29. April 2014
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Viel Lärm um nichts

Der Verzicht des DTB-Präsidenten Altenburg auf seine Wiederwahl im Herbst 2014 hat schnell Reaktionen in der Öffentlichkeit hervorgerufen: Der deutsche Spitzenspieler Tommy Haas hat eher spontan seine Meinung zu diesen Vorgängen geäußert und erhält schnell eine Antwort von der DTB-Pressestelle, die seine Äußerungen „etwas von oben herab“ als deplatziert kennzeichnet.

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Beginnen wir chronologisch: Im Vorfeld seines Antritts beim Münchner ATP-Turnier in dieser Woche hatte Tommy Haas die aktuelle Situation beim DTB kommentiert und deutliche Forderungen für die Zukunft des deutschen Tennissports auf der Verwaltungsebene gestellt:

„Ein bisschen DTB-Präsident nebenher ist absoluter Bullshit”, sagte der 36-jährige in einem Interview mit der „Bild am Sonntag“. „Als DTB-Präsident solltest du was auf die Beine stellen und es nicht nur halbherzig nebenher machen. Es muss einer sein, der den Sport gut kennt, und vor allem sollte es ein Fulltime-Job sein“, präzisierte er dann seine Vorstellungen. Für gute Arbeit und Engagement dürfe, laut Haas, der Präsident dann auch „ein Gehalt verlangen“.

Diesen Aussagen wurde von Seiten des DTBs sehr deutlich widersprochen. Aufhänger des DTB-Statements ist der von Haas sehr salopp gewählte Ausdruck „Bullshit“. „Allein diese Wortwahl disqualifiziert seine Äußerungen…“ schreibt der DTB. Um Haas Äußerungen als unangebracht darzustellen, wird folgend auf seine Unkenntnis gegenüber „den Gegebenheiten, den Möglichkeiten und den Strukturen des Verbandes“ hingewiesen. Zudem habe das Präsidium gemeinsam mit dem Bundesausschuss Veränderungen und für die Zukunft des deutschen Tennis wegweisende „Vertragsabschlüsse erzielt und in dessen mediale Präsenz investiert“. Abschließend gibt sich der DTB gesprächsbereit. Einem Engagement von Tommy Haas beim DTB stehe nichts im Wege – „so allerdings nicht.“

In der Pressekonferenz vor seinem Turnierstart in München gab Haas zudem konkretere Wünsche für einen neuen DTB Präsidenten preis und sprach Michael Stich sein Vertrauen aus. „Ich glaube, es würde keinen Besseren geben. Er wäre einer der Favoriten auf den Job.“ Dabei konnte er sich einen weiteren Seitenhieb gegen Altenburg nicht verkneifen. „Ich würde mir wünschen, dass da einfach mal Ruhe wäre und einer sitzt, der auch Ahnung hat vom Tennis.”

Ob das letzte Wort in diesem „Geplänkel“ damit gesprochen ist, bleibt abzuwarten – es wäre aber zu wünschen. Die verbalen Auseinandersetzungen erinnern ein wenig an den Titel einer Komödie von Shakespeare: Viel Lärm um nichts.

Gekränkte Egos, gefolgt von öffentlichen Auseinandersetzungen, haben in der Historie zu Genüge den Ruf des deutschen Tennis geschädigt. Besser wäre es, die Post-Altenburg-Ära vorzubereiten und die positive Trendwende der jüngeren Vergangenheit zu nutzen. Gemeinsam.

28. April 2014
von admin
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DTB-Präsident Dr. Altenburg wirft das Handtuch

Bei den Neuwahlen des Präsidiums im November 2014 wird der Präsident des DTBs, Karl- Georg Altenburg, nicht mehr kandidieren. Der Investmentbanker und ehemalige Deutschlandchef der JP Morgan tritt im April 2014 seinen neuen Job bei der Deutschen Bank an. „Meine neue berufliche Herausforderung und meine Familie lassen das nicht mehr zu“, erklärt der Mann an der Spitze des deutschen Tennis seinen Verzicht auf eine weitere Kandidatur.

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In einem Interview mit einer großen deutschen Tageszeitung benennt Altenburg die Hintergründe für seinen Entschluss: „Der Sport ist zu sehr in seinen Strukturen gefangen. Auf der einen Seite lebt der Verband davon, dass Tausende ehrenamtliche Kolleginnen und Kollegen Woche für Woche ihre Arbeit machen. Diese Menschen haben meinen allergrößten Respekt. Sie sitzen mittwochabends im Klubhaus, um das Turnier am Wochenende zu planen. Am Sonntag sind sie dann dabei, damit alles gut klappt. Andererseits müssen wir uns fragen, ob wir in der Spitze noch zeitgemäß organisiert sind. Oder ob wir uns da manchmal gegenseitig im Wege stehen. Ich denke, unsere Organisation ist zu kompliziert strukturiert, wir haben zu lange Entscheidungswege, jeder möchte mitreden. Es ist wie immer im Leben, wenn jeder seine Meinung einbringt, wird verschoben und nicht entschieden. Die Veränderungen, die wir gemacht haben, sind doch kein Hexenwerk, trotzdem hat es zwei Jahre gedauert und wir stehen erst am Anfang.“

