27. Juni 2014
von admin
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Erste Favoritenstürze in Wimbledon

Da nur noch drei deutsche Teilnehmerinnen in den Einzelkonkurrenzen nach der zweiten Runde des Wimbledon-Turniers aktiv in das Geschehen eingreifen können, unsere Damen aber am fünften Tag ihre verdiente Ruhepause nehmen konnten, werden wir unsere Weltoffenheit demonstrieren und unseren Blick auf die internationale Konkurrenz richten.

Da fällt sofort Jo-Wilfried Tsonga in das Auge.Der lebt sein Aufmerksamkeits-Syndrom auf dem Rasen des legendären Grand Slams genüsslich aus. Tag für Tag hat er sich bisher dem Publikum dargestellt. Heute trat er gegen Jimmy Wang aus Taipeh, der in den ersten beiden Runden für positive Überraschungen gesorgt hatte, auf Platz 3 an. Machen wir es – wie Wilfried am heutigen Tag –    kurz: Der Franzose gewann 6:2, 6:2 und 7:5.

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Sensationell war dann das Ausscheiden der an Nr.2-gesetzten Na Li aus China. Sie unterlag der Tschechin Barbora Zahlavova Strycova  6:7, 6:7. In beiden Tiebreaks, die kürzer gedauert hatten, als der Autor dieser Zeilen für das Schreiben des Namens der Siegerin benötigte,  setzte die Pilsenerin sich mit jeweils 7:5 durch. Die 26-jährige Tschechin hat vor Wochen in Birmingham mit dem Erreichen des Finales bewiesen, dass sie sich auf Grass wohlfühlt.

Auch die Rumänin Simona Halep kam in Schwierigkeiten gegen die Ukrainerin Tsurenko. Am Ende erreichte die an Position 3-gesetzte Halep mit 6:3, 4:6,6:4 mühevoll das Achtelfinale.

Ohne Mühen fegte die Dänin Caroline Wozniacki die Kroatin Konjuh 6:3 und 6:0 in weniger als einer Stunde vom Platz.

Mit dem gleichen Ergebnis fertigte die an 4-gesetzte Polin Agniezka Radwanska ihre portugiesische Kontrahentin De Brito kurz und schmerzlos ab.

Ein dramatisches und hochklassiges Match lieferten sich auf dem Center Court Petra Kvitova und Venus Williams. Die fünffache Wimbledonsiegerin aus den USA zeigte im ersten Satz, dass sie wieder an alte Zeiten anknüpfen kann. Sie  setzte sich nach tollen Ballwechseln mit 7:5 durch. Die Wimbledonsiegerin von 2011 aus Prag konnte dann im zweiten Satz den Tiebreak für sich entscheiden. Bis zum 6:5 im Entscheidungssatz für Kvitova, ließ keine der beiden Spielerinnen einen Breakball zu. Venus ging bei eigenem Service 40:15 in Führung, verlor aber die Nerven, die nächsten vier Punkte,  und damit das Match.

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Ein ebenso aufregendes Gefecht lieferten sich die 19-jährige Tschechin Tereza Smitkova und Bojana Jovanovski aus Serbien. Smitkova – die aktuelle Nr. 175 der Weltrangliste ! – erreichte das Achtelfinale mit einem 4:6, 7:6 und 10:8 Sieg.

Für den vierten tschechischen Tagessieg sorgte Lucia Safarova, die – doch etwas überraschend – die an 10-gesetzte Slowakin Cibulkova 6:4 und 6:2 aus dem Turnier schoss.

Bei den Herren überzeugte Novak Djokovic auch in der dritten Runde. Mit dem „Comebecker“ als Coach ließ er dem Franzosen Simon, bei seinem 6:4,6:2 und 6:4-Sieg, keine Chance.

Auch ohne Satzverlust (6:4, 7:6, 7:5) setzte sich der Spanier Feliciano Lopez  gegen den Kroaten Ante Pavic durch.

Zur Freude der britischen Tennisfans ist Titelverteidiger Andy Murray rechtzeitig in Form gekommen. Am späten Abend zeigte er dem Spanier Agut (mit 6:2, 6:3 und 6:2) „wer Herr im Haus in London ist“. Das war hochklassiges Rasentennis! Der Titel in Wimbledon geht nur über Murray!

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Australien trauert um Ex-Wimbledonsieger Lleyton Hewitt, der nach fast vier Stunden Spieldauer dem Polen Janowicz mit 6:7, 4:6, 7:6, 6:4 und 3:6 unterlag.

