23. Januar 2015
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Julia Görges erreicht das Achtelfinale der Australian Open!

Zwei deutsche Damen können das Achtelfinale bei den Australian Open erreichen. Nicht unsere Gesetzten Kerber, Petkovic und Lisicki, sondern  Julia Görges und Carina Witthöft. Die beiden Norddeutschen, die  für unsere Topstars in die Bresche gesprungen sind, hatten heute Chancen, sogar in das Viertelfinale vorzustoßen.

Elf Uhr vormittags (australische Ortszeit) betrat Julia Görges den Court der Rod Laver-Arena, um gegen Lucie Hradecka anzutreten. Die 29-jährige Tschechin galt als Doppelspezialistin und rangierte vor den Australian Open  nur auf Rang 143 der WTA-Einzelweltrangliste. In Melbourne sorgte sie für Furore, als sie in der ersten Runde Ana Ivanovic in drei Sätzen bezwang und sich in einem weiteren Dreisatzkampf  auch gegen die Slowenin Hercog durchsetzte. Der dritte Achtelfinal-Einzug von der 25-Jährigen Deutschen in Melbourne war nur möglich, weil sie zurzeit wieder unbekümmert aggressives Powertennis bietet und sich von dem besonderen Flair des Turniers auf dem fünften Kontinent   inspiriert fühlt. “Ich bin sehr zufrieden mit meiner Leistung. Ich fühle mich hier einfach sehr wohl, es ist mein Lieblings-Grand-Slam”, versicherte die sensible Tennis-Lady aus Bad Oldesloe im Südosten Schleswig-Holsteins.

görges

Sie beginnt auch konzentriert und entschlossen, breakt ihre hart aufschlagende Gegnerin früh und geht 5:2 in Führung. Dann reist ihr der Faden, sie produziert öfters drei direkte Fehler in Folge und Hradecka gewinnt vier Spiele nacheinander. Weil die Linkshänderin aus Prag auch unnötig viele Fehler macht, kommt Julia in den Tiebreak, den sie sogar nach frühem Rückstand noch gewinnt. Das Spielgeschehen verändert sich nicht im zweiten Satz – lange Ballwechsel sind eine Seltenheit. Beim Spielstand von 3:3 gelingt der Holsteinerin ein Break. Bei 5:4-Führung und eigenem Aufschlag hat sie drei Matchbälle, die sie leicht vergibt und daraufhin den 5:5-Ausgleich hinnehmen muss. Es ist bewundernswert, dass die Deutsche trotz der Rückschläge nicht von ihrer risikoreichen Spielweise abweicht. Sie geht 6:5 in Führung. Den vierten Matchball verwandelt Julia, schaut kurz fassungslos in den australischen Himmel und drischt dann einen Ball vor Freude auf die obersten Zuschauerränge. Sie hat die Chance genutzt. Die bessere Beinarbeit Julias hat den Unterschied ausgemacht. Zum dritten Mal in ihrer Karriere hat sie das Achtelfinale des Grand Slams in Melbourne erreicht!

Eine knappe Stunde nach dem ersten deutschen Tagessieg ging unsere  zweite Hoffnung in der Damenkonkurrenz bei den Australian Open auf den Platz.  Carina Witthöft spielte in Melbourne das erste Mal in ihrer noch jungen Profi-Laufbahn in einem der großen Stadien der Grand Slam Turniere.

