satz groß auf und gewann 6:2. Im zweiten Durchgang hielt die Tschechin dagegen und konnte sich mit 6:3 durchsetzen. Das große Ziel vor Augen, ging die 20-jährige aus Neuwied, die sich durch die Qualifikation schlagen musste,  im entscheidenden Satz mit 3:1 in Führung. Dann machten sich die Strapazen der vielen Matches in Linz bei der jungen Deutschen bemerkbar. Sie verlor bis zum 3:6 Spiel auf Spiel. Sie kann Österreich mit erhobenem Haupt verlassen: der Halbfinal-Einzug bei einem großen WTA-Turnier ist der bislang größte Erfolg ihrer Karriere.