Nach ebenso hartem Kampf  bezwang der Südafrikaner Kevin Anderson (Nr.20 der Setzliste) „Gransignore“ Fognini mit 4:6, 6:4, 2:6, 6:2 und 6:1. Diesmal demonstrierte unser Fabio seine deutliche Lustlosigkeit erst im fünften Satz.

Ein fesselndes Match lieferte sich auch der Bulgare Dimitrov (an 11 gesetzt) mit dem Ukrainer Dolgopolov(an 21 gesetzt). Nach fast vier Stunden setzte sich Dimitrov am Ende mit 6:7, 6:4, 2:6, 6:4 und 6:1 durch. Mit diesem Sieg ist Grigor der erste Bulgare, der ein Achtelfinale von Wimbledon erreicht hat.

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Am fünften Tag in Wimbledon wurde spektakuläres Tennis geboten. Hoffentlich können wir morgen von ähnlichen Leistungen unserer drei Damen berichten.

 

 

26. Juni 2014
von admin
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Auf unsere Frauen können wir uns verlassen

Am vierten Tag des Grand Slams in Wimbledon gingen vier von fünf deutschen Repräsentanten eher als Favoriten auf den Rasen. Bevor wir näher auf ihre Auseinandersetzungen eingehen, sollte die außerordentliche  Ausdauerleistung Jo-Winfried Tsongas  gewürdigt werden. Der Franzoser steht seit Turnierbeginn ununterbrochen Tag für Tag auf den Turnierplätzen im Tennismekka. Nach seinem dreieinhalb- stündigen Marathonmatch gegen den Österreicher Melzer, hat Jo-Winfried auch im gestrigen Zweitrundenspiel gegen Sam Querry aus den USA wieder kein Ende gefunden. Das Match wurde nach 4:6, 7:6, 6:7, 6:3 und 9:9 im fünften Satz wegen Dunkelheit unterbrochen. In seinem Fortsetzungsspiel gegen Melzer hatte Tsonga nur ein Spiel und eine knappe Minute benötigt, um erfolgreich in die nächste Runde einzuziehen. Diesmal weilte er etwas länger auf dem Court: er benötigte insgesamt acht Spiele, um mit 14:12 als Sieger den Platz zu verlassen. Morgen darf er wieder zur dritten Runde auf den Platz. Training dafür hat er nicht mehr nötig – im Wettkampf hat er ausreichend Rasenerfahrung gesammelt.

Britain Tennis ATP Finals

Als erster Deutscher ging Philipp Kohlschreiber an diesem Tag auf den Platz. Sein Gegner, der Italiener Simone Bolleli, ist die Nr.132 der ATP-Weltrangliste. “Kohli“ beginnt zögerlich, gewinnt den ersten Satz aber standesgemäß mit 6:4. Im zweiten Durchgang unterlaufen dem Deutschen weiter viele ungewöhnliche Fehler, die Aggressivität und Entschlossenheit fehlt – der Spieler aus Bologna setzt sich mit 6:4 durch. Wer jetzt eine Steigerung des Favoriten erwartet hatte, sah sich getäuscht. Bolleli ging schnell 3:0 in Führung und beendete den Satz mit 6:3. Der Warsteiner griff sich immer häufiger an Schulter und Oberarm. Hatte er sich eine Verletzung zugezogen? Auf jeden Fall nahm er ein „Medical-Time Out“.  Im vierten Durchgang kämpft er sich wieder in das Match und entscheidet den Satz mit 6:4 für sich. Das Spiel setzt sich im fünften Satz zwar auf Augenhöhe – aber auch auf niedrigem Niveau fort. Kohlschreiber wird bei 5:5  gebreakt. Der Italiener vergibt anschließend den ersten Matchball mit einem Doppelfehler, beim zweiten Matchball returniert Kohlschreiber den 2.Aufschlag sang – und klanglos in das Netz. Das war symptomatisch für das ganze Match. Positiv ist zu bemerken, dass Kohlschreiber im Interview nach dem Spiel erklärte, dass die Niederlage nicht im Zusammenhang mit seiner Verletzung stehe.