ITF Bueschl Open 2012

Die 19-Jährige aus Wentorf im Osten Hamburgs wird in Australien von Barbara Rittner trainiert und betreut. „Sie wird ihren Weg gehen, aber es dauert noch zwei, drei Jahre“, sagte Rittner über den 1,76 Meter großen Teenager, der für den Achtelfinaleinzug zur Belohnung Tickets für ein Konzert von  Helene Fischer  in der Hansestadt erhielt. Die Trainerin des erfolgreichen deutschen Fed Cup-Teams lobte „die Unbeschwertheit, Fähigkeit zur Selbstkritik und sogar die positive Zickigkeit“ der Hamburger Perle. Eine Zeit lang galt Witthöft als zu ungeduldig auf dem Platz und  zu feier- und ausgehfreudig für eine professionelle Tennisspielerin. Vor dem heutigen Match gegen Irina-Camelia Begu  in der Hisense-Arena wird sie wohl kaum Zeit und Energie für Partys gehabt haben.  Ihre Gegnerin, die 24-Jährige Rumänin Irina-Camilia Begu hatte in der ersten Runde  sensationell – zum Leidwesen der deutschen Tennisfans -  Angie Kerber in einem harten Dreisatzkampf besiegt. Frisch, frei und frech trat das  Hamburger Ausnahmetalent dann zu Beginn der Partie auf und peitschte ihre aggressive Vorhand erbarmungslos über das Netz. Begu hielt kontrolliert dagegen. Der schwächelnde Service der jungen Hanseatin und die solidere Spielweise der Rumänin ließ Witthöft zu Beginn des Auftaktsatzes 1:3 in Rückstand geraten. Die Deutsche glich aber mit zwei Spielgewinnen aus und gewann auch das dritte Spiel in Folge. Ihre routinierte Gegnerin hielt dagegen, holte sich die nächsten drei Spiele und konnte den 1.Satz mit 6:4 für sich entscheiden. Im zweiten Satz ließ sich Carina nicht unterkriegen, der Kampf    auf Augenhöhe setzte sich fort. Am Ende des zweiten Durchgangs konnte Begu wieder die entscheidenden Punkte gewinnen und zog mit einem 6:4  fassungslos und glücklich zum ersten Mal in ihrer Karriere in das Achtelfinale eines Grand Slams ein.

Die Bäume wachsen nicht in den Himmel. Mit einer Verbesserung des Services und geschickterem Spiel aus der Defensive wird sich Carina Witthöft mit der Zeit aber in der Weltspitze etablieren.

Vor der Evening-Session am fünften Tag des Grand Slams hatten die Favoriten in der australischen Hauptstadt weiterhin Probleme: Sara Errani unterlag in drei Sätzen der Belgierin Wickmayer. Nur mit Mühe und Not konnte Grigor Dimitrov den Zyprioten Bhagdatis im fünften Satz schlagen.

Eugenie Bouchard (gegen Caroline Garcia), Tomas Berdych (gegen Victor Troicki) und die an 10-gesetzte Russin Makarova (gegen die Tschechin Pliskova) setzten sich souverän ohne Satzverlust durch und erreichten das Achtelfinale.

22. Januar 2015
von admin
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Becker siegt nach dramatischer Aufholjagd!

Die Matches der deutschen Tennisprofis bei den Australian Open  am Mittwoch haben wieder neue Hoffnung gegeben, aber generelle Euphorie ist fehl am Platz.  Andererseits sollte man die Feste feiern, wie sie fallen. Deshalb sollten wir uns ohne Vorbehalt über die erfrischenden Auftritte von Carina Witthöft freuen und Julia Görges Leistungssteigerung honorieren.

KdF-Sport, Tennis

Am Donnerstag traten die drei  anderen deutschen Repräsentanten, die die erste Runde überstanden hatten, an. Als erster ging Matthias Bachinger gegen Jakko Nieminen auf den Platz. Der Münchener setzte im ersten Satz seine im neuen Jahr verbesserten Leistungen  und die offensive Spielweise fort, verlor den Durchgang aber knapp gegen den finnischen Routinier im Tiebreak. Im zweiten Satz unterliefen dem Deutschen anfangs  etwas häufiger leichtere Fehler und der Finne ging 5:2 in Führung. Matthias kämpfte sich zurück, gewann drei Spiele in Folge, glich aus, um dann doch zweiten Durchgang mit 5:7 abzugeben. Auch im dritten Satz gelang dem Deutschen nicht die entscheidende Wende. Er verlor  6:7, 5:7 und 4:6.

