19. Mai 2014
von admin
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Viel Asche auf Sand

Wir hatten begonnen, die Form der Topprofis auf ihren Weg nach Paris, zum ersten und einzigen Grand-Slam-Sandplatzturnier der Saison 2014, ins Auge zu fassen. Hier und jetzt wollen wir den Blick auf die deutschen Hoffnungsträger werfen, um das gegenwärtige Leistungsvermögen genauer unter die Lupe zu nehmen.

roland garros

Wenn man die Ergebnisse der letzten Wochen – 10 Tage vor dem Start der French Open – kritisch analysiert, kommt man zu dem Schluss, dass große Siegeshoffnungen, bei allem patriotischen Optimismus nicht zu erwarten sind. Einzelne positive Überraschungen könnten unseren weiblichen und männlichen Repräsentanten gelingen, aber zum Grand Slam Triumph wird es kaum reichen. Grundsätzlich wird viel freie Zeit zur Verfügung stehen, in den Bars und Restaurants um am Arc de Triomphe das „savoir vivre“ zu genießen…

Fangen wir mit unseren bisherigen Tennis-Lichtgestalten, den Damen um Bundestrainerin Barbara Rittner, an: nach dem grandiosen Halbfinalsieg im Fed Cup gegen Australien auf dem Hartplatz von Brisbane, konnten unsere Damen weder in Stuttgart (was zu erwarten war und zu entschuldigen ist), noch in Madrid oder Rom die vorhergegangenen herausragenden Leistungen anknüpfen.

Alles Asche auf Sand!

Angie Kerber gelang auf Sand noch kein Sieg 2014. Weder in Stuttgart, noch in Madrid oder Rom war sie erfolgreich. Wir sind gespannt ob sie ihre Negativ-Serie in Nürnberg beenden kann und sich eine Woche vor den French Open in besserer Form präsentiert.

Obwohl Angelique auf dem roten Sand groß geworden ist, haben wir den Eindruck, dass ihr Konterspiel, mit relativ wenig Topspin in den Schlägen, auf schnellen Plätzen besser zur Wirkung kommt.

Ähnliches gilt für Andrea Petkovic: Ihre direkten und aggressiven Drive-Schläge eignen sich nicht unbedingt für Matches gegen die typischen Sandplatzwühlerinnen.

Petko verlor in Stuttgart nach harter Gegenwehr gegen Pennetta, in Madrid gegen Errani. Nachdem sie in Rom das erste Match souverän gegen Oprandi gewinnen konnte, war Serena Williams ihr in Runde zwei deutlich überlegen. Sie wird diese Woche in Strasbourg versuchen das nötige Selbstvertrauen für die French Open zu erspielen. Für eine Sensation in Paris muss aber Außergewöhnliches geschehen.

Julia Görges ist es mit ihrem „Hopp und Top-Spiel“ relativ egal, auf welchem Bodenbelag sie spielt. Auch in Paris ist sie für jede positive Überraschung gut, aber wenn sie das Turnier in der französischen Metropole gewinnt, stürzt der Eiffelturm in die Seine – und das Bloggerduo aus Scham hinterher angesichts der Fehleinschätzung.

Sabine Lisicki wird sich mit ihrem Partner Oliver Pocher in Paris wohlfühlen – wie auf dem Rasen Wimbledons. Mit dem Unterschied, dass der Londoner Bodenbelag sie zu sportlichen Leistungen motiviert und das Pariser Parkett ihren gesellschaftlichen Ansprüchen entgegenkommt.

Bei den Männern sind die Aussichten nicht rosiger. Während sich die Top-Stars Djokovic und Nadal auf Sand eingespielt haben und ihre Klasse im Finale von Rom demonstrieren konnten, ist es den deutschen Herren noch nicht gelungen, Ausrufezeichen zu setzen.

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Tommy Haas hat in München und Rom sehr ansprechendes Tennis geboten. Aber zwei Aufgaben in Sao Paulo und Rom und das durch eine schmerzende Schulter verlorene Halbfinale von München lassen daran zweifeln, dass er die Strapazen von Paris „unbeschadet“ durchhalten kann. Die langen Matches auf Sand sind eine physische Tortur, wer nicht topfit in Roland Garros antritt nahezu chancenlos. Wünschen wir Tommy die richtigen Temperaturen um erfolgreich angreifen zu können.

