12. Juni 2014
von admin
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On the road to Wimbledon

Nach dem Grand Slam in Paris wechseln die Profis vom roten Sand auf den grünen Rasen. Bei den „Gerry Weber Open“ in Halle/Westfalen trat die Weltklasse in dieser Woche an, um sich für Wimbledon einzuspielen.

gerrywopen

Philipp Kohlschreiber bleibt auch auf Rasen in der Erfolgsspur. Er hat die Umstellung bisher problemlos vollzogen. Kohli besiegte in Halle in der ersten Runde den Italiener Seppi mit 6:3, 6:4 und gab dann im Achtelfinale gegen den  Qualifikanten aus Frankreich, Pierre-Hugues Herbert, bei seinem 6:2, 6:4-Siegsogar noch ein Spiel weniger ab. Voraussichtlich trifft unser deutscher Spitzenspieler im Viertelfinale auf Rafael Nadal – eine Gelegenheit, dass aktuelle Können auf dem schnellen Boden optimal zu testen.

Eine erfreuliche Leistung auf dem noch ungewohnten Belag zeigte auch Peter Gojowzyk, als er in seinem Auftaktspiel den Polen Przysiezny mit 6:3, 6:4 besiegte. Im zweiten Match steigerte sich Gojo noch einmal. Mit 6:4 und 6:4 schaltete er den an Position 3-gesetzten Kanadier Eaonic aus und zog in das Viertelfinale ein.

gojowczyk

Rasta-Mann Dustin Brown verzauberte bei den Gery Weber Open das Publikum und seinen russischen Gegner Kuznetsov: Mit 6:3 und 6:4 zog er in die nächste Runde ein und trifft dort jetzt auf den topgesetzten Rafael Nadal.

brown

Benjamin Becker scheiterte in der ersten Runde an Gael Monfils mit 1:6, 5:7, obwohl der Franzose kundtat, dass er sich auf Grass überhaupt nicht wohl fühle. Diese selbsterfüllende Prophezeiung bestätigte sich dann im nächsten  Match des Paradiesvogels gegen den Japaner Nishikori: er unterlag 1:6, 6:3 und 3:6.

Leider konnte Jan-Lennard Struff seine Wildcard, die ihm der Veranstalter sinnvoller Weise gegeben hatte, nicht nutzen: er verlor gegen den Portugiesen Joao Sousa mit 4:6, 2:6. Heute wird Sousa gegen Roger Federer, der wie Nadal erst spät in das Turniergeschehen eingreift, antreten.

Als Favoritenkiller erweist sich in Halle der Kolumbianer Alejandro Falla. Erst bezwang er den Polen Lukasz  Kubot in drei Sätzen und mit dem kappen 7:6, 6:4-Sieg gegen den Niederländer Robin Haase zog er sogar in das Viertelfinale ein.

Auch bei dem Rasenturnier in Westfalen zeigt sich eine neue Entwicklung im internationalen Spitzentennis – es gibt keine eindeutig dominierenden Nationen mehr. Spieler von allen Kontinenten – noch mit der Ausnahme Afrikas – kämpfen sich erfolgreich in die Endrunden der großen Turniere. Das traditionsreiche Tennisland Schweden hat keine Tennisprofis in Aussicht, die unter die Top 100 vorstoßen können. Die USA und Australien können nur ab und zu Akteure  präsentieren, die sich nachhaltig bei den großen Turnieren in den Vordergrund spielen können. (Und Deutschland…? Zum Glück haben wir mit Andrea Petkovic und Angie Kerber zwei Repräsentanten, die jederzeit in die Finals vordringen können.)  Im Viertelfinale von Roland Garros dominierte bei den Herren  Spanien mit zwei Vertretern. Einzelne Spitzenprofis aus Frankreich, England, Serbien, Lettland, Kanada und  Tschechien komplettierten die Erfolgsgruppe. Bei den Damen war diese Tendenz ähnlich: Im Viertelfinale standen acht Spielerinnen aus sechs verschiedenen Nationen: Jeweils 2 Russinnen und Spanierinnen, eine Kanadierin, eine Rumänin, eine Italienerin und eine Deutsche.   

Während in Paris die Europäische Union das Welttennis dominierte, verteilt sich das aktuelle Teilnehmerfeld in Halle vor dem Viertelfinale auf drei  Kontinente: Asien (Nishikori, Lu Yen-Hsun), Amerika (Johnson, Falla) und Europa(Nadal, Federer, Sousa, Gabashvili und die Deutschen).

federer

Die Globalisierung schreitet auch im Tennis voran.