Von Mona Barthel konnte man gegen die letztjährige Wimbledonsiegerin Petra Kvitova keinen Sieg erwarten. Die Neumünsteranerin spielte mit ihrem druckvollen Grundlinienspiel  auf fast gleichem Niveau wie die Tschechin. Mit zwei kleinen, aber entscheidenden Unterschieden: Kvitova startete viel mehr erfolgreiche Netzangriffe und sie war von ihrem Sieg überzeugt. Mona wirkte brav, hatte aber bei entscheidenden Punkten nie die Aura, die eine Sensation erwarten ließ.  Folgerichtig schied sie mit 2:6 und 4:6 aus.

Benjamin Becker hatte die Ehre in der Evening-Session gegen den ewigen  Darling des australischen Tennis, Lleyton Hewitt, in der ehrwürdigen Rod Laver Arena anzutreten.

benni

Er ließ sich im ersten Satz sowohl von den ehemaligen Wimbledonsieger, als auch von dem Hexenkessel, den das Publikum inszenierte, beeindrucken. Nach weniger als 60 Minuten Spielzeit lag er 2:6 und 0:6 zurück! Hewitt feierte jeden gewonnenen Punkt frenetisch. Das hätte er eigentlich nicht nötig gehabt: Nach 2 Sätzen hatte er mehr als doppelt so viele Ballwechsel gewonnen wie sein Gegner! Aber er hatte wohl Gründe: Das Blatt wendete sich nämlich im dritten Satz: „Benni“ kam in das Spiel, gewann den Durchgang 6:2. Der Australier wirkte plötzlich verunsichert, gab auch den vierten Satz – trotz leidenschaftlicher Anfeuerung des Publikums – mit 2:6 ab. Erbarmungslos entschlossen nutzte der Deutsche seine Chance und ging 5:1 in Führung. Mit dem Rücken zur Wand wehrte sich Hewitt mit allen Kräften, gewann drei Spiele in Folge. Bei 5:4 Führung und Aufschlag Becker erreichte dieses Tennisdrama seinen Höhepunkt. Hewitt wehrte zwei Matchbälle ab. Benni behielt in der Hölle von Melbourne die Nerven und konnte den nächsten Matchpoint endlich verwandeln. Der einzige deutsche Sieg an diesem Tag war geschafft. Das hatte allerdings Nerven gekostet.

Das Publikum feierte den Beautyful Looser Hewitt trotzdem.

lleyton

Die japanische Schlägerfirma YONEX hat sich weiter auf dem 5.Kontinent  beliebt gemacht. Die Publikumslieblinge Kyrgios und Hewitt feiern Erfolge mit den Rackets des japanischen Herstellers. In Deutschland hat YONEX immer noch das (anachronistische!) Image, dass die Japaner nur exzellente Damenschläger fabrizieren können. Die haben allerdings Kerber und Lisicki auch nicht weiter geholfen…

Das Favoritensterben in Melbourne – 12 gesetzte Herren und 10 gesetzte Damen waren in den ersten drei Tagen frühzeitig ausgeschieden – setzte sich nicht am vierten Tag fort. Im krassen Gegenteil: Vor der Evening-Session hatten ohne Ausnahme 16(!) gesetzte Spieler ihre Matches gewonnen!  Darunter die Topfavoriten Williams, Radwanska, Halep, Wawrinka und Djokovic. Da freute sich auch der andere Beckerbursche:

spass

Am Abend verlor allerdings die an 8-gesetzte Caroline  Wozniacki gegen Victoria Azarenka (die entwickelt sich unter der Obhut von Martina Navratilova zu einem Geheimtipp!) 2:6 und 4:6. Der an 17-gesetzte Gael Monfils erlitt bei den Herren das gleiche traurige Schicksal: Er unterlag dem Polen Janowicz in einem Marathonmatch mit 4:6, 6:1. 7:6, 3:6 und 3:5.

