31. August 2014
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“Kohli” hält die deutsche Fahne hoch

Die Leistungen der deutschen Tennisprofis in den Wochen vor den US Open versprachen nicht unbedingt Triumphe bei dem Großereignis in New York.

us-open-logo

Was am sechsten Tag des Turniers Realität werden könnte, entsprach dann aber doch einem „worst case scenario“: vor Beendigung der ersten Woche konnten alle unsere nationalen Teilnehmer schon ausgeschieden sein! Wann hatte es das zuletzt gegeben – die Achtelfinals eines Grand Slams ohne jegliche deutsche Beteiligung?

flushing meadow

Diese Horrorvision konnte nur Philipp Kohlschreiber, der letzte Überlebende in Flushing Meadow aus der Bundesrepublik, verhindern. Bevor der Augsburger antrat, um die Tennisehre der Nation zu verteidigen, hatte sich die nächste Sensation ereignet: Die Qualifikantin Aleksandra Krunic  eliminierte die nächste Topfavoritin. Die junge Serbin schlug die an Position 3 gesetzte Tschechin Petra Kvitova mit 6:4 und 6:4. Von den Top 4- gesetzten Damen hat nur Serena Williams, die heute ohne Mühe gegen Lepchenko gewann, die Runde der letzten 16 des Tennis-Großereignisses erreicht.

_Serena_Williams

Philipp Kohlschreibers hatte es dann bei seinem Auftritt wahrlich mit einem „schweren Brocken“ zu tun: der Aufschlagriese und Lokalmatador John Isner, für den es eine Beleidung ist, wenn er sein Service unter 200km in das gegnerische Feld drischt, hatte im Stadium auch noch den überwiegenden Teil des patriotischen Publikums hinter sich. Kohli zeigte sich der Aufgabe erst einmal gewachsen. Er spielte ruhig und mit einer entschlossenen Strategie. Es war nicht überraschend, dass der erste Satz ohne verlorene  Aufschlagspiele der Kontrahenten in den Tiebreak mündete. Hier setzte sich der Deutsche – zum Entsetzen der meisten Zuschauer, zu unserer Freude – mit einem einzigen Mini-Break durch. Der US-Nummer1 genügte ein einziges Break, um den zweiten Satz mit 6:4 für sich zu entscheiden. Selbstverständlich wurde der dritte Durchgang wieder im Tiebreak ausgespielt. Hier zeigte Isner erste auffällige Nervenschwächen, servierte Doppelfehler und musste den dritten Satz an den Deutschen abgeben. Sollte David wieder einmal Goliath besiegen können? Bei 5:5 im vierten Durchgang hat „Kohli“ drei Breakbälle in Folge. Bisher hat er sich nur einen einzigen erspielt und den vergeben. Auch jetzt gelingt ihm keine dieser Chancen. Isner geht in Führung, der Augsburger gleicht aus. Tiebreak. Obwohl der Ami Ass Nummer 40 und 41 serviert, gelingen Kohlschreiber zwei brillante Passierschläge und er gewinnt – ohne einen einzigen erfolgreichen Breakball – das Match nach dreieinhalb Stunden mit 7:6, 4:6, 7:6 und 7:6. Eine bravouröse Konzentrationsleistung. Der letzte Ami bei den Herren ist ausgeschieden – Kohli hält als Solist die deutsche Fahne hoch.

kohli

Heutiges US Open Fazit: Während bei den Damen ein heilloses Durcheinander herrscht, geht bei den Herren alles seinen normalen Gang. Alle Top 10- gesetzten Spieler sind bei den Männern in das Achtelfinale vorgedrungen. Bei den Frauen haben sich 5 ungesetzte Spielerinnen für die Runde der letzten 16 qualifiziert. Darunter zwei Qualifikantinnen.

 

30. August 2014
von admin
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Schwarzer Freitag für die deutschen Damen bei den US Open

Favoritenstürze waren bisher rar bei den US Open 2014. Von Tag zu Tag hatten allerdings die Niederlagen der gesetzten Spieler zugenommen. Am 5.Tag des Turniers erreichte das Favoritensterben den Höhepunkt.

flushing meadow

Die erste große Überraschung traf das einheimische Publikum tief: Venus Williams, die sich in den letzten Wochen wieder in hervorragender Form präsentiert hatte, unterlag der Italienerin Errani in einem dramatischen Kampf mit 0:6, 6:0 und 6:7.

