20. Dezember 2013
von admin
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“Bumm! Bumm! Boom?”

Dem Image des deutschen Tennis wurde zum Jahresende noch einmal auf die Sprünge geholfen: Bei der Wahl der Sportler des Jahres 2013 in Baden-Baden landete Sabine Lisicki hinter der Speerwurf-Weltmeisterin Obergföll und vor der Skiweltmeisterin Maria Höfl-Riesch bei den Frauen auf Rang zwei. Damit stellten die Sportjournalisten unsere Sabine auf die gleiche Stufe wie Sebastian Vettel, der bei den Männern hinter dem Diskuswerfer Harting und vor dem Stabhochsprung- Weltmeister Holzdeppe ebenfalls auf den zweiten Platz gewählt wurde.

Diese Anerkennung der Leistungen Lisickis in Wimbledon ist ein Zeichen dafür, dass das deutsche Tennis in den Medien doch noch eine bedeutungsvolle Rolle spielt. Viele Welt- und Europameister anderer olympischen Disziplinen rangierten hinter der Wimbledon-Finalistin, die gegenwärtig auf Rang 15 der WTA-Weltrangliste geführt wird. Wenn man bedenkt, dass Angelique Kerber auf Position 9 der aktuellen Damen-Weltrangliste rangiert, dann wird deutlich, dass nicht allein die sportliche Leistung Sabines zur Ehrung beigetragen hat. Sicherlich war ihr – auch international anerkanntes – sympathisches Auftreten auf dem heiligen Rasen des Tennismekkas von Bedeutung. Darüber hinaus bringt sie ein wenig Glamour in den deutschen Frauensport. Sabine weiß, wie sie sich den Medien präsentieren muss. Ihre Affäre mit Oliver Pocher trägt wohl auch dazu bei, ihren Bekanntheitsgrad zu erhöhen.

beckerlisicki

Bei diesem Geschehen wollen wir nicht verhehlen, dass es uns lieber wäre, wenn Sabine sich weiterhin auf ihre sportliche Karriere und die Leistungen im Tennis konzentrieren würde. Anderseits sorgt ihre Beziehung zu dem Komiker für eine höhere Aufmerksamkeit des Tennis in den einschlägigen Medien, die gerade vom Nachwuchs rezipiert werden. Wir hoffen, die Berlinerin findet das richtige Maß zwischen öffentlichem Blitzlichtgewitter und der engagierten und professionellen Ausübung ihres Sports. Ihr Management wäre gut beraten, sie bei diesem Spagat gewissenhaft zu unterstützen. Grundsätzlich bringt das öffentliche Interesse an Sabine Lisicki Farbe in die Berichterstattung und verleiht dem Tennis einen Imagegewinn.

Zu diesem Thema passt dann auch die Meldung, dass Boris Becker im nächsten Jahr von Nole Djokovic bei großen Turnieren als Berater verpflichtet worden ist. Wie bei allen Nachrichten über Boris in letzter Zeit, wird auch diese Kooperation von der Presse noch mit Skepsis aufgenommen. Da spielen wir nicht mit – wir sehen das pragmatischer: Diese neue Aufgabe wird der Fitness von Boris dienen und wir werten das Angebot des serbischen Tennis-Superstars als einen weiteren Ausdruck davon, dass deutsche Turniererfahrung und Leimener Wettkampfpsychologie auch gegenwärtig immer noch gut genug für die aktuelle Weltspitze ist.

Wird der DTB von diesen Ereignissen profitieren? Dazu müsste sich die Führungspersonen mit den mächtigen Landesfürsten zusammensetzen und gemeinsam ein PR- Konzept erarbeiten, das nicht mehr abhängig von eher zufälligen individuellen Topleistungen der Spieler/innen ist. Schon allein dieser erste Schritt, dieser Entschluss zusammen zu arbeiten, hätte einen Neuigkeitswert. Bisher war die Arbeit des DTB eher dadurch charakterisiert, dass Kontroversen unprofessionell in der Öffentlichkeit ausgetragen wurden.

Auf unserem Wunschzettel für Weihnachten steht dieser Traum von einer harmonischen und zukunftsweisenden Arbeit an erster Stelle!

