6. Februar 2014
von admin
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“Beiß nicht in die Hand, die dich füttert!”

Vor einem halben Jahr sind wir mit diesem Tennisblog angetreten, um Bewegung in das deutsche Tennis zu bringen. Von der stetig steigenden Zahl der Besucher waren wir Blogger dann angenehm überrascht., Das Internet sollte in unseren geheimsten Träumen aber auch dazu beitragen, eine Art Community, die aktiv mit neuen und frischen Ideen in das nationale Tennisgeschehen eingreift, in das Leben zu rufen. Unsere kühnen Erwartungen wurden bisher nicht erfüllt. Es waren nur wenige, die sich  mit uns durch Kommentare oder E-Mail-Beiträge in Verbindung gesetzt und die starkes Interesse gezeigt hatten, dass „deutsche Tennisboot“ auf neuen zukunftsweisenden Kurs zu bringen. Einer dieser „Mitarbeiter“ war Nico Olguin, ein junger deutscher Ranglistenspieler, der aufgrund guter Kontakte in letzter Zeit tiefere Einblicke in das internationale Tennissystem gewinnen konnte. Er hatte Arbeitsaufträge bei verschiedenen Davis-Cup-Begegnungen, er hat an einem  Vorbereitungscamp mit internationalen Spitzenstarsin Kenia teilgenommen, er stand einem jungen Profi aus der USA mehrere Wochen lang  beratend zur Seite und er hatte zuletzt bei den Australian Open Gelegenheit, hinter die Kulissen des Showsports Tennis zu blicken.

Nico hatte uns jetzt einen Kommentar geschickt, der sich mit dem aktuellen Eklat anlässlich der Davis-Cup-Begegnung gegen Spanien auseinandersetzte.   

Wir boten ihm an, seine Gedanken in dem heutigen Post unseres Blogs zu veröffentlichen. Wir hoffen, dass diese Entscheidung andere junge oder ältere Tennisenthusiasten dazu motiviert, ihre Ideen oder Kritiken noch engagierter in die Öffentlichkeit zu tragen

Vorhang auf! -  für Nico Olguin:

„MITARBEITER“

Dieser sogenannte „Eklat“ im deutschen Tennis zeigt, dass in unserem deutschen Tennissystem etwas gewaltig schief läuft. Carsten Arriens hat gezeigt, was passiert, wenn man versucht gegen Windmühlen zu kämpfen. Der Wind, den unsere besten deutschen Tennisspieler selber erzeugt haben, pfiff Arriens im wahrsten Sinne des Wortes um die Ohren.

Olgupic

„Beiß nicht in die Hand, die dich füttert.“

Wer hatte eigentlich die Möglichkeit und die Muße unseren sogenannten TOP-Leuten zuerklären, dass wenn weder Haas noch „Kohli“ antreten, das Image des größten Tennisverbands der Welt zu Schaden kommt. Oder hat im Rausch der Freude niemand die Bedrohung gemerkt?

In dem Post “Viva Viver” (http://stop-lob-blog.de/?p=291) gibt es ein Beispiel für einen perfekten MITARBEITER im professionellen Tennis. Viver wusste, dass seine Aktion auf lange Sicht dem gesamten Tennissport dient, seine Entscheidung fair zu spielen, machte das gesamte UNTERNEHMEN (professionellesTennis) zu einem besseren UNTERNEHMEN. Er hat selber dafür gesorgt, dass das Klima am Arbeitsplatz angenehmer wird oder zumindest das gute Klima erhalten bleibt.

Arriens hat bewiesen, dass er auch in der Lage ist ein gutes Arbeitsklima herzustellen, siehe Doppel Haas und Kohli, aber…

Ein gutes Klima am Arbeitsplatz reicht nicht, wenn das Unternehmen pleite ist, denn dann gibt es keinen Arbeitsplatz mehr.

Vielleicht bedarf es einem „nicht Profi“, es den PROFIS zu erklären…

Als Hilfe:

Ein Profi, Kurzwort von veraltend Professionist, ist jemand, der im Gegensatz zum Amateur oder Dilletanten eine Tätigkeit beruflich oder zum Erwerb des eigenen Lebensunterhalts als Erwerbstätigkeit ausübt. (WIKIPEDIA)

Ich überspringe mal ein paar Gedankengänge und behaupte, dass es professionellen Tennissport nur deswegen gibt, weil es in unserer kapitalistischen Welt ein Angebot und eine Nachfrage danach gibt.