„Kohli“ ist und bleibt eine Wundertüte. Ruft er sein Potential voll ab, kann er jeden schlagen und ist auch auf Sand ein gefährlicher Spieler. In Rom schlug er Janowicz und Robredo. Gegen Djokovic hatte er dann nach gewonnenem erstem Satz nichts mehr entgegen zu setzen. Dennoch eine starke Leistung nach zuvor wechselhaften Vorstellungen in Monte Carlo, München, Barcelona und Madrid. Um in Paris die zweite Woche zu erreichen muss er sein gesamtes Repertoire clever einsetzen.

Vierzehn Tage Paris kennen keine Gnade – aber sie bieten beste Unterhaltung!

16. Mai 2014
von admin
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“Haas – wie Phönix auf der Asche”

Der „Hamburger Jung“ hat Nerven. Der ist kaltschnäuzig wie der ehemalige hanseatische Senator und spätere Bundeskanzler Helmut Schmidt.

haasi

Da schlägt Tommy Haas ein Shitstorm bei Facebook entgegen, weil seine Eltern zu Unrecht Hartz IV bezogen hatten und er zeigt eine Reaktion, die alle Neider und Denunzianten erstarren und stumm werden lässt. Wie Phönix auf der Asche.

In Rom, bei den mit 3,2 Millionen dotierten Internazionali BNL di Italia, spielt der 36-jährige sich so souverän durch das Feld wie zuletzt vor einem Vierteljahrhundert bei den Hamburger Bambino-Meisterschaften in Marienthal.

In der ersten Runde stürzt er das Gastgeberland in Trauer und Melancholie, weil er den Sandplatzkünstler aus Südtirol, Andreas Seppi, mit 6:1 3:6 und 6:4 bezwingt.

Dem Niederländer Igor Sijsling, dem er in der letzten Woche in Madrid noch unterlegen war, gab er in der zweiten Runde das Nachsehen. Mit 6:7 1:6 flog der Holländer raus.

Das sind schon herausragende Erfolge – aber noch längst nicht genug für den ewig jungen Routinier in der „ewigen Stadt“. Im Achtelfinale sorgt er für die bisher größte Überraschung des Turniers: auch der Geheimfavorit und Weltranglistendritte, Stan Wawrinka, musste sich dem hochmotivierten Haas mit 7:5 2:6 3:6 geschlagen geben. Nach seinem Triumph kommentierte unser Spitzenspieler seine Leistung mit typischen norddeutschen Understatement: “Diese Jungs spielen heutzutage so schnell und haben so viel Kraft, daher muss ich viel variieren. Ich bin glücklich, wie es gelaufen ist”, sagte Haas: “Es klappt nicht immer so wie heute, daher bin echt begeistert.”

Im Viertelfinale will der Bulgare Grigor Dimitrov den Höhenflug des Jungbrunnens Haas stoppen.

Der Davis Cup-Kollege von Haas in Frankfurt, der im berühmt-berüchtigten Streichholzspiel den Kürzeren zog, Phillipp Kohlschreiber, zeigte sich in Rom auch von seiner besten Seite. Er schlug im Auftaktspiel den Polen Jerzy Janowicz in drei Sätzen(4:6, 7:6, 6:2) und ließ danach dem favorisierten Spanier Tommy Robredo keine Chance: Mit 6:4 6:4 zog er in das Achtelfinale ein, in dem er Nole Djokovic den ersten Satz mit 6:4 abnahm. In den folgenden Sätzen setzte sich der Serbe aber deutlich mit 6:2, 6:1 durch.

Nadal, Murray, Raonic, Ferrer und überraschend auch Jeremy Chardy komplettieren das Viertelfinale in Rom. Der Franzose hatte in Federers Auftaktspiel den Schweizer sehr früh mit 1:6 6:3 und 7:6 aus dem Turnier geworfen. Der Fedexpress verlor etwas an Fahrt, weil er wohl noch immer sehr müde von der Geburt der nächsten Zwillinge war.

