21. Februar 2014
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“Leistungstennis können sich die Wenigsten leisten”

Problemfeld FINANZEN von unserem „Aulandskorrespondenten“ Nico Olguin

Im Rahmen unserer aktuellen Artikelreihe kommen zum Ende auf das allgegenwärtige Thema „Geld“ zurück. Wie so häufig scheitern viele Träume an der monetären Ressource. Vom Breiten- bis zum Hochleitungssport kämpfen die Aktiven und die Vereine um ihre Existenz.

Michael Russel (USA) ATP 82 erzählt in einem Interview (ForbesMagazin vom 26.8.2013), wie schwer das Leben als Tennisspieler außerhalb der (vermeintlichen) Top-Positionen ist. Er wird zum Zeitpunkt des Interviews als 92. der Tennisweltrangliste geführt. In den 15 Jahren seiner Karriere hat er ca. 2,1 Millionen Dollar an Preisgeld verdient. Im Zeitraum von Juni 2012-Juni 2013 hatte er ungefähr 210 000 Dollar Einnahmen, wovon er 60 000 Dollar durch Sponsoren und mit Showkämpfen erwirtschaftet hat.

Den 210.000 Dollar Einnahmen stehen ca. 75.000 Dollar Ausgaben gegenüber, ohne jedoch einen Trainer bezahlt zu haben. Jährlich kommt er auf ca. 35.000 Dollar Reisekosten, 9.000 Dollar Besaitungskosten und ein enormer Anteil an Steuern, den er in fast jedem Land abführen muss, in dem er spielt. Brutto bleiben maximal 100.000 Dollar der Einnahmen übrig. Kein so gut bezahlter Job, wenn es weltweit nur 81 Leute gibt, die ihn besser machen und man bedenkt, dass die Tenniskarriere mit spätestens Mitte 30 endet. Nicht zu vergessen sind eventuelle Verletzungen, die den Spieler weit zurückwerfen können.

Anhand des Beispiels sehen wir: Leistungstennis ist teuer.

tennisgeld

Und hohe Kosten treten schon lange vor dem Durchbruch in das Profitennis auf.

Es bedarf enormer Ressourcen, um Jugendlichen und jungen Erwachsenen überhaupt zu ermöglichen, professionell und konkurrenzfähig Tennis zu spielen. In Frankreich, und seit einigen Jahren in Australien, übernimmt diese Aufgabe der Verband mit Bravour. Fast überall trifft man auf französische Trainingsgruppen (Teamgeist), die das ganze Jahr (Kontinuität) mit einem Verbandstrainer von Turnier zu Turnier reisen, während der Deutsche auf sich allein gestellt zu sein scheint. Verbandstrainer, die mit einer Gruppe Nachwuchshoffnungen um die Welt tingeln, sind nicht für den DTB aktiv.

Zu beachten ist, dass es (!) in jedem Fall leichter ist, mit einem Grand-Slam-Turnier im Rücken einen Tennisverband zu leiten als ohne. Denn ein Grand-Slam hat in der Vergangenheit ein gutes Image für den Sport und dadurch auch große Mengen an Geld eingebracht. In Australien haben die Australien Open bewirkt, dass pro Nachwuchshoffnung ca. 50.000 – 60.000 Euro jährlich investiert werden können. Es wurde eines der modernsten Trainingszentren, mit allem was des Tennisspielers Herz begehrt, gebaut: 34 Outdoor-Plätze, von denen 26 Hard- und 8 Sandplätze sind, Einrichtungen mit mehreren Fitnessräumen, Massageräume (mit therapeutischer Betreuung), Eisbad, …

Für den DTB sind diese Zustände weit entfernte Phantasien. Der DTB träumt in Sachen Finanzen von längst vergangenen Zeiten! Das ehemalige Leistungszentrum in Hannover kann sich keinesfalls  mit den australischen oder französischen Trainingsanlagen messen.

Unmöglich ist es jedoch nicht als Deutscher in die Top 100 zu kommen. Zurzeit haben wir: acht Top-100 Spieler, die Franzosen 12. Top-30 Spieler haben wir 2, unsere Nachbarn 5. Unter den TOP 10 haben wir niemanden, die Franzosen 2. (2 weitere waren vor wenigen Jahren bereits TOP 10)

Vielleicht sollten wir etwas daran ändern, dass nur von Privatpersonen unterstütze Spieler eine Chance auf den Tennisthron haben. Ein Vergleich zwischen Tennis und Fußball ist schwierig, aber im Volkssport Fußball kann es jeder nach oben schaffen: man ist viel weniger von den finanziellen Ressourcen abhängig als beim Tennis

Was bedeutet das für das deutsche Tennis?

