7. Januar 2014
von admin
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“Resilienztraining in der Praxis”

In den Wildnissen heimischer als in den Tempeln   (Friedrich Nietzsche)

In drei Folgen hatten wir in unserem Blog Texte über die Bedeutung von Resilienz in der Gesellschaft und für das Tennis in das Netz gestellt. Die Besucherzahlen bewiesen, dass ein hohes Interesse an diesem Thema vorliegt.

Um die Resilienzserie sinnvoll abzurunden, wären Vorschläge für Trainingseinheiten, die Resilienz herausfordern, optimal gewesen. Mit diesem Post kommen wir dieser Wunschvorstellung nach: wir haben uns die Kamera gegriffen und einen Clip gefilmt, der eine exemplarische Übung für die Entwicklung von Resilienz im Tennis darstellt. 

Bevor ihr auf den Startknopf des Videoclips klickt, noch einige Hinweise zum Geschehen: Es wird eine Trainingsform gezeigt, die in unseren Landen als „Wildern“ bezeichnet wird. Diese Bezeichnung ist von einem 12-jährigen Mädchen nach dieser Übung geprägt worden und ist so charakteristisch, dass es mittlerweile allgemein übernommen worden ist. Aus den folgenden Szenen wird wohl ersichtlich, warum dieser Name seine Berechtigung hat.

Die Trainingsform „Wildern“ fordert folgende Einstellungen heraus, die für die Entwicklung von Resilienz entscheidend sind: bei den hohen Fitnessanforderungen ist man gezwungen, sich immer wieder neu zu motivieren; das gegenseitige Aufmuntern und Anfeuern des Partners schafft Bindung und Teamgeist; es entstehen permanent neue Situationen und überraschende Momente, die für Spaß sorgen. Nicht zuletzt sind die Spieler gezwungen, immer wieder neue Lösungswege in der Defensive zu finden.

Generell ist die Trainingsform für Wettkampfspieler: unter hohem zeitlichen Druck wird das gesamte Schlagrepertoire – außer dem Aufschlag – das im Turniertennis zum Einsatz kommt, herausgefordert.

„Wildern“ kann aber auch auf niedrigeren Leistungsniveaus sinnvoll eingesetzt werden. Beim folgenden Video haben wir eine Gruppe von Talenten ausgewählt, bei der die Resilienz aber noch zu trainieren ist.

Damit das wilde Geschehen besser zu verstehen ist, stellen wir noch kurz die Spielregeln dar: Das Spiel wird in Doppel-Form ausgeführt. Nur die Netzspieler können Punkte gewinnen. Wenn sie den Ballwechsel am Netz verloren haben, müssen sie sich unverzüglich zu der eigenen Grundlinie zurück bewegen, weil der nächste Ball erst nach dem einmaligen Aufsprung zurück geschlagen werden darf. Sieger ist das Doppel, das am Netz sieben Punkte hintereinander gewonnen hat.

Ist das zu kompliziert, um verstanden zu werden?

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Schaut euch den Clip gelassen an, aus den bunten Bildern wird viel deutlicher ersichtlich, um was es geht.

Zuletzt noch ein Satz zum Verhalten des Trainers, dessen Aussage nicht nur für dieses Spiel gilt:

„Über Gift und Medizin entscheidet die Dosierung“!

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4. Januar 2014
von admin
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“Gelungener Start – das deutsche Tennis schlägt auf im Jahre 2014″

Nach der kurzen Winter – Weihnachtspause ist die neue Tennissaison der Profis gestartet. In den wärmeren Gefilden der Erde bereiten sich die Profis auf die kommenden Australien Open vor. Glänzend ins Jahr gestartet sind einige der deutschen Spielerinnen und Spieler, die auf den fernen Hartplätzen Achtungserfolge feiern konnten.

beck

Bei den Damen waren es nicht die etablierten Topspielerinnen, die zu Saisonstart die Aufmerksamkeit auf sich zogen. Während S. Lisicki ihr erstes Turnier absagen musste, schaffte A. Kerber den Sprung ins Viertelfinale von Brisbane/ Australien. Hier musste sie sich der schon im letzten Jahr wiedererstarkten J. Jankovic nach hartem Kampf in 3 Sätzen geschlagen geben. Wirklich überzeugen konnte die erst 19 jährige Annika Beck. Sie kämpfte sich in Shenzhen/ China bis ins Halbfinale vor. Erst dort unterlag sie Li Na, der aktuellen Nr. 3 der WTA-Weltrangliste. Wir sind gespannt, was die junge Deutsche uns dieses Jahr noch zeigen wird.