 

10. Juni 2014
von admin
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Perspektivische Nachbetrachtung der French Open 2014

Vor Monaten hatten wir die Bedeutung der Resilienz für herausragende Leistungen im Wettkampftennis zur Diskussion gestellt. Das Turnier in Paris, das in der vergangenen Woche beendet wurde, lieferte eine anschauliche Bestätigung unserer Gedanken.

roland garros

Sharapova und Halep, die Finalistinnen in der Damenkonkurrenz, schienen immer wieder schon geschlagen, widerstanden aber allen schwierigen Situationen, richteten sich auf und kamen zurück auf die Erfolgsspur. Auch unsere bravouröse Halbfinalistin Andrea Petkovic bewies in verschiedenen Phasen ihrer Matches außerordentliche Wettkampfhärte. Diese Stärke war in unserer Betrachtung die entscheidende Voraussetzung ihrer Erfolge. In ihrer ausgeprägten Widerstandskraft unterschied sie sich von den besiegten Konkurrentinnen.

Die Finalisten der Herrenkonkurrenz, Nadal und Djokovic, sind Prototypen für Resilienz. Der schottische Semifinalist, Andy Murray, war offensichtlich in einigen Spielen von Verletzungen geplagt, ließ sich niemals fallen, änderte seine Strategien situationsgemäß, schlug sich weiter durch und triumphierte am Ende -  außer im aussichtslosen Kampf gegen Rafael Nadal.

Als Novak Djokovic nach seinen größten  mentalen Stärken von der Fachpresse in Roland Garros gefragt wurde, antwortete er spontan: „Resilienz!“ Nach kurzer Pause fügte er Beharrlichkeit und Entschlossenheit hinzu. Die beiden letztgenannten Eigenschaften gehören in der wissenschaftlichen Diskussion zu dem Komplex, der Resilienz kennzeichnet. 

nolesieger  

Weitere konstitutive Eigenschaften von Resilienz sind Frustrationstoleranz, Offenheit für Veränderungen, Selbstvertrauen und die Zuversicht, Lösungswege für Probleme zu finden. Die Soziologen haben entdeckt, dass Kinder gerade in prekären Situationen diese mentalen Stärken lernen und ausbilden. In unserer Wohlstandsgesellschaft werden diese Fähigkeiten selten abverlangt. Um in Zukunft wieder eine führende Rolle im Welttennis zu spielen, sollte in Deutschland im Tennistraining deshalb jetzt mehr Wert auf das Lernen dieser Siegermentalität gelegt werden.                                                                  

Schaffen wir also mehr Situationen im Training von herausragenden Talenten, wo Beharrlichkeit, Offenheit für Veränderungen, eigene kreative Lösungswege und Entschlossenheit herausgefordert werden.  

In unseren Ohren klingt schon die Klage des Trainers, der in seinem täglichen Wirken von den Anforderungen der sogenannten  Spaßgesellschaft geprägt ist, dass bei dieser Art von Anforderungen die Schüler achselzuckend den Platz verlassen werden, um an „witzigeren Orten“  ihr Leben zu genießen.

Diese Erfahrung haben alle Trainer schon gemacht – aber es ist ein Fehler, sie zu verallgemeinern. Wir müssen differenzieren: es gibt noch immer Kinder und Jugendliche, die im Sport Leistungen erzielen wollen. Diese Jugendlichen sind das Reservoir, aus dem die zukünftigen Spitzenspieler geschöpft werden. Diese Talente haben Spaß, wenn ihnen ein guter Schlag gelungen ist. Ihre strahlenden Augen zeugen davon.

Suchen wir also mit wachen Augen diese leistungswilligen Schüler heraus, fassen wir sie in homogenen Gruppen zusammen und bilden wir sie mit klaren Anforderungsprofilen aus.   

Von denen läuft keiner so schnell zum Computer oder zum Fernseher weg. Die bleiben uns länger erhalten, weil sie auf der heimischen Tennisanlage beste Voraussetzungen zum Umsetzen ihrer Ziele haben. Und das dient dann auch einer soliden und nachhaltigen Mitgliederstruktur im Verein!

tenniskunst

P.S.

Auch wir verschließen nicht die Augen vor der Abwanderung von Spitzen-Talenten zu leistungsstarken Großvereinen. Wenn aber die Qualität des Trainings im Heimatverein besser ist als „anderswo“, wenn eine homogene Leistungsgruppe ( mit Teamgeist!) entwickelt wurde, sind diese Spieler/innen schlecht beraten, den Verein zu wechseln. 