Ein Ansatz:

Boris Becker und Stefanie Graf haben ein riesiges Erbe hinterlassen. Die Erwartungshaltung der Deutschen ist enorm hoch.

Vielleicht bedarf es einer neuen Herangehensweise. Folgendes Model, praktiziert von einem Tennistrainer in Hamburg, ist vielleicht wegweisend:

Er ist in die Schulen im Umkreis von seinem Tennisclub gegangen und hat dort kostenfrei oder gegen eine geringe Aufwandsentschädigung den Schülern Tennistraining gegeben. Das Resultat lässt sich sehen: Der Verein will/muss eine neue Halle bauen, um dem Ansturm der  Kinder gewachsen zu sein.

Diese vorbildliche Eigeninitiative haben bundesweit auch andere Tennistrainer – vielleicht hier und da mit etwas geringeren Erfolg – unternommen. Ist diese Breitensportaktivität nicht auch eine Empfehlung für den Spitzensport? Kann ein Trainer in Zusammenarbeit mit einem wirtschaftlich kundigen Mitarbeiter nicht ein Talentteam zusammenstellen, Sponsoren suchen und bei erfolgreicher Akquisition mit der Gruppe auf Turnierreise gehen? Wenn man sich die Mühe macht, die lokale Presse über dieses Projekt kontinuierlich zu informieren, sammeltman Sympathiepunkte und die Chance ist groß, noch mehr finanzielle Unterstützung zu erhalten. Wir kennen Tennisprofis aus dem Ausland, die aufgrund ähnlicher Projekte heute auf höchstem Niveau um Weltranglistenpunkte spielen können. Wenn sie von den Anfängen erzählen, kommen sie ins Schwärmen. Immer wieder heben sie den Trainer für seinen risikobereiten Einsatz heraus und teilen ihre persönliche Anerkennung und Dankbarkeit mit.

Wenn man Erfolg haben will, muss man investieren. Als erstes muss man Zeit investieren. Dann muss man Herzblut und Begeisterung für den Sport und die hoffnungsvollen Talente haben. Darüber hinaus muss man kurzfristig auf hohe Einnahmen verzichten. Auch Risikobereitschaft gehört also zu so einem Tennis-Unternehmen. Allerdings: Wenn man erfolgreich ist, erhält man auch eine umso höhere finanzielle Belohnung.

Fehlt unseren Trainern dieses risikobereite pädagogische Engagement, dessen Traum es ist, herausragend talentierten Jugendlichen dabei zu helfen, ihre Kapazitäten voll auszuschöpfen? Sind wir in unserem Land nicht zu sehr auf Sicherheit bedacht (German Angst)? Sind unsere Trainer zu sehr von der Vollkasko-Mentalität, wie Soziologen den Handlungsstil unserer Mittelschichtbürger kritisch beschreiben, zu stark infiziert?

Wir erwarten als Trainer von unseren Schülern, dass sie alles geben, dass sie Schritt für Schritt neue Herausforderungen annehmen, dass sie nie ihren Traum vergessen. Müssen wir nicht gerade deshalb als Trainer diese außergewöhnliche Einstellung selbst vorleben?

Das klingt idealistisch. In anderen Ländern ist es aber schon real geworden.

Wir wollten über Finanzen diskutieren und schreiben über romantische Projekte, die in unserer neoliberalen Welt von vielen belächelt werden. Die Spötter vergessen eines: Jedes erfolgreiche wirtschaftliche Unternehmen hatte eine Voraussetzung: es gab eine außergewöhnliche Vision. Um diese Vision zu realisieren, muss man zuerst Vertrauen in den Erfolg dieses Projekts haben, dann zielgerichtet und engagiert handeln und andere von dem Gelingen des Unternehmens überzeugen. Auf dieser Stufe kommen dann die Finanzen in das Spiel und tragen dazu bei, dass nun unter besseren Voraussetzungen der Erfolg wahrscheinlicher wird.

Bevor wir Finanzierungen fordern, sollten wir zuerst durch eigene Leistungen das Interesse bei anderen wecken, Geld in das Projekt Tennis zu investieren!