Zum Ende des Posts wieder ein kurzer und schmerzvoller Blick über unsere südöstliche Grenze: Die Österreicher können sich in der kommenden Woche auf Abfahrt – und Slalom – konzentrieren: nach Dominic Thiems gestriger Niederlage ist mit Andreas Haider-Maurer (4:6, 6:7, 6:4  ,4:6 gegen Isner) jetzt auch ihr letzter Teilnehmer bei dem Grand Slam im Einzel ausgeschieden.

Zu den südwestlichen Nachbarn können die Ösis und wir nur mit Bewunderung aufschauen: Nach den Erfolsgaranten Federer und Wawrinka spielt in Melbourne auch Timea Bacsinszky groß auf: mit 6:7, 6:3 und 6:2 gegen das US-Girl Tatishvili zog sie in die dritte Runde des Grand Slams ein.

21. Januar 2015
von admin
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Tür zum Paradies vor der Nase zugeschlagen! Nachtrag zum heutigen Post

Mit zwei Siegen unserer jungen Damen hat der dritte Tag der Australian Open 2015 neue Hoffnungen geweckt. In der Evening-Session konnte Philipp Kohlschreiber die „zarte neue“ Siegesserie vollenden. Mit kluger taktischer Ausrichtung ging der Augsburger in der Margaret Court- Arena in das Match gegen Bernard Tomic. Er bewegte mit variablen und präzisen Spiel den doch etwas schwerfälligen Aussie und gewann den ersten Satz mit 7:6 Im zweiten Satz schien Kohli weiter auf der Siegerstraße und ging 3:1 in Führung. Als Tomic mit einigen „Lucky Punches“ das Break gelang.  stärkte das sein Selbstvertrauen stärkte und rief eine Schwächephase beim Deutschen hervor. Der Australier gewann den zweiten Durchgang dann mit 6:4. Im Tiebreak des dritten Satzes vergab Philipp drei Satzbälle in Folge – inklusive eines Doppelfehlers! Mit einem Netzroller in fast aussichtsloser Situation gelang es dem Aussie, den Spieß im dritten Satz in letzter Sekunde doch noch umzudrehen. Im vierten Satz  musste wieder der Tiebreak das hart umkämpfte Match entscheiden. Tomic setzte sich knapp nach über drei Stunden Spielzeit durch. Unser einziger Gesetzter im Herrenfeld ist ausgeschieden. Bad luck, Kohli. Mit dem vielen verpassten Siegchancen hat er sich selbst die Tür zum Paradies vor der Nase zugeschlagen. So what. Er hat bravourös gekämpft.

kohli

Bernard Tomic gilt bei den australischen Insidern als schwieriges Talent in  einem noch schwierigeren Umfeld. Populärer down under sind die beiden anderen Youngster, die uns in Melbourne bei ihren Erstrundenmatches so begeistert hatten. Heute gingen sie getrennte Wege. Thanasi Kokkinakis musste seiner Jugend Tribut zollen und unterlag am Ende dem älteren Landsmann Groth völlig erschöpft mit 3:6, 6:3, 7:5, 3:6 und 1:6. Nick Kyrgios hingegen sorgte in seinem Kampf gegen den Aufschlagtitanen Ivo Karlovic für ausgelassene Freude im Gastgeberland. Der an Position 23-gesetzte  Kroate musste sich der unbekümmerten Entschlossenheit der australischen Hoffnung mit 6:7, 4:6, 7:5 und 4:6 geschlagen geben.

Österreichs Routinier Jürgen Melzer war gegen Tomas Berdych (Nr.7 der Setzliste) chancenlos: der 33-Jährige unterlag 6:7, 2:6 und 2:6.

Hatten wir im heutigen Post angekündigt, dass Rafa Nadal seinen Kollegen Federer und Dimitrov problemlos in die dritte Runde folgen würde? Pustekuchen! Auf Rafas Weg legte der US-Boy einige Stolpersteine: Mit Mühe und Not rettete sich der Spanier beim 6:2, 3:6, 6:7, 6:3 und 7:5 in das Ziel.