Nachdem das deutsche Tennis die vierte Niederlage in Folge über zwei Tage einstecken musste, hoffte man, dass Andrea Petkovic in ihrem Match gegen die Rumänin Irina-Camelia Begu eine Erfolgsserie einleiten würde. Andrea trat mit dickem Knieverband an, wirkte auch etwas gehemmt bei langen Laufwegen,  spielte aber von Anfang an solide und überlegen. Sie nutzte einen einzigen Breakball, um den Satz mit 6:4 zu gewinnen. Im zweiten Satz glitt ihr das Match aus der Hand. Sie geriet früh in Rückstand und musste den Satz mit 3:6 abgeben. Im entscheidenden Durchgang ging sie zum Glück gleich wieder 3:0 in Führung. Bis zum 6:1 gerät ihr Sieg nicht mehr in Gefahr. Auf die Einstellung von Petko kann man sich verlassen: auch leichte Blessuren können ihren Siegeswillen nicht aufhalten.

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Sabine Lisicki setzte sich auf Court 3 mit der Tschechin Karolina Pliskova, der Nr.50 der WTA-Rangliste auseinander. Mit „Bumm Bumm“ hatte Bine sofort die Initiative übernommen und den 1.Satz auch sicher mit 6:3 gewonnen. Im zweiten Durchgang zeigte sich, dass Court 3 nicht ihr Wohnzimmer ist. Die leichten Fehler häuften sich (5Doppelfehler!) und die 22-jährige Tschechin kam auf. Nach dem 5:5 punktete Sabine wieder häufiger und zog mit 7:5 in die dritte Runde ein. Der Aufschlag ist noch zu verbessern: er war zwar schnell (7 Asse!), aber nicht konstant genug.

Auf Court 1 spielte Angelique Kerber gegen die Engländerin Heather Watson (Nr.60 der Weltrangliste) und gegen das patriotische Publikum. Angie blieb cool, gewann nach dem 1:1 vier Spiele in Folge zum 5:1. Dann gewährte sie der 22-jährigen Britin einen Aufschlaggewinn und vollendete den 1.Satz mit 6:2. Im zweiten Durchgang schlichen sich in Angies Konterspiel einige Fehler ein. Mit Unterstützung des Publikums kam Watson besser auf Touren und gewann „aus heiterem Himmel“ den 2.Satz mit 7:5. Im entscheidenden 3.Satz agierte die Kielerin wieder konzentrierter und wies ihre Gegnerin mit klarem 6:1 in die Schranken.

Drei deutsche Tagessiege: auf unsere Damen können wir uns verlassen.

Julian Reister trat gegen den Usbeken Denis Istomin, der Nr. 45 der ATP-Rangliste, als Außenseiter an. Der Hamburger setzte sich von Anfang an konzentriert zur Wehr, verlor dann aber – denkbar knapp und mit zahlreichen Chancen  – den 1.Satz mit 7:9 im Tiebreak. Istomin behielt danach souverän die Oberhand und gewann die nächsten beiden Sätze jeweils mit 6:4.

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Damit findet das Turnier in London bei den Herren im weiteren Verlauf ohne deutsche Beteiligung statt.

Zum Schluss öffnen wir wieder den Blick auf die internationale Konkurrenz und stellen fest: Same procedure as every day.

Die Topgesetzten S.Williams, Sharapova, Bouchard und Ivanovic bei den Damen, Raonic,  Nishikori und Federer bei den Herren, setzten sich ohne Satzverlust durch.

Die Ausnahmen waren Rafael Nadal und Stan Wawrinka. Die gaben jeweils einen Satz ab.

 

25. Juni 2014
von admin
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Alle drei deutschen Außenseiter in Wimbledon ausgeschieden

Den drei deutschen Tennisprofis, die am Mittwoch zur zweiten Runde in Wimbledon antraten, standen schwere Matches bevor. Barthel, Becker und Pütz hatten sich ausnahmslos mit gesetzten Konkurrenten auseinanderzusetzen.