18. Dezember 2013
von admin
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“Ein Höhepunkt – ohne Befriedigung”

In unserem Bemühen, das deutsche Tennis wieder stärker in der Öffentlichkeit zu verankern, strecken wir unsere Fühler auch immer wieder in das aktuelle Geschehen. Zum Jahresausklang, zu einem Zeitpunkt, an dem die Profis sich von ihrer langen Saison erholen und die internationale Tour in den Winterschlaf fällt, spielt die Musik nur noch in heimischen Gefilden.

dtmeisterschaften

Vergangenes Wochenende wurden die deutschen Hallenmeisterschaften 2013 der Damen und Herren in Biberach ausgespielt. Bei den Damen setzte sich Anna-Lena Friedsam in einem überaus spannenden Finale gegen Carina Witthöft mit 6:3 / 4:6 / 7:6 durch. Bei den Herren konnte sich Daniel Brands, der in diesem Jahr schon R. Federer bezwang, gegen Andreas Beck behaupten und gewann das Endspiel 6:4 und 7:6.

Soweit so gut.

Wer aber war über die Deutsche Tennis-Meisterschaft informiert? Wer hat sich über das Wochenende die Ergebnisse angesehen und mit seinen Clubkameraden und –innen über die Favoriten und deren Leistungen diskutiert? Wer wusste überhaupt, dass die Deutschen Meisterschaften stattfinden?

Unabhängig davon, dass die absolute Spitze bei diesem nationalen Event seit Jahren meist mit Abwesenheit glänzt, hat dieses Turnier doch einen besonderen Stellenwert – es geht immerhin um den nationalen Meistertitel! DTB Sportdirektor Klaus Eberhard zur Bedeutung dieser Veranstaltung: „Zum Jahresabschluss bilden die deutschen Meisterschaften den Höhepunkt im nationalen Turnierkalender.“

Wenn das so ist, dann fragt man sich, warum diese Meisterschaft vor der Öffentlichkeit versteckt worden ist. Wir sind zwar nicht mit den lokalen Medien in Biberach vertraut, aber in unseren norddeutschen Breiten konnten wir keinerlei Berichterstattung finden. Informationen über die Teilnehmer, Ergebnisse oder Überraschungen sind lediglich über Turnierportale oder die Website des DTB zu bekommen.

Bei den deutschen Tennis-Meisterschaften, die jetzt zum sechsten Mal in Biberach ausgetragen wurden, trat auf jeden Fall die Creme des deutschen Nachwuchses auf, die noch auf dem Sprung zur Weltspitze steht. Sie maßen sich mit den etablierten Konkurrenten/innen und versuchten, auf ihr Potential aufmerksam zu machen.

Ein schwieriges Unterfangen, wenn es keiner bemerkt.

Wir erwarten keine Vorankündigung in den TV-Sendern, keine Live-Fernsehübertragung in den Hauptsendern, kein „Public Viewing“ und auch keine Bilder von den Feiern der deutschen Titelträger auf dem Rathausbalkon ihrer jeweiligen Heimatstadt. Aber eine Vorankündigung in der lokalen Presse über die Teilnehmer aus der jeweiligen Region, ein Ergebnisticker und vielleicht sogar ein aktueller TV-Zusammenschnitt mit den besten Szenen der Wettkämpfe, wäre nicht nur wünschenswert, sondern im unbedingten Interesse des deutschen Tennis gewesen!

Ist das zu viel verlangt? Ist das nicht die Hauptaufgabe der PR-Abteilung eines jeden Unternehmens, das sich in der Öffentlichkeit gut präsentieren will?

Eine vergebene Chance.

Wir gratulieren Anna Lena Friedsam und Daniel Brandts von Herzen zum Titel! Wir freuen uns über die Vizemeisterschaft der jungen und vielversprechenden Carina Witthöft und von Andreas Beck. Wir erkennen die Leistungen – über die wir per Hörensagen informiert wurden – von Michael Berrer, Nils Langer, Anna Zaya, Tayisiya Mordenger und allen anderen, die ihr Bestes gegeben haben, an.

Wir haben uns bemüht, im Anschluss an diesem Text, einige Video-Szenen von den deutschen Meisterschaften zu präsentieren.

Vergeblich. Über die Gründe haben wir oben berichtet.