Zum Schluss sachliche und konkrete Lösungsschritte:

Nichts ist unmöglich!

1.     Nationales Tennis-Image kreieren

2.     Breitensport und Spitzensport mit viel Liebe aufbauen

3.     Interesse in der Bevölkerung und bei den Sponsoren wecken

4.     Aufgrund von darstellbaren Leistungen Geld in der Wirtschaft akquirieren.

Ran an die Imagepflege…

Nico Olguin

19. Februar 2014
von admin
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“Steht die Schule dem Leistungstennis im Weg?”

In unseren vorausgegangenen Ausführungen zu den aktuellen Problemen des Tennissports haben wir in unserem Blog bereits auf die Schwierigkeiten hingewiesen, die Kinder und Jugendliche bewältigen müssen, um neben der Schule ihrem (Leistungs-) Sport nachzugehen. Diese Thematik soll in diesem Post näher erläutert und mögliche Auswege aus dem Dilemma des Nachwuchssports aufgezeigt werden.

Der Sport in Deutschland ist in unserer heutigen Zeit einem Wandel ausgesetzt: viele Veränderungen der sozialen und politischen Begebenheiten prägen eine ausdifferenzierte Sportlandschaft, die der individualisierten Gesellschaft Rechnung trägt. Jeder Bürger hat beinahe rund um die Uhr die Möglichkeit, den Sport seiner Wahl zu betreiben. Das Angebot ist gegenwärtig so groß, dass Tennis sich gegen viele neue Konkurrenten behaupten muss.

Die Kinder und Jugendlichen können aber nur eingeschränkt von dieser Situation profitieren: Durch die Strukturreformen der Schulen, die sich durch ihren Ganztagsbetrieb oder dem „Turboabitur“ (G8) in höherem zeitlichen Umfang dem Nachwuchs annehmen, bleibt die Freizeit und mit ihr auch das Sporttreiben häufig auf der Strecke.

Dieses Problem ist im Breitensport, in dem die Kinder ein oder zwei Mal pro Woche zum Sport gehen, mit gutem Zeitmanagement noch zu bewältigen. Hier treten allerdings Probleme bei der Platzauslastung der Tennisvereine auf: die Abendstunden sind durch die Berufstätigen und das Mannschaftstraining belegt, die sonst für das Jugendtraining eingeplanten Stunden am Nachmittag können nicht mehr genutzt werden. Leere Plätze am Nachmittag und Konflikte am Abend sind vorprogrammiert und schon Alltag in deutschen Tennisvereinen!

schultennis

Sportartübergreifend ist es aber fraglich, wie junge Leistungssportler ihren Traum verwirklichen können, da ihr Streben einen höheren Trainingsumfang verlangt und eine geistige Frische und physische Fitness während der Einheiten voraussetzt.

Wie sollen Jugendliche nach einem Schultag von 8 – 15 Uhr und anschließenden Schularbeiten noch motiviert, energiegeladen und voller Freude zum körperlich und geistig herausfordernden Sport gehen?

Viele Trainer kennen die leidige Erfahrung, dass ihre Talente nach Schule und Essen ausgelaugt auf dem Platz zum Training erscheinen. Da dauert es oft bis zur zweiten Hälfte der Trainingseinheit, bis der Spieler die nötige Energie für Konzentration und motorische Koordinationsleistungen bereit stellen kann.

Ein Nachwuchsspieler muss jeden Tag die Chance haben zu trainieren, um den vielfältigen Anforderungen, die der Leistungssport von den Talenten abverlangt, gewachsen zu sein. Andernfalls fehlen die Grundlagen, um später im nationalen und internationalen Vergleich mitzuhalten. Einige privat geführte Tennisakademien in der Bundesrepublik haben diese Problematik erkannt. Sie arbeiten eng mit lokalen Schulen zusammen und bieten ihren Spielern gute sportliche Trainingsmöglichkeiten und eine solide schulische Ausbildung. Es gibt bundesweit aber nur wenige professionelle Akademien. Da es kommerzielle Institutionen sind, kommen nur wenige privilegierte Talente in den Genuss dieser Art von Förderung.

Um denen zu helfen, die fernab von diesen Akademien ihren Tennissport ausüben und deren soziale Lage keine hohen finanziellen Investitionen erlauben, ist ein massiver Ausbau der Zusammenarbeit zwischen Schulen und Vereinen nötig. Sportlich ambitionierte Kinder müssen die Chance bekommen, einen Trainingsumfang zu absolvieren, der einen erfolgreichen sportlichen Werdegang und einen guten Schulabschluss ermöglicht.