Auf dem Weg nach Paris zeigen die meisten Spieler aus dem Favoritenkreis für das Grand-Slam-Sandplatzturnier in der Saison 2014, dass sie für ein erfolgversprechendes Auftreten schon jetzt gut gerüstet sind.

15. Mai 2014
von admin
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Haas, Hartz IV und Hass!

Welche Zeiten! Welche Sitten!

Gerade legt sich die Aufregung um Uli Hoeneß, da haut uns der nächste Skandal aus der Welt des deutschen Sports „aus den Socken“: Die Eltern unseres nationalen Spitzenspielers Tommy Haas wurden vor Tagen zur 9-monatigen Haftstrafe mit Bewährung verurteilt, weil sie Hartz IV vom Jobcenter Rosenheim bezogen hatten, aber hohe Einkünfte verschwiegen hatten.

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Wir wollen nicht voreilig verurteilen, wir wollen auch keinen Shitstorm entfesseln, aber es gibt einige Tatsachen, die des schwarzen Humors nicht entbehren.

Beginnen wir mit der Einschätzung der Richterin Isabella Hubert, die den Prozess gegen die Eltern Haas geleitet hatte: „Würde der Staat allen, die so bedürftig sind wie die Eltern Haas, diese Unterstützung gewähren, so wäre er im Handumdrehen bankrott. Mit der Hälfte dieses Einkommens würden sich hier Hunderte Arbeitslose im Himmel fühlen(…). Hier werden Leute verurteilt, die sich von den Behörden 200 Euro erschwindeln, weil sie nicht wissen, wie sie von 360 Euro monatlich leben sollen. Die Eltern Haas beziehen etwa 3000 Euro im Monat und leben dabei noch mietfrei.”

Die Fakten hinter dieser Aussage: Vater Haas bezieht nach einem Motorradunfall eine Rente von 1357,-€ und die Eltern werden von ihrem Sohn Tommy mit monatlichen 1200,- € unterstützt. Von November 2011 bis Oktober 2012 erhielten Tommys Eltern vom Sozialamt ihres bayrischen Wohnsitzes aber trotzdem Hartz IV in Höhe von 14 796 €.

Die armen Eltern von Tommy müssen aber in Florida leben – und Florida ist teuer. Das weiß jeder, der seinen Urlaub in diesem „sunshine-state“ verbracht hat. Tommys Mutter kann aber „die Kälte in unserem Land nicht vertragen“, wie sie der Süddeutschen Zeitung erklärt hat. Deshalb ist sie auch sehr erschrocken, „dass sie gleich eine Freiheitsstrafe erhalten haben“, wie ihr Anwalt mitleidend der Presse bekannt gab.

Unsere deutsche Tennis-Nr.1 hält sich mit seinen Kommentaren zu den familiären Vorfällen zurück. In einem exklusiven Interview mit der Bild-Zeitung erklärte er, dass er von den Vorwürfen nichts wusste. Er sieht Handlungsbedarf: „Ich werde jetzt mit meinem Vater alles in Ruhe besprechen. Das ist ein Problem, dass wir jetzt anpacken werden und das gelöst werden muss“. Wir wünschen ihm beim familiären Krisengipfel viel Erfolg, auch weil es seinen Leistungen im Tennis zukünftig dienen könnte. Auf Facebook ist ihm nämlich ein Sturm der Entrüstung entgegen geschlagen. Da wird kurz mit „Hass!“ kommentiert oder immer wieder gefragt, warum seine Eltern „den Staat abzocken“ wollten. Das geht auch an Tommy nicht spurlos vorüber.

Eines ist sicher: Diese Tragikomödie dient wieder einmal nicht dem Image des „weißen Sports“ in Deutschland. Da werden Vorurteile über dir rücksichtslosen, selbstsüchtigen und versnobten Tennisspieler schnell wieder laut.