Deshalb würdigen wir jetzt die erfolgreichsten Teilnehmer der Deutschen Tennis Meisterschaften – anstelle der bunten Bilder – mit einem für uns ungewöhnlichen Ergebnisdienst:

 

 

 

 

Herren Hauptfeld – Finale

 

 

 

 

Daniel Brands – Andreas Beck

6:4

7:6

 

Damen Hauptfeld – Finale

 

 

 

 

Friedsam, Anna-Lena – Witthöft, Carina

6:3

4:6

7:6

 

 

 

 

Herren Hauptfeld Halbfinale

 

 

 

 

Brands, Daniel – Berrer, Michael

6:2

6:4

 

Beck, Andreas  - Langer, Nils  

6:2

6:7

6:2

Damen Hauptfeld Halbfinale

 

 

 

 

Witthöft, Carina - Morderger Tayisiya

1:6

7:6

7:6

Friedsam, Anna-Lena – Zaja, Anna

6:4

7:5

 

 

 

 

 

 

Herren Hauptfeld – Viertelfinale

 

 

 

 

Beck, Andreas – Wunner, Matthias

6:2

7:6

 

Brands, Daniel – Krawietz, Kevin

6:3

6:3

 

Berrer, Michael  -  Seifert, Stefan 

6:3

6:4

 

Langer, Nils – Torebko, Peter

6:3

6:3

 

Damen Hauptfeld - Viertelfinale

 

 

 

 

Friedsam, Anna-Lena – Klasen, Anna 

7:5

6:3

 

Zaja,  Anna – Gronert, Sarah

7:5

6:2

 

Morderger, Taiysiya – Lutzeier, Lena

6:3

6:4

 

Witthöft Carina – Heisen, Vivian

6:4

6:3

 

 

 

 

 

Herren Hauptfeld – Achtelfinale

 

 

 

 

Brands, Daniel – Netuschil, Marvin

7:6

6:3

 

Krawietz, Kevin – Mies, Andreas 

4:6  

6:4

7:6

Berrer,  Michael – Fallert, Florian

7:6 

6:4

 

Seifert, Stefan – Begemann, Andre 

7:6

4:6

6:3

Torebko, Peter -  Kahlke, Jannis

6:3 

6:1

 

Langer, Nils – Otte, Oscar

6.7

6:3

7:6

Wunner, Matthias – Dornbusch, Michel

7:6

6:7

6:3

Beck, Andreas – Abel, Maximilian

6:3

7:5

 

Damen Hauptfeld - Achtelfinale 

 

 

 

 

Lutzeier, Lena – Schmid, Verena (Lucky Loser) - 

6:7

6:4

6:4

Morderger, Taisiya – Holert, Katharina

6:1

6:1

 

Witthöft, Carina – Übelhör, Carolin

6:2

6:0

 

Heisen, Vivian – Daniels, Carolin

6:3   

0:6

6:4

Zaja, Anna  - Kayser, Sina

6:3

6:1

 

Thiem, Julia – Gronert, Sarah

4:6

3:6

 

Klasen, Anna - Wchaczyk Julia 

6:1

6:3

 

Friedsam, Anna Lena  - Schäder, Laura 

6:1

6:3

 

15. Dezember 2013
von admin
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“Tennis bietet einen Platz für Alle!”

Jetzt kommt zum Spaß am Bloggen noch die Freude dazu: das anspruchsvolle Thema „Image des Tennis“ hat für ungewöhnlich hohe Besucherzahlen gesorgt und dann erhalten wir einen Kommentar, der die Thematik nicht nur aufnimmt, sondern neue interessante Aspekte in die Diskussion einführt.

tennisgemälde

W. Mende zitiert einen Hamburger Uni-Direktor, der in „ungewöhnlich scharfer Form“ die „Eltern der Mittel- oder Oberschicht, die ihre Kinder nachmittags Tennis spielen lassen wollen“, kritisiert. Diese Äußerung ist repräsentativ für eine Einstellung, die noch typisch für das Image des Tennis in der heutigen deutschen Gesellschaft ist.