In seinen weiteren Ausführungen geht er noch konkreter auf den Aspekt ein, der ihm in seiner Führungsarbeit am stärksten behindert hat: „Bei all der Arbeit – die mehr war als gedacht – kam der Dialog des Präsidiums mit den Landesverbänden zu kurz. Wir müssen mehr erklären, was wir machen, die Kollegen mitnehmen. Inzwischen haben wir über ein Gemeinschaftsunternehmen mit fast allen Landesverbänden unser gemeinsames Onlineportal tennis.de geschaffen – das ist ein signifikanter Schritt nach vorne.“

Die Aussage, dass „der Dialog mit den Landesverbänden zu kurz kam“, verschleiert die bittere Realität in den Anfängen der Amtszeit des aktuellen Präsidenten. Ein konstruktiver Dialog zwischen Präsidium und den meisten „Landesfürsten“ kam da selten zustande. Öfters wurden sogar positive Entwicklungen im deutschen Tennis von eigenmächtigen Aktionen der verschiedenen Verbandsführungen konterminiert. Da stand man sich wirklich „gegenseitig im Weg“ und fügte dem Image des deutschen Tennis einen unverantwortlichen Schaden zu. Ganz bestimmt war diese Situation von keiner „zeitgemäßen Organisation“ gekennzeichnet. Das erinnerte eher an die von Kurzsichtigkeit und Selbstsucht geprägten historischen Kämpfe der zahlreichen Fürstentümer vor der Einigung des deutschen Reichs im 19.Jahrhundert.Wenn die Einigung der einzelnen Landesverbände mit der Führung im Bund im deutschen Tennis genau so lange dauert wie dieser historische politische Prozess, werden noch zahlreiche DTB-Präsidenten vorzeitig „das Handtuch werfen“…

Hoffentlich bringt Altenburg in seiner verbliebenen Amtszeit die einheitlichere Kommunikation von Verband- und Länderspitze noch auf einen besseren Weg. Wir wünschen ihm auf jeden Fall dabei viel Erfolg – der Zukunft des deutschen Tennis würde es dienen. Voraussetzung für das Gelingen einer sinnvollen Kommunikation wäre es, dass narzisstische Geltungsbedürfnis einiger provinzieller Führungspersonen einzudämmen, sie auf ein gemeinsames Ziel, auf einen gemeinsamen Weg, einzuschwören. An dieser Sisyphos-Aufgabe ist nicht nur Altenburg verzweifelt.

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Andere desillusionierende Erfahrungen, aber auch positive Schritte in seiner bisherigen Amtszeit, werden von dem gebürtigen Mühlheimer in der Unterredung mit dem Printmedium thematisiert: „Die Begleitgeräusche nerven manchmal. Unsere Damen bereiten uns so viel Freude, doch mit den Herren gab es öfters Probleme, was mich natürlich ärgert. Denn wissen Sie, weg von diesem Kinderkram, wir sind beim DTB an einem Punkt angelangt, wo ich zum ersten Mal das Gefühl habe, dass wir richtig vorangekommen sind. Als ich mein Amt antrat, hatten wir kein Geld. Wir fingen an bei Nullkommanull, saßen auf schweren Hypotheken. Und bluten immer noch für den bereits über lange Jahre gehenden Prozess mit der ATP wegen der Zurückstufung des Hamburger Turniers, was schon Millionen gekostet hat. Unter komplizierten Bedingungen ist es uns aber gelungen, eine grundlegende Reform des DTB einzuleiten. Wir sind den Weg der Umkehr gegangen, bei dem kein Stein auf dem anderen blieb, für den es aber anfangs keinen Beifall gab. Doch es wird heute wieder in die Zukunft des deutschen Tennis investiert. Das ist unser größter Erfolg. Aber es bleibt noch viel zu tun.“

In unserem Blog hatten wir Karl -Georg Altenburg öfters kritisiert. Im Laufe seiner Amtszeit lernten wir seine Tätigkeiten und Entscheidungen immer mehr schätzen und haben das auch zum Ausdruck gebracht. Angesichts seines Rückzuges können wir nur sagen, dass wir diese Entscheidung sehr bedauern. Dieser Mann hätte noch einiges bewirken können für das deutsche Tennis.