Wir kennen nicht alle Hintergründe und werden deshalb die Eltern Haas nicht vorverurteilen – und erst recht nicht Tommy – aber wir beklagen generell die dreiste Verantwortungslosigkeit, die Heuchelei sowie die mangelnde Ehrlichkeit einiger Protagonisten unserer Sportart und ihres Umfeldes. Man könnt über diese Haas-Affäre lachen – wenn es nicht so ernst wäre.

Leider haben sich in den letzten Jahren Vorgänge in deutschen Tennislanden gehäuft, wo Verträge nicht eingehalten wurden oder wo Funktionäre sich mit Vereinsgeldern bereichert haben. Das werden wir mit unseren kritischen Beiträgen für eine kleine – aber feine Leserschaft nicht ändern. Aber wir sehen es als unseren Auftrag, „den Finger in die Wunde zu legen“.

Wir schließen mit einem Gedanken, der, wenn man ihn durchdenkt und konsequent danach handelt, dazu beitragen könnte, Sachverhalte positiv zu ändern:

Viele – zu viele – verpassen die Gelegenheit, zu einer schlechten Sache nein zu sagen.

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Haas , Hartz IV and hate!

What times ! What manners !

Things were just calming down after Uli Hoeness´ tax scandal when a new scandal schocked the German sports world: The parents of our Nr. 1 player, Tommy Haas, were sentenced to nine months’ imprisonment with parole because they had illegally received welfare from the job center in Rosenheim. At the same time, they concealed their other sources of income.

teschläger

We do not want to hastily condemn nor do we want to unleash a shit storm, but there are some facts that contain a certain amount of black humor.

Let’s start with the assessment of Judge Isabella Hubert, who conducted the trial of Haas` parents: “If the state provided the same financial support to all those who are as needy as Haas` parents, our government would go bankrupt in no time. With half of that income hundreds of unemployed people would feel as if there were in heaven (…). Here in this court people have been convicted by the authorities of fraud for cheating the government out of € 200 because they did not know how to live off € 360 per month. The Haas´ have a monthly income of about € 3000 and, besides that, they live rent-free.”

The facts behind this statement: Father Haas receives a monthly pension of € 1.357,- due to a motorcycle accident and their son supports them with parents € 1200,- a month. From November 2011 to October 2012 Tommy’s parents received € 14.796 in welfare payments from the Bavarian town they reside in.

However, Tommy`s poor parents have to live in Florida – and, as we all know, Florida is expensive. Anyone who has spent a holiday in this ” sunshine- state” knows that. Tommy’s mother, however, cannot stand ” the cold weather in our country,”as she explained to the Süddeutsche Zeitung.

Therefore, she was also schoked” that they got a prison sentence ,” as her lawyer compassionately informed the press.

Our German tennis No.1 has held back with his comments on his family incidents. In an exclusive interview with the Bild newspaper, he said that he had known nothing of the allegations. He sees a need for action: “I ‘m going to discuss the issue with my father all alone. This is a problem that we will tackle now and it needs to be solved. “

We wish him lot of success in solving the family crisis, partly because it could serve his future tennis achievements. On his Facebook page he has been bombarded with lots of indignant comments. The commens are full of “hate” and ask why his parents wanted to rip off the state. All of this bad publicity will somehow affect Tommy and his tennis.

One thing is certain: This tragicomedy will not improve the image of the “white sport” in Germany. The common prejudices about ruthless, selfish and snobbish tennis players have been confirmed once again.

We do not know all the facts and, therefore we will not pre-judge Haas` parents – and certainly not Tommy – but we generally complain about the brazen irresponsibility, hypocrisy and the lack of honesty of some protagonists of our sport and their environment. You might laugh at this Haas- affair – if it were not so serious.

Unfortunately, similar happenings have occurred in German Tennis in recent years, where contracts were not completed or where officials enriched themselves with club funds.

We will continue publishing our critical articles for a small but fine readership. But we see our mission as follows to put our finger in the wound .”

We conclude with a thought which, if one thinks about it and consistently acts accordingly, could contribute to a positive change:

Many – too many – miss the opportunity to say `No` to a bad thing.