Eine Möglichkeit der sportlichen Förderung im Einklang mit der schulischen Ausbildung sind Sportinternate. Mit dem Nachteil, dass Kinder von ihren Familien unter der Woche getrennt werden und sich wieder nur wenige Eltern finanziell dieses Privileg leisten können.

Ein anderer guter und unbedingt auszubauender Ansatz sind die Eliteschulen des Sports. An momentan 41 Schulen in Deutschland wird in Kooperation mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) den Schülern ermöglicht, ihren gewünschten Schulabschluss zu erlangen und nebenbei ihren spezifischen Leistungssport auszuüben. Das Training wird in den Stundenplan integriert und von den zuständigen Landesverbänden oder Olympiastützpunkten durchgeführt.

Für Schüler, die in der näheren Umgebung wohnen, ist dies sicher eine optimale Voraussetzung für sportlichen Erfolg. Andere haben  ein logistisches Problem: aufgrund der noch zu geringen Anzahl an Schulen müssen viele Schüler lange Wege auf sich nehmen und haben Schwierigkeiten ihre Sportart in ihrem vertrauten Umfeld im heimischen Verein nachzugehen. Beispielsweise besitzen Hamburg und Schleswig-Holstein lediglich eine Eliteschule des Sports, an der Leistungs-Tennisspieler in ihrem sportlichen Werdegang unterstützt werden. Bedenkt man die Größe der Bundesländer und die Verkehrssituation zur „Rush Hour“ kann ein Schulweg schnell über eine Stunde dauern. Addiert man den zeitlichen und finanziellen Aufwand der betroffenen Eltern über einen Monat oder ein Jahr, kommen Summen zum Vorschein, die eine vielversprechende Karriere schon früh im Keim ersticken können.

Eine Lösung, die für mehr Kinder optimale Bedingungen schafft, wäre die engere Kooperation der Schulen mit den Sportvereinen. Eine freiere Einteilung des Nachmittagsunterrichts, die es im Leistungssport engagierten Jugendlichen ermöglicht, ihre spezifische Sportarten unter fachlicher Anleitung und mit adäquaten Spielpartnern nachzugehen, würde hier Abhilfe schaffen. Es wäre somit Aufgabe der Städte und Kommunen, einen Dialog zwischen Schulen und Vereinen zu fördern, entsprechende Maßnahmen zu koordinieren und finanziell zu unterstützen.

Bildung und eine vielseitige sowie individuelle Förderung von Kindern und Jugendlichen sind Aufgaben der Institutionen Schule und Verein. Es sollte folglich selbstverständlich sein, dass diese Einrichtungen im Sinne der Heranwachsenden gemeinsam an der optimalen Förderung und Entwicklung teilhaben. Um Zeit zu gewinnen – und das ist wichtig im Interesse der Kinder und Jugendlichen – sollten aus dem Tennis heraus Initiativen gestartet werden, die in Zusammenarbeit mit Schule und Politik Wege aus dem Dilemma entwickeln. Das kann nicht allein Aufgabe der Vereine sein, da muss der DTB als Repräsentant des weißen Sports seiner Führungsrolle gerecht werden!

17. Februar 2014
von admin
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“Mit Teamgeist in eine bessere Tennis-Zukunft”

Tennis ist Einzelsport. Wirklich? Der organisierte Spielbetrieb der Vereine findet bundesweit in Teamwettbewerben statt – von der Kreisklasse bis in die Bundesliga. Die Zahl der deutschen Tennisspieler/innen, die in Mannschaften ihren Sport wettkampfmäßig ausführen, ist weitaus größer als die Zahl der Akteure, die als Individuen an Turnieren teilnehmen.

Das Doppel, das in unseren Landen imagemäßig ein stiefmütterliches Dasein fristet, ist eine Wettkampfform, die Abstimmung auf den Partner, also Teamgeist, voraussetzt, wenn man erfolgreich agieren will.