Er bestätigt das alte Vorurteil, dass Tennis immer noch elitär ist. Darüber hinaus gehört dieser  Professor zu einem bestimmten Teil von Kritikern, die mit der Eigenschaft elitär von vornherein eine unsoziale Haltung verbinden. Für die Vertreter dieser Auffassung ist die Zeit stehen geblieben: sie ordnen fälschlicher Weise Tennis der sogenannten Mittel- und Oberschicht unserer Gesellschaft als Statussymbol zu. Es spielen zum Glück immer noch viele Familien aus der Mittel- und Oberschicht Tennis. Aber Golf- oder noch mehr Polo – sind aktuell eher das Sammelbecken für Bürger, die sich unbedingt mit einer Sportart von anderen Schichten abgrenzen wollen. Wenn der Präsident der Uni die aktuellen soziologischen Studien zum Sport in Bezug auf gesellschaftliche Schichten gelesen hätte, wäre diese undifferenzierte Pauschalisierung zu vermeiden gewesen.

Lassen wir die soziologischen Fakten sprechen: bei den Jugendlichen wird Tennis zwar als teuer, aber nicht unbedingt als elitär angesehen. In anderen Untersuchungen wird ausgesagt, dass die Menschen, die Tennis spielen, generell über eine höhere Bildung verfügen. Wenn diese Annahme ein Hinweis auf eine Elite ist, dann braucht sich Tennis nicht zu schämen. Ist eine Kommunikation, die auf informationsreichen Niveau stattfindet, nicht allemal vielsprechender und ergiebiger als eine Unterhaltung auf SMS-Niveau, in der es eher die Ausnahme ist, dass sozial wichtige Informationen ausgetauscht werden?

Die heutige Gesellschaft ist nicht mehr in Klassen oder streng voneinander getrennte Schichten einzuteilen – diese Barrieren und Abgrenzungen sind von gestern. Heutzutage unterscheiden sich die Mitglieder einer Gesellschaft in ihren jeweiligen Lebensstilen. Da spielt der Professor auch gern Tennis mit dem Migranten, wenn der die Bälle so schlagen kann, dass ein sinnvolles Spiel entsteht und der Professor in seinem favorisierten Sport Freude daran hat, mit einem Könner spielen zu können. Da spielt die Tochter des Bankdirektors mit der Tochter des Kellners im örtlichen italienischen Restaurant, weil sie gemeinsam Spaß am bunten weißen Sport haben und weil sie auf einem homogenen Leistungsniveau spielen, das es beiden ermöglicht, sich weiter zu verbessern. Da spielt der langhaarige Heavy-Metal-Musiker mit der zierlichen Ballerina, weil sie sich bewegen wollen und weil Tennis auch eine harmonische und rhythmische Sportart sein kann.

Die starre klassenkämpferische soziologische Haltung ist Schnee von gestern. Das sollten auch die Tennisspieler begreifen und dementsprechend umdenken. Im Tennis ist Platz für Alle! Für alle privaten Vorlieben, für alle noch so verschiedenen Lebensstile! Das ist gerade die Faszination unseres bunten weißen Sports – und das wurde hoffentlich in unseren letzten Beiträgen deutlich. Im Tennisverein oder in einer Tennisschule besteht so viel soziale Freiheit, dass ein jeder sich seine Partner nach seinen persönlichen Interessen aussuchen kann! Dann spielt man mit „Seinesgleichen“ und fühlt sich umso wohler.

Auf dieser Voraussetzung sollten die zukünftigen Imagekampagnen aufbauen. Tennis trennt nicht – Tennis verbindet!

P.S.

Im Kommentar von Werner Mende klingt noch eine andere Problematik des Tennis an, die nicht direkt mit dem Image-Thema verbunden ist: die neue Schulreform gibt den Kindern und Jugendlichen kaum noch Zeit, wochentags Tennis zu spielen! Das ist ein Problem für die Mitgliederentwicklung im Tennisverein.

Wir gehören zu den generellen Kritikern dieser Schulreform, weil sie den Kindern kaum noch Gelegenheiten gibt, frei und ungezwungen zu spielen, gemeinsam herum zu toben. Für uns gehört diese spielerische Freiheit zu den natürlichen Rechten von Kindern und Jugendlichen. Muss man die Zwänge und den Zeitstress der modernen Arbeitswelt den jungen Generationen wirklich so früh zumuten?

Als Beispiel, dass auch – oder gerade – Künstler vom Tennis fasziniert sind, zeigen wir euch den Schlussteil des Filmklassikers “Blow Up” von M. Antonioni – die berühmte Tennispantomime.