Kurz nach Beginn dieser Partie trat Angelique Kerber gegen  Belinda Bencic  an. Die 17-jährige Schweizerin startete  unbekümmert und bis in die Fingerspitzen motiviert. Ihre entschlossen-aggressiven Schläge drängten die Kielerin von Anfang an in die Defensive. Bevor Angie sich auf das Trommelfeuer einstellen konnte, hatte sie den 1.Satz mit 1:6 verloren. Im zweiten Durchgang kam Kerber besser in das Spiel und ein Kampf auf Augenhöhe entwickelte sich. Als Angie 5:4 in Führung ging und auch in der Körpersprache Siegeswillen ausdrückte, schien der Moment gekommen, in dem die junge Helvetierin langsam dem Druck Tribut zollen müsste. Das Gegenteil war der Fall: Bencic spielte sich in einen Rausch. Der wie immer tapfer kämpfenden Kerber gelangen an diesem Tag kaum tödliche Gewinnschläge in aussichtsreichen Positionen. So konnte sie den Siegeszug der Schweizerin nicht aufhalten. Bencic gewann den zweiten Durchgang mit 7:5 und zog in das Achtelfinale der US Open ein. Die zweite große Überraschung des Tages hatte das Ausscheiden von der Deutschen zur Folge, der wir die größten Siegchancen gegeben hätten.

Belinda-Bencic

Kurz vor der Niederlage der an Position 6-gesetzten Kerber, war die Nummer 2 der Setzliste, Simona Halep aus Rumänien, sensationell gegen die Kroatin Mirjana Lucic-Baroni ausgeschieden. Die Siegerin gehört nicht zu den jungen Himmelsstürmern – sie ist 32 Jahre alt, spielt seit mehr als 10 Jahren auf der Profi- Tour und musste sich in Flushing Meadow durch die Qualifikation kämpfen.

Nach der leisen Enttäuschung über das verlorene Match von Kerber konnte man die bisherigen Favoritenstürze als gutes Omen für die anderen beiden deutschen Spielerinnen werten, die am Freitag eher als Außenseiter in ihre Partien gingen.

Auf dem Court im Grandstand konnte am frühen Abend in New York Andrea Petkovic gegen die an 11-gesetzte und wiedererstarkte Carolin Wozniacki das Omen zur Realität werden lassen. Spätstarterin „Petko“ hatte eine offensive Taktik gewählt, vergab aber einige Spielbälle und gute Punktchancen und geriet schnell mit 1:3 in Rückstand. Von Punkt zu Punkt steigerte sich die Darmstädterin und glich auf 3:3 aus. Die Dänin konnte jetzt aber noch „eine Schippe drauflegen“, ihr unterliefen weniger Fehler als ihrer Kontrahentin und sie gewann die nächsten drei Spiele in Folge zum 6:3-Satzgewinn. Im zweiten Durchgang misslangen der Deutschen besonders die  „Big Shots“. . Resultat: die ehemalige Weltranglistenerste aus Kopenhagen ging schnell 3: 0 in Führung. Auf den Kampfgeist von Andrea kann man sich verlassen: sie fightete sich zwischenzeitlich auf 2:4 heran. Wozniacki verlor aber nie ihre Zuversicht und Entschlossenheit. Die Dänin gewann dann  den zweiten Satz und das Match verdient mit 6:2. Die Hoffnung auf den ersten deutschen Sieg an diesem Tag war wie eine Seifenblase zerplatzt.

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Bevor unsere dritte Deutsche, Sabine Lisicki, auf den Platz ging, hatten weitere Favoritenstürze für Aufsehen gesorgt: Dominik Thiem aus unserem Nachbarland Österreich hätte es schon länger verdient, in unserem Blog positive Erwähnung zu finden. In seiner Auseinandersetzung mit dem an 11-gesetzten Gulbis lag er schon mit zwei Sätzen zurück, als er eine beeindruckende Aufholjagd begann und nach über drei Stunden den Favoriten aus Lettland im fünften Satz bezwingen konnte.