Die Definition des Begriffes „Teamgeist“ aus der Internetquelle „Wikipedia“ kann die weitreichende gesellschaftliche Bedeutung dieser Eigenschaft, aber auch seine besondere Rolle im Sport, verdeutlichen: „Teamgeist ist eine positive soziale Eigenschaft einer Gruppe von Menschen oder einer Mannschaft, meist im Sport. Das Team steht zusammen, um eine bestimmte Aufgabe erfüllen zu können. Das Wir steht dabei im Vordergrund und nicht das Ich. Teamgeist ist eine starke Form des Wir-Gefühls, die sich in gegenseitiger Unterstützung der Gruppenmitglieder ausdrückt.“

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Teamgeist ist eine Eigenschaft, die in unserem politisch-sozialen System eine wichtige Funktion hat, wenn es um das Verständnis für den Anderen, um Kommunikation, um Zusammenarbeit, um demokratisches Verhalten geht. Der Sport ist das ideale Feld, auf dem in spielerischer Form dieser gesellschaftlich relevante Aspekt eingeübt werden kann.

Teamgeist ist aber auch für den Einzelsportler im Hochleistungstennis wichtig, wie wir in anderen Posts schon herausgearbeitet haben: Der Profi spielt über das Jahr hinweg fast ausschließlich in der Fremde, muss sich in diese unbekannten Kulturen einleben, muss in einem Sprachraum kommunizieren, der zu Missverständnissen beitragen kann. Um sich hier optimal zu orientieren, ist ein Partner von Vorteil. Für eine nachhaltige Partnerschaft ist Teamgeist die wichtigste Voraussetzung. Teamgeist auf internationalen Turnieren fördert die individuelle Leistung!

In den letzten Wochen wurde uns  im Tennis-Spitzensport die Bedeutung des Teamgeistes deutlich vor Augen geführt: da tritt eine deutsche Fed-Cup-Mannschaft mit Teamplayern wie Andrea Petkovic und einem Teamchef, der Respekt und Vertrauen innerhalb der Mannschaft genießt, in Bratislava an, feiert einen großen Sieg und stellt sich rundum positiv in der Öffentlichkeit dar.

Eine Woche zuvor spielte das deutsche Davis-Cup-Aufgebot mit großem sportlichen Erfolg gegen Spanien und der Mangel an Teamgeist einzelner Spieler führte zum bekannten Eklat, der dem deutschen Tennis einen schweren Imageschaden zufügte.

Diese beiden Ereignisse sind ausführlich in sämtlichen Tennisforen diskutiert worden. Wir sollten aus diesen Erfahrungen lernen und uns fragen, wie Teamgeist im deutschen Tennis in Zukunft entwickelt werden kann.

Beginnen wir bei der Basis: Im deutschen Tennisunterricht – schon bei den Kindern – sollte das Doppelspiel in Zukunft wieder eine größere Rolle spielen. Ohne viele Worte lernen hier die Kinder Abstimmung mit dem Partner und eine Kommunikation, die auf ein gemeinsames Ziel gerichtet ist.

Darüber hinaus sollten die Vereinstrainer darauf achten, dass bei den erfolgreichen Talenten „die Bäume nicht zu früh in den Himmel wachsen“. Stellt sie gegen andere Spieler/innen des Vereins (auch wenn sie etwas älter sind), die noch stärker sind. Bei diesen Wettkämpfen lernt man Bescheidenheit, lernt sich selbst realistisch einzuordnen und sieht darüber hinaus auch deutlich die Mängel, an denen noch zu arbeiten ist.

Gebt diesen herausragenden Talenten Verantwortung für ihre Tennis-Peer-Group. Setzt sie als Coach ihrer Mitspieler auf die Bank bei den Punktspielen, gebt ihnen Aufgaben, die ihre Trainingsgruppe fördern. Erteilt ihnen zum Beispiel den Auftrag, Trainings- und Spieltermine untereinander außerhalb der geregelten Vereinstrainingsstunden zu organisieren. Mit diesen Maßnahmen wird Verantwortung übernommen, ein gemeinsames Ziel gefördert und der Blick auf die Mitwelt geschult.

Kommen wir zum Spitzensport Tennis: Die Fed-Cup-Mannschaft trat als Vorbild in Hinsicht auf Teamgeist auf. Dieses Auftreten ist natürlich gewachsen. Da kommuniziert Andrea Petkovic mit ihrer Konkurrentin Angie Kerber, um eine Trainingsgemeinschaft zu gründen, von der auf lange Sicht beide Spieler profitieren. Da ist mit Barbara Rittner ein Teamcoach, der sich kontinuierlich um seine Kaderspielerinnen kümmert. Der Trainingspläne abspricht, der weiterführende Kontakte herstellt und der auch ein Ohr für kleine private Sorgen seiner Schützlinge hat. Bei großen Turnieren sorgt sie dafür, dass das Team sich trotz der individuellen Ziele auch hier und dort gemeinsam trifft. Mit Weitblick bringt sie die nachfolgende Generation mit den aktuellen Topspielern zusammen.

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Wenn wir versprochen hatten, in unseren nächsten Post Lösungsvorschläge zu liefern, so gibt Barbara Rittner unserer Kreativität wenig Raum: sie handelt aktuell in Sachen Teamgeist mustergültig. Sie hat die Gefahr der Zersplitterung von Trainingsgruppen erkannt – und gebannt.

Das Auftreten des Herrenteams gibt uns viel mehr Möglichkeiten für Verbesserungsvorschläge…

Von vielen Seiten wird hier gefordert, die unverantwortlichen Spieler aus dem Kader zu werfen. Das klingt einfach, gerade wenn man den kurzfristigen Erfolg außer Acht lässt. Der Erfolg entscheidet in unserer schnelllebigen Zeit aber über das Image der jeweiligen Sportart. Suchen wir also nach Maßnahmen, die unabhängig von personellen Entscheidungen den Teamgeist der männlichen Profis fördern könnten.

Erster Schritt: die Vorbereitungszeit vor wichtigen Davis-Cup-Matches sollte verlängert werden. Andere Nationen machen das vor: sie treffen sich teilweise bis zu einer Woche vor dem entscheidenden Spiel. Spieler, die noch in den Endspielen ihrer jeweiligen Turniere stehen, kommen unverzüglich nach. Unterschiedliche gemeinsame Aktivitäten können während dieser Vorbereitung dazu beitragen, miteinander zu kommunizieren. Andere Sportarten können unseren Verantwortlichen bei den teambildenden Maßnahmen als Wegweiser dienen. Mannschaftssportarten wie Fuß-, Basket- oder Volleyball, in denen das harmonische Zusammenspiel der Individuen zum gemeinsamen Erfolg führt, machen auch unseren Spielern Spaß. Wir wissen, dass zum Beispiel Fußballtennis als Auflockerung seit Jahrzehnten zum Programm der deutschen Davis-Cup-Teams gehört, aber die oben genannten mannschaftsbildenden Spiele sollten einen größerem Raum in der zukünftig verlängerten Vorbereitungszeit finden. Auch außergewöhnliche gemeinsame Aktivitäten wie Freeclimbing oder Curling hätten eine besondere Funktion, weil sie dazu beitragen, dass die Spieler sich gegenseitig unterstützen müssen. Spätestens beim risikoreichen Freeclimbing begreift auch der letzte „Zauberlehrling“ am eigenen Leib, wie Teamgeist ihm bei seinen individuellen Leistungen helfen kann.

Darüber hinaus sollte gewährleistet werden, dass der Team-Captain kontinuierlich über die Saison hinweg mit seinen Spielern und ihren Verantwortlichen(!) kommuniziert. Der Kapitän sollte zumindest bei allen Grand-Slams und bei den großen deutschen Turnieren vor Ort sein und seine Kaderspieler – und die nachfolgende Generation! – aktiv begleiten. Regelmäßige gemeinsame Treffen der Trainer und Kaderspieler in einem „deutschen Haus“ in den verschiedenen internationalen Turniermetropolen könnten dafür sorgen, dass das Miteinander gefördert wird und die Identifikation mit einem gemeinsamen Ziel stärker entwickelt wird.

Das Präsidium des DTB sollte in Zukunft dafür sorgen, dass dem Teamkapitän „der Rücken gestärkt wird“. Dazu bedarf es verpflichtender Verträge mit den Spielern, die alle Eventualitäten berücksichtigen. In diesen Vereinbarungen, die natürlich auch finanzielle Honorierungen beinhalten, sollten auch Maßnahmen oder Strafen gegen Verstöße ausformuliert werden. Durch derartig detaillierte Abkommen hat der Team-Kapitän eine rechtliche Grundlage, die seine Position bei eventuellen Auseinandersetzungen stärkt.

Dieser Post ist sehr lang geworden, obwohl längst nicht alle Aspekte dieses Themas Eingang in den Text gefunden haben. Denken wir jetzt nicht weiter über Möglichkeiten nach, ergreifen wir sie! So schnell wie möglich…