 

8. Juni 2014
von admin
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Dramatisches Herrenfinale mit unrühmlichem Ende

Das Traumfinale der Herren bei den French Open 2014 zwischen  Nadal und Djokovic warf vor dem Aufeinandertreffen der beiden Champions einige Fragen auf: Wer wird nach dieser Auseinandersetzung die neue Nr.1 der Weltrangliste sein? Kann Nadal das fünfte Mal in Folge die French Open gewinnen? Seit 2005 hat er acht Mal in Rolland Garros triumphiert – nur unterbrochen von dem Titelgewinn Roger Federers im Jahr 2009. Ist Nole Djokovic in der Lage, seinen spanischen Konkurrenten  auf dessen Lieblingsbelag zu bezwingen? Kann der Serbe den einzigen Grand Slam-Titel, den er in seiner Karriere noch nicht gewinnen konnte, in diesem Jahr seiner Titelsammlung hinzufügen? In diesem Zusammenhang hing die letzte, aber wohl entscheidende Frage im Raum: Ist der Schützling von Boris Becker und Marian Wajda fit? Im Semifinale gegen den Letten Gulbis, gab es Momente, in denen es Anzeichen gab, dass Djokovic nicht vollkommen gesund angetreten war. Auf die Frage nach dem Geheimnis seiner herausragenden Erfolge, hatte der Djoker geantwortet: Resilienz, Beharrlichkeit und Entschlossenheit. (Rafael Nadal hätte auf diese Frage wahrscheinlich die gleichen Komponenten genannt…) Ohne körperliche Fitness sind diese mentalen Stärken aber kaum zu realisieren.

nole

„Die Antwort ist auf dem Platz“ – diese Phrase galt auch für den Kampf am Sonntagnachmittag auf dem ausverkauften Court Philippe Chartrier. Der Serbe wirkt fit. Im Anfangsstadium tasten die Kontrahenten sich noch ab. Im dritten Spiel deutet ein unglaublich intensiver, schneller und langer Ballwechsel an, was auf die Fans noch zukommen wird. Bis zur 4:3-Führung des Djokers steigt das Niveau stetig. Es hat noch keinen einzigen Breakball gegeben. Als Nadal aufschlägt, erkämpft sich sein Konkurrent zwei Breakpoints in Folge. Rafael wehrt ab. Nole holt sich den dritten Breakball, Rafa verschlägt einen leichten Vorhandschlag, der Mann aus Belgrad geht 5:3 in Führung. Der Spanier erspielt sich bei dem Servicegame des aktuellen Weltranglistenzweiten auch zwei Satzbälle. Vergibt beide nacheinander mit ungewohnten Fehlern bei eindeutigen Situationsvorteilen. Djokovic nutzt das Momentum und gewinnt den 1. Durchgang mit 6:3.

Im zweiten Durchgang bis zum 3:2 für Nadal gewinnen beide Spieler ihre Servicegames unangefochten. Dem Mann aus Mallorca gelingt dann das erste Break. Rebreak des Serben. Er gleicht bei eigenem Aufschlag auf 4:4 aus. Beide Finalisten wirken in dieser Phase angespannt, produzieren ungewöhnlich viele Fehler. Der Spanier feuert sich lautstark an, wird entschlossener und nimmt seinem Konkurrenten bei 6:5-Führung den Aufschlag ab und gleicht in Sätzen aus.

Spätestens im dritten Durchgang gewinnt man den Eindruck, dass der Djoker konditionell doch nicht voll auf der Höhe ist. Nadal nutzt seine Chance brutal, geht 3:0 in Führung. Djokovic versucht jetzt, die kräftezehrenden langen Ballwechsel zu verkürzen, rückt weiter vor, erhöht das Risiko und kommt damit wieder in das Spiel. Der Weltranglistenerste gibt aber das Heft nicht aus der Hand und setzt sich im dritten Satz mit 6:2 durch.

nadaltraining

Die Strapazen zeichnen sich schon länger im Gesicht des Serben ab. Das Feuer in den Augen scheint erloschen. Alles spricht für den Erfolg des Titelverteidigers im vierten Durchgang. Nole rettet sich anfangs mit seinen Aufschlagspielen über die Runden. Bei 2:3 wird ihm sein Service von Rafa abgenommen, als Nole zahlreiche vorteilhafte Situationen nicht abschließen konnte. Les jeux sont faits – das Spiel ist aus für Djokovic. Oder? Sprachen wir in den einleitenden Sätzen nicht von Resilienz? Der Serbe demonstriert diese  außerordentliche Widerstandskraft in den nächsten Punkten. Er breakt sofort zurück, gleicht danach zum 4:4 aus. Nadal gewinnt wieder sein Aufschlagspiel,Djokovic hat Spielbälle bei eigenem Service, kann sie nicht verwerten. Bei dem ersten Matchball Nadals findet der dramatische Kampf ein unrühmliches Ende. Beim zweiten Aufschlag des Djokers brüllt ein fanatischer Zuschauer in seinen Ballwurf hinein. Djokovic lässt den Ball fallen, das Publikum lärmt. Der Serbe serviert einen Doppelfehler.

finallondon

Das Spiel ist aus – Nadal hat zum fünften Mal nacheinander die French Open gewonnen! Er bleibt die Nr.1 der Weltrangliste.