Positive Überraschungen gab es bei den Herren auf der ATP Tour zu bestaunen. In Doha/ Quatar schafften es gleich zwei Deutsche ins Halbfinale, die das fachkundige Publikum vor dem Turnier  nicht unbedingt zum Kreis der Favoriten gezählt hat. F. Mayer schaltete auf seinem Weg ins Semifinale unter anderem den Wimbledonsieger A. Murray aus, ehe er in G. Monfils seinen Meister fand. Noch beeindruckender Spielte sich der deutsche Qualifikant P. Gojowczyk in die Herzen der Zuschauer. Nachdem er auf seinem Triumphzug ins Halbfinale mit Kohlschreiber und Brown die deutsche Konkurrenz bezwang, konnte er sich gegen den Weltranglistenersten R. Nadal im ersten Satz durchsetzen, ehe dieser seine außergewöhnlichen Fähigkeiten nutzte und in gewohnter Manier das Mach drehte. Ein starker Jahresbeginn für den 24 jährigen aus Dachau.

gojowczyk

Auch D. Brands konnte mit einem Sieg gegen D. Ferrer im Achtelfinale von Doha auf sich aufmerksam machen, musste sich danach allerdings auch dem späteren Mayer-Bezwinger Monfils geschlagen geben.

Ein gelungener Start ins Jahr 2014 für den DTB, bei dem vor besonders die „zweite Reihe“ der Profis auftrumpfen konnte. Neben den etablierten Kerber, Lisicki, Haas, Mayer und Kohlschreiber haben sich mit Beck, Brown, Brands und Gojowczyk gleich mehrere andere deutsche Spieler in den Fokus gespielt. Und vielleicht schafft es A. Petkovic nach ihrer langen Leidenszeit wieder dauerhaft gesund zu bleiben und zu ihrer alten Stärke zurück zu finden.

Das lässt auf eine aus deutscher Sicht interessante Saison hoffen, die – basierend auf dem wachsenden Interesse am Tennis – einen sportlichen und auch in der öffentlichen Berichterstattung bemerkbaren Aufstieg nach sich ziehen könnte.

Wir behalten die Spielerinnen und Spieler im Auge und warten voller Vorfreude auf die in 14 Tagen beginnenden Australien Open, dem ersten Highlight der Tennissaison.

Als bunten Abschluss haben wir für euch die Highlights des Halbfinals von Gojowczyk gegen Nadal angehängt.

2. Januar 2014
von admin
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“Prinzipien des Tennistrainings, um Resilienz zu lernen”

Wie man zum Fels in der Brandung wird

Wir hatten die Merkmale der Resilienz – Offenheit für Veränderungen, Frustrationstoleranz, Zuversicht, Wege aus der Krise finden, lösungsorientiertes Verhalten, Humor und vertrauensvolle Beziehungen zu anderen Menschen – in ihrer jeweiligen situativen Bedeutung im Tennis im letzten Post dargestellt. In zahlreichen Untersuchungen wurde festgestellt, dass die erfolgreiche Widerstandskraft nicht unbedingt alle diese Faktoren zusammen benötigt. Deutlich wurde nur eines: das Zusammenwirken der verschiedenen Einstellungen führt zum Gelingen – da kann eine einzelne Eigenschaft ruhig etwas weniger ausgeprägt sein. Andererseits reicht eine einzelne, noch so stark ausgeprägte, Eigenschaft allein nicht aus, um dauerhaft resilient zu sein.

nadaltraining

Deshalb ist es von Vorteil, im Tennistraining, das Resilienz fördern will, das Ensemble der Resilienzmerkmale  in den jeweiligen Bewegungsaufgaben heraus zu fordern.

Die zweite Voraussetzung für das Lernen von Resilienz im Tennistraining hängt mit der Aufgabenstellung zusammen. Die Aufgaben müssen so gestellt werden, dass die Spieler nicht einer festgelegten technischen Form entsprechend trainieren sollen, sondern dass ihnen inhaltliche Ziele gegeben werden. (z. B. eine bestimmte Anzahl von Bällen – in einen bestimmten Zielraum –  in einer vorgegebenen Zeit). Damit wird den Trainierenden von vornherein Raum für eigenständige Experimente gegeben. Nur so können individuelle Lösungen herausgefordert werden; nur so kann sich Selbstbewusstsein entwickeln. Jeder eigene Schlag, der erfolgreich gespielt wurde, zeigt dem Spieler an, welches Potential in ihm steckt. Jede weitere erfolgreiche Lösung lässt seine Zuversicht, Probleme selbständig lösen zu können, wachsen. Selbstbestimmt statt fremdbestimmt ist das Motto dieser Trainingsmethoden!