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Unser Qualifikant Tim Pütz, aktuelle Nr. 251 der Weltrangliste, ging als erster Deutscher in sein Gefecht mit Fabio Fognini auf den Rasenplatz. Der Italiener, an Nr. 16 gesetzt, ist nicht nur bekannt für seine Spielkunst, sondern ist auch wegen seiner ausgeprägten Arroganz berühmt-berüchtigt. Das glatte Gegenteil ist Pütz: er hatte vor diesem Turnier noch nie auf Rasen gespielt. Bei seinen ersten Trainingseinheiten auf Grass rutsche er immer wieder weg – er besaß keine speziellen Rasen-Tennisschuhe. Die konnte er aufgrund ihrer Seltenheit nicht im Internet kaufen… Unbekümmert, energiegeladen und kämpferisch startete der 25-jährige Deutsche auch gegen Fognini. Als der Signore aus Sanremo noch immer über den Rasen stolzierte, hatte er scheinbar unbemerkt den ersten Satz schon mit 6:2 verloren. Im zweiten Satz steigerte sich Fognini, variierte seine Schläge und entschied, offensichtlich immer noch gelangweilt, den 2.Durchgang mit 6:4 für sich. Im dritten Satz entwickelt sich bis zum Tiebreak ein Kampf auf Augenhöhe. Der Frankfurter führt 4:0, der Grandsignore wehrt sich mit gesteigerter Einsatzbereitschaft. Pütz hat bei 6:4 zwei Satzbälle. Wenn es darauf ankommt, gibt der „Grandsignore“ dann doch alles. In fast aussichtsloser Position erzielt er beim zweiten Satzball mit einem Beckerhecht am Netz noch den Punktgewinn. Stolz und selbstbewusst fährt er auch die nächsten beiden Punkte ein und beendet den Tiebreak des dritten Satzes erfolgreich mit 8:6. Im vierten Satz lässt sich Fognini, trotz aller Gegenwehr des Deutschen, nicht mehr von der Siegerstraße abbringen. Er gewinnt den vierten Satz und das Match mit 6:3.

Pütz hat uns Freude in London bereitet. Auch gegen Fognini hat er sich tapfer geschlagen!

barthel

Mona Barthel musste sich auf Court 1 mit Petra Kvitova messen. Die 24-jährige Tschechin rangiert auf Platz 6 der Weltrangliste und hatte 2011 sogar schon in  Wimbledon die Siegerschale gewonnen. Die Neumünsteranerin hält das Match bis zum 2:2 im ersten Satz ausgeglichen. Als die Tschechin mehr Sicherheit in ihren aggressiven Schlägen findet, setzt die  – auch privat zurückhaltende – Norddeutsche nicht entschlossen dagegen. Obwohl sie über schnelle Grundschläge verfügt, riskiert Barthel zu wenig. Kvitova gewinnt 10 Spiele in Folge und schickt Mona  (zu!) deutlich mit 6:2, 6:0 vom Platz und aus dem Turnier. Das war nicht tapfer genug, um gegen eine Geheimfavoritin bestehen zu können.

Benjamin Becker hat uns mit seinen Leistungen auf Grass in den letzten Wochen immer wieder begeistert. Trotzdem hätte er nur in Hochform den Ukrainer Alexander Dolgopolov  besiegen können. Der 25-jährige aus Kiew hat sich 2014 auf Rang 19 der Weltrangliste vorgespielt. „Benni“ spielte vom ersten Ball an konzentriert und servierte – wie gewohnt – gefährlich. Der Ukrainer beeindruckte mit seinem „Hammerservice“, schlug 12 Asse, ließ bis zum Tiebreak keinen Breakball zu, musste sich aber in der Satzentscheidung mit 4:7 geschlagen geben. Im zweiten Durchgang drehte Dolgopolov den Spieß um, überrollte den Deutschen ohne Punktverlust im Tiebreak zum 6:7, 7:6-Satzausgleich. Im dritten Durchgang genügte dem temperamentvollen Ukrainer, der mehrfach die Bruchfestigkeit seines Schlägers auf dem Grass testete, ein einziges Break, um den Satz mit 6:4 für sich zu entscheiden. Leider kann der einsatzbereite „Benni“ auch im vierten Satz nicht den Untergang aufhalten. Dem Favoriten genügt wieder ein Break, um das Match mit 6:4 im vierten Durchgang erfolgreich zu beenden. Gegen seine 42(!) Asse war für Benjamin Becker an diesem Tag „kein Kraut gewachsen“.

Auf die obligatorische Tages-Bilanz verzichten wir heute. Jeder Mathematik-Legastheniker kann  das Zahlenverhältnis der deutschen Siege und Niederlagen   ohne Probleme überschauen. Wir versprechen, dass morgen bessere Ergebnisse erzielt werden.

Von den Topgesetzten haben sich Murray, Dimitrov, A.Radwanska und Na Li ohne Satzverlust durchgesetzt. Djokovic, Ferrer und Asarenka standen noch auf dem Platz, als wir den Computer ausschalteten. Wir gehen vom mitleidenden Verständnis unserer User aus – irgendwann einmal ist es genug, dass die  Tennisbälle, mit denen man sich identifiziert,  am Ende doch in das Netz oder in das Aus fliegen…

CU tomorrow.