In diesem Post soll der scheidende Präsident das letzte Wort haben. Auf das Erbe seines potentiellen Nachfolgers angesprochen, antwortete Altenburg: „Er findet ein großes Potenzial, mit dem er das Tennis dorthin führen kann, wo es in seinen besten Jahren einmal war. (…) Ich hoffe für ihn oder sie, dass die Phase zwei mit weniger Schwierigkeiten und Widrigkeiten verbunden ist.“

26. April 2014
von admin
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Die Folgen des Fed-Cup Triumphs beim Porsche Cup – eine Self-fulfilling Prophecy?

Barbara Rittners Befürchtungen haben sich bewahrheitet: das Fed-Cup Halbfinale im Australischen Brisbane hat seine Spuren hinterlassen. Die deutschen Starterinnen beim WTA Turnier in Stuttgart mussten sich fast geschlossen nach ihren ersten Auftritten geschlagen geben. Obwohl Kerber, Petkovic und Görges allesamt stark in ihre Partien starteten, waren sie ihren Kontrahentinnen am Ende dennoch unterlegen. Ein klares Indiz für die enormen körperlichen Anstrengungen der letzten Woche, die sich in Kombination mit der Zeit- und Klimaumstellung, in den entscheidenden Momenten der Matches bemerkbar machten.

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Hinzu kam ein weiterer Nachteil für die deutschen Starterinnen: während sich ihre, aus ebenfalls Weltklassespielerinnen bestehenden Konkurrenz, in Ruhe und gut kalkuliert auf den Beginn der Sandplatzsaison vorbereiten konnte, hatten die Mädels des Porsche Teams dafür keine Zeit. Sie mussten ihr Spiel von „heut auf morgen“ von der langen Hardcourt-Saison auf den langsameren und kräftezehrenden Sand umstellen. Ohne diese gezielte Vorbereitung, ohne die nötigen Spielerfahrungen auf dem anderen Belag, ist es auf dem hohen Niveau, auf dem Nuancen über Sieg und Niederlage entscheiden können, fast unmöglich ein komplettes Match lang seine Leistung konstant abzurufen.

Auch die Auslosung beim sehr stark besetzten Turnier in Stuttgart spielte eine fatale Rolle: Julia Görges, in der ersten Runde erfolgreich gegen die Rumänin Cirstea, konnte die starke Serbin Ivanovic zu Beginn noch deklassieren, war ihrer Gegnerin anschließend aber nicht mehr gewachsen. „Petko“ leistete in ihrem Auftaktmatch der italienischen „Wühlerin“ Penneta, die vor wenigen Wochen in Indian Wells mit dem Turniersieg ihren bislang größten Erfolg in ihrer Profikarriere feierte, ebenfalls lange Widerstand. Am Ende, musste sie sich jedoch im dritten Satz deutlich geschlagen geben. Ähnlich erging es der deutschen Nr. 1 Angie Kerber. Sie hielt gegen die spanische Sandplatzspezialistin Suarez- Navarro das Match lange offen, wusste aber in den entscheidenden Phasen der beiden knappen Sätze nicht, wie sie ihrer clever agierenden Kontrahentin den Sieg nehmen sollte.

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 Das Abschneiden der weiteren deutschen Teilnehmerinnen verlief ebenfalls ernüchternd. Bine Lisicki läuft ihrer Form auch auf Sand noch hinterher und unterlag Ivanovic deutlich in zwei Sätzen. Mona Barthel zeigte eine ordentliche Leistung, am Ende setzte sich die wiedererstarkte J. Jankovic jedoch knapp im dritten Durchgang durch. Auch Qualifikantin Annika Beck musste sich der erfahrenen Vinci in der ersten Runde glatt geschlagen geben.

Vor den Augen der Fed-Cup-Teamchefin spielte sich diese ungewöhnliche Niederlagenserie in Stuttgart ab. Babara Rittner hatte schon vor dem Halbfinale in Australien darauf hingewiesen, dass ungeheure Strapazen auf ihre Mädels zukommen würden. Sie hatte die Erfolgsaussichten ihrer Spielerinnen beim so wichtigen und beliebten Turnier in Stuttgart von vornherein als gering eingeschätzt. Umso mehr war sie dankbar für den Einsatz ihrer Spielerinnen in Brisbane, die mit dieser Reise ihre eigenen Erfolgsaussichten auf der WTA-Tour zugunsten des Teamwettbewerbs „hintenanstellten“. Mit dem Triumph im Halbfinale „Down Under“ hat das deutsche Team schon jetzt Tennisgeschichte geschrieben. Bei den zukünftigen Sandplatzturnieren der WTA-Tour haben die einzelnen Spielerinnen noch genug Gelegenheit, sich mit individuellen Erfolgen der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Das Abschneiden in Stuttgart sollte keinesfalls (negativ) überbewertet werden. Nicht von den Akteuren – und erst recht nicht von der öffentlichen Meinung.