Diese sogenannten Bewegungsaufgaben, die sich stark vom standardisierten Techniktraining unterscheiden, können dadurch variiert werden, dass man unterschiedliche Bälle benutzt, dass man die Bälle stufenweise schwieriger anspielt, dass man die Zielräume verändert. Dadurch wird zusätzlich Offenheit gefördert – Anpassungen an Veränderungen eingeübt.

Wenn man die Aufgabenstellung von Stufe zu Stufe erschwert, bis in einen Bereich hinein, der die aktuellen Fähigkeiten sogar ein wenig überschreitet, wird der individuelle Umgang mit Frustrationen herausgefordert. Auch wenn es quälend wird, sollten die Aufgaben nicht abgebrochen werden, bevor die vorher definierten Minimalziele nicht erreicht wurden. Dadurch entwickelt sich Geduld und Durchhaltevermögen – zwei Eigenschaften, die mit Frustrationstoleranz eng verbunden sind.

Der Trainer spielt in diesen Aufgaben nicht die Rolle des Instrukteurs, sondern des Motivators. Er wirkt wie ein Coach, der herausragende individuelle Leistungen lobt, der bei Nachlassen aufmuntert, der deutlich macht, dass man aus Fehlern nur lernen kann. Außerdem fordert er die Teilnehmer im Gruppentraining dazu auf, sich gegenseitig mit Ratschlägen zu unterstützen. Dieses Verhalten sorgt für die – für  Resilienz so wichtige – vertrauensvolle Bindung. Idealer Weise ist der Trainer zugleich mitfühlender Förderer und Fordernder, der die Akteure klar in ihren individuellen Leistungsvermögen erkennt und unterscheidet. Wenn gegenseitiges Vertrauen herrscht, kann er auch Leistungen herausfordern, die den subjektiv gefühlten momentanen Fähigkeitsstand der Lernenden sogar ein wenig überschreiten. Damit appelliert er an den Mut seiner Schüler, der meist erforderlich ist, wenn man Wege aus Krisen finden muss.  

Kommen wir zum Humor, der eine wichtige Rolle bei Resilienz spielt. Humor ist die Gabe eines Menschen, die Unzulänglichkeiten der Welt und der Menschen, den Schwierigkeiten und Missgeschicken des Alltags mit heiterer Gelassenheit zu begegnen. Aus dieser Definition wird deutlich der Zusammenhang mit der Widerstandskraft ersichtlich: Menschen mit Humor nehmen Widrigkeiten gelassen hin, sie jammern nicht über Probleme, sondern akzeptieren sie lächelnd. Das ist die beste Voraussetzung, Probleme mit konstruktiven Experimenten zu lösen. Wer Humor hat, verzweifelt nicht an eigenen Fehlern, sonder kann aus ihnen lernen. Aufgabe des Trainers ist es, diese gelassene Haltung zu fördern, indem er bei den Aufgaben die Lernenden auch zu außergewöhnlichen individuellen Experimenten motiviert. Selbst das Scheitern bei diesen Experimenten fordert das Lachen bei Akteur und Mitspieler heraus, weil es keine festgelegte Form nachzuahmen gilt und weil gerade die misslungenen Experimente für lustige Situationen sorgen.

Bei dem Thema Humor können wir den Unterschied zwischen Resilienztraining und herkömmlichen Tennisunterricht verdeutlichen: Um die Schüler bei Laune zu halten, spielt Spaß im Unterricht eine große Rolle. Da darf ruhig einmal herumgealbert werden. Im Resilienztraining hat der Spaß eine klare Funktion: er entsteht aus der Aufgabe, er trägt zum Mut bei, ungewöhnliche Ausführungen zu wagen und er sorgt für Bindung in der Gruppe. Spieler/innen, die von sich Leistungen erwarten, haben am meisten Freude, wenn sie erfolgreich sind. Das zeigen ihre fröhlichen Gesichter nach erfolgreichen Lösungen. Der Spaß dient hier nicht nur der Unterhaltung, sondern ist der Lohn für außergewöhnliche Leistungen.

Diese Argumentation stellt klar, dass Resilienztraining am wirksamsten bei Schülern ist, die einerseits motiviert sind, besondere Leistungen zu erbringen, die anderseits auch über das Rüstzeug im Tennis verfügen, um diese Herausforderungen erfolgversprechend zu realisieren.

Im Tennistraining kann deshalb hauptsächlich im Leistungsbereich Resilienztraining dazu beitragen, Wettkampf – und Siegermentalität zu fördern, unermüdlichen Kampfgeist zu entwickeln.

In abgewandelter Form könnte aber auch ein Tennisunterricht im Breitensportbereich, der mit verschiedenen – oben angedeuteten – Methoden Resilienz zum konkreten  Ziel der einzelnen Unterrichtseinheiten macht, einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag leisten.