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Unserem italienischen Freund Fabio Fognini, an 15 gesetzt, half weder Zetern noch Schlägerwerfen bei seiner 3- Satz-Niederlage gegen den Franzosen Adrian Mannarino.  

Der Belgier David Goffin, der sich wie Thiem  in den letzten Wochen und Monaten  in den Vordergrund gespielt hat, zog mit einem klaren Sieg über den an 32-gesetzten Joao Sousa auch überraschend in das Achtelfinale ein.

Als „last hope“ aus deutscher Sicht ging dann Sabine Lisicki gegen Maria Sharapova in der Abendsession im Arthur Ashe-Stadium auf den Platz. „Bum Bum Bine“ wurde ihrem Spitznamen von Anfang an gerecht: Sie spielte aggressiv, aber viel zu hektisch. Obwohl Sharapova deutlich sichtbar nicht mit ihrer eigenen Leistung zufrieden war, gewann sie den ersten Satz klar mit 6:2. Im zweiten Durchgang reduzierte die Deutsche etwas ihre Fehlerquote, konnte mit der Vorhand punkten und ging 3:1 in Führung. Jetzt war die Russin herausgefordert, setzte entschlossen dagegen und gewann vier Spiele in Folge zum 5:3.  Am Ende des Satzes wurde plötzlich auf hohem Niveau gespielt, hochklassige Ralleys begeisterten das Publikum. Die Berlinerin wehrte bravourös zwei Matchbälle ab, verkürzte auf 4:5. Sharapova witterte den Sieg, schlug beeindruckende Winner und gewann mit 6:4 den 2.Satz und das Match.

French Open tennis tournament at Roland Garros

Drei deutsche Auftritte an diesem Tag – drei deutsche Niederlagen. “Unsere Frauen haben sich vom Acker gemacht.”

Unser Tagesfazit schaut in die Zukunft: Auf unseren Fed-Cup-Teamcaptain  Babara Rittner wartet vor dem Finale gegen Tschechien harte Arbeit – gerade im psychischen Bereich. Man hat den Eindruck, dass in den letzten Wochen unsere Kader-Spielerinnen ein wenig an „letzter Überzeugung“ und Selbstvertrauen verloren haben.

29. August 2014
von admin
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Nur Kohli gesellt sich zu unserem Damentrio

Auf den „blühenden Wiesen“ in New York haben sich die deutschen Tennisprofis bei den US Open bisher ganz gut geschlagen. Unsere aktuell drei besten Damen haben am Mittwoch komplett die dritte Runde des Grand Slams erreicht. Am heutigen Donnerstag konnten fünf deutsche Vertreter die kleine Erfolgsserie fortsetzen. Bis auf Kohlschreiber – und vielleicht Barthel – gingen  unsere Tennisprofis aber als klare Außenseiter auf die Courts von Flushing Meadow.

Philipp Kohlschreiber, der einzige gesetzte Deutsche (Position 22) im Herrenfeld, ging dann auch  als erster um 11 Uhr Ortszeit gegen den Franzosen Michael Llodra auf den Platz. „Kohli“ begann konzentriert, breakte sein Gegenüber früh und gewann den 1. Satz überlegen mit 6:2. Nach dem ersten verlorenen Punkt im zweiten Durchgang gab Llodra auf. Kohlschreiber zieht als vierter deutscher Teilnehmer in die dritte Runde ein.

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Jan-Lennard Struff hatte die Ehre, im Louis Armstrong Stadium gegen die amerikanische Tennishoffnung John Isner, an 13 gesetzt, anzutreten. Der Aufschlagriese aus dem Süden der USA spulte humorlos sein beschränktes, aber dafür gefährliches Repertoire, das fast ausschließlich auf dem gewaltigen Service aufbaut, gleich vom ersten Ball an ab. „Struffi“ trug die US-Nationalfahne auf dem Ärmel seines Schlagarmes – zeigte aber keinerlei Respekt vor dem Ami-Boy. Bis zum Tiebreak gewannen beide Kontrahenten ihre Servicegames. Am Ende des 1.Satzes hatte Isner 16 Asse geschlagen – ein Minibreak genügte ihm, um den 1.Durchgang mit 7:6 für sich zu entscheiden. Im zweiten Durchgang reichte ihm ein Break zum 6:4-Satzgewinn. Damit war der Widerstand des Deutschen gebrochen und das US-Aufschlagtier erreicht  mit 6:2 im dritten Satz die dritte Runde von Flushing Meadow.