Wer es also geschafft hat, in diesem Tennissystem einen Platz zu finden, der sollte sich mal fragen, was passiert, wenn die Nachfrage nach diesem Produkt sinkt…

Eines  BWL Studiums bedarf es sicherlich nicht, um diese Frage zu beantworten.

Mitarbeiter des Jahres sind: Rafael Nadal und Roger Federer

Nicht nur, dass die beiden die am besten bezahlten Tennisspieler des Planeten sind, sie sind auch die besten Botschafter für den Sport.

Wer die Gelegenheit hat, „Rafas“Auftreten in der Tennisszene zu verfolgen, kann schnell erkennen, dass er alles für seine eigene Entwicklung und für den Tennissport gibt. Rafa spielt auch für das Publikum, denn er weiß:

Umso größer der Hype um ihn ist - umso mehr Leute wollen ihn Tennisspielen sehenum so mehr Leute wollen Tennis sehen - da das Interesse an Tennis immer größer wird, wollen mehr Sponsoren investieren - mehr Geld - bessere Chancen, Tennis nach außen noch attraktiver darzustellen - mehr Interessenten (Zuschauer, Sponsoren, Spieler…) - mehr Sponsoren - mehr Preisgeld - größere Sponsoren- Deals…

Und was machen unsere Jungs vom DTB? Die Aktion vom Wochenende ist ganz bestimmt nicht geeignet, in Deutschland einen neuen Tennishype auszulösen…

5. Februar 2014
von admin
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“Fragen über Fragen zum Frankfurter Davis Cup Skandal”

Fünftausend Tennisenthusiasten strömen in die ausverkaufte Frankfurter Ballsporthalle, um das deutsche Davis-Cup-Team im Kampf gegen Spanien zu unterstützen. Vielleicht wollten sie auch die Topspieler Nadal und Ferrer sehen – aber die hatten wegen Verletzungen vorher abgesagt. Unbeeinflusst von dieser leisen Enttäuschung unterstützt dieses Publikum mit ungewöhnlicher Begeisterung die deutschen Spieler an den ersten beiden Tagen und trägt mit dazu bei, dass der prestigeträchtige Sieg gegen die Iberer schon am zweiten Spieltag gelingt. Die Spieler feiern, loben das phantastische Publikum und bekunden, dass sie so etwas in ihrer Tenniskarriere noch nie erlebt haben.

Das alles ist am dritten Tag vergessen. Es findet sich kein Spieler, der zum vierten (okay, nicht mehr spielentscheidenden)  Einzel antritt – alle sind verletzt. Der Davis-Cup-Coach erklärt dem Publikum die Entscheidung: ein wütendes Pfeifkonzert der Zuschauer, die für 2 Tagesmatches teuren Eintritt bezahlt haben, ist die Resonanz. Als später der Verbandspräsident Altenburg an das Mikrofon tritt, um die Lage zu erklären und um dem Frankfurter Publikum eine Entschädigung anzubieten, kommt er kaum zu Wort. Die Enttäuschung, die Entrüstung ist nicht mehr zu stoppen.

dtb

Am nächsten Tag berichten die Medien in wenigen Zeilen von dem überraschenden sportlichen Sieg und sehr ausführlich von dem Eklat in Frankfurt. Diese mediale Reaktion kann nicht einmal den Platzwart vom TC Hintermberg überraschen.     

Wir haben vergeblich versucht, uns bei einigen Protagonisten und Verantwortlichen über Hintergründe des Geschehens zu informieren. Da wir keine Antworten bekommen haben, ist es journalistisch gerechtfertigt, in diesem Text die Fragen zu stellen, die jedem engagierten Tennisfan aufgrund der Vorfälle durch den Kopf gehen.

Beginnen wir mit der Frage, die von menschlichem Mitleiden geprägt ist: Haben die Spieler einen frühen Anfall von Demenz in der Nacht vom Samstag auf Sonntag erlitten? Freitag und Samstag waren sie dem Publikum dankbar, haben mit ihm die Siege gefeiert und es wurde von unvergesslichen Erlebnissen gesprochen, die auch – oder gerade! – aufgrund der Begeisterung der Zuschauer hervorgerufen wurden. Das war schnell vergessen am nächsten Tag. Als Grund der Absage wurden die Verletzungen der in Frage kommenden Akteure genannt. Hoffen wir also alle auf eine Wunderheilung, die es dann einzelnen dieser Spieler ermöglicht, in der laufenden Woche wieder auf der ATP-Tour zu spielen.

Bei aller um Verständnis ringender Identifikation mit den Sportlern taucht in diesem Zusammenhang trotzdem die folgende Frage auf: War das Verhalten unserer nationalen Repräsentanten professionell? Übernimmt man im Tennisberuf keine Verantwortung für das gesamte System? Sind die zahlenden Zuschauer nicht auch ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor? Glauben einige deutsche Tennisprofis, dass sie abgekoppelt von der medialen Öffentlichkeit agieren?  Hat der Davis-Cup-Spieler, der für seinen Einsatz nicht nur mit freundlichem Schulterklopfen vom DTB honoriert wird, nicht auch die Aufgabe, über seine Nase hinweg zu schauen und den möglichen Imageschaden des deutschen Tennis in den Medien zu berücksichtigen? Entschuldigen wir die Spieler hier mit Kurzsichtigkeit, dann wirft das die nächste Frage auf: haben unsere Tennisspieler keine Manager, die sie mit Durch- und Weitblick beraten? Ein sympathisches und verantwortungsvolles Auftreten macht sich spätestens bei den Werbeverträgen bezahlt. Wird diese Regel nicht berücksichtigt, wird nicht nur ein ethischer Fehler begangen, sondern Profit verspielt. Und das schmerzt – nach allen Vorurteilen in der Öffentlichkeit – die Tennisprofis und ihre Manager am meisten.

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Betrachten wir die nächste Ebene, die Verbandsvertreter, genauer: Hat der neue Teamcoach Carsten Arriens keinen Einfluss auf seine „Schützlinge“? Hat er gar keine Entscheidungsgewalt? Arriens stellte sich vor sein Team (Team?) und bat um Verständnis bei den verprellten Zuschauern. Das war mutig – das war von vornherein vergeblich. Er wusste sicherlich von seiner absurden Aufgabe. Kein normaler Mensch hätte gern an seiner Stelle diesen Auftritt gehabt. Wir möchten lieber nicht wissen, wie hinter verschlossenen Türen zwischen verweigernden Profis und dem Nationalcoach vor den Sonntagsmatches verhandelt wurde… Auf jeden Fall war das keine optimale Vorbereitung für Daniel Brands, der im dritten Einzel seine Nation mit Verantwortungsgefühl und Bravour vertrat.

Damit kommen wir zu dem letzten Fragenkomplex: Hatte der DTB bei seinen Verträgen mit den Spielern nicht dieses Szenario, wie es sich am Samstagabend nach der uneinholbaren 3:0-Führung anbahnte, vor Augen gehabt? Das würde allerdings einen Mangel an Erfahrung und Erkenntnis zeigen. In der langen Geschichte des Davis-Cups hatte es diese Situation schon mehr als hundert Mal gegeben. Am Anfang der Davis-Cup-Historie waren die Verpflichtungen noch weniger komplex: die TV-Medien spielten kaum eine Rolle, die Printmedien hatten Tennis noch als Sport der Adligen verkannt und die Tennisspieler freuten sich noch, sich mit ihren internationalen Gegnern individuell messen zu dürfen – unabhängig von dem Stand des Nationen-Vergleiches. Diese Zeiten sind vorbei. Das weiß auch DTB-Präsident Altenburg, der sich von Anfang an als Liebhaber des Zeitgeistes dargestellt hat. Ist die  Distanz zu seinen Akteuren zu groß, um sinnvoll auf sie einwirken zu können?

Wir beenden unsere Fragen mit einer pragmatischen Forderung: in Zukunft sollte der DTB mit seinen Davis-Cup-Repräsentanten klare und detaillierte Verträge aushandeln, die alle Eventualitäten umfassen. Damit wir nach glorreichen Siegen auch hinter her noch Spaß haben.

P.S.

Da Charly Steeb als Tennisfachmann nicht mehr zur Verfügung steht, sollte der DTB so schnell wie möglich einen Verhandlungsführer präsentieren, der sich in der komplexen und sensiblen Welt des internationalen Profitennis auskennt und der von den deutschen Spielern respektiert wird.

 

Für alle Tennisromantiker, die gerne an das vergangene Wochenende zurück blicken möchten,  haben wir noch ein Video mit den Highlights vom erfolgreichen deutschen Doppel.

3. Februar 2014
von admin
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Davis Cup in Frankfurt: Sportlicher Glanz mit fadem Beigeschmack

In der ausverkauften Frankfurter Ballsporthalle fand am vergangenen Freitag das Achtelfinale des Davis Cups zwischen Deutschland und Spanien mit den ersten beiden Einzeln statt. Schon der fast fehlerlose Auftritt Philipp Kohlschreibers im ersten Einzel gegen Bautista Agut sorgte bei den 5000 Zuschauern für Begeisterung. Mit 6:2, 6:4, 6:2 brachte Kohlschreiber Deutschland gegen die ersatzgeschwächt antretenden Spanier in Führung. Die Atmosphäre beim anschließenden Match von Florian Mayer gegen Fernando Lopez erinnerte an frühere Glanzzeiten des deutschen Tennis. In einem spannenden Match auf Augenhöhe trieb das leidenschaftliche Publikum Mayer zum 7:6, 7:6, 1:6, 5:7 und 6:3 Sieg gegen Feliciano Lopez.

davis cup

„So etwas habe ich selten erlebt, das sind Erinnerungen, die bleiben werden“, kommentierte Florian die bedingungslose Unterstützung der Tennisfans in Frankfurt.

Am Samstag zeigte die deutsche Mannschaft Teamgeist: die alte Rivalität zwischen Haas und Kohlschreiber wurde vergessen und gemeinsam triumphierten die beiden im Doppel gegen die favorisierten Verdasco und Marrero mit 7:6, 6:7, 7:6, 6:3. Die auch an diesem Tag ausverkaufte Halle tobte, als Deutschland uneinholbar mit 3:0 in Führung gegangen war. Tommy Hass strahlte und versprach auch im Viertelfinale des Davis Cups dabei sein zu wollen. Philipp Kohlschreiber beschrieb die neue Eintracht im Team: „Wir haben uns gegenseitig gepusht und eine Klasse-Vorstellung abgeliefert.“

Die Einzel am Sonntag waren somit nicht mehr von Bedeutung. Und die deutsche Truppe ließ das Publikum spüren, dass sie keinerlei Interesse mehr an den letzten Matches hat. Die drei Topspieler Haas, Kohlschreiber und Mayer meldeten sich krank und verzichteten auf einen Einsatz. Nur Daniel Brands nahm es sportlich und holte mit einem glatten Zweisatz-Sieg gegen Bautista Agut den vierten Punkt. Gratulation Daniel! Das war professionell.

brands

Die Nachricht, dass die Profis ein Match „abschenken“ würden, wurde vom Publikum, das teures Eintrittsgeld für 2 (!) Tages-Matches gezahlt hatte, mit einem Pfeifkonzert zur Kenntnis genommen. Zu Recht! Dieses Verhalten spricht von mangelnder Verantwortung der Spieler, ist stillos und ist eine Undankbarkeit gegenüber einem phantastischen Publikum, das sich so vorbildlich mit dem deutschen Tennisteam identifiziert hatte. Die emotionale Atmosphäre der Vortage, der Imagegewinn für den Tennissport durch das sportlich erfolgreiche Team, war somit nach einem Tag wieder verloren. Wieder mal eine Chance vertan…

Mit diesem Sieg über Spanien hat Deutschland das Viertelfinale erreicht. Dort wird das Team auf Frankreich treffen, .das sich gegen Australien durchgesetzt hat. Auch wenn bei den Iberern Nadal und Ferrer nicht antraten – dieser Sieg hätte eine hoffnungsvolle Zukunft des deutschen Tennis einleiten können! Das Team um Coach Arriens hat in Frankfurt einiges geleistet, um das Image des deutschen Tennis aufzupolieren. Und einiges, um es gleich wieder zu verdunkeln.

Was bleibt Positives zu sagen? Mit ihrem Sieg haben die deutschen Tennisstars es ihren nationalen Kollegen vom Fußball vorgemacht, wie der Erzfeind Spanien bezwungen werden kann. Hoffentlich zieht die Fußball-Nationalelf in Brasilien bei der Weltmeisterschaft nach!