Mona Barthel konnte sich gute Siegchancen gegen Varvara Lepchenko aus den USA ausrechnen. Bis zum 3:3 im ersten Satz gewannen beide Spielerinnen souverän ihre Aufschlagspiele. Dann verlor Mona ihr Servicegame. Den Rückstand konnte sie bis zum 4:6-Satzverlust nicht mehr aufholen. Im zweiten Durchgang kassierte die Neumünsteranerin gleich im ersten Spiel  ein Break. Die Art und Weise wie die Norddeutsche auch die nächsten fünf Spiele in Folge zum 0:6-Satz- und Matchverlust abgab, war beschämend – oder zumindest für uns unbegreiflich.

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Peter Gojowczyks Gegner, der an 5-gesetzte Kanadier Milos Raonic, hat nach Ansicht vieler Experten das Zeug, um den Durchbruch in die absolute Spitze schon in New York zu realisieren. „Gojo“ ließ sich von der Stadionatmosphäre und der Klasse des Gegners nicht negativ beeindrucken. Er trat selbstbewusst und mutig auf. Bis zum Tiebreak verlor keiner der Akteure sein Aufschlagspiel. Ein einziger leichter Fehler des Deutschen führte zum 6:7-Satzverlust.Der Deutsche hielt sein hohes Niveau auch im zweiten Satz. Ihm gelang jetzt früh ein Break, das er aber nicht nutzen konnte, weil er sein anschließendes Aufschlag-Spiel verlor. Mit einem weiteren Break sicherte er sich dann sogar den zweiten Durchgang mit 7:5. Der Kanadier setzte sich im 3.Satz wieder mit 6:4 durch. Peter kämpfte unverdrossen weiter, hatte Chancen, verlor dann aber den vierten Satz und das Match mit 6:7. Trotzdem war das ein hervorragender Auftritt des Müncheners!

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Im Arthur Ashe Stadium in der Abendsession wartete auf Matthias Bachinger mit dem Schotten Andy Murray ein absoluter Weltklassespieler. Von Anfang an bewies der Schotte, dass er sich jetzt Schritt für Schritt seiner Bestform nähert. Bachinger versuchte der Klasse seines gegners zu widerstehen, aber Murray hatte von Anfang an die Oberhand. Er gewährte seinem Gegner insgesamt nur drei Breakbälle, von denen der Deutsche keinen nutzen konnte. Murray verwandelte vier von zwölf Breakbällen und entschied dadurch das Match mit 6:3, 6:3 und 6:4 für sich.

Sensationen gefällig? Was unseren deutschen Teilnehmern am Donnerstag nicht gelang, machten uns Außenseiter aus anderen Nationen vor: Die an Position 8- gesetzte  Ana Ivanovic schied gegen die Tschechin Karolina Pliskova mit 5:7 und 4:6 aus. Immer wenn man von der Serbin den Sprung in die absolute Weltspitze erwartet, fällt sie in ein neues Loch.

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Sam Querrey aus den USA schlug den an 28-gesetzten Spanier Garcia-Lopez.

Die serbische Qualifikantin Aleksandra Kranic kämpfte sich auch gegen die US-Hoffnung Madison Keys, die an Position  27 gesetzt war, durch.

Als Entschädigung für das einheimische Publikum  siegte dann das 21-jährige US-Girl Nicole Gibbs gegen die Russin Pavlyuchenko, die beim New Yorker Turnier an Nummer 23 gesetzt war.

Kaia Kanepi bezwang in einem Thriller die an 24-gesetzte Australierin Stosur.

Am Freitag gehen wieder unsere besten Damen an den Start, um den Kampf um den Einzug in das Achtelfinale der US